Stadtcasino Baden AG: „Es ist fraglich, ob die Branche den Abwärtstrend stoppen kann“

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Detlef Brose, CEO Grand Casino Baden, Bild: zvg
Detlef Brose, CEO Grand Casino Baden, Bild: zvg

Im vergangenen Jahr hat die Casinobranche in der Schweiz nochmals Erträge verloren. Für das laufende Geschäftsjahr äussert sich Detlef Brose, CEO des Grand Casino Baden, im Interview mit dem „schweizeraktien.net“ zurückhaltend in Bezug auf die weitere Entwicklung der Branche. Mit seinen Betrieben in Baden und Davos befindet er sich allerdings auf Vorjahreskurs. Brose fordert zudem schärfere Strafbestimmungen für illegales Glücksspiel sowie eine beschleunigte Zulassung beim Online-Gaming in der Schweiz. Am 11. Juni findet ab 17 Uhr die Generalversammlung der Stadtcasino Baden AG statt. Die Stadtcasino Baden-Gruppe erzielte 2013 einen Bruttoumsatz in Höhe von 81.9. Mio. CHF (Vorjahr: 109.3 Mio. CHF) und konnte einen Reingewinn von 4 Mio. CHF ausweisen (siehe Geschäftsbericht 2013).

Herr Brose, im letzten Jahr musste das Grand Casino in Baden wegen des neu eröffneten A-Casinos in Zürich beim Umsatz kräftig Federn lassen. Hat sich dieser Abwärtstrend seit Jahresbeginn fortgesetzt?

Wir sind froh darüber, dass die Bruttospielerträge (BSE) in Baden seit Jahresbeginn nicht weiter zurückgegangen sind. Wir bewegen uns bisher auf Vorjahresniveau und liegen auf Budgetkurs. In Davos hatten wir einen starken Januar. Obwohl die Einnahmen aus dem Spiel in den letzten Monaten etwas zurückgegangen sind, liegen wir mit unserem Davoser Casino sogar über dem Vorjahr.

Welche Erwartungen haben Sie für das Gesamtjahr?

Im laufenden Geschäftsjahr sollten wir auf Gruppenstufe das Vorjahresergebnis wieder erreichen können. Allerdings steht in den nächsten Wochen die Fussballweltmeisterschaft bevor. Diese könnte sich negativ auf den Spielertrag auswirken. Wir werden natürlich mit speziellen WM-Angeboten versuchen, Gäste in die Casinos zu holen.

Die ganze Branche hat im letzten Jahr, trotz der zwei Neueröffnungen, nochmals Spielerträge verloren. Geht dieser Trend auch im laufenden Jahr weiter, oder zeichnet sich eine Stabilisierung auf tiefem Niveau ab?

Ich betrachte die Entwicklung hier weiterhin kritisch und halte es für fraglich, ob die Branche im laufenden Jahr den Abwärtstrend stoppen kann. Allein durch die Konkurrenz im Internet und das illegale Spiel stehen die konzessionierten Casinos weiterhin unter Druck.

Derzeit befindet sich der Entwurf für ein neues Geldspielgesetz in der Vernehmlassung. Welche Verbesserungen erhoffen Sie sich durch das neue Gesetz?

Ein wichtiges Anliegen unsers Verbandes ist es, dass die Strafbestimmungen für illegales Glücksspiel verschärft werden. Zudem fordern wir, dass Online-Casinos früher zugelassen werden, als mit dem langjährigen Gesetzgenehmigungsverfahren voraus zu sehen ist. Demnach würde mit dem BGS der Online-Spielmarkt erst ab 2018 freigegeben werden. Das ist viel zu spät. Denn bis dahin haben die ausländischen Anbieter von Internetglücksspielen weitere Marktanteile gewonnen. Ausserdem muss der Zulassungsprozess von neuen Spielangeboten beschleunigt und die Abgrenzung gegenüber den Lottogesellschaften klarer definiert werden.

Würde das Grand Casino in Baden in das Online-Gaming investieren?

Dies ist derzeit ein Punkt unserer Strategiediskussion und hängt auch von der Ausgestaltung des neuen Gesetzes ab. Es ist fast sicher, dass wir uns um die Konzessionserweiterung bewerben würden.

Sie haben sich um eine Konzession für ein Spielcasino in Wien beworben. Die Entscheidung steht seit Ende letzten Jahres aus. Wann erwarten Sie einen Bescheid, und welche Chancen rechnen Sie sich angesichts der starken Konkurrenz, insbesondere durch den Platzhirsch Casinos Austria, aus?

Nach unseren letzten Informationen hoffen wir nun mit einem Entscheid vor der Sommerpause. Wir denken nach wie vor, dass wir mit unserem Konzept sehr gute Chancen haben. Dies insbesondere, wenn der Entscheid objektiv und nicht aufgrund von politischen Kriterien gefällt wird.

Im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt verfolgen Sie ebenfalls zwei Casinoprojekte. Zudem wollten Sie auch in Vaduz ein Casino eröffnen. Wie weit sind Sie bei diesen Projekten?

In der Stadt Leuna in Sachsen-Anhalt werden wir das Casino im Spätherbst eröffnen. In Magdeburg sind wir noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Allerdings halten wir an diesen Betrieben nur eine Minderheitsbeteiligung von 25%, so dass der Einfluss auf das Ergebnis der Stadtcasino Baden-Gruppe eher gering sein wird. In Liechtenstein rechnen wir mittelfristig nicht mit der Eröffnung eines Casinos. Es wird noch Jahre dauern, bis hier die Gerichte entscheiden und der Vergabeprozess beendet ist.

Wo setzen Sie in diesem Jahr in Baden die Schwerpunkte?

Wir haben vor einem halben Jahr ein neues Sozialkonzept in Baden eingeführt. Durch ein digital basiertes System können unsere Mitarbeiter viel einfacher über Fälle des Sozialkonzeptes entscheiden als bei der reinen Beobachtung der Spieler. Das neue Konzept hat zu einer leichten Erhöhung der Sperren geführt. Aufgrund einer erneuten Verbesserung unseres Sozialschutzes betrachten wir das neue System als Erfolg. Zudem investieren wir dieses Jahr auch in ein neues Kundenmanagementsystem sowie Kundenbindungsprogramme. Dies natürlich unter Beibehaltung des hohen Niveaus unseres Sozialkonzeptes.

Seit der Publikation des Jahresabschlusses 2013 im April ist der Aktienkurs der Stadtcasino Baden AG etwas unter Druck gekommen. Der letztbezahlte Kurs lag bei 520 CHF. Die Kursentwicklung hängt sicherlich primär mit der Reduktion der Dividende auf 15 CHF (Vorjahr: 25 CHF) zusammen. Begründet wird sie von Seiten der Gesellschaft mit dem Gewinnrückgang auf 4 Mio. CHF sowie den Investitionen, die im Falle eines positiven Konzessionsentscheides für Wien anfallen würden. Die Investitionen in das Wiener Projekt in Höhe von rund 50 Mio. EUR und deren Finanzierung dürften vorerst die Jahresrechnung belasten, bevor im 2. vollen Betriebsjahr der BSE die anvisierten 27 Mio. EUR erreicht. Bei einer Spielbankenabgabe in Höhe von 30% könnte das Betriebsergebnis für Wien dann bei rund 3 Mio. EUR (ca. 3.6 Mio. CHF) liegen, wovon etwa 2.1 Mio. CHF der Stadtcasino Baden (Beteiligung an Wien: 66.7%) zugerechnet werden dürfen. Damit würde der Gewinnrückgang, welcher im letzten Jahr durch die neue Konkurrenz in Zürich verursacht wurde, zumindest teilweise kompensiert werden. Sofern die Stadtcasino Baden AG die Konzession für Wien erhält, dürften die Auswirkungen auf das Gesamtergebnis – bei einem gleich bleibenden BSE in Baden – daher positiv sein. Zudem würden weitere BSE-Rückgänge dank der neuen Erträge aus dem Wiener Projekt egalisiert. In diesem Fall könnten die Aktionäre in zwei bis drei Jahren eine Rückkehr zur Ausschüttungshöhe der letzten Jahre von (mindestens) 25 CHF je Aktie erwarten. Kommt das Projekt in Wien nicht zustande, wäre es ebenfalls möglich, dass die Dividende durch den Wegfall der Investitionen wieder erhöht wird. Mit einem KGV von 13 und einer Dividendenrendite von 2.8% ist die Aktie daher derzeit nicht zu teuer. Ein positiver Entscheid zu Wien dürfte dem Aktienkurs jedoch wieder neue Impulse verleihen. Denn so könnte es der Stadtcasino Baden AG gelingen, aus dem von starkem Wettbewerb und zunehmender Regulation geprägten Schweizer Casinomarkt auszubrechen.

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