Thermalbad Zurzach: Hohe Transparenz an der GV

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Der vollständig anwesende Verwaltungsrat stellt sich der Aktionärskritik und beantwortet alle Fragen. Quelle: Holger Geissler
Der vollständig anwesende Verwaltungsrat stellt sich der Aktionärskritik und beantwortet alle Fragen. Quelle: Holger Geissler

Thermalbad Zurzach AG wächst und konnte im Geschäftsjahr 2014 eine Zunahme der Gästeeintritte um gut 5% auf über 456’000 verbuchen. Damit erzielte das Unternehmen trotz intensiver Bautätigkeit einen neuen Besucherrekord. Wie CEO Dominik Keller an der Generalversammlung (GV) erklärte, sei dies insbesondere der Treue der Gäste zu verdanken, die das Bad weiterhin besucht hätten. Ebenfalls ausbezahlt habe sich der Ausbau der Marketingaktivitäten im Bereich neuer Medien und auf der neu gestalteten Homepage der Gesellschaft im Internet. Eine Analyse der Nutzer habe gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Seitenaufrufe aus dem Kanton Zürich erfolgt sei. Bei den Besucherzahlen sind die Zürcher mit 49% an erster Stelle, ohne jedoch die Mehrheit zu stellen. Rund 17% stammen aus dem Kanton Aargau, 10% aus dem benachbarten Deutschland, und der Rest verteilt sich vor allem auf die Regionen Bern und Luzern.

Im Berichtsjahr steigerte Thermalbad Zurzach die Betriebserträge um 11.1% von 9.9 auf 11.0 Mio. CHF. Dank Preiserhöhungen im November 2013 stiegen die Einnahmen aus dem Badebetrieb im Jahresvergleich sogar um 17.3% auf 7.5 Mio. CHF. Deutlich unterdurchschnittlich entwickelte sich dagegen der Ertrag aus dem Medical Wellness Center mit einem Plus von 1.6% auf gut 2.2 Mio. CHF. Nahezu konstant blieben die Einkünfte aus dem Kioskbereich und dem Shop mit knapp 400’000 CHF. Ebenfalls in den Einnahmen enthalten sind die Auflösungen von Rückstellungen für abgelaufene Eintrittsgutscheine. Wie Keller auf Aktionärskritik hin mitteilte, sei dies aus steuerlichen Gründen so notwendig. Es handle sich dabei nicht um eine Auflösung stiller Reserven oder Rückstellungen zur Verbesserung des Gewinns.

Moderater Gewinnanstieg

Auf der Kostenseite spürte die Gesellschaft die neuen Angebote und die Aufwendungen des Umbaus. So stiegen die Personalkosten um 3.4% auf 4.2 Mio. CHF, während die allgemeinen Betriebskosten um 2.5% auf 2.9 Mio. CHF kletterten. Die Neugestaltung der Website und die verstärkten Aktivitäten im Bereich der digitalen Medien liess die Werbekosten um 39.6% respektive um rund 230’000 CHF auf 800’000 CHF anschwellen. Im Ergebnis resultierte ein Plus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 26.9% auf 2.9 Mio. CHF. Die Investitionen in das Bad führten zu einem Plus der Sachabschreibungen um 500’000 CHF auf 2.15 Mio. CHF, weswegen der Betriebsgewinn (EBIT) nur unterproportional um 21.5% auf 760’000 CHF zulegte.

Ihren Tribut forderten die Erneuerungen auch bei den Finanzkosten, die sich auf 160’000 CHF nahezu verdoppelten. Unter dem Strich resultiert daher ein bescheidener Anstieg des Reingewinns um 40’000 CHF auf 514’000 CHF. Die Aktionäre erhalten wie im Vorjahr anstelle einer Dividende eine steuerfreie Nennwertrückzahlung in Höhe von 10 CHF pro Inhaberaktie. Für die in festen Händen liegenden Namenaktien beträgt die Rückzahlung analog des tieferen Nennwerts 2 CHF pro Titel.

Airport zum zweiten Mal in Folge mit schwarzen Zahlen

Das zweite positive Ergebnis in Folge erreichte das am Zürcher Flughafen gelegene Airport Fitness Zentrum. Die Zahlen der Airport Fitness und Wellness AG werden den Aktionären erstmalig im Geschäftsbericht präsentiert. Auf der Einnahmenseite verzeichnete das Unternehmen ein Minus um gut 100’000 CHF auf 1.9 Mio. CHF. Negativ ausgewirkt habe sich vor allem die Betriebseröffnung von drei weiteren Fitnessbetrieben in der näheren Umgebung. Dank einschneidender Einsparungen bei den Kosten ist es gelungen, den Betriebsaufwand um 40’000 CHF auf 1.57 Mio. CHF zu senken. So konnte ein EBITDA von 314’000 CHF nach 383’000 CHF im Vorjahr erzielt werden. Die Abschreibungen betrugen 288’000 CHF nach 303’000 CHF im Vorjahr. Ebenfalls tiefer fielen die Finanzierungskosten infolge der weiteren Rückzahlung der Darlehen aus.

Unter dem Strich konnte allerdings dennoch nur wegen der erstmaligen erfolgswirksamen Verbuchung von nicht genutzten Gutscheinen und abgelaufenen Abonnenten ein kleiner Gewinn von 6’400 CHF nach 25’000 CHF im Vorjahr erreicht werden. Auch wenn die Situation angesichts der Konkurrenz weiterhin schwierig sei, bestehen keine Zweifel daran, den Betrieb weiterzuführen. Hieran ändere auch die von Aktionärsseite kritisierte Überschuldung der Gesellschaft, die über ein negatives Eigenkapital von minus 800’000 CHF per Jahresende verfügt, nichts. Dank eines Rangrücktritts der Thermalbad Zurzach AG für Darlehensforderungen bestehe kein Bedarf nach Sanierungsmassnahmen.

Weiteres Umbaujahr in Zurzach

Das laufende Jahr wird nochmals von Sanierungen geprägt sein, die bis in den November hinein dauern sollen. Es werden Dominik Keller zufolge nochmals 7.5 Mio. CHF in den Umbau investiert. Die Finanzierung wird aus dem laufenden Cashflow und soweit notwendig aus der Erhöhung der Hypotheken erfolgen. In den ersten vier Monaten des neuen Jahres hat sich das Bad sehr erfreulich entwickelt. Die Anzahl der Gäste, die an den Saunaufgüssen teilnahm, legte um beachtliche 38.2% auf 15’700 zu.

 

Die Jahreszahlen für 2014 fallen angesichts der aufwendigen Umbauten, die den Betrieb beeinträchtigten, sehr erfolgreich aus. Gut dotiert ist die Bilanz mit einer Eigenmittelquote von rund 48%. Zwar dürfte dieser Wert investitionsbedingt im laufenden Jahr sinken, aber kaum unter die Schwelle von 45% fallen. Sehr erfreulich ist die Auskunftsbereitschaft der Gesellschaft gegenüber den Aktionären. So wurden nicht nur die Fragen im Zusammenhang mit der Beteiligung an der Airport Fitness offen beantwortet, sondern auch die Frage bezüglich der Besitzverhältnisse der Namenaktien. Dies ist für eine Gesellschaft, die lediglich nach den Regelungen des Obligationenrechts bilanziert, keinesfalls obligatorisch.

Für die Beteiligung an der Airport Fitness sind Rückstellungen von gut 1 Mio. CHF in der Bilanz der Thermalbad Zurzach enthalten. Nicht nur diese sind offen dargelegt worden, sondern auch die Besitzverhältnisse der Airport Fitness. Die Thermalbad Zurzach besitzt 65% der Aktien, die restlichen 35% gehören je zur Hälfte Stephan Güntensberger (VR-Präsident Airport Fitness und VR bei der Thermalbad Zurzach) und Dominik Keller (Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach). Ebenfalls offengelegt wurde, wer die Namenaktien der Bad Zurzach AG besitzt. Hierbei handelt es sich nicht um die von Aktionärsseite vermutete Stiftung, sondern um die Thermalquelle, die wiederum 48.5% an der Stiftung besitzt. Die übrigen Anteile der Stiftung liegen in den Händen der Gründer.

Insgesamt dürfte sich die positive Entwicklung des Geschäfts in Zurzach fortsetzen, während die Lage am Flughafen nicht zuletzt durch die Konkurrenz weiterhin schwierig bleiben wird. Allerdings sollte es auch hier weiterhin kein Problem sein, die Darlehensrückzahlungen zu leisten, wenn auch ein erneutes Abrutschen in die Verlustzone keinesfalls ausgeschlossen werden kann. Dies kann auch für die Muttergesellschaft der Fall sein, insbesondere im Zusammenhang mit den neuen Rechnungslegungsvorschriften, die eine Wertberichtigung der Rückstellungen notwendig machen dürften. Diese zu erwartende Korrektur ist aber keinesfalls ein Grund zur Beunruhigung und ändert nichts am operativen Geschäftserfolg. Auch werden keine Mittel abfliessen.

Die Inhaberaktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 355 CHF weisen die Aktien einen hohen Discount von mehr als 50% zum Buchwert von 785 CHF auf. Zudem ist die Ausschüttungsrendite mit 2.8% als gut einzustufen. Einzig das KGV auf der Basis des Jahresgewinns 2014 fällt mit knapp 14 nicht besonders tief aus. Der Kursabschlag der Aktien zum inneren Wert ist den unsicheren Aussichten des Badgeschäfts und den Sorgen um die Beteiligung am Airport Center zuzuschreiben. Ebenfalls sehr negativ eingestuft wurde auch das Cashpooling, das im letzten Jahr hätte eingeführt werden sollen. Diese Massnahme scheiterte am Votum der Aktionäre. Wir berichteten über diese unserer Ansicht nach negative Massnahme für die freien Aktionäre der Gesellschaft in einem Blogbeitrag, der hier nachgelesen werden kann.

Mit der Offenlegung der Eigentumsverhältnisse der Stiftung und der Namenaktien der Thermalbad sind die belastenden Faktoren deutlich gemildert worden. Bezüglich der von Aktionärsseite kritisierten fehlenden Transparenz sagte VR-Präsidenten Markus Leimbacher an der GV, dass die Aktionäre nur Fragen stellen müssten, um Antworten zu erhalten. Zudem lud Leimbacher die Anteilseigner dazu ein, die Gesellschaft auch während des Jahres zu kontaktieren. Als Beispiel wies er auf einen ermässigten Bezug von Eintrittsgutscheinen, welche die GV-Teilnehmer erstmalig in Anspruch nehmen konnten, hin. Beibehalten wurde die Ausgabe eines Gutscheins für einen Tageseintritt und eines Konsumationsgutscheins für die Restaurants in Zurzach in Höhe von 20 CHF pro Aktionär. Auf dem aktuellen Niveau erscheinen die Papiere aus Substanzsicht sowie aus Renditeaspekten interessant. Im aktuellen Tiefzinsumfeld kann eine Rendite von 2.8%, die zudem noch durch die Gutscheine erhöht wird, als gut angesehen werden.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär der Gesellschaft.

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