Bernexpo: Stadt und Kanton wollen Bau der neuen Eventhalle mit 30 Mio. CHF unterstützen

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Im BElive Center soll es Platz für bis zu 9000 Personen geben. Bild: www.bernexpo.ch
Im BElive Center soll es Platz für bis zu 9000 Personen geben. Bild: www.bernexpo.ch

Gute Nachrichten gab es gestern für die Verantwortlichen bei der Bernexpo Holding AG: Der Stadtberner Gemeinderat und der Regierungsrat des Kantons Bern haben entschieden, dass sie mit je 15 Mio. CHF den Bau einer neuen Kongress- und Eventhalle auf dem Berner Messegelände unterstützen wollen. Das unter dem Namen „BElive Center“ geplante Projekt soll insgesamt rund 80 Mio. CHF kosten. Ob die rund 30 Mio. CHF am Ende wirklich fliessen werden, hängt auch vom Berner Stimmvolk und dem Grossen Rat ab. Beide müssen der Finanzierung noch zustimmen. Zudem hat der Gemeinderat seine Zusage an Bedingungen geknüpft: So sollen die finanziellen Chancen und Risiken ausgewogen zwischen der öffentlichen Hand und der Bernexpo Groupe verteilt sein. Zudem müssen noch Anliegen der Stadt bezüglich der Verkehrserschliessung und des Städtebaus berücksichtigt werden. Gesamthaft soll die Halle eine Fläche von 7600 qm umfassen, eine nutzbare Höhe von 14 Metern aufweisen und Platz für 9000 Personen bieten. Geplant ist zudem auf der Seite zum Guisanplatz ein dreigeschossiger Kopfbau mit Galerie und Kongressräumen. Auf der anderen Seite entstehen Büros, Gastronomie und ein Backstagebereich in einem fünfgeschossigen Kopfbau.

Wirtschaftlichkeit steht an erster Stelle

Für Roland Brand, den CEO der Bernexpo Groupe, ist die Absichtserklärung von Stadt und Kanton ein wichtiger Meilenstein in der weiteren Planung. Er betont auf Nachfrage nochmals, dass die Finanzierung des „BElive Centers“ über die Messepark Bern AG laufe, welche für die Infrastruktur zuständig sei. An der Messepark Bern AG hält die öffentliche Hand 22.2%. 77.5% sind in den Händen der Bernexpo Holding AG, deren Aktien breit gestreut sind und ausserbörslich u.a. auf der OTC-X-Plattform der BEKB gehandelt werden. „Wir sind ein Live-Marketing-Unternehmen“, betont Brand. Daher liege auch künftig der Fokus auf der Durchführung von Messen, Kongressen und Konzerten. Bezüglich der Wirtschaftlichkeit des Projektes betont Brand, dass die Bernexpo Groupe umfangreiche Abklärungen, insbesondere bei Veranstaltern von Grossanlässen, vorgenommen habe, um sicher sein zu können, dass das Projekt nicht am Markt vorbei geplant werde. „Die Wirtschaftlichkeit steht für uns an erster Stelle“, so Brand. Bereits an der Jahresmedienkonferenz hatte der Verwaltungsrat darauf hingewiesen, dass die Aktionäre keine Verwässerung ihrer Anteile durch eine Kapitalerhöhung befürchten müssten. Zudem verwies das Unternehmen auch immer wieder darauf, auch während der Bauphase für das „BElive Center“ rentabel arbeiten und dividendenfähig bleiben zu wollen.

Weitere Einzelheiten zur Finanzierung des Projektes wollte die Bernexpo Groupe noch nicht bekannt geben, da die Details der Auflagen der Stadt noch nicht bekannt seien. Gegenüber der Tageszeitung „Der Bund“ machte Stadtpräsident Alexander Tschäppät allerdings deutlich, dass „A-fonds-perdu-Beiträge“ nicht geeignet seien, um den Messeplatz zu unterstützen. Für Tschäppät müsse es eine Lösung geben, die auf irgendeine Beteiligungsform hinausläuft, so der Bericht im Bund weiter (siehe Bund vom 12. Mai 2015). Über den finanziellen Beitrag wird das Berner Stimmvolk wohl frühestens 2017 abstimmen.

Das ambitiöse Projekt der Bernexpo Groupe „Neue Eventhalle“ kann nun weiter verfolgt werden. Entschieden ist aber noch nichts. Die Führung des Berner Messeveranstalters hat aufgrund der Absichtserklärungen von Stadt und Kanton nur etwas mehr Planungssicherheit. Ohne die finanziellen Unterstützungen der Stadt wäre das Projekt allerdings, wie ähnliche Projekte an anderen Standorten auch, nicht realisierbar. Entscheidend für die Aktionäre der Bernexpo Holding AG ist jedoch, dass das „BElive Center“ weiterhin mit Augenmass, aber auch mit dem entsprechenden Weitblick geplant wird. Bisher ist es den Verantwortlichen jedenfalls gelungen. Ob dies auch weiterhin der Fall sein wird, hängt davon ab, wie stark sich die öffentliche Hand durch ihre Auflagen in die Geschäfte der privaten Bernexpo Groupe einmischt. Allerdings ist die öffentliche Hand bereits heute an der Infrastruktur-Tochter Messepark Bern AG beteiligt. Eine logische Folgerung wäre, dass sie im Rahmen der Finanzierung des „BElive Centers“ dort ihren Anteil erhöht, um so auch wirtschaftlich vom Erfolg des Projektes über Mieteinnahmen zu profitieren. In diesem Fall könnte sich die Bernexpo AG auf ihre Kernkompetenz, das Messe- und Veranstaltungsgeschäft, fokussieren. In den letzten Jahren hat sie bewiesen, dass sie dieses Geschäft erfolgreich betreibt.

Allerdings zeigt der Aktienkurs der Bernexpo Holding AG – trotz des jüngsten Kursanstiegs – dass Investoren dem Projekt skeptisch gegenüberstehen. Bei Kursen um die 453 CHF werden die Aktien immer noch um rund 10% unter dem Buchwert gehandelt, und das Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt bei niedrigen 8. Zudem rentiert die Aktie bei einer Dividende von 15 CHF mit 3.3%. Damit bleibt die Aktie für langfristig agierende Aktionäre weiterhin attraktiv bewertet. Dies insbesondere im Vergleich zur börsenkotierten, aber viel grösseren MCH Group. Der Titel rentiert bei Kursen um die 61.45 CHF nur mit knapp 1%, und das Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt bei 11. Auch die MCH Group hat übrigens bei ihrem Neubau von Investitionsbeihilfen und Darlehen der öffentlichen Hand (Kanton Basel-Stadt und Basel-Land) von insgesamt 270 Mio. CHF profitiert. Dennoch sollten Anleger die Projektfortschritte in Bern und insbesondere die Finanzierung des „BElive Centers“ kritisch beobachten. Auch wir werden das Projekt weiterhin eng begleiten.

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