Daniel Antille, CEO Société Suisse des Explosifs: „Die Aufgabe des Standorts in Wimmis steht nicht zur Diskussion“

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Daniel Antille, CEO der SSE Group. Bild: zvg
Daniel Antille, CEO der SSE Group. Bild: zvg

Die Société Suisse des Explosifs SA (SSE) führte im Dezember 2014 erstmals seit über 40 Jahren eine Kapitalerhöhung durch. Bei der Kapitalerhöhung, über die wir hier berichteten, konnten sämtliche Aktien bei Investoren platziert werden. Etwa 75% der Aktien wurden von den bisherigen Aktionären gezeichnet, während rund 25% an neue Aktionäre der Gesellschaft gingen. Unter anderem erwarb die börsenkotierte, auf Anlagen in nichtkotierte Aktien spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Nebag einen signifikanten Anteil der neuen Aktien. Die frischen Mittel dienen zur Stärkung der Bilanz der SSE und zur Finanzierung der Zukäufe im Ausland. Mit der Erweiterung des Geschäftsgebiets möchte die Gesellschaft weiter wachsen. Im Heimmarkt Schweiz präsentiert sich die Lage derzeit nicht allzu rosig, wie der CEO Daniel Antille im Gespräch mit schweizeraktien.net am Rande der GV der Gesellschaft in Brig einräumte.

Herr Antille, was waren die Gründe für die Auslandsexpansion Ihres Unternehmen?

Wir sind in der Schweiz in einer engen Nische mit sehr begrenzten Möglichkeiten, unsere Umsätze weiter zu steigern. Zudem ist der Bereich Sprengstoffe, unser wichtigstes Geschäftsfeld, von einem markanten Nachfragerückgang wegen des Auslaufens der grossen Tunnelprojekte geprägt. Wir hätten bei einem Verzicht auf die Auslandsexpansion nicht mehr wachsen können und bestenfalls einen stagnierenden Gewinn erwirtschaftet. Mit dem Schritt ins europäische Ausland eröffnen sich für uns neue Chancen.

Wie gestaltet sich die Integration der europäischen Unternehmen in die Gruppe und erfüllen diese Firmen die Geschäftsziele?

Wir sind in unseren neuen europäischen Einheiten sowohl bei der Integration als auch bei den Zahlen erfolgreich unterwegs. Bis wir allerdings Synergien aus der Produktion nutzen können, wird es noch einige Zeit dauern.

Sie haben auch in der Schweiz mit dem Kauf der Hamberger Pyrotechnik einen Zukauf getätigt. Dieser Bereich Pyrotechnik hat die Erwartungen deutlich verfehlt und wird nun nochmals restrukturiert. Auch mussten Sie zusätzliche Wertberichtigungen machen. Wäre es denn nicht sinnvoll, den Standort Wimmis zu schliessen und die gesamte Produktion an den Hauptsitz in Gamsen zu verlagern?

Wir haben in Wimmis grosse Investitionen von 6 Mio. CHF getätigt, weswegen die Aufgabe des Standorts nicht in Frage kommt. Zudem können wir den Standort auch strategisch für Verkäufe an unsere Kunden für die technischen Anwendungen, zu denen auch die Schweizerische Armee gehört, die in der Nähe einen Standort besitzt, nutzen. Die SSE Gruppe will ihre zukünftige Entwicklung in der Schweiz auf den drei Betriebsstätten in Gamsen, Wimmis und Rekingen (AG) ausrichten.

Nicht nur bei der Pyrotechnik läuft es derzeit nicht rund in Ihrem Unternehmen. Auch im Bereich Chemie, dem bisherigen Hoffnungsträger, sind deutliche Bremsspuren auszumachen. Wie wollen Sie den Verlust von zwei wichtigen Kunden, der Sie sehr schmerzt, kompensieren?

Wir haben am Standort in Gamsen zahlreiche Optimierungen eingeleitet, die beide Sparten (Explosionsstoffe und Chemie) betreffen, eingeleitet. Dazu gehört die Zusammenfassung der Organisation und die Reduktion der Lohnkosten um 20%. Wir mussten leider wenige Personen entlassen. Aber auch die Kader haben an den Einsparungen mit einer Lohnkürzung von 5% partizipiert. Hingegen erhalten die Mitarbeiter der unteren Lohnklassen auch für 2015 eine Lohnerhöhung um 0.5%. Keine Einsparungen machen wir bei der Forschung und der Entwicklung neuer Produkte. Wir werden die Produktpalette erweitern, um so die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und Produkten zu reduzieren.

Wann ist mit der Lancierung neuer Produkte zu rechnen und wie werden sich diese kommerziell entwickeln?

Wir haben im Juni die Produktion von Phosgen gestartet und sind nun bereit für Verkäufe. Unsere Produktepipeline ist auch sonst gut gefüllt und wir werden bis Jahresende weitere neue Produkte lancieren.

Wie entwickeln sich die Geschäfte im laufenden Jahr?

Wir haben bis Ende Mai Umsätze in Höhe von 46% unseres Jahresbudgets erreicht. Das Geschäft mit den Explosionsstoffen in der Schweiz entwickelt sich bisher besser als wir dies erwartet haben. Im Chemiegeschäft erreichten wir unsere Ziele und auch in Europa entwickeln sich die Umsätze in Lokalwährungen erwartungsgemäss.

Wie stark wird Sie der Rückgang des Eurokurses treffen?

Die Umsätze in der Eurozone werden auf Frankenbasis um 12% fallen. Allerdings erwarten wir in Lokalwährungen ein Umsatzplus in unseren ausländischen Filialen. Die Rentabilität in Franken wird keinesfalls gleich stark sinken.

Welches Gesamtergebnis streben Sie für 2015 an?

Wir rechnen für 2015 auf der Basis konstanter Wechselkurse mit einem Umsatz in Vorjahreshöhe. Dies entspricht einem Konzernumsatz von 78 Mio. CHF. Bei den Gewinnmargen erwarten wir ähnliche Werte wie im Vorjahr mit einer Verbesserung in Europa.

Wie stellt sich die Situation in Gamsen dar?

In Gamsen werden wir eine Durststrecke von rund 18 Monaten haben. Ab 2016 ist wieder mit einer Verbesserung der Rentabilität zu rechnen. Wir wollen eine Gewinnmarge von 10% auf Gruppenebene auf der Stufe Betriebsgewinn vor Abschreibungen erreichen.

Welche Auswirkungen wird die Einführung der neuen Rechnungslegungsvorschriften, die ab dem laufenden Jahr mehr Detailangaben insbesondere zu den Beteiligungen erfordern, auf Ihr Unternehmen haben?

Die neuen Vorschriften werden nur einen geringen Einfluss auf unsere publizierten Zahlen haben.

Wie sieht die zukünftige Dividendenpolitik Ihres Unternehmens aus? Dürfen die Aktionäre weiterhin mit Ausschüttungen rechnen und in welcher Höhe?

Wir haben seit nunmehr 60 Jahren unseren Aktionären stets eine Dividende ausgeschüttet. Wir werden auch in der Zukunft eine regelmässige und stabile Dividende ausschütten.

Die Geschäftszahlen der SSE fallen derzeit wenig erfreulich aus. Details zum Jahresabschluss können hier in unserem Beitrag nachgelesen werden. Die Aussagen des CEO bestätigen unsere verhaltene Einschätzung für das laufende Jahr. Aktuell ist die Geschäftsleitung stark gefordert, um die unter Druck geratenen Margen wieder auf Zielkurs zu bringen. Neben der Integration der europäischen Gesellschaften, die erhebliche Ressourcen bindet, aber insgesamt positiv läuft, belastet die Situation in der Schweiz das Geschäftsergebnis. Besonders unerfreulich war zumindest bis 2014 die Entwicklung am Standort in Wimmis. Hinzu kam der nicht erwartete Wegfall von zwei wichtigen Kunden der Chemiesparte, der zu einem deutlichen Minus der Sparte, die als Hoffnungsträger diente, führte.

Neben dem budgetierten Rückgang des Sprengstoffgeschäfts kam per Jahresanfang 2015 noch der Wegfall der Euro-Unterstützung der Schweizerischen Nationalbank hinzu. Dies macht es für die SSE sehr schwer, ins Ausland zu exportieren. Als Lichtblick dürfte sich hierbei die Expansion ins Ausland erweisen, wovon die SSE zumindest auf Gruppenebene erheblich profitieren dürfte. Hingegen dürften im Inland eher kleinere Brötchen gebacken werden. Mit der Reorganisation der Konzernstruktur und der Anpassung der Kosten dürfte es aber gelingen, die Rentabilität wieder auf Kurs zu bringen. Trotz des schwierigen Umfelds wird die SSE auch im laufenden Jahr einen ansehnlichen Gewinn erzielen können, der eine Dividendenausschüttung in Vorjahreshöhe erlauben sollte.

Die Aktien der SSE werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis der letztbezahlten Kurse von 3’000 CHF werden die Titel mit einem deutlichen Agio zum ausgewiesenen Buchwert von gut 2’100 CHF bewertet. Hierbei darf aber nicht übersehen werden, dass die Gesellschaft nach den Regeln des Obligationenrechts bilanziert und dabei die sich bietenden Möglichkeiten nicht betriebsnotwendiger Abschreibungen nutzt. Zudem dürfte die Gesellschaft über einige stille Reserven verfügen. Dennoch dürfte zumindest kurzfristig das Kurspotenzial der Titel begrenzt sein.

Die mittel- bis langfristigen Aussichten präsentieren sich hingegen positiv. Nach der vom CEO vorgestellten Restrukturierung der Gruppe besteht kein Grund daran zu zweifeln, dass die Gesellschaft die notwendigen Massnahmen zur Wiedererlangung der hohen Ertragsmargen rasch durchführt ohne dabei die Substanz der Gesellschaft zu gefährden. Auch die Mitarbeiter werden nicht nur als eine Nummer im Unternehmen betrachtet, sondern eher als „Familienbestandteil“. Besonders positiv zu bewerten ist, dass die Angestellten der unteren Lohnklassen trotz der Sparmassnahmen eine Lohnerhöhung erhalten. Die hieraus resultierenden Belastungen der Erfolgsrechnung sind klein während der Imagegewinn bei den Mitarbeitern, die diesen auch als Werbeträger nach aussen tragen, gross ist und den Mehraufwand mindestens kompensieren sollte.

Wir behalten die Aktien vorläufig in unseren Musterdepot. Im Fall einer sich bietenden Chance auf kurzfristige Kursgewinne ist jedoch ein Austausch der Titel gegen einen anderen Wert denkbar. Für langfristig agierende Investoren besteht kein Handlungsbedarf. Sollten die Aktien im Einklang mit einer Marktkorrektur hingegen unter Druck geraten, könnte tiefere Kurse eine ideale Einstiegsgelegenheit bieten.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär der Gesellschaft.

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