Aluminium Laufen: Verlust im 2016 halbiert, weiterhin rote Zahlen erwartet – Teilverlagerung der Produktion nach Tunesien

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Die Alu Laufen besitzt – wie auf dem Bild zu sehen ist – moderne Strangpressen. Quelle: Alu Laufen AG

Die Aluminium Laufen AG litt im Geschäftsjahr 2016 weiterhin unter der sehr schwierigen Situation der schweizerischen Metallverarbeitungsbranche. Während sich die Konjunktur in den für die Gesellschaft wichtigsten Exportmärkten Deutschland und Frankreich dank geldpolitischer Massnahmen erholte, litt der Schweizer Markt unter der anhaltenden Stärke des Schweizer Frankens. Deutlich wird dies etwa bei der Entwicklung des Marktvolumens bei den Strangpressprodukten mit einem Minus von 4.1% auf 75’800 Tonnen. Noch weitaus stärker ging die inländische Produktion zurück. Diese sank um 21%, während der Marktanteil der schweizerischen Werke auf 17.7% respektive ein Volumen von 11’555 Tonnen fiel. Ebenfalls rückläufig war in der Schweiz die Nachfrage nach Leichtmetallgiessprodukten. Dies geht neben dem allgemein schrumpfenden Marktvolumen auch auf die schwache Nachfrage der Produzenten von Investitionsgütern zurück.

Profitabilität trotz tieferem Umsatz gesteigert

Die Alu Laufen verzeichnete im Geschäftsjahr 2016 ein Umsatzminus von 16.3% auf 78 Mio. CHF. Am stärksten traf es die Gussprodukte, die bei einem Volumenrückgang von 14.4% einen Umsatzeinbruch um 18.3% auf 17.5 Mio. CHF erlitten. Etwas weniger stark fiel der Rückgang im Bereich Pressprodukte mit einem Einnahmenminus um 16.7% auf 62.7 Mio. CHF aus. Zu schaffen machte der Gesellschaft das schwierige Marktumfeld, unter dem die gesamte Branche leidet. Die anhaltend schwierige Situation veranlasste das Management dazu, Sparmassnahmen zu ergreifen. Zusätzlich konnte Alu Laufen bei den Rohmaterialeinkäufen von den wechselkursbedingt tieferen Preisen profitieren, was sich in den um 27.7% auf 39 Mio. CHF gesunkenen Materialkosten widerspiegelt. Innerbetriebliche Optimierungen erlaubten es, die Betriebskosten trotz des hohen Fixkostenanteils um 6.9% auf 12.9 Mio. CHF zu senken. Auch beim Personal wurden weitere Einsparungen gemacht, so dass die Lohnkosten um 5.3% auf 22.1 Mio. CHF gesunken sind. In der Summe führte dies zu einem positiven Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 3.4 Mio. CHF nach einer schwarzen Null im Vorjahr. Nach Sachabschreibungen von 7.4 Mio. CHF resultierte ein negatives EBIT von 4.1 Mio. CHF nach einem Vorjahresverlust von 7.6 Mio. CHF. Im Vorjahr wurde das Ergebnis zusätzlich durch ausserordentliche Aufwendungen in Höhe von 0.6 Mio. CHF für die Restrukturierungen belastet. Unter dem Strich konnte so der Verlust von 8.2 Mio. CHF im Vorjahr deutlich auf 4.2 Mio. CHF im 2016 reduziert werden. Die Aktionäre haben angesichts des Verlustausweises weiterhin keine Dividende erhalten.

Teilverlagerung der Produktion nach Tunesien

Die schwierige Situation hält auch im 2017 weiterhin an. Es zeichnet sich zwar eine leichte Verbesserung auf der Nachfrageseite ab, wie die Geschäftsleitung an der Generalversammlung betonte. Diese werde aber keinesfalls ausreichen, um schwarze Zahlen zu erzielen. Die aktuelle Durststrecke mit einem Dividendenverzicht wird daher weiterhin andauern. Die Verlagerung eines Teils der Produktion des Gussbereichs nach Tunesien soll den hohen Margendruck etwas abfedern. So sollen zusammen mit einem strategischen Partner einbaufertige Gusskomponenten in Nordafrika hergestellt werden. In der Summe rechnet die Geschäftsleitung auf mittel- bis langfristige Sicht mit einer Verbesserung der Situation.

Die Geschäftszahlen der Alu Laufen reflektieren das schwierige wirtschaftliche Umfeld, in dem sich die Gesellschaft befindet. Obwohl das Unternehmen für das vergangene Jahr erneut einen hohen Verlust ausweist, ist eine eindrückliche Verbesserung der Ertragsmargen zu erkennen. Zwar ist es für eine Entwarnung und die Rückkehr zu schwarzen Zahlen noch zu früh, auch wenn für das laufende Jahr eine weitere Ergebnisverbesserung angestrebt wird. Dennoch dürfte es im 2017 noch nicht gelingen, genügend Mittel zur Finanzierung sämtlicher Abschreibungen aus dem operativen Geschäft zu erwirtschaften. Es sollte allerdings dank der eingeleiteten Optimierungen möglich sein, rund 75% der Abschreibungen aus dem ordentlichen Betrieb zu erwirtschaften.

Die Alu Laufen verfügt auch nach zwei verlustreichen Jahren über eine grundsolide Bilanz und hat infolge der in den letzten Jahren getätigten grossen Erneuerungen, die unter anderem den Erwerb einer neuen Presse beinhalteten, keine grösseren Investitionen zu tätigen. Somit sind zumindest keine Geldabflüsse zu erwarten, so dass die Gesellschaft auch eine längere Durststrecke problemlos überstehen kann. Ein Indiz liefert etwa die Angabe im Geschäftsbericht, wonach die bereinigte Eigenkapitalquote bei über 80% liegt. Dieser Aussage steht die ausgewiesene Eigenmittelquote von nur 20.2% gegenüber. Selbst unter Berücksichtigung sämtlicher, d.h. der kurz- und langfristigen Rückstellungen lässt sich nur eine Eigenmittelquote von 56% errechnen. Dies belegt die Vermutung, dass die Gesellschaft über nicht unerhebliche stille Reserven verfügt.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Wegen des Verlustausweises und der fehlenden Ausschüttung können die Papiere nicht auf der Basis der Kennzahlen der Erfolgsrechnung bewertet werden. Auch das EBITDA kann trotz einer deutlichen Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr nur beschränkt zur Bewertung herangezogen werden. In Frage kommt somit vor allem der Buchwert, der infolge des hohen Jahresverlustes per Jahresende 2016 auf den im Vergleich zum letztbezahlten Kurs von 10’000 CHF tiefen Wert von 1’350 CHF gefallen ist. Auch der Wert unter Berücksichtigung der Rückstellungen beträgt nur 3’730 CHF. Weitere Hinweise auf den mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit deutlich höheren Substanzwert lassen sich in der Berichterstattung der Gesellschaft nicht finden. Somit ist lediglich eine grobe Schätzung des Werts ohne jegliche Möglichkeit der Nachprüfung möglich, weswegen wir auf eine Publikation verzichten. Als mögliches Indiz herangezogen werden kann der nach neuen Rechnungslegungsvorschriften nicht mehr publizierte Brandversicherungswert der Sachanlagen. Dieser betrug per Jahresende 2014 über 170 Mio. CHF. Zum Bilanzstichtag 31.12.2016 dürfte dieser kaum tiefer gelegen haben. Der bilanzielle Wert der Sachanlagen liegt indessen bei nur noch 6.8 Mio. CHF. Unter der Annahme, dass die Gesellschaft wieder zur alten Ertragsstärke zurückfindet, sind die Papiere auf dem aktuellen Kursniveau nicht überbewertet. Ein Verkauf auf dem aktuellen Kursniveau erscheint daher zumindest für langfristig agierende Anleger nicht angezeigt.
Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär der Gesellschaft.

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