Stadtcasino Baden AG: Tochter wird zur Konkurrentin

Der Verkauf des Casinos Davos an die Ardent-Gruppe liegt in verschiedenen Plattformen begründet

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Mit dem Weltmarktführer Pokerstars bietet das Casino Davos Spielern legal das Online-Pokern an. Bild: casino777.ch

Mit der Schliessung der ausländischen Online-Casinos im Jahr 2018 wurde vor allem eine Community hart getroffen, die Strategie und Erfahrung in ihr Spielerlebnis einbringt und nicht alleine vom Glück abhängig sein will – die Poker-Community. Auf einmal gab es keine Möglichkeit mehr, in der Schweiz legal online zu pokern. Die Schweizer Online-Casinos, die ab 2019 auf den Markt kamen, scheuten sich vor dem Aufwand, der ein Aufbau einer eigenen Plattform bedeutet.

Jetzt hat sich das Online Casino 777.ch mit dem Weltmarktführer in Sachen Poker, Pokerstars, zusammengetan und bietet ganz legal das Spielen in der Schweiz an. Das sind gute Nachrichten für Pokerspieler – und nicht so gute Nachrichten für die Stadtcasino Baden AG, die kürzlich bekannt gegeben hat, sich von der 46%-Beteiligung am Casino Davos, das Betreiber von 777.ch ist, zu trennen.

Verschiedene Plattformen als Grund für Trennung

Die Gründe der Trennung liegen vor allem in den verschiedenen Plattformen, auf denen casino777.ch bzw. jackpots.ch, der Online-Ableger des Stadtcasinos Baden, laufen. Das Davoser Projekt casino777.ch wurde auf der Plattform eines Drittanbieters aufgesetzt, während für jackpots.ch die Tochterfirma Gamanza eine eigene Plattform unter dem Markennamen «GaminGenius» entwickelte. Diese Plattform werde mittlerweile nicht mehr nur von jackpots.ch, sondern auch von fünf weiteren Schweizer Casinos für deren Online Casinos eingesetzt, teilt das Stadtcasino Baden mit.

Die Weiterentwicklung der Davoser Online Plattform hätte wesentlich höhere Investitionen erfordert, als das dem ursprünglichen Businessplan entsprach, nennt Michael Böni, CEO der Stadtcasino Baden AG, als einen der Gründe für den Verkauf der Anteile an den bisherigen Davoser Minderheitsaktionär, die belgische Ardent-Gruppe. «Wir mussten uns überlegen, wieviel Sinn es macht, Geld in die Entwicklung der Software-Plattform einer Drittfirma zu stecken, wo wir gleichzeitig mit Gamanza eine eigene und darüber hinaus noch sehr erfolgreiche Softwareplattform im Portfolio haben.»

Gamanza compliant für einen Markt mit hoher Regulierungsdichte

Gerade das Beispiel Davos zeige ja, dass sich die international bereits tätigen Plattformbetreiber und Softwareentwickler schwer mit den regulatorischen Vorgaben der Schweiz täten und einen grossen Aufwand betreiben müssten, um ihre Software-Lösungen compliant zu machen für einen Markt mit hoher Regulierungsdichte, sagt Böni gegenüber schweizeraktien.net

«GaminGenius» von Gamanza sei demgegenüber von Beginn weg für Märkte mit solchen Rahmenbedingungen entwickelt worden. Das eröffne gute Marktchancen in allen Ländern, die demnächst Online-Casinos zulassen wollen, aber gleichzeitig strenge Regeln für die Betreiberinnen etablieren, so Böni weiter.

Aber der Wermutstropfen Poker bleibt. Michael Böni bedauert: «Das war sicherlich bei dieser Transaktion einer der Aspekte, die weh getan haben, gerade weil Pokerstars weltweit der klare Marktführer ist und das für casino777.ch natürlich ein strategischer Zug von grosser Bedeutung war und ist. Die Zusammenarbeit bringt sicherlich zusätzlichen Traffic für casino777.ch.»

Fazit

Böni ist mit dem Geschäftsverlauf für das laufende Geschäftsjahr unter Berücksichtigung der corona-bedingten Einschränkungen zufrieden. Schon 2020 lief das Geschäft mit 30% Umsatzwachstum und einer Gewinnsteigerung von 10% dank des Online-Casinos hervorragend. Man darf gespannt sein, wie sich die Bruttospielerträge (BSE) insbesondere des landbasierten Casinos in 2021 entwickeln, zumal wesentlich weniger corona-bedingte Einschränkungen den Geschäftsgang belasten, als das 2020 der Fall war.

Dass jetzt Davos von der Tochter zum Konkurrenten wird, kann Baden verschmerzen. Die Umsätze betrugen nur einen Bruchteil des Mutterhauses, und auch wenn Davos jetzt Online-Poker anbietet, so dürfte die Marge nach Abzug der Anteile an den Lizenzgeber überschaubar sein. Und, da halten sich die Badener aber bedeckt, vielleicht kommt ja ein anderer Poker-Anbieter bei jackpots.ch zum Zuge. Vielmehr dürfte schmerzen, dass so mancher Spieler und manche Spielerin über Poker auch an die anderen Online-Games von 777.ch herangeführt wird. Und Spieler und Spielerinnen sind heiss umworben im immer weiter wachsenden Markt der Online-Casino-Anbieter in der Schweiz.

Für die Aktionäre der auf OTC-X gelisteten Gesellschaft könnte sich der Verkauf von Davos lohnen, der Verwaltungsrat wird sich nach den Worten von Böni sicher mit der Frage einer Sonderdividende für 2021 befassen.

Kursverlauf (Geld) der Aktie der Stadtcasino Baden AG. Quelle: otc-x.ch

Die Aktie der Stadtcasino Baden AG notiert zurzeit bei einem Geldkurs von 650 CHF um 10% unter dem Jahreshoch, das im Frühjahr bei 720 CHF lag.

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