Landis+Gyr: Welcher Zeichnungspreis lässt beim Börsengang Spielraum für Kursgewinne?

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Die Aktie von Landis+Gyr könnte schon am 21. Juli an der Schweizer Börse kotiert werden. Bild: www.landisgyr.ch

Etwas überraschend kurzfristig kündigte Landis+Gyr am 11. Juli den sofortigen Börsengang an, nur einen Tag nach der Veröffentlichung unseres Blog-Beitrages „Was für Investoren wissenswert ist“. Die Erstnotiz an der SIX Swiss Exchange wird voraussichtlich am 21. Juli erfolgen. Die Bookbuilding-Spanne umfasst 70 CHF bis 82 CHF je Aktie. Zeichnen oder nicht, das ist jetzt die Frage?

Zwar fand am 12. Juli eine kurzfristig anberaumte Medieninformation statt, doch weitergehende Unterlagen oder eine Präsentation zum IPO sind nicht verfügbar, bzw. dürfen nicht herausgegeben werden. Interessierte Anleger können den Prospekt bei swiss-prospectus@ubs.com anfordern.

Trade Sale wird weiter verhandelt

Explizit wird darauf hingewiesen, dass der Börsengang noch abgesagt werden kann, sollten die scheinbar noch laufenden Verhandlungen mit den Private-Equity-Investoren Goldman Sachs sowie Onex zu einem höheren Angebot führen. Das ist nicht ungewöhnlich, aber doch bemerkenswert. Es weist auf die Finanznot von Toshiba hin, die 100 Mio. CHF mehr an Verkaufsertrag gut brauchen kann.

IPO-Konditionen wie erwartet

Immerhin sind die Konditionen des Börsengangs nun bekannt. Es werden 100% der Aktien platziert, demgemäss gibt es keine Mehrzuteilungsoption, auch Greenshoe genannt. Am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne liegt die Unternehmensbewertung bei 2.1 Mrd. CHF, die obere Begrenzung ergibt 2.4 Mrd. CHF. Also wie schon vor der Veröffentlichung der konkreten Konditionen erwartet.

Nach den während der letzten Jahre getätigten Übernahmen in dem Smart-Meter-Sektor gibt es nur noch ein börsenkotiertes Unternehmen, das als direkter Vergleich und Referenzwert geeignet ist: die an der NASDAQ kotierte amerikanische Itron Inc. (ITRI). Diese ist sogar sehr gut vergleichbar, weil Umsätze, Geschäftsgegenstand und -modell, M&A-Aktivität etwa gleichartig oder auf gleichem Niveau sind.

Wettbewerber Itron

Der Aktienkurs des Wettbewerbers Itron hat sich im letzten Jahr fast verdoppelt. Chart: investors.itron.com

Die Itron-Aktie ist in den letzten zwei Jahren von 30 USD auf nun 70 USD geklettert. Acht Analysten erwarten den Gewinn je Aktie für 2017 bei 2.96 USD bis 3.10 USD, im Mittel 3.02 USD. Für 2018 wird ein Anstieg um 20% auf 3.64 USD erwartet. Das KGV 2017 liegt bei 22.7x. Von den insgesamt zehn Analysten-Ratings lauten sieben auf Kauf, drei auf Halten. Das durchschnittliche Kursziel von knapp unter 73 USD ist jedoch fast erreicht.

Lange Konsolidierungsphase zu Ende

Bei der längerfristigen Betrachtung ist die Aktienperformance weniger beeindruckend. Die Höchstkurse von über 100 USD in 2007 und 2008 wurden bis heute nicht wieder erreicht. Die Geschäftsentwicklung in den letzten 5 Jahren zeigt einen stagnierenden Trend bei 2 Mrd. USD Jahresumsatz. Das EBITDA lag 2016 bei 213 Mio. USD und damit erstmals seit 2012 wieder über 200 Mio. USD. Ähnlich wie bei Landis+Gyr führten Akquisitionen, Restrukturierungen, Investitionen und weitere Einmaleffekte im Zuge der Digitalisierung des Metering in der Energie- und Wasserwirtschaft zu Verlusten und schwachen Gewinnausweisen. Doch die Aktienperformance der letzten zwei Jahre nimmt vorweg, dass der Transformations- und Konsolidierungsphase in der Industrie nun ein neuer Gewinnzyklus folgen wird.

Die Börsenbewertung von 2.7 Mrd. USD entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (2016) von 1.3x. Bei Landis+Gyr liegt das KUV auf Basis des Emissionsangebotes bei 1.4x-1.5x. Das Unternehmen hält eine Prämie für angemessen, da die Margen über dem Industriedurchschnitt liegen, was ja, soweit das nachprüfbar ist, auch zutrifft.

Zielgruppe institutionelle Anleger

Bei einem erfolgreichen Börsengang sollte der Emittent bzw. der veräussernde Eigentümer jedoch die Interessen der neuen Aktionäre nicht ganz ausser Acht lassen. Wenn der Preis für das neu an die Börse kommende Unternehmen zu hoch scheint, um noch Luft für Kurssteigerungen zu bieten, wird das Interesse der Anleger beschränkt bleiben.

Allerdings scheint es auch bei der anstehenden Landis+Gyr-Neuemission so zu sein, dass vor allem institutionelle Grossanleger adressiert werden und Privatanleger allenfalls von marginalem Interesse sind. Der vielzitierte „Anlagedruck“ auf der Nachfrageseite bei den institutionellen Anlegern arbeitet jedoch zugunsten der Verkäufer.

Anlagedruck schafft Nachfrage

Denn aus Sicht eines Investment-Fonds oder anderer langfristiger Anleger sieht die Landis+Gyr-Aktie angesichts des allgemein erhöhten Kursniveaus an den Aktienbörsen gar nicht schlecht aus. Der Weltmarktführer hat eine starke Stellung, weist eine akzeptable Wachstumsrate auf und ist profitabel. Nicht zuletzt soll eine attraktive Dividende ausgeschüttet werden, die auf der Basis der kommunizierten Platzierungspreisspanne bei nahe 3% liegen dürfte.

Weiterhin müssen passive Investment-Vehikel wie Index-Fonds und ETFs bei Landis+Gyr investiert sein, ebenso Nachhaltigkeits- und entsprechende Themen-Fonds, was für Nachfrage auf einem hohen Niveau sorgt.

Nicht überbezahlen

Ob Privatanleger damit eine überdurchschnittliche Rendite erzielen werden, kommt letztlich auf den Preis an, den sie für die Aktie bezahlen. Bleibt die allgemeine nach oben gerichtete Tendenz an den Aktienbörsen erhalten, so steht die Neuemission auch im Wettbewerb zu anderen Aktien, die mehr Wachstum aufweisen und höhere Gewinnsteigerungen erzielen. Nur wenn die Landis+Gyr-Aktie attraktiv gepriced ist, winken Kurssteigerungen.

Zeichnung am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne

Für den interessierten Anleger sind daher Zeichnungskurse im unteren Bereich der Preisspanne angeraten, bis maximal 74 CHF je Aktie. Das lässt noch Spielraum für Kurssteigerungen. Bei einem höherem Emissionspreis bietet sich auch immer noch die Möglichkeit, die Aktie nach der Aufnahme des Handels an der Börse zu kaufen. In den ersten Handelstagen oszilliert der Kurs ja durchaus, wie derzeit auch Zur Rose zeigt.

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