Weleda: Umsatz legt 2016 nur leicht zu, komfortable Nettofinanzposition – Internationalisierung und Entwicklung der Arzneimittelsparte weiter im Fokus

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Der Granatapfel: "antioxidativ und regenerierend." Bild: www.weleda.ch
Der Granatapfel: „antioxidativ und regenerierend.“ Bild: www.weleda.ch

Anfang Januar 2017 publizierte die mit ihren Partizipationsscheinen (PS) im ausserbörslichen Handel auf OTC-X gelistete Weleda AG einen „Weleda Brief„, in dem sie ihre „Aktionäre, Partizipanten und Freunde der Weleda AG“ über das abgelaufene Jahr 2016, den Ausblick auf 2017 sowie jüngste Entwicklungen im Unternehmen orientierte.
Aus Sicht des Managements lagen und liegen die operativen Schwerpunkte – das galt für 2016 genauso wie für das laufende Jahr 2017 – insbesondere im Bereich eines Ausbaus der Internationalisierung, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Umsetzung der neuen Pharmastrategie. Auch die „konsequente Entwicklung der Nachhaltigkeit“ steht dabei weiter auf der Agenda der Verwaltung.

Geschäftsentwicklung 2016 weitgehend im Plan

Der Gesamtumsatz der Weleda-Gruppe lag Ende November 2016 gemäss „Weleda-Brief“ bei 355.8 Mio. Euro, was einem Zuwachs um 0.6% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Fremdwährungsbereinigt lag das Umsatzwachstum sogar über 1.8% im Plus, so dass sich unsere Prognose vom November 2016 – gestützt auf frühere Prognosen des Managements – bestätigte.

Sehr erfreulich entwickelte sich – einmal mehr – der Bereich Naturkosmetik: Der Umsatz kletterte hier um 3.2% auf 256.4 Euro, so dass die Naturkosmetik im Jahr 2016 für gut 72% der Umsätze der Weleda-Gruppe stand. Fremdwährungsbereinigt lag das Umsatzwachstum in dieser wichtigsten Sparte sogar bei 4.2% – und dass, obwohl die Umsätze in Deutschland und der Schweiz nur sehr gering stiegen! Insbesondere der französische Markt entwickelte sich dagegen vorteilhaft und konnte 2016 deutlich zulegen.

Dagegen war der Umsatz bei den Arzneimitteln im Vergleich zum Vorjahr von 105.3 Mio. Euro auf 99.4 Mio. Euro rückläufig, ein Minus von 5.6%. Fremdwährungsbereinigt lag der Rückgang immer noch bei -4.0%. Ursächlich war hier insbesondere das (plangemässe) Wegfallen des Iscador-Umsatzes in der Schweiz und in Deutschland, das (noch) nicht durch andere Weleda-Arzneimittel kompensiert werden konnte. Umso mehr setzt Weleda – flankiert von der eingeschlagenen Internationalisierungsstrategie – auf die Entwicklung der Pharma-Sparte sowie auf Forschung&Entwicklung und die „Fokussierung des Arzneimittel-Portfolios„. Das Ziel ist es, so der „Weleda-Brief„, aus dem Weleda-Portfolio „5 bis 10 potenzialstarke Präparate zur fokussierten Vermarktung in ausgewählten internationalen Märkten zu evaluieren und zu definieren„. Diese Fokuspräparate und die Zielmärkte sollen bis Anfang 2017 – also zeitnah – feststehen.

Obwohl die Umsätze – bedingt durch die leichte Schwäche bei den Arzneimitteln – 2016 „unter Plan“ lagen, so lag das Betriebsergebnis auf der anderen Seite aussagegemäss „leicht über Plan, aber unter Vorjahr.“ Als Gründe für diesen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr führt Weleda die Mehrkosten aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen in der Arzneimittelsparte, den Wegfall des Iscador-Umsatzes sowie Marktinvestitionen im Zusammenhang mit der Internationalisierungsstrategie an.

Verbesserte Finanzlage

Wie Weleda mitteilt, hat sich das Nettofinanzguthaben (Flüssige Mittel abzüglich verzinslicher Verbindlichkeiten) seit Ende Dezember 2015 bis Ende November 2016 um +14.0 Mio. Euro auf +28.0 Mio. Euro erhöht! Dies ist für eine Gesellschaft, die noch vor wenigen Jahren mit dem Rücken zur Wand stand, eine mehr als nur komfortable Ausgangslage. Die Weleda AG ist nach einem scharfen Sanierungskurs längst wieder „Herr im eigenen Haus“ und kann aus einer Position der Stärke heraus – in jeder Hinsicht frei und unabhängig – ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und die unternehmerische Perspektiven evaluieren. Dies betrifft insbesondere die Bereiche „Arzneimittel F&E“ sowie „Internationalisierung“. Die hohe Nettofinanzposition ist allerdings auch notwendig, um die in den nächsten Jahren zu erwartenden, beträchtlichen Investitionen in die Entwicklung des Arzneimittelportfolios sowie die Internationalisierung tätigen zu können.

Weleda gewinnt weiteren Nachhaltigkeitspreis

Im Oktober 2016 hatte die Weleda AG beim diesjährigen europäischen Branchenevent Sustainable Cosmetics Summit in Paris in mehreren Kategorien den Sustainable Beauty Award erhalten (vgl. unseren Blog-Beitrag vom 11. November 2016). Bereits Ende November 2016 – also unmittelbar nach unserem Blog-Beitrag – legte Weleda bei den Auszeichnungen in puncto Nachhaltigkeit nochmals nach: Am 25. November 2016 wurde Weleda bei der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2016 – noch vor anderen Naturkosmetik-Herstellern und bekannten deutschen Bio-Labels – als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist nach Angaben von Weleda „Europas bedeutendste Auszeichnung dieser Art“ und wird von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung, Kommunalverbänden, Forschung und Wirtschaft vergeben.

2017: Umsatzbelebung aufgrund zahlreicher Neuprodukte erwartet, insbesondere in D-A-CH-Märkten

Für das Gesamtjahr 2016 ging die Verwaltung Anfang 2017 von einem etwa gleichbleibenden Gesamtumsatz bei einem stabilen, aber geplanten, leicht rückläufigen Ergebnis aus. Als Grund führt das Management an, dass weniger Neuprodukte 2016 „eine Konsolidierung auf dem Wachstumspfad“ bewirkt hätten. Für das laufende Geschäftsjahr 2017 rechnet das Weleda-Management nach Aussagen im „Weleda-Brief“ hingegen mit einer Belebung des Geschäfts aufgrund zahlreicher Neuprodukte, die – nach Plan – namentlich in den D-A-CH-Märkten für Umsatzwachstum sorgen sollen.

Unser Fazit vom November 2016 gilt unverändert auch für 2017: Wir rechnen für das laufende Jahr nach den bisherigen Aussagen der Verwaltung ungeachtet anstehender Investitionen und einer „Modernisierung“ (Straffung) des Produktportfolios mit einem anhaltend freundlichen Geschäftsgang, da sich die in vielerlei Hinsicht runderneuerte Weleda AG sehr erfolgreich in attraktiven Nischen positioniert hat und die Marke Weleda international über eine hohe Strahlkraft insbesondere im Naturkosmetikmarkt verfügt. Im Idealfall gelingt es längerfristig auch, diese Strahlkraft aus der Naturkosmetik auf die Arzneimittel-Sparte zu übertragen. Insgesamt schätzen wir die Perspektiven der Weleda AG als intakt ein.

Weleda schreibt die eigene Erfolgsgeschichte der letzten Jahre nach dem Turnaround weiter fort. Hinsichtlich der in vielerlei „speziellen“ Kapitalstruktur der Weleda AG verweisen wir – wie schon bisher – auf unseren Blog-Beitrag vom Februar 2016. Aufgrund von statutarischen Eintragungsbeschränkungen für die Namenaktien – Anrecht auf Eintragung im Aktienregister haben nur die Mitglieder der AAG – werden auf OTC-X nur die Namenpartizipationsscheine (Valor 496018) frei gehandelt. Zuletzt wurden die Partizipationsscheine der Weleda AG Anfang Januar 2017 auf OTC-X zu 3’190 CHF umgesetzt. Die Titel werden aktuell zu 3’150 CHF gesucht und zu 3’250 CHF angeboten (Kurse vom 19. Januar 2017).

Transparenzhinweis: Der Verfasser ist an der Gesellschaft beteiligt.

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