Weiss + Appetito Holding: „Die Entwicklung ist auch nach dem 1. Quartal sehr positiv“

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Pio Brönnimann war seit 1975 für die Weiss+Appetito-Gruppe tätig. Bild: zvg
Pio Brönnimann war seit 1975 für die Weiss+Appetito-Gruppe tätig. Bild: zvg

Pio Brönnimann war bis zur Generalversammlung am 23. Mai 2014 Verwaltungsratspräsident der Weiss + Appetito Holding AG. Er führte zwischen 1988 und 1998 die Gesellschaft als CEO und Verwaltungsratspräsident in Personalunion. Seit 1998 beschränkte er sich auf das VR-Präsidium. Das Unternehmen hat sich auf die Bereiche Bausanierung, Begrünung, Böden und Beläge, Energie- und Bauberatung, Rohrleitungen, Saugen und Blasen sowie Telekommunikation spezialisiert. Im Jahr 2013 erzielte die Gesellschaft ein Umsatzplus von 13.9% auf 137.3 Mio. CHF. Nur um knapp 2% auf 7 Mio. CHF legte indessen der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) zu. Mit einer EBITDA-Marge von gut 5% wurde die von Brönnimann als Zielgrösse benannten 10% deutlich verfehlt. Neben dem allgemeinen Margendruck litt vor allem die Telekomsparte unter Schwierigkeiten, die unter anderem mit einem Führungswechsel angegangen wurden. Für das laufende Jahr ist Brönnimann daher vorsichtig optimistisch, warnt aber zugleich vor zu hohen Erwartungen. Für ihn bestehe kein Anlass in das boomende Neubaugeschäft einzusteigen, so der scheidende VRP im Interview mit schweizeraktien.net. Dieses margenschwache Massengeschäft passe nicht zur Strategie von Weiss + Appetito. Auch vergibt die Gesellschaft trotz des hohen Margendrucks keine Aufträge zu Konditionen, welche die eigenen Zielkorridore einer EBITDA-Marge von 10% nicht erreichen.

Herr Brönnimamm, seit einigen Jahren herrscht ein regelrechter Boom in der Baubranche, dies vor allem bei Neubauten. Die Weiss + Appetito-Gruppe partizipiert hieran nur sehr eingeschränkt. Wäre daher der Einstieg in dieses Geschäft für Sie nicht auch eine gute Möglichkeit, zusätzliches Wachstum und Synergien im Konzern zu generieren?

Nein, der Einstieg ins Neubaugeschäft stellt für uns keine valable Option dar. Beim Neubaugeschäft handelt es sich um ein Massengeschäft, welches nicht zu unserer Strategie passt, die darauf basiert, als Nischenanbieter tätig zu sein. Zudem wären Synergien mit unseren Geschäftsfeldern allenfalls in sehr geringem Umfang bei der Buchhaltung denkbar.

Wie hoch ist der Umsatzanteil im Ausland und wie sind die Margen dort absolut? Und im Vergleich zum Schweizer Heimmarkt?

Wir haben im 2013 einen Umsatzanteil von 22% im Ausland erzielt. Die Margen sind je nach Sparte sehr unterschiedlich. Im Bereich Telekom erzielten wir in Deutschland eine schwächere Marge als im schweizerischen Heimmarkt. Im Gegenzug erwirtschaften wir im Geschäftsfeld Saugen und Blasen ausserhalb der Schweiz die besseren Margen.

Wie verläuft die Sparte Bausanierungen im laufenden Jahr und wie sehen Sie die Zukunft?

Der Jahresauftakt fiel dank des warmen Wetters in den Wintermonaten mit mehr Umsätzen und etwas höheren Margen besser als im Vorjahr aus. Insgesamt bin ich eher positiv für den weiteren Geschäftsverlauf. Allerdings ist dies massgeblich von externen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, abhängig. Neben den Energiepreisen sind hier insbesondere die politischen Rahmenbedingungen wie etwa der Klimarappen zu erwähnen. Die Aussichten mehr Erlöse generieren zu können, ruft auch unsere Konkurrenten dazu auf, ihre Kapazitäten zu erweitern. Der höheren Nachfrage wird ein entsprechendes Angebot gegenüberstehen, so dass keine weitere Margenverbesserung zu erwarten ist.

In der Schweiz existieren sehr viele Häuser aus den 60er und 70er Jahren, die bislang kaum saniert wurden, und vor allem energetisch in einem schlechten Zustand sind. Welche Entwicklung erwarten Sie bei diesen Liegenschaften – werden diese eher abgebrochen und durch Neubauten ersetzt oder saniert?

Hier sehe ich eine Zweiteilung des Marktes. Die sogenannten grossen Liegenschaften, d.h. Gebäude mit mehreren Wohneinheiten und gewerbliche Liegenschaften werden abgebrochen. Dies geschieht vor allem aus Renditegründen der meist professionellen Besitzer, welche die Chance ergreifen, verdichtet zu bauen und so zusätzliche Nutzflächen zu erreichen. Die kleinen Liegenschaften werden oft von privaten Eigentümern gehalten, die nicht zuletzt aus sentimentalen Gründen an ihrem Haus festhalten und die Substanz erhalten wollen. Zudem spielen die deutlich tieferen Kosten für die Sanierung eine entscheidende Rolle.

Dies lässt doch vermuten, dass eine Verschiebung vom Neubau hin zu Sanierungen von bestehenden Gebäuden zumindest in Kürze erfolgen sollte. Können Sie derartige Tendenzen bei Ihrem Geschäft erkennen?

Bisher ist keine solche Tendenz zu sehen, obwohl dies in der Tat zu erwarten wäre.

Im letzten Jahr haben Sie die Zielmargen in den einzelnen Sparten teilweise deutlich verfehlt. Können Sie uns sagen, welche Gewinnspannen Sie in den verschiedenen Geschäftssparten anstreben?

Wir streben auf Konzernebene eine EBITDA-Marge von 8% an.

Bei der Sanierung von Altbauten bestehen verschiedene Möglichkeiten, Subventionen zu erhalten. Bieten Sie Ihren Kunden hierbei Unterstützung bei der Wahl der Sanierungsmassnahmen und übernehmen allenfalls sogar das Beantragen von Subventionen für den Kunden?

Im Rahmen unserer ganzheitlichen Beratung (CASVITA) bieten wir den Kunden die gesamte Servicepalette inklusive dem Beantragen von Subventionen an. Dazu gehört auch die umfassende Information über die oftmals grossen steuerlichen Vorteile bei Sanierungen. Dies unterscheidet uns von den Konkurrenten, die oftmals nur einzelne Teilleistungen anbieten.

Der Geschäftsgang hat sich im ersten Quartal 2014 dank des guten Wetters positiv entwickelt. Können Sie einen möglichst detaillierten Ausblick für das Gesamtjahr geben?

Die bisherige Entwicklung ist auch nach dem ersten Quartal sehr positiv verlaufen. Wir haben deutlich mehr Umsätze als budgetiert erzielt. Auch wenn bisher alles im grünen Bereich verläuft, besteht die Gefahr der Überhitzung. Dies bedeutet, dass die hohe Arbeitsbelastung zu späteren Qualitätsmängeln und daraus resultierenden Kosten führen könnte. Für das Gesamtjahr kann ich noch keine Prognose machen, eine deutliche Verbesserung liegt aber durchaus drin.

Im letzten Jahr hat vor allem die Telekomsparte die Margenziele verfehlt, aber auch weitere Geschäftsfelder sind hinter den Erwartungen zurück geblieben. Ist es für Sie eine Option, einzelne Sparten, insbesondere das Telekomgeschäft, aufzugeben?

Nein, wir halten an unseren heutigen Geschäftseinheiten fest. Besonders die von Ihnen angesprochene Telekomsparte entwickelt sich nach den Turbulenzen der letzten beiden Jahre sehr positiv. Auch die übrigen Sparten entwickeln sich im Schnitt gemäss Budget.

Die Weiss + Appetito Holding ist ein Nischenplayer in der Baubranche mit einer bewussten Fokussierung auf die Spezialitäten Sanierung und Unterhalt bestehender Liegenschaften. Im stark umkämpften und sehr margenschwachen Neubaugeschäft ist das Unternehmen nicht tätig. Die Aktien der Gesellschaft wurden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank letztmalig zu Kursen von 310 CHF gehandelt. Derzeit liegt der Geldkurs bei 310 CHF und der Briefkurs beträgt 318 CHF. Nach einem unterdurchschnittlichen Jahr 2013, in dem die Gesellschaft mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, befindet sich Weiss + Appetito im Jahr 2014 auf profitablem Wachstumskurs. Somit sollten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn deutliche Zuwächse zu sehen sein. Unter der Annahme eines 15%igen Gewinnanstiegs notieren die Aktien aktuell mit einem KGV von rund 13 für das laufende Jahr und sind damit nicht zu teuer. Die Titel weisen unter der Prämisse einer gleichbleibenden Ausschüttung eine attraktive Dividendenrendite von 3.4% auf und werden mit einem Abschlag von knapp 20% zum ausgewiesenen Buchwert gehandelt. Der Abschlag zum Buchwert dürfte zumindest teilweise auf der Zweiteilung des Aktienkapitals zurückzuführen sein. Die Gesellschaft verfügt, neben den 53’500 handelbaren Namenaktien im Nennwert von 39 CHF, noch über 66’000 Stimmrechtsaktien im Nennwert von 9.75 CHF. Diese Stimmrechtsaktien sind mit den gleichen Stimmrechten ausgestattet, wie die Namensaktien, benötigen jedoch nur einen geringeren Kapitaleinsatz. Sie werden vom Management und nahestehenden Personen gehalten, welche so bei einem Kapitalanteil von 23.6% über einen Stimmenanteil von 55.2% verfügen. Solange dieses Ungleichgewicht bestehen bleibt, dürfte auch der Abschlag der handelbaren Stammaktien zum Buchwert bestehen bleiben. Die Aktien können dennoch als eine attraktive Anlage im Baunebensektor betrachtet werden. Auf mittel- bis langfristige Sicht sollten die Aktien eine interessante Performance aufweisen.

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