Bank SLM und BBO Bank Brienz: Wachstum in Münsingen und Rückgang im Haslital

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Die Bank SLM AG (vormals Spar- und Leihkasse Münsingen) setzte im ersten Semester 2015 den moderaten Wachstumskurs der Vorjahre fort – wiederum von einem Wachstum im Bilanzgeschäft und gesteigerten Einkünften begleitet. Zudem hat die Bank mit der Namensänderung auch den Aussenauftritt modernisiert. Etwas differenzierter präsentiert sich die Entwicklung bei der BBO Bank Brienz Oberhasli AG. Die BBO verzeichnete ein liquiditätsbedingtes leichtes Minus der Bilanzsumme bei einem anhaltend leichten Plus der Ausleihungen. Diesem steht jedoch ein Rückgang der Kundengelder und auch ein Minus der Einkünfte gegenüber. Mit dem Umbau des Wohn- und Geschäftshauses Steinbock in Meiringen und der Planung für den Umbau eines weiteren Gebäudes setzt die BBO auf zusätzliche Einnahmequellen. So trägt der Erfolg aus der Vermietung von Wohn- und Gewerberäumen zum Erfolg der Bank bei. Dies ist der Hauptgrund für den Anstieg des übrigen ordentlichen Erfolgs.

Bank SLM: Bruttogewinn steigt um 3.1% auf 5 Mio. CHF

Der Hauptsitz der Spar- und Leihkasse Münsingen. Bild: zvg
Der Hauptsitz der Spar- und Leihkasse Münsingen. Bild: zvg

Die Bank SLM AG setzte im ersten Semester 2015 den Wachstumskurs des Vorjahres fort. Eine anhaltend hohe Nachfrage nach Ausleihungen liess die Bilanzsumme seit Jahresende 2014 um 2.4% respektive plus 31.1 Mio. CHF auf 1’324.3 Mio. CHF ansteigen. Nicht ganz mit dem Wachstum der Ausleihungen von 2.3% mitzuhalten vermochte der Zuwachs an Kundengeldern, der 1.8% betrug. Der Deckungsgrad der Kundenausleihungen durch Kundengelder erreichte 81.7% nach 82.2% per Jahresende 2014. Zur Finanzierung der neuen Kredite hat die SLM zusätzliche Pfandbriefdarlehen im Umfang von 9.4 Mio. CHF aufgenommen.

Ebenfalls positive Vorzeichen weist die Entwicklung der Erfolgsrechnung auf. Zwar habe die Zinsmarge weiter nachgegeben, schreibt die SLM in ihrem Aktionärsbrief. Aber es gelang dennoch, den Erfolg aus dem Zinsengeschäft dank der Volumenausweitung im Vergleich zum ersten Semester des Vorjahres um 2.5% auf 8.4 Mio. CHF zu erhöhen. Bei den Erträgen aus dem zinsindifferenten Geschäft konnte auch ein leichtes Plus von 0.1 Mio. CHF auf 2.5 Mio. CHF verbucht werden. Während sich die Erfolge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie dem Handel rückläufig entwickelten, legte der übrige ordentliche Erfolg markant zu. Auf der Kostenseite stiegen die Geschäftsaufwendungen um 2.4% auf knapp 6 Mio. CHF an. Während die Sachausgaben leicht um 0.7% auf 2.7 Mio. CHF fielen, erhöhten sich die Personalkosten um 5.2% auf 3.2 Mio. CHF. Im Ergebnis resultiert so ein Plus des Bruttogewinns um 3.1% auf fast 5 Mio. CHF. Die bereits im Vorjahr im Vergleich zum Gros der Regionalbanken tiefe Cost/Income-Ratio konnte nochmals leicht von 54.7% auf 54.5% verbessert werden.

Bank BBO: Bruttogewinn geht um 8.4% auf 1.5 Mio. CHF zurück

Das Gebäude der BBO Bank Brienz Oberhasli fügt sich ins Ortsbild von Brienz gut ein. Quelle. BBO Bank Brienz Oberhasli
Das Gebäude der BBO Bank Brienz Oberhasli fügt sich ins Ortsbild von Brienz gut ein. Quelle: BBO Bank Brienz Oberhasli

Die Bank BBO Bank Brienz Oberhasli verzeichnete im ersten Semester 2015 einen leichten Rückgang der Bilanzsumme um 0.9% im Vergleich zum Jahresende 2014. Das Minus geht vor allem auf das Konto der tieferen Liquidität auf der Aktivseite der Bilanz und dem Rückgang der Kundengelder um 1.6% auf 393.4 Mio. CHF. Hingegen stiegen die Ausleihungen um 1.4% auf 460.9 Mio. CHF an. Hieraus resultiert ein Rückgang des Deckungsgrads der Ausleihungen von 87.9% auf nach wie vor komfortable 85.3%.

In der Erfolgsrechnung hinterliess der anhaltende Zinsmargendruck gepaart mit den tiefen Zinsen seine Spuren. So musste die BBO im ersten Semester 2015 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang des Erfolgs aus dem Zinsengeschäft in Höhe von 1.6% auf knapp 3.3 Mio. CHF verbuchen. Auch beim Erfolg aus dem zinsindifferenten Geschäft nahm die BBO einen Rückgang in Kauf. Dieser betrug 15.7% respektive minus 86’000 CHF auf 462’000 CHF. Verantwortlich für den Rückgang waren die Verluste im Handelsgeschäft in Höhe von 30’000 CHF nach einem Vorjahresgewinn von 131’000 CHF. Wie die Gesellschaft im Semesterbericht schreibt, seien Devisenverluste bei den Fremdwährungen für den Verlustausweis des Handelsgeschäfts verantwortlich. Als Grunde nannte die Bank die Auswirkungen der Aufhebung der Euro-Unterstützung durch die Schweizer Nationalbank per 15. Januar 2015. Auf der Ausgabenseite gelang es, den Geschäftsaufwand auf dem Vorjahresniveau von 2.2 Mio. CHF zu halten. Dennoch führte das Einnahmenminus zu einem Rückgang des Bruttogewinns um 8.4% auf 1.5 Mio. CHF. Gleichzeitig verschlechterte sich die Cost/Income-Ratio um mehr als 2% auf 59.1%. Mit diesem Wert befindet sich die BBO aber immer noch im besseren Bereich der Regionalbanken, die grossmehrheitlich Cost/Income-Ratios von über 60% ausweisen. Tiefere Sachabschreibungen bei gleichbleibenden Wertberichtigungen ermöglichten einen unterproportionalen Rückgang des Zwischenergebnisses um 5.3% auf 728’000 CHF. Unter dem Strich resultierte dank tieferer Steuern ein Gewinn in Vorjahreshöhe von gut 200’000 CHF.

Verhalten positive Aussichten

Nur knapp äussert sich die SLM zu den Aussichten für das Gesamtjahr 2015. So rechnet das Geldinstitut mit einem Ergebnis in Vorjahreshöhe. Ein weitaus ausführlicheres Bild liefert die BBO. Die Geschäftsleitung erwartet für das zweite Semester einen Bruttogewinn in der Grössenordnung zwischen 1.4 Mio. CHF und 1.5 Mio. CHF. Dabei soll auch weiterhin der Hauptteil aus dem Zinsdifferenzgeschäft erwirtschaftet werden. Als schwierig zu beurteilen seien die Aussichten des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts sowie des Handelsgeschäfts. Bei einem budgetierten Geschäftsaufwand von 4.4 Mio. CHF für das Gesamtjahr wird ein Bruttogewinn zwischen 2.95 Mio. CHF und 3.05 Mio. CHF bei einem Reingewinn von 400’000 CHF erwartet. Dies entspricht beim Bruttogewinn einem Minus von 3.2% bis 6.5%, während der wenig aussagekräftige Reingewinn das Vorjahresniveau erreichen soll.

Die Geschäftsergebnisse der beiden Banken fallen sehr unterschiedlich aus. Während die SLM auf der Einnahmenseite zulegte, musste die BBO einen Rückgang verbuchen. Dabei fällt auf, dass die – gemessen an der Bilanzsumme – wesentlich kleinere BBO deutlich stärker unter der Freigabe des Euro-Wechselkurses gelitten hat als die SLM. Zwar ist der Verlust im Handelsgeschäft verschmerzbar und stellt keinen Anlass zur Beunruhigung dar. Dennoch verbleibt ein kleiner fader Nachgeschmack. Ob die SLM ihrerseits ebenfalls negative Einflüsse auf die Währungsbestände verkraften musste, wird erst der detaillierte Jahresbericht für 2014 zeigen.

Auch im Zinsgeschäft erlitt die BBO einen deutlichen Rücksetzer, während die SLM den Erfolg aus dem Zinsdifferenzgeschäft in Einklang mit dem Plus der Ausleihungen erhöhen konnte. Die Kehrseite der Medaille sind allerdings die deutlich angestiegenen Personalkosten bei der SLM, denen ein Aufwand in Vorjahreshöhe bei der BBO gegenübersteht. Dennoch weist die SLM im direkten Vergleich eine deutlich bessere Cost/Income-Ratio von 54.5% gegenüber 59.1% bei der BBO aus. Die Vergleiche der wichtigen Kennzahlen fallen klar zugunsten der SLM aus. Dies könnte sich allerdings ändern, sofern es der BBO gelingt, namhafte kontinuierliche Erträge aus dem Liegenschaftsbereich zu generieren.

Die Aktien beider Banken werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Die Papiere der BBO weisen auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 125 CHF einen deutlichen Abschlag von 58% zum Buchwert per 31. Dezember 2014 auf. Die Dividendenrendite beträgt auf der Basis des für 2014 ausgeschütteten Betrags von 2.40 CHF pro Aktie 1.9%. Die Titel der Bank SLM werden auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 1’460 CHF auf Buchwertniveau gehandelt. Die Ausschüttungsrendite beträgt bei einer Ausschüttung von 28 CHF für 2014 wie bei den BBO-Papieren 1.9%. Die deutlichen Bewertungsunterschiede der Papiere beim Buchwert reflektieren die Differenzen beim Geschäftsgang der beiden Finanzhäuser, was auch mit den Geschäftsgebieten korreliert. Während die SLM im direkten Einzugsgebiet der Stadt Bern tätig ist und von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region profitiert, ist die BBO in einer stark auf den Tourismus und die Landwirtschaft ausgerichteten Region tätig. Wegen der hohen Unsicherheit, die bei der BBO hieraus resultiert, erscheinen die Aktien trotz des hohen Discounts nicht wirklich günstig. Sie eignen sich dennoch für Investoren mit einem engen Bezug zur Region. Dies gilt ebenso für die Titel der SLM. Bei beiden Papieren erscheinen die Kursrisiken wegen der nicht überteuerten Bewertung eher gering.

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