Schweizer Aktien Favoriten 2024: Aprilscherze oder Rückkehr der Bären?

Aktienindizes im Rückwärtsgang

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In der griechischen Mythologie verkörperte die Harpyie, der grösste und stärkste Greifvogel, die Sturmwinde: schnell wie der Wind und damit unverwundbar. Bild: stock.adobe.com

Der sprichwörtlich launenhafte April brachte an der Börse eine kalte Dusche, gefolgt von einer technischen Erholung. Ein Grossteil der bisherigen Jahresgewinne mit Schweizer Aktien ist weggeschmolzen. Konsolidierung, Kräftesammeln für den nächsten Gipfelsturm oder Früh-Indikator für Schlimmeres?

Der Small- und Mid-Cap Index SPIEXX liegt seit Anfang Jahr noch 1,7% vorne, der OTC-X Liquidity-Index 1%. Nach dem ersten Quartal war es rund die dreifache Performance. Die grossen internationalen Indizes wie S&P 500, DAX oder Nikkei gaben Boden preis, die eigentlichen Auslöser waren aber der Renditeanstieg an den Anleihemärkten und die scharfe Korrektur bei den Tech-Aktien.

Trendwende bei Barry Callebaut

Der Optimismus der Anleger in der Schweiz ist zwar noch nicht verflogen, doch die Jahresabschlüsse und die Nachrichten aus Unternehmen und Wirtschaft sind zunehmend durchwachsen. Der Multi Nestlé ist mit gedämpftem Tempo ins Jahr gestartet, Impulse aus der Automobilbranche fehlen und der exorbitante Preisanstieg bei Kakao beschäftigt alle Schweizer Chocolatiers. Barry Callebaut konnte sich im ersten Geschäftshalbjahr entgegen dem Industrietrend verbessern. Der Umsatz stieg um 11,1%, der Gewinn fiel jedoch um zwei Drittel auf 76.8 Mio. CHF. Den Hintergrund bildet die Restrukturierung, die auch mit Werksstillegungen und Entlassungen einhergeht, was zunächst Kosten verursacht. An der Börse überwiegen die positiven Einschätzungen zur Entwicklung, der Kurs konnte deutlich zulegen. Offensichtlich stellt sich das Management der Herkulesaufgabe, den weltgrössten Kakaoverarbeiter auf Kurs zu bringen – und die Investoren fassen neues Vertrauen. Immerhin besteht ein überdurchschnittliches Kurspotenzial, wenn der historische Höchstkurs als Messlatte genommen wird.

Chart Barry Callebaut
Der Kurs von Barry Callebaut zeigt Aufwärtstendenzen. Chart: six-group.com

Auf Wachstumskurs

Bei den Small- und Mid-Caps bleibt die teilweise hohe Volatilität erhalten. Gewinnrezessionen, höhere Kosten und auch Dividendenkürzungen wie bei Komax sind an der Tagesordnung. Die Kursentwicklung folgt nicht immer rationalen Mustern. Beispiele sind Straumann, Lonza oder auch Interroll. Worauf es ankommt, ist, ob die Perspektiven die teilweise hohen Bewertungen rechtfertigen und echtes Kurssteigerungspotenzial besteht. Die Unternehmen der Favoritenliste nutzen ihre Chancen. Komax hat Anfang April eine Übernahme in China getätigt, Medartis eine unbesicherte Wandelanleihe im Volumen von 115.8 Mio. CHF begeben, die mit 3% Verzinsung ausgestattet ist und bis 2031 läuft. Der Erlös soll für Finanzierungszwecke und Akquisitionen verwendet werden. Die hohe Schwankungsbreite und die zeitweiligen Buchverluste sind im gegebenen nervösen Börsenumfeld gerade bei Small- und Mid-Caps hinzunehmen. Wie schnell eine Trendwende erfolgen kann, hat sich im März bei Medartis gezeigt – und ist aktuell bei Barry Callebaut zu sehen. Durchschnittlich weisen die vier an der SIX kotierten Favoriten nach vier Monaten eine Entwicklung von -11,3% auf, der Nebenwerte-Index SPIEXX stieg dagegen um 1,4%.

Performance-Unterschiede

Umgekehrt sieht es bei den ausserbörslich gehandelten Aktien aus. Während der OTC-X Liquidity Index seit Anfang Jahr um 1% gewinnen konnte, stiegen die vier ausserbörslichen Favoriten um durchschnittlich 5%. Eine prozentual zweistellige Performance erzielt Cendres+Métaux mit 11,8%. Das Unternehmen präsentierte einen überzeugenden Jahresabschluss 2023 mit deutlichen Steigerungen auf allen Gewinnebenen. Die Aktienumsätze haben sich dennoch kaum belebt. Im gesamten Monat April wechselten gerade 10 Aktien den Besitzer, seit Anfang Jahr 68. Trotz mancher Unsicherheiten erscheint die Aktie mit einem KGV von 6.4 und einem KBV von 0.56 unterbewertet. Immerhin hat sich die Geld-/Briefspanne verringert.

Der OTC-X Liquidity Index legte seit Jahresbeginn um 1% zu. Chart: otc-x.ch

Bei Weiss+Appetito, Espace Real Estate und Weleda gab es keine wesentlichen Veröffentlichungen im April. Die Aktien sind gegenüber dem Vormonatsultimo leicht zurückgegangen. Mit besonderer Spannung wird der erste Jahresabschluss von Weleda in der Ägide der neuen CEO Tina Müller erwartet. Ihr ist zuzutrauen, dass sie den traditionsreichen und weltweit bekannten Weleda-Konzern auf ein neues Level hieven kann.

Wertschöpfung und Management

Neben guten Produkten und Services sowie überzeugendem Zahlenwerk kommt es für Investoren vor allem auf drei Dinge an: Management, Management, Management! Das Beispiel Cendres+Métaux zeigt durchaus eindrucksvoll, dass ein agiles, talentiertes und durchsetzungsstarkes Management auch aus Krisen Kraft schöpfen kann, um dann entschlossen die Chancen zu nutzen. Mit solchen Turnaround-Stories lassen sich an den Börsen in aller Regel hohe Gewinne realisieren. Cendres+Métaux und Weleda könnten beweisen, dass auch die Ausserbörse eine wertschaffende Arena für Erfolgsgeschichten sein kann, die vom Management geschrieben werden.

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