Menzi Muck AG: Neuer Vertriebspartner in China und Grossauftrag aus Indonesien

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Menzi Muck A71: Einsatz im Muotathal. Bild: schweizeraktien.net

Die Menzi Muck AG aus dem St. Galler Rheintal ist im OTC-X-Segment – man höre und staune – das beste Beispiel dafür, wie soziale Medien den Informationsfluss und auch den Umgang mit Informationen verändert haben.

Wer – gerade auch als Aktionär – wissen will, was beim einzigen Schweizer Baggerhersteller Menzi Muck, dessen Aktien auf der OTC-X-Plattform der BEKB gehandelt werden, passiert, sollte unbedingt dem Facebook–  oder YouTube-Kanal des Unternehmens folgen. 6’440 Facebook-„Likes„, ein Zuwachs um 0.9% gegenüber der Vorwoche, und 2’668 Youtube-Kanal-Abonnenten (Stand: 17. Dezember 2014) sprechen Bände.

Menzi Muck ist vorbildlich hinsichtlich der Verwendung neuer sozialer Medien und Netzwerke, um die eigenen Produkte einem grösseren Publikum in unterhaltsamer Form zu präsentieren und so auch Werbung in eigener Sache zu betreiben. Auf diese Weise entsteht ein „Community-Gedanke“, und man bindet Kunden und Interessenten an das Unternehmen und die Marke. Während etwa die Aktionäre mit Informationen zum aktuellen Geschäftsgang und Neuigkeiten auf der Homepage des Unternehmens – die in ihrem Aufbau einen optischen wie inhaltlichen Relaunch gut vertragen würde – eher sehr sparsam gefüttert werden, präsentiert sich das Unternehmen auf Facebook und Youtube von seiner besten und informativsten Seite – mit zahlreichen Beiträgen aus der spannenden Menzi Muck-Welt in kurzer Folge. Das Unternehmen kann davon nur profitieren!

Gerade der Facebook-Kanal der Menzi Muck AG zeigt dabei im Zeitablauf erstaunliche Aktivitäten und jüngste Vertriebserfolge im asiatischen Raum, die für die weitere Entwicklung des Unternehmens in wichtigen Exportmärkten, die traditionell auf Schweizer Qualität setzen, sehr vorteilhaft sein sollten.

Am 7. November 2014 teilte die Menzi Muck AG der Facebook-Community mit, dass „diese Tage (…) 7 Menzi Muck M540“ nach Indonesien zur PT. Raja Buana Makmur (Jakarta) gehen, zugleich Vertriebspartner der Menzi Muck AG in Indonesien. Der Auftrag aus Fernost hat ein Volumen von ca. 2 Mio. CHF, und dabei handelt es sich aussagegemäss „um den grössten Auftrag in der fast 50-jährigen Firmengeschichte“ (Abbildung 1). Die sieben Menzi Muck M540 sollen in der indonesischen Metropole Jakartazum Ausbaggern der völlig verschmutzten und verstopften Kanäle eingesetzt werden.“ (Zu Jakartas Flüssen und Kanälen siehe u.a. auch „Der Fluss stinkt“ v. Armin Wertz, www.journal21.ch, Jakarta, 06.04.2014)

Für die „kleine“ Menzi Muck AG aus der 9’000-Einwohnergemeinde Widnau unmittelbar an der Grenze zu Österreich ist ein solcher Auftrag aus Fernost ein grosser Erfolg, zeigt dieser doch auch, dass es für die Bagger sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten gibt. Man kann sich leicht vorstellen, dass weitere Aufträge aus Asien, aber auch aus anderen Erdteilen für verschiedene Infrastrukturzwecke folgen dürften, wenn sich die wendigen und leistungsstarken Menzi-Muck-Bagger in den verschmutzten und verstopften Kanälen Jakartas bewähren. In jedem Fall ist dies auch ein ausgezeichnetes Referenzprojekt für etwaige Folgeaufträge.

Abbildung 1: Quelle https://de-de.facebook.com/menzimuckcom

Nur kurze Zeit später, am 20. November 2014, meldete Menzi Muck den Besuch des M540 Harvester an der Forstmesse Yamagata in Japan. Im Anschluss daran „ging der Muck auf eine 2-wöchige Vorführtournee“ in den Süden Japans (Abbildung 2, sieben Fotos hier). In Japan kooperiert die Menzi Muck AG im Vertrieb mit der Sun Earth Co. Ltd., die ihrerseits auch japanischer Vertriebspartner der renommierten deutschen Spezialmaschinenbauer Doppstadt, Sennebogen, Backhus (Eggersmann Gruppe) und Strautmann Landmaschinentechnik ist. Wer sich die Facebook-Bilder ganz genau anschaut, erkennt auf den Fotos auch eine Doppstadt-Maschine und den Menzi Muck im kombinierten Einsatz.

Abbildung 2: Quelle https://de-de.facebook.com/menzimuckcom

Weiter ging es Schlag auf Schlag in Asien: Vom 25. bis 28. November 2014 fand in Shanghai die BAUMA CHINA 2014 statt, chinesischer Ableger der Münchner BAUMA als weltgrösste Baumaschinenmesse. Die Menzi Muck AG war dort ebenfalls vertreten.

Am 30. November 2014 teilte die Gesellschaft über Facebook mit, dass Menzi Muck an der Seite eines „neuen“ (!) Vertriebspartners für China (Shanghai Pengpu Machine Building Plant Co. Ltd.) an der BAUMA CHINA 2014 die neue Menzi Muck M-Serie in China präsentiere. Menzi Muck bezeichnet diese Vorführung der M-Serie in Shanghai selbst als „ersten erfolgreichen Schritt von Menzi Muck, den chinesischen Markt mit der M-Serie zu erobern.“ (Abbildung 3)

Ein sehenswertes YouTube-Video zum Messe-Auftritt in Shanghai Ende November 2014 kann hier abgerufen werden.

Abbildung 3: Quelle https://de-de.facebook.com/menzimuckcom

Die obigen drei Beispiele aus jüngster Zeit zeigen deutlich, dass Menzi Muck mit starken Vertriebspartnern und innovativen Produkten im asiatischen Markt angekommen und die Internationalisierung des Geschäfts keine tollkühne Fiktion eines Schweizer KMU mehr ist, sondern längst Realität. Für die Menzi Muck AG ist dies eine sehr erfreuliche Entwicklung, nachdem die Gesellschaft um 2003 auch schwierige Zeiten mit einem Liquiditätsengpass erlebt hatte. 

Im August 2014 hatte die Ostschweizer Beteiligungsgesellschaft Rheintal Assets AG, die an der Menzi Muck AG per Ende 2013 nach offiziellen Angaben aus dem Geschäftsbericht 2013 (S. 13) mit 74.8% beteiligt war, ein Aktienumtauschangebot in Aktien der Rheintal Assets AG lanciert. Wir hatten darüber in unserem Blog wiederholt berichtet. Für eine Aktie der im OTC-X-Handel der BEKB gelisteten Menzi Muck AG im damaligen Kursgegenwert von etwa 6’000 bis 6’400 CHF bot die ebenfalls auf OTC-X gehandelte Rheintal Assets AG den aussenstehenden Menzi-Muck-Aktionären 37 Rheintal Assets-Aktien zum Tausch an. Praktisch zeitgleich zur Ankündigung des Umtauschangebots kletterte die Rheintal Assets-Aktie rasant in die Nähe ihrer historischen Höchststände auf bis zu 175 CHF (Kurs vom 19. August 2014 auf OTC-X) und wurde in den ersten Tagen noch um 170 CHF gehandelt, ehe eine rasche Konsolidierung einsetzte. Zuletzt notierte die Rheintal-Assets-Aktie wieder unterhalb von 150 CHF (145 CHF, Kurs vom 15. Dezember 2014, OTC-X). Alleine aufgrund des Kursverlaufs der Rheintal Assets-Aktie im zeitlichen Umfeld des Angebots erschien ein Umtausch als nicht sonderlich attraktiv.

Die zuletzt ebenfalls schwächere Menzi-Muck-Aktie (Geld/Brief 5’400 CHF / 5’800 CHF; 15. Dezember 2014; OTC-X) zeichnete diese rückläufige Kursbewegung der Rheintal-Assets-Aktie nach, und es scheint, als würde der Markt das von Rheintal Assets AG im August 2014 offerierte Tauschverhältnis 1:37 auch heute noch immer für die Bewertung der Menzi Muck-Aktie heranziehen und beide Valoren gedanklich im Verhältnis 1:37 „verbinden“. Es fällt auf, dass der zuletzt bezahlte Kurs der Menzi Muck-Aktie von 5’650 CHF (Kurs vom 25. November 2014; OTC-X) in der Mitte zwischen Geld und Brief ziemlich nahe am 37-Fachen des aktuellen Handelswertes einer Rheintal Assets-Aktie (ca. 145-150 CHF) notiert.

Für das freiwillige Umtauschangebot vom August 2014, das die herrschende Rheintal Assets AG für den Zeitraum von nur einem Monat eher knapp angesetzt hatte, verzichtete die Hauptaktionärin auch darauf, eine Fairness Opinion zur Bewertung beider Transaktionspartner einzuholen, wie dies – obwohl vom Gesetz nicht vorgeschrieben – aus Aktionärssicht wünschenswert gewesen wäre. Nur so hätten die Menzi Muck-Aktionäre die Offerte auch inhaltlich beurteilen können.

Aus unserer Perspektive erscheint eine bis heute andauernde Verkettung beider Aktien über den „Umtausch-Faktor 37“ nicht sachgerecht, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Unternehmen mit unterschiedlichem Profil und auch – trotz der hohen Beteiligung der Rheintal Assets AG von geschätzt über 80% – eigenständigen operativen Perspektiven handelt, wie gerade auch die jüngsten Vertriebserfolge in Asien zeigen. Diese müssten auch unabhängig bewertet und beurteilt werden – und nicht, da das Verhältnis 1:37 einseitig vom Hauptaktionär ohne Bewertungsgutachten festgelegt wurde – lediglich als Spiegelbild der Rheintal-Aktie auf dem Weg nach oben wie nach unten. Menzi Muck ist und bleibt eine „Perle“ im Portfolio der Rheintal Assets AG, und die Rheintal Assets AG wird sich des Wertes ihrer Kern-Beteiligung auch bewusst sein.

Angesichts der auch im Exportgeschäft – namentlich in Asien an der Seite von Vertriebspartnern – vielversprechenden Perspektiven des überwiegend in Nischenmärkten tätigen, einzigen Schweizer Baggerherstellers erscheint die Aktie der Menzi Muck AG heute als interessante, moderat bewertete Depotbeimischung für langfristig ausgerichtete Anleger, die mit der strukturell bedingt tiefen Handelsliquidität und der Abhängigkeit vom Hauptaktionär umgehen können. Die Menzi Muck AG ist ein grundsolides Schweizer KMU und mit innovativen Produkten und einer künftig wahrscheinlich zunehmenden Bedeutung der Auslandsmärkte („Internationalisierung“) auch zu einer OTC-X-Perle im heimischen Industrie-Segment herangereift. Aus der Anlegerperspektive ist das Unternehmen dagegen weithin unbekannt, was auch der Aktionärsstruktur und dem Regionalcharakter der Aktie geschuldet sein dürfte. Investitionen in Wachstum und den Ausbau des Vertriebs könnten die Erfolgsrechnung kurzfristig belasten, doch erkennen wir für die Menzi Muck AG als Infrastruktur-nahem Nischenplayer unter dem Qualitäts-Label „Made in Switzerland“ für die Zukunft gute Aussichten in Auslandsmärkten. In der Vergangenheit stand wiederholt auch eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung weiteren Wachstums im Raum. Umgesetzt wurde eine solche bisher nicht. Abzuwarten bleibt, ob dieses Thema nach dem Umtauschangebot und einer etwaigen Beteiligung strategischer Partner in der Zukunft nochmals aktuell wird.

Den „fairen Wert“ der wenig liquiden Menzi-Muck-Aktie schätzen wir auf Basis der bekannten Kennzahlen deutlich oberhalb der zuletzt bezahlten Marktpreise ein. Mit der Menzi Muck-Aktie beteiligt sich ein Aktionär an einer längerfristig aussichtsreichen OTC-Spezialität mit einer starken Schweizer DNA. Mit Vorlage des Geschäftsberichts 2014 im Frühjahr 2015 dürfte auch die aktuelle Aktionärsstruktur nach dem Umtauschangebot vom Spätsommer sichtbar werden. Im Rahmen dieses Blogs werden wir die Entwicklungen bei der Menzi Muck AG weiterverfolgen.

Thorsten Grimm, 17. Dezember 2014

Transparenzhinweis: Dem Autor nahestehende Personen sind Aktionäre der Menzi Muck AG.

1 Kommentar

  1. Der Relaunch der Menzi Muck Website ist in Vorbereitung und wird im Frühjahr aufgeschaltet. Deshalb wird nur mehr das Wichtigste auf der „alten“ aktualisiert. Erstmal aber wird der Firmensitz von Widnau nach Kriessern verlegt und das neue Firmengebäude auf der Schützenwiese bezogen, was über die Feiertage geschieht und einen ernormen Aufwand bedeutet.

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