Seiler Hotels Zermatt AG: Operative Erträge steigen, Finanzergebnis legt deutlich zu

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Quelle: Zermatt Tourismus
Seiler Hotel Monte Rosa in Zermatt. Bild: Seiler Hotels

Zwar konnte die Seiler Hotels Zermatt AG ihre operativen Erträge im 2013/14 steigern, dennoch rutschte das Unternehmen im per 31. Oktober 2014 beendeten Geschäftsjahr in die roten Zahlen. Die Gesellschaft betreibt die Hotelbetriebe Mont Cervin Palace, Le Petit Cervin und Monte Rosa sowie das japanische Restaurant Myoko in Zermatt.

Nicht mehr im Besitz der Gesellschaft stehen die Immobilien. Diese wurden an den CS Real Estate Fund Hospitality, einen Immobilienfonds der Credit Suisse, dessen Anteilsscheine an der SIX Swiss Exchange kotiert sind, veräussert. Die Aktionäre der Seiler Hotels erhielten aus den Verkaufserträgen im Dezember 2011 eine Sonderdividende in Höhe von 1’650 CHF pro Aktie.

Die operativen Erträge legen zu

Gesamthaft sanken die Erlöse im Berichtsjahr um 1% auf 28.4 Mio. CHF. Hierbei zu berücksichtigen ist indessen, dass das Minus durch die Rückgänge der übrigen Erträge um 735’000 CHF entstand. Wie Direktor Kevin Kunz den Aktionären an der Generalversammlung in Zermatt mitteilte, wurden im Vorjahr Wertberichtigungen auf Beteiligungen erfolgswirksam verbucht. Dieser Ertrag fiel weg, während zeitgleich eine um 274’000 CHF tiefere Auflösung von Risikorückstellungen auf dem Warenlager und tiefere Managementhonorare verrechnet wurden.

Die Einkünfte aus dem Hotelgeschäft kletterten hingegen um 1.6% auf 26.8 Mio. CHF. Während im Logementbereich ein leichtes Minus um 0.7% auf 15.2 Mio. CHF verzeichnet wurde, legten die Erträge aus dem Restaurationsgeschäft um beachtliche 6% auf knapp 8.4 Mio. CHF zu. Die übrigen Hoteleinnahmen stiegen ebenfalls um 1.9% auf gut 3.2 Mio. CHF. Knapp 80% der Erträge wurden im Wintergeschäft erzielt – ein Rückgang um 0.7% auf 21.2 Mio. CHF zum Vorjahr. Während das Mont Cervin Palace seine Umsätze stabil halten konnte, führten kürzere Öffnungszeiten des Le Petit Cervin zu einem Einnahmenrückgang um 480’000 CHF. Im Hotel Monte Rosa kletterten die Einkünfte dagegen um 222’000 CHF. Sehr stark entwickelte sich das Sommergeschäft mit einem Umsatzplus von 11.6% auf 5.9 Mio. CHF. Profitieren konnte die Gesellschaft von besseren MICE (Meetings, Incentives, Conferences und Events) Anlässen, höheren Gruppenbelegungen sowie der Schliessung des Grand Hotels Zermatterhof im Juni und im September.

Logiernächte und Preis pro Übernachtung – gemischtes Bild in der Seiler-Gruppe

Die Zimmerbelegung konnte lediglich im Monte Rosa Hotel um 2.1% auf 66.6% ausgebaut werden, während im Le Petit Cervin ein Rückgang um 5% auf 65.8% zu Buche stand. Hieran konnte nicht einmal die um 13 auf 125 Tage verkürzte Öffnungszeit des Hauses etwas ändern. Die kürzeren Öffnungszeiten erklären jedoch den deutlichen Rückgang der Logiernächte um 7.8%. Allerdings gelang es dank einer Gruppe, die das Hotel exklusiv für zehn Tage reservierte, und dabei – wie Kunz den Aktionären erklärte – den vollen Preis bezahlte, die Average Daily Rate ADR (durchschnittlicher Preis pro Übernachtung) um 40.40 CHF auf 760.60 CHF zu erhöhen. Die um 33 Tage auf 245 Tage verlängerte Öffnung des Mont Cervin Palace liess die Anzahl der Logiernächte dort um 7.6% ansteigen. Dies führte indessen auch dazu, dass die ADR um 41.30 CHF auf 552.20 CHF fiel und die Zimmerbelegung um 2.56% auf 69.94% sank.

Die längeren Öffnungszeiten forderten im Cervin Palace aber ihren Tribut auf der Ausgabenseite. So stiegen die direkten Betriebsaufwendungen um 1.7% auf 15.8 Mio. CHF an. Während die Sachaufwendungen unverändert bei 3.6 Mio. CHF verharrten, kletterten die Warenkosten um 2% auf 2.5 Mio. CHF und die Personalausgaben um 2.5% auf 9.6 Mio. CHF an. Hingegen gelang es, den indirekten Betriebsaufwand vor allem wegen des tieferen Aufwands für die Verwaltung der Häuser trotz gestiegener  Unterhaltskosten um 5.5% auf 6.65 Mio. CHF zu senken. Die Mietaufwendungen kletterten um 4.8% auf 5.3 Mio. CHF. Insgesamt ergab sich so ein negatives Betriebsergebnis von minus 364’000 CHF. Im Vorjahr gab es noch einen Gewinn von 567’000 CHF. Allerdings wurden im Vorjahr noch Gewinne aus einer Wohnungsveräusserung von 485’000 CHF als Bestandteil des betrieblichen Ertrags verbucht.

Positive Wertberichtigungen auf Aktienbestände

Das positive Nettofinanzergebnis von 351’000 CHF – Vorjahr -142’000 CHF – wirkte sich dann aber wiederum positiv auf das Gesamtergebnis aus. Wie Kunz erklärte, konnten die Aktienbeteiligungen der Gesellschaft an der Walliser Kantonalbank, an der BVZ Holding und an den Zermatt Bergbahnen infolge der höheren Kurse insgesamt um 360’000 CHF aufgewertet werden. So resultierte unter dem Strich ein Reinverlust von 73’000 CHF nach einem Vorjahresgewinn von 328’000 CHF.

Für das laufende Jahr setzt die Geschäftsleitung alles daran, so gut wie möglich abzuschliessen. Für die Gesellschaft hat nicht nur die Freigabe des Euros durch die Schweizerische Nationalbank SNB Bedeutung, sondern auch die Entwicklung des englischen Pfunds und des US-Dollars. Allerdings hat der Entscheid der SNB dazu geführt, dass per Ende Januar die Mitarbeiterplanung neu gemacht und gleichzeitig entschieden wurde, das Le Petit Cervin per 15. März zu schliessen und nur im Bedarfsfall zu öffnen. Wegen des Anlasses „Schweizer Ferientag“ vom 22./23.4.2015  in Zermatt verlängert sich die Wintersaison bis zum 24. April. Analog führt der im September 2015 ebenfalls in Zermatt stattfindende Swiss Travel Mart zu einer verlängerten Saisonöffnung. Dieser sei zwar für die Gesellschaft wichtig, gleichzeitig aber auch teuer, ergänzte Direktor Kunz.

Die Seiler Hotelgruppe konnte im Geschäftsjahr 2013/14 nur wenig von der Verbesserung des Schweizer Tourismusmarktes profitieren und musste einen Verlust ausweisen. Dieser wäre ohne die Aufwertung der Wertschriften mit 433’000 CHF noch deutlich höher ausgefallen. Nach Abzug der Veräusserungsgewinne wäre allerdings schon im Vorjahr ein Verlust von 157’000 CHF angefallen. Hierbei darf allerdings nicht übersehen werden, dass die Gesellschaft sowohl im Berichts- als auch im Vorjahr zulasten der Erfolgsrechnung den Renovationsfonds mit 1 Mio. CHF äufnete.

Bei den Kennzahlen ist zu beachten, dass die Seiler Hotelgruppe keine Sachabschreibungen wie andere Hotelgesellschaften wie etwa die Sunstar Gruppe tragen muss, sondern Mietzinsen für die Nutzung der Räumlichkeiten bezahlt. Während die Sachabschreibungen lediglich bilanztechnische Auswirkungen haben, stellen die Mietzinse einen echten Geldabfluss dar. Im Gegenzug müssen dafür aber auch keine Kosten für die Renovation der Gebäudehülle oder der Erweiterung der Hoteleinrichtungen budgetiert werden. Immerhin kann die Sanierung der Gebäulichkeiten, wie das Beispiel Hotel Waldhaus in Flims zeigt, zu einer Bedrohung für eine Gesellschaft werden.

Sofern es der Seiler Hotelgruppe weiterhin gelingt, zumindest einen positiven Cashflow zu erwirtschaften, steht der langfristigen Weiterführung des Betriebs nichts entgegen. Sollte dies hingegen nicht gelingen, sind die Reserven in Gefahr. Diese lagen per Bilanzstichtag bei knapp 10 Mio. CHF, was bei einer Marktkapitalisierung des Unternehmens von 9.4 Mio. CHF einem komfortablen Polster entspricht. Für die Gesellschaft sprechen auch die vergleichsweise niedrigen langfristigen Verbindlichkeiten von 3.3 Mio. CHF. Hierin enthalten sind zudem 2.3 Mio. CHF für Renovationen und Rückstellungen – die echten Verbindlichkeiten betragen damit lediglich rund 900’000 CHF. Unter den kurzfristigen Verbindlichkeiten sind hohe Gästevorauszahlungen von 2.6 Mio. CHF verbucht. Die effektiven Verbindlichkeiten liegen somit bei rund 3.6 Mio. CHF. Diesen stehen ausgewiesene Eigenmittel von 12.3 Mio. CHF gegenüber. Die Bilanzzahlen können somit als gesund angesehen werden.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Da der Grossteil der Papiere in festen Händen ist, gibt es nur sehr sporadisch Umsätze. Zudem erscheint eine Dividendenzahlung zumindest für die nächsten Jahre wenig wahrscheinlich. Auch der Substanzwert der Papiere bietet wenig Fantasie, da die Immobilien nicht mehr im Besitz der Gesellschaft stehen. Die Aktien, die letztmalig zu Kursen von 220 CHF gehandelt wurden, weisen einen Buchwert von knapp 240 CHF auf. Aktuell liegen die Geld- und Briefkurse bei 180 und 225 CHF. 

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