Titlisbahnen: Wegfall von Wohnungsverkäufen und schwaches Gruppenreisegeschäft drücken auf Semesterergebnis

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Im Dezember 2015 nahm der Titlis Xpress den Betrieb auf. Quelle: Titlisbahnen
Im Dezember 2015 nahm der Titlis Xpress den Betrieb auf. Quelle: Titlisbahnen

Die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (Titlisbahnen) mussten im ersten Semester des per 31. Oktober 2016 endenden Geschäftsjahres 2015/16 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der konsolidierten Einnahmen um 21.6% verbuchen. Massgeblich verantwortlich für das deutliche Minus war der Wegfall von Erträgen aus Wohnungsverkäufen, die im Vorjahr letztmalig einen Beitrag von 6.7 Mio. CHF zu den Konzerneinkünften beisteuerten. Sorgen bereitet der Gesellschaft gemäss dem Semesterbericht die Situation in den Übersee-Märkten, vor allem in China. Neben den verschärften Visa-Bestimmungen für den Euroraum haben auch die Anschläge in Paris und Brüssel sowie die wirtschaftliche Situation zu einem massiven Einbruch in diesem Gästesegment geführt. Als aussergewöhnlich bezeichnet die Gesellschaft den Start in die Wintersaison 2015/16. Bis zur Eröffnung der neuen Gondelbahn Titlis Xpress am 12. Dezember 2015 mussten alle Besucher mit der 100-jährigen Standseilbahn transportiert werden. Mit der Eröffnung der neuen Bahn mutierte das Berghotel Trübsee zum Angelpunkt des gesamten Titlisgebiets. Gemeinsam mit den erneuerten und erweiterten Restaurationsanlagen führte dies zu einem substanziellen Plus der Umsätze des Berghotels.

Tageskartenverkauf legt zu

Die Titlisbahnen konnten trotz der ungünstigen Witterungsbedingungen und den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Anzahl der Wintersportgäste im Winter 2015/16 um 1.1% steigern. Bei den Tageskarten erzielte die Gesellschaft sogar ein Plus von 11%. Als wichtigen Grund des Anstiegs sieht die Unternehmung den neuen Titlis Xpress, der die Zufriedenheit der Besucher deutlich erhöhte und die Wartezeiten an der Talstation massiv verkürzte. Allerdings gingen die Verkäufe der Mehrtageskarten zurück, was als Folge des schwachen Euros angesehen wird. Wegen der sehr milden Temperaturen konnte zudem die Schlittelbahn von der Gerschalp nach Engelberg nur an sehr wenigen Tagen geöffnet werden, was zu einem Einbruch der Anzahl Schlittler um rund zwei Drittel führte. Insgesamt sanken die Verkehrserträge im Vergleich zum Vorjahr um 6.2% auf 20.7 Mio. CHF. Analog gingen auch die Restaurationseinnahmen um 2.8% auf 7.1 Mio. CHF zurück. Die Erträge aus Beherbergung und den Handelswaren sanken um 0.1 Mio. CHF auf 2.3 Mio. CHF. Deutlich tiefer fielen die übrigen Erträge mit 2.2 Mio. CHF  (Vorjahr: 9.5 Mio. CHF) aus, was massgeblich auf den Wegfall der Wohnungsverkäufe zurückgeht. Auf der Kostenseite verharrte der Warenaufwand auf dem Vorjahresniveau von 2.4 Mio. CHF, während der Personalaufwand um 1.5% auf 12.1 Mio. CHF anstieg. Das Plus lässt sich auf die zusätzlichen Stellen für den Bau der neuen Bahn zurückführen. Aus demselben Grund stieg auch der sonstige Betriebsaufwand um 7.7% auf 7.7 Mio. CHF an. Unter dem Strich führte dies zu einem um gut 50% tieferen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 9.2 Mio. CHF. Investitionsbedingt stiegen die Sachabschreibungen von 4.3 Mio. CHF im Vorjahr auf 5.8 Mio. CHF an, was zu einem Einbruch des EBIT um 76.1% auf 3.4 Mio. CHF führte. Positiv auf das Nettoergebnis wirkte sich der um 1.4 Mio. CHF auf 0.6 Mio. CHF gesunkene Steueraufwand aus. Dennoch fiel der Reingewinn mit 2.9 Mio. CHF um 76% tiefer aus als im Vorjahr.

Rekordwerte des Vorjahres werden nicht erreicht

Für den Geschäftsverlauf des Sommers 2016 zeigt sich die Gesellschaft verhalten optimistisch. Zwar werde es nicht gelingen, an die Rekordwerte des Vorjahres anzuknüpfen. Aber es werde dennoch ein gutes Jahresergebnis, welches über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt, erwartet. Weiterhin angespannt bleibt die Situation auf dem chinesischen Markt. Dem steht eine solide Entwicklung der für die Titlisbahnen anderen wichtigen Quellenmärkte gegenüber. In den Monaten Mai und Juni lagen die Ersteintritte um 11% hinter den Rekordwerten des Vorjahres zurück. Für die kommende Wintersaison plant die Gesellschaft erstmals, die Bahnen von Engelberg bis zum Stand bereits im November durchgehend zu betreiben. So sollen zusätzliche Skierdays generiert werden. Dank der Investitionen in die Beschneiung, die neue Bahn und die Restaurants konnte die Bahn ihre Marktposition im Wintergeschäft stärken. Weiterhin schwierig bleiben wird jedoch auch der europäische Markt. Dank der Stammgäste blickt die Unternehmung dennoch zuversichtlich auf die Wintersaison 2016/17.

Die Geschäftszahlen der Titlisbahnen fallen zumindest auf den zweiten Blick erfreulich aus. Der starke Rückgang der Umsätze und des Gewinns geht vor allem auf den Wegfall der Gewinne aus Wohnungsverkäufen zurück, was vom Unternehmen wiederholt kommuniziert wurde und somit keine negative Überraschung darstellt. Keinesfalls schwach fallen die Margen des ordentlichen Geschäfts aus, obwohl diese im Berichtszeitraum durch die Kosten der Investitionen in die neue Bahn und den Ausbau des Restaurants Trübsee belastet wurden. Trotz der hohen Investitionen verfügte die Gesellschaft per 30. April 2016 über eine bilanzielle Eigenmittelquote von 79%, ein nicht nur im Branchenvergleich sehr guter Wert.

Die Aktien der Titlisbahnen sind an der SIX Swiss Exchange kotiert. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 360 CHF weisen die Titel eine zumindest im Vergleich zum Gros der Bergbahnen, die keine Ausschüttungen machen, attraktive Dividendenrendite von 2.2% auf. Auch wenn  für das Gesamtjahr mit einem deutlich unter den Vorjahreswerten liegendem Ergebnis zu rechnen ist, sollte eine Kürzung der Dividende nicht zu erwarten sein. Die Gesellschaft verfügt über genügend Mittel, um die Ausschüttungen in der bisherigen Höhe beizubehalten. Diese werden allerdings zukünftig nicht mehr durch Wohnungsverkäufe finanziert werden können, sondern aus dem laufenden betrieblichen Cashflow oder den Reserven ausgerichtet. Ebenfalls für Ausschüttungen in Frage kommen die Mieterträge aus den Wohnungen, welche die Unternehmung nicht verkauft hat.

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