Bad Schinznach: Rekordkurs im 1. Semester 2015 fortgesetzt – Weniger Gäste wegen Umbau

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Daniel Bieri, CEO der Bad Schinznach AG ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im 2015. Quelle: zvg
Daniel Bieri, CEO der Bad Schinznach AG, ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im 2015. Quelle: zvg

Die Bad Schinznach AG konnte im ersten Semester 2015 den Erfolgskurs des Vorjahres fortsetzen. Lediglich die Gästezahlen im Bad waren wegen des Umbaus der Aquarena, der sich über drei Monate erstreckte, tiefer. Wie CEO Daniel Bieri auf Nachfrage mitteilte, entwickelten sich die Umbauarbeiten planmässig. Sowohl der Zeitplan von drei Monaten als auch das Budget von 4 Mio. CHF konnten eingehalten werden. Die Wiedereröffnung am 29. August wird mit einem Familienwochenende gefeiert. Bieri erhofft sich von der Erneuerung des Bades einen deutlichen Gästeschub in den Herbst- und Wintermonaten. Ebenfalls auf Kurs befinden sich die Bauarbeiten der neuen Überbauung am Meissenberg. Per Ende Oktober wird das 1. Haus bezugsfertig sein. Zwei weitere Gebäude sollen bis im Frühjahr 2016 fertig sein. Entgegen den bisherigen Planungen will das Unternehmen nun noch ein weiteres Gebäude auf dem Meissenberg verkaufen.

Auslastung im Hotel auf 75% gesteigert

Rundum zufrieden zeigt sich der Firmenchef mit dem Geschäftsgang der Gesellschaft im ersten Halbjahr. Obwohl die Gesellschaft keinerlei Konzessionen bei den Zimmerpreisen machte, konnte die Auslastung der Hotelzimmer entgegen dem allgemeinen Trend nochmals von 70% im Vorjahr auf 75% gesteigert werden. Während die Mehrheit der Hotelbetriebe mit deutlichen Rückgängen zu kämpfen hat und Zugeständnisse beim Preis macht, erfreut sich der Betrieb in Schinznach einer hohen Nachfrage. Vor allem die hohe Qualität der Dienstleistungen und der persönliche Service werde von den Gästen sehr geschätzt, ergänzt Bieri. So stehe denn auch die Aufgabe des Hotelbetriebs keinesfalls zur Diskussion.

Klinikgeschäft läuft weiterhin gut – neues Hotel geplant

Bei der geplanten Erweiterung des Klinikbetriebs, für den aktuell die Pläne erarbeitet werden, soll ein neues Hotel auf dem Areal der Gesellschaft in Bad Schinznach erstellt werden. Das Klinikgeschäft erfreut sich einer weiterhin sehr hohen Nachfrage, wie die Auslastung der Zimmer mit 92% im ersten Semester bestätigt. Bei den Patienten handelt es sich vorwiegend um Privatpatienten, die den individuellen Service sehr schätzen und auch bereit sind, diesen entsprechend zu honorieren. Im Gegenzug reisen diese Gäste oftmals bereits vor dem Wochenende ab, sofern dies medizinisch vertretbar ist. Unter Berücksichtigung dieser Leerläufe dürfte die effektive Auslastung daher noch höher liegen.

Klinik Meissenberg voll ausgelastet

Ebenfalls weiterhin auf Erfolgskurs befindet sich die Klinik Meissenberg. Hier vermeldet Bieri eine 100%ige Auslastung der Zimmer. Der einzige kleine Wermutstropfen ist der weiterhin sehr tiefe Anteil der Privatpatienten im Betrieb. Dennoch befindet sich das Haus in einer sehr komfortablen Lage. Die bereits sehr guten Zahlen des Vorjahres wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nochmals übertroffen. Auch bis Jahresende erwartet Bieri keine Abschwächung, so dass sich ein sehr gutes Ergebnis abzeichnet.

Auf Konzernstufe sei es gelungen, bei den Ergebnissen bis zum Juni eine Punktladung zu erreichen. Die Vorjahreswerte wurden, trotz der tieferen Bäderfrequenzen, dank höherer Einnahmen aus dem Klinikgeschäft kompensiert. Sehr positiv entwickle sich auch der Cashflow, berichtet der Geschäftsführer. Hier könne ein Zuwachs von 15% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden. Für das Gesamtjahr zeigt sich Bieri optimistisch. Während beim Klinikbetrieb keine Überraschungen zu erwarten sind und die Ziele erreicht werden dürften, hängt im Bäderbereich einiges vom Wetter ab. Sofern sich das Wetter in den kommenden Monaten eher von der schlechten Seite zeigt, erwartet Bieri einen deutlichen Schub vom umgebauten Aquarena.

Die Geschäftszahlen der Bad Schinznach AG für 2015 dürften analog des Vorjahres sehr gut ausfallen. Besonders erfreulich ist hierbei, dass der Erfolg am Meissenberg, dem früheren Sorgenkind der Gesellschaft, auch im laufenden Jahr weitergeht. Dies sollte auch für die Folgejahre gelten, auch wenn es für Aussagen noch deutlich zu früh ist. Die zu erwartenden positiven Zahlen untermauern die auf Langfristigkeit ausgerichtete Firmenstrategie. So werden bewusst temporär schwache Ergebnisse in Kauf genommen, um den langfristigen Wachstumskurs zu sichern. Deutlich wird dies auch beim Umbau der Aquarena, die zwar zu einer Schliessung eines Tals des Bads mit entsprechend negativen Einflüssen auf die Zahlen führte, sich aber mittel- bis langfristig positiv auf die Gesellschaft auswirken sollte. Angesichts der allgemein tiefen Auslastung von Bädern im sehr heissen Sommer 2015 kann die Wahl des Zeitpunkts für die Baumassnahmen als sehr gut angesehen werden.

Durch den Verkauf eines weiteren Hauses am Meissenberg wird die Bilanz der Bad Schinznach AG gestärkt, was Hauptaktionär und VR-Präsident Hans-Rudolf Wyss stets als Ziel nannte. Eine Sonderausschüttung für die Aktionäre dürfte daher auch weiterhin nicht anstehen. Angesichts der zu erwartenden positiven Zahlen erscheint es indessen als wahrscheinlich, dass die Gesellschaft den Kurs der Vorjahre, die Dividende jeweils um 4 CHF pro Aktie zu erhöhen, weiterführen wird.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 2’275 CHF weisen die Titel unter der Annahme einer Erhöhung der Dividende auf 48 CHF pro Aktie eine zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktive Ausschüttungsrendite von 2.1% auf. Das KGV dürfte sich wegen der auch im laufenden Jahr fortgeführten Strategie, einen steuerlich optimierten Gewinn auszuweisen, eher in einem hohen Bereich von rund 20 bewegen. Da die Gesellschaft die Möglichkeiten der Steueroptimierung konsequent nutzt, weisen die ausgewiesenen Kennzahlen nur einen Teil der effektiven Ertragskraft aus.

Analog stellt sich die Situation beim Buchwert dar, der den Substanzwert deutlich unterschreiten dürfte. Als Indiz kann der Brandversicherungswert der Gebäude, der per 31. Dezember 2014 bei 155 Mio. CHF lag, dienen. Diesem steht ein bilanzieller Wert von 54 Mio. CHF gegenüber. Auch sind die Grundstücke nur mit 4 Mio. CHF bilanziert. Deren effektiver Wert sollte deutlich höher liegen. Da die Aktionäre allerdings keine Sonderausschüttung oder hohe Dividenden erwarten können, eignen sich die Titel vor allem für Anleger, welche die Philosophie des VR-Präsidenten teilen und ein langfristiges Engagement an einer Gesellschaft mit konstanter Ertragskraft und starker Substanz eingehen möchten.

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