Acrevis: Stagnierender Bruttogewinn im 1. Semester – Weichen für weiteres Wachstum gestellt

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Der Hauptsitz der Acrevis Bank AG in St. Gallen. Bild: www.acrevis.ch
Der Hauptsitz der Acrevis Bank AG in St. Gallen. Bild: www.acrevis.ch

Noch im Februar wollte Stephan Weigelt, CEO der Ostschweizer Regionalbank Acrevis, keine konkreten Aussagen zum laufenden Geschäftsjahr 2015 machen. Es werde anspruchsvoll, sich im aktuellen Umfeld zu behaupten, erklärte er in einem Interview mit schweizeraktien.net. Mit Vorlage der Semesterzahlen hat der Bankenchef nun etwas mehr Planungssicherheit gewonnen. Denn die Zahlen sind, gemessen am schwierigen Marktumfeld, erfreulich ausgefallen. Doch Stephan Weigelt hat für die Acrevis Bank in den ersten sechs Monaten 2015 auch die Voraussetzungen für künftiges Wachstum geschaffen. So wurden Pfandbriefgelder im Umfang von 102 Mio. CHF zu einem marginalen Zinssatz aufgenommen, um die Refinanzierung und Zinsabsicherung von langfristigen Hypotheken sicherstellen zu können. Zudem entwickelte Acrevis ihr Beratungs- und Anlagemodell „Acrevis Spektrum„. Mittelfristig will die Bank rund die Hälfte ihrer Erträge unabhängig vom margenschwachen Zinsengeschäft erwirtschaften. Zudem wurde an der Generalversammlung vom 27. März ein genehmigtes Kapital geschaffen, das für Akquisitionen und zur Stärkung der Eigenkapitaldecke dienen soll. „Es gilt, die Risiken zu minimieren und dennoch Voraussetzungen zu schaffen, um mittelfristig Mehrerträge zu erwirtschaften“, so beschreibt die Bank in ihrem Semesterbericht den Spagat, den Regionalbanken derzeit machen müssen.

10.2% weniger Kommissions- und Dienstleistungserträge

Der Bruttoertrag war im 1. Semester 2015 mit 33.5 Mio. CHF gegenüber dem Vorjahr um 2.4% rückläufig. Grund dafür sind vor allen Dingen um rund 1 Mio. CHF niedrigere Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, während der Erfolg aus dem Zinsengeschäft mit 20.3 Mio. CHF (+ 0.5%) stabil blieb. Im Handelsgeschäft verdiente die Bank nicht zuletzt wegen der stärkeren Aktivitäten ihrer Kunden im Devisenhandel mit 2.8 Mio. CHF um 11.5% mehr als im Vorjahr. Der Rückgang im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft kommt zwar überraschend, weil die Bank eben diesen Bereich weiter ausbauen möchte. Begründet wird diese negative Entwicklung mit der „noch andauernden Bereinigung von Verbindungen zu ausländischen sowie zu einzelnen institutionellen Anlegern“. Trotz der Investitionen in das neue Private Banking-Angebot lag der Geschäftsaufwand mit 19.6 Mio. CHF um 3.7% unter dem Vorjahresniveau. Unter dem Strich lagen das Betriebsergebnis mit 11.8 Mio. CHF und der Halbjahresgewinn mit 9.8 Mio. CHF um rund 1% über den Vorjahreswerten.

Günstige Pfandbriefgelder gesichert

In der Bilanz zeigt sich weiterhin ein Wachstum im Hypothekenmarkt. Die Hypothekarforderungen nahmen um 2.6% auf 3’125 Mrd. CHF zu, so dass auch die Ausleihungen per Ende Juni 2015 mit 3’431 Mrd. CHF um 2.5% über dem Vorjahreswert lagen. Ganz leicht auf 3’154 Mio. CHF gingen die Kundengelder zurück, was zu einem tieferen Deckungsgrad von 91.9% (94.4%) führte. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Festhypotheken mit einer längeren Laufzeit hat die Acrevis Bank im ersten Semester Pfandbriefdarlehen im Volumen von 102 Mio. CHF aufgenommen. Damit will sich Stephan Weigelt vor allem gegen steigende Zinsen absichern. Denn neben dem Ausbau des Private Banking sieht er auch im Zinsdifferenzgeschäft weitere Wachstumsmöglichkeiten. Obwohl die Generalversammlung ein genehmigtes Kapital in Höhe von 13 Mio. CHF geschaffen hat, gibt es derzeit noch keine konkreten Pläne für eine Kapitalerhöhung. Auf Nachfrage erklärte Weigelt, dass die Kapitalerhöhung erst im Falle einer konkreten Akquisition – und dann unter Ausschluss des Bezugsrechts – durchgeführt werde. Alternativ sei es auch möglich, dass Acrevis das Kapital erhöhe, um bei einer weiteren Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften die neuen Anforderungen erfüllen zu können. Für beide Fälle sei man nun gewappnet. Mit Blick auf das Gesamtjahr zeigte sich Weigelt nun zuversichtlich. Sofern es keine ausserordentlichen Ereignisse mehr gebe, sei ein Ergebnis auf Vorjahreshöhe erreichbar, erklärte er.

Als mittelgrosse Regionalbank muss sich auch die Acrevis Bank AG mit den tiefen Zinsen, dem Margendruck und der zunehmenden Regulation auseinandersetzen. Allerdings hat es die Bank in den vergangenen Jahren geschafft, durch Zusammenschlüsse und Übernahmen eine respektable Grösse mit einer Bilanzsumme von 4.1 Mrd. CHF zu erreichen. Zudem ist sie mit einem Anteil der Erträge aus dem Zinsengeschäft von knapp 60% schon heute weniger abhängig von diesem Segment als die meisten anderen Regionalbanken. Auch wenn der Markt gerade in St. Gallen und am oberen Zürichsee sehr kompetitiv ist, bestehen durchaus Chancen für ein moderates organisches Wachstum. Schlussendlich könnte aber auch die Acrevis Bank, die im Esprit Netzwerk einiger Regionalbanken eingebunden ist und mit der Finanzlogistik AG gemeinsam mit anderen Ostschweizer Banken einen Outsourcingdienstleister betreibt, ein interessanter Partner für andere Banken bei einer weiteren Konsolidierung in der Regionalbankenszene sein. Die St. Galler Vadian-Bank ging im letzten Jahr zwar an die St. Galler Kantonalbank. Dennoch sind im Rheintal, am rechten Zürichseeufer und auch im Thurgau noch kleinere Institute zu finden, die gut zur Acrevis Bank passen könnten. Bei Aktienkursen um die 1’155 CHF ist die Aktie der Acrevis Bank im Branchenvergleich nicht zu hoch bewertet. Im Gegenteil: Sofern die Dividende von 32 CHF für das laufende Jahr wieder ausgeschüttet wird, beträgt die Rendite 2.8%. Aktionäre mit mehr als 10 Aktien kommen zusätzlich in den Genuss von Vorzugszinsen und einer gebührenfreien Kontoführung.

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