Bergbahnen Adelboden: Fehlender Naturschnee verkürzt Wintersaison

Rekordergebnis im Sommer lindert tiefer ausfallendes Wintergeschäft.

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Der ausbleibende Naturschnee führte zu einer verkürzten Wintersaison. Bild: BB Adelboden

Die Bergbahnen Adelboden erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2016/17 gesamthaft einen Betriebsertrag von CHF 15.0 Mio. CHF, was einer Abnahme um 1.5% entspricht. Davon entfallen 12.7 Mio. CHF auf den Bahnbetrieb und 2.4 Mio. CHF auf den Restaurationsbereich. Der fehlende Naturschnee im November/Dezember verunmöglichte eine Steigerung des Verkehrsertrags im Winter. Zwar lockten die vielen Sonnenstunden in dieser Zeit einige Reisende an, welche aber den verspäteten Start in die Wintersaison nicht vollständig wettmachen konnten. So sank der Verkehrsertrag im Winter um 1.1% auf 10.1 Mio. CHF. Erfreulich entwickelte sich jedoch der Verkehrsertrag im Sommer, der um 14.9% auf 1.1 Mio. CHF anstieg, was gleichzeitig einen neuen Rekord darstellt. Im Bereich der Restauration sank der Betriebsertrag auf 2.4 Mio. CHF (minus 2.8%). Aufgrund tieferer Kosten konnte das EBITDA trotz des Umsatzrückgangs um 2.9% auf 4.7 Mio. CHF erhöht werden. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Abschreibungen leicht gesenkt. Der Finanzaufwand liegt sogar markant tiefer. Dennoch ergibt sich unter dem Strich weiterhin ein Verlust von 0.7 Mio. CHF, der aber immerhin um 29.0% tiefer als im Vorjahr ausfällt.

Direttissima soll 30-jährige Sillerenbahn ersetzen

Ab 2022 soll auf das Sillerenbühl eine neue Gondelbahn gebaut werden. Dadurch würde die Fahrzeit markant gesenkt und die Kapazität von 2‘000 Personen auf 3‘000 Personen pro Stunde erhöht werden. Das Projekt befindet sich allerdings noch in der Startphase und hat noch einige Hürden zu meistern, bis mit dem Bau begonnen werden kann. Die schneearmen Winter erfordern weiterhin Investitionen in Beschneiungsanlagen und moderne Pistenfahrzeuge. Der nächste Ausbauschritt umfasst eine zusätzliche Wasserverbindungsleitung, damit in Bedarfsspitzen genügend Wasser zur Verfügung steht, so dass die Anlagen noch effizienter betrieben werden können. Diese Projekte sollen es ermöglichen, dass den Gästen auch in Zukunft ein qualitativ gutes Pistennetz angeboten werden kann.

Im Sommergeschäft konnten die Bergbahnen Adelboden zwar ein Rekordergebnis erwirtschaften, allerdings liegt der Verkehrsertrag Sommer mit knapp 10% am gesamten Verkehrsertrag immer noch auf einem tiefen Niveau. Die schneearmen Zeiten werden höchstwahrscheinlich auch in Zukunft anhalten, was das Potenzial des Wintergeschäfts limitiert. Deshalb wird es für das Unternehmen und die Tourismusregion Adelboden von zentraler Bedeutung sein, sich im Markt auch als attraktive Sommerdestination zu positionieren. Dies erfordert allerdings zusätzliche Angebote, die vermehrt Gäste im Sommer nach Adelboden locken.

In den nächsten Jahren stehen für die Bergbahnen Adelboden grosse Investitionen an. Zentral ist dabei das Projekt Direttissima, bei dem aktuell mit einer Investitionssumme von 23 Mio. kalkuliert wird. Gemäss den Bergbahnen Adelboden ist dieses für das Unternehmen zukunftsweisend, um auch künftig den hohen Bedürfnissen der Gäste gerecht zu werden. Zusätzlich stehen weitere Investitionen in Beschneiungsanlagen an, um eine lange Wintersaison gewährleisten zu können. Das Verhältnis Geldfluss aus der Geschäftstätigkeit zum Anlagevermögen beträgt derzeit 4.5. Dies bedeutet, dass aus dem Mittelfluss der Geschäftstätigkeit die Anlagen innerhalb von 22 Jahren erneuert werden können unter der Annahme von konstant bleibenden Anschaffungswerten. Um diesen Wert halten zu können, müssten die geplanten Investitionen jedoch den Geldfluss aus Geschäftstätigkeit spürbar erhöhen.

Zuletzt wurden die Aktien der Bergbahnen Adelboden zu 2.85 CHF auf OTC-X gehandelt. Aktionäre müssen wohl auch in den nächsten Jahren auf eine Bardividende verzichten. Diese kommen jedoch seit vielen Jahren in den Genuss einer Naturaldividende, was auch in Zukunft so bleiben dürfte. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis widerspiegelt die schwierige Unternehmenssituation. Allerdings befindet sich dieses mit 0.24 bereits auf einem sehr tiefen Niveau. Somit sollte das Potenzial für weitere Kursrückschläge limitiert sein. Ausserdem gilt es zu beachten, dass die gehandelten Aktienumsätze der Bergbahnen Adelboden tief sind und die Geld-Brief-Spanne sehr hoch ist.

Hinweis in eigener Sache: Am 31. Oktober 2017 findet ab 13.30 Uhr zum 3. Mal der Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net statt. Weitere Infos und Anmeldungen unter Branchentalk Tourismus 2017.

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