Norinvest SA: Enttäuschendes Jahr 2016 für die Tochter Banque Cramer, Gewinn nur durch Sonderfaktoren – Schwieriges 2017 erwartet

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Die Privatbank Banque Cramer ist derzeit noch die einzige Beteiligung der Genfer Norinvest. Quelle: www.finews.ch

Die Norinvest Holding SA ist eine Dachholding mit dem Fokus auf Finanzanlagen. Als Basis für die künftige Geschäftsentwicklung soll ein starkes Ankeraktionariat, das eng mit der Gesellschaft verbunden ist und langfristig engagiert bleibt, dienen. Um echte Mehrwerte schaffen zu können, will die Norinvest im Vermögensverwaltungsgeschäft wachsen. Zur Erreichung dieses Ziels will die Gesellschaft kleinere auf das Vermögensverwaltungsgeschäft fokussierte Banken erwerben und Neugelder beispielsweise von Vermögensverwaltern akquirieren. Den Geschäftsführern der übernommenen Einheiten soll im Gegenzug eine Beteiligung an der Gruppe ermöglicht werden. So können sowohl die Geschäftsaktivitäten ausgebaut als auch die finanzielle Stärke der Gruppe gesteigert werden. Dabei steht die Erzielung einer maximalen Rendite der investierten eigenen Mittel bei einem möglichst geringem Risiko an erster Stelle der Firmenstrategie. Die hohen regulatorischen Anforderungen an Vermögensverwalter und die hieraus resultierenden hohen Kosten stellen vor allem für kleinere Betriebe eine echte finanzielle Herausforderung dar. Durch die Bündelung der Kräfte in der Norinvest sollen Synergien geschaffen werden, von denen sowohl die bisherigen Anteilseigner als auch neue Aktionäre profitieren können. Die Wertsteigerung der Gesellschaft soll sich auch positiv in der höheren Handelsliquidität der Titel niederschlagen, die seit dem 28. April auf OTC-X gelistet sind.

Kotierung aus Kostengründen aufgehoben

Allerdings kann sich auch die Norinvest, deren einziges Engagement derzeit noch eine 100%-Beteiligung an der Privatbank Banque Cramer ist, dem schwierigen Marktumfeld nicht entziehen. Wie dem aktuellen Geschäftsbericht entnommen werden kann, leidet die Gesellschaft unter rückläufigen Einkünften und sieht sich daher gezwungen, die Kosten „besser zu beherrschen“. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Dekotierung der Aktien von der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange und die Notizaufnahme auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB). Auch werden Lösungen zur Vereinfachung der Firmenstruktur gesucht, was dazu führte, dass die Banque Cramer ein Angebot zum Verkauf der Filiale auf den Bahamas angenommen hat. Allerdings konnte die Transaktion bislang nicht vollzogen werden, da die IXE Capital Bahamas, welche die Aktivitäten der Banque Cramer in Nassau übernehmen wollte, ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt hat.

Sonderfaktoren ermöglichen schwarze Zahlen

Die Norinvest respektive die operativ tätige Banque Cramer litt im 2016 unter deutlichen Ertragsrückgängen. So sank etwa der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, der Haupteinnahmequelle, um 7.4% auf 35.2 Mio. CHF. Im Handelsgeschäft, das an zweiter Stelle der Umsätze steht, brachen die Einnahmen sogar um 41.3% auf 10.6 Mio. CHF ein. Beim Zinserfolg konnte die Gesellschaft einen Anstieg des Nettozinserfolgs um 151.7% auf 10.6 Mio. CHF respektive plus 6.4 Mio. CHF erzielen. Das Plus geht allerdings ausschliesslich auf das Konto positiver Wertkorrekturen in Höhe von 1.9 Mio. CHF, nachdem im Vorjahr noch ein negativer Wert von 5.1 Mio. CHF verbucht worden war. Beim Bruttozinserfolg, der die Entwicklung des ordentlichen Zinsgeschäfts reflektiert, verzeichnete die Norinvest hingegen ein Minus um 0.7 Mio. CHF auf 8.6 Mio. CHF. Schliesslich wurde aus dem übrigen ordentlichen Geschäft ein Gewinn von 2.9 Mio. CHF nach einem Vorjahresverlust von 2 Mio. CHF erzielt. Auf der Kostenseite verbuchte die Gesellschaft hingegen einen Anstieg der Geschäftsaufwendungen um 8.7% auf 56.3 Mio. CHF. Trotz der um 0.6 Mio. CHF tieferen Wertberichtigungen und der um 0.1 Mio. CHF geringeren Aufwendungen für Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung resultierte ein negativer Geschäftserfolg in Höhe von 1.4 Mio. CHF nach einem Vorjahresgewinn in Höhe von 1.3 Mio. CHF. Positiv auf den Reingewinn wirkten sich ausserordentliche Erträge in Höhe von 5.9 Mio. CHF aus. Hiervon gehen 4.8 Mio. CHF auf das Konto von Zahlungen der Valartis Group AG im Nachgang zu einem Vorgang aus dem Jahr 2014. Die Valartis ihrerseits geriet in eine finanzielle Schieflage, die im 2016 erfolgreich beendet werden konnte. Zudem besitzt Valartis 25% der Aktien der Norinvest und ist damit zeitgleich grösster Aktionär. Weitere 0.6 Mio. CHF stammen aus einer Steuerrückerstattung. Bereits im Vorjahr verbuchte Norinvest ausserordentliche Einnahmen in Höhe von 15.3 Mio. CHF, die aus Immobilienverkäufen stammten. Im 2016 wurden zudem Reserven für allgemeine Bankrisiken im Umfang von 0.5 Mio. CHF zugunsten der Erfolgsrechnung aufgelöst, während der Rechnung des Vorjahres noch eine Äufnung der Reserven um 1.5 Mio. CHF belastet wurde. Unter dem Strich führte dies zu einem Reingewinn von 4.1 Mio. CHF im 2016 nach 14.5 Mio. CHF im Vorjahr. Bereinigt um die ausserordentlichen Faktoren wäre sowohl im Vorjahr als auch im Berichtsjahr ein Verlust angefallen. Nach Abzug der Äufnung der Reserven für allgemeine Bankrisiken im 2015 lässt sich ein Reingewinn von knapp 0.8 Mio. CHF errechnen, während für 2016 ein Verlust von 2.3 Mio. CHF bestimmt werden kann.

Schwieriges 2017 erwartet

Die Norinvest wird die Anstrengungen zur Optimierung der Strukturen weiter vorantreiben. Ab dem 1. Oktober 2017 soll mit Cédric Anker ein neuer CEO die Geschicke der Banque Cramer leiten. Anker verfügt über einen ausgewiesenen Leistungsausweis im Bankenbereich. Nach verschiedenen Tätigkeiten bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse wurde er im 2006 zum CEO der Bank Vontobel in Genf ernannt. 2010 wechselte er als Mitglied des Exekutiv-Komitees zur Bank Mirabaud und ist dort verantwortlich für das schweizerische Privat Banking. Norinvest wird im Verlauf des Jahres 2017 zudem ein Büro in Moskau eröffnen. Insgesamt rechnet die Gruppe dennoch mit einem schwierigen Geschäftsjahr 2017.

Die Zahlen von Norinvest fallen schwach aus. Ein deutlicher Verlust im operativen Geschäft, der nur durch Sonderzahlungen der Valartis zu einem Gewinnausweis führte,  wirft kein erfreuliches Licht auf das Zahlenwerk. Zudem steckte auch Valartis, die zudem noch der grösste Aktionär der Gesellschaft ist, ihrerseits in erheblichen Schwierigkeiten und musste saniert werden. Auch wenn die Gesellschaft sich in einer Phase der Transaktion befindet, zeichnet sich ab, dass in der aktuellen Form zumindest keine deutlichen Gewinne erzielt werden können. Die Aussage der Gesellschaft, wonach ein schwieriges 2017 erwartet wird, lässt darauf schliessen, dass auch weiterhin ein Verlust aus dem ordentlichen Geschäft anfallen wird. Dieser könnte allenfalls durch einen erfolgreichen Verkauf der Beteiligung auf den Bahamas kompensiert werden. Positiv zu werten sind die Aussagen, wonach die Kostenstruktur weiter optimiert werden muss. Allerdings müssen auch zusätzliche Ertragsquellen erschlossen werden. Derzeit besitzt die Norinvest nicht die notwendige Grösse, um ein ansehnliches Ergebnis zu erwirtschaften. Auf der Habenseite verbucht die Norinvest den Namen der Banque Cramer und die solide Bilanz.

Die Aktien der Gesellschaft werden seit dem 28. April 2017 auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Bislang fanden erst zwei Transaktionen zu Kursen von 1.90 CHF statt. Als wenig zielführend erscheint eine Bewertung der Papiere über das KGV. Nicht in Frage kommt mangels Ausschüttungen auch die Ermittlung einer Dividendenrendite. In Betracht kommt somit ausschliesslich eine Bewertung auf der Basis des Buchwerts. Dieser lag per 31.12.2016 bei 2.54 CHF pro Aktie, was um rund einem Drittel über dem letztbezahlten Preis, der dem Geldkurs entspricht, liegt. Angesichts des schwierigen Umfelds und des von der Gesellschaft selbst erwarteten weiteren schwierigen Jahres 2017 scheint der Abschlag auf den Buchwert gerechtfertigt. Erst, wenn es der Gruppe gelingt, die Erträge deutlich zu steigern, ohne dass die Kosten in gleichem Umfang mitwachsen, sollte eine Annäherung des Kurses der Aktien an den Buchwert zu erwarten sein. Ein entsprechender Leistungsausweis der Gesellschaft muss indessen erst erbracht werden.

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