Bank Cler: Neuer Marktauftritt und Aufstockung der Pensionskasse belasten das Ergebnis – Konstante Dividende

Besseres Geschäftsjahr 2018 erwartet.

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Bank Cler
Die Bankleitung präsentierte die Geschäftszahlen in Basel (v.l.n.r. VR-Präsident Andreas Sturm, CEO Sandra Lienhardt, CFO René Saluz). Bild: zvg

Die seit Mai 2017 unter dem Namen Bank Cler AG firmierende traditionsreiche vormalige Bank Coop hat sich im vergangenen Jahr komplett neu ausgerichtet. So begann die Basler Bank mit dem Umbau einzelner Geschäftsstellen, die nun alle offen und transparent wirken sowie die Interaktion mit den Kunden neu definieren. Zusätzlich zum persönlichen Kontakt mit den Kunden investierte die Bank auch in die digitalen Angebote. Zudem wurde im 2017 etwa die virtuelle Geschäftsstelle „My Cler“ und die App „Quanto“ zur summarischen Bewertung von Immobilien anhand eines mit dem Smartphone erstellten Fotos lanciert. Die Bank setzt – wie der VR-Präsident Andreas Sturm an der Bilanzmedienkonferenz in Basel erklärte – klar auf eine duale Strategie. Hierzu gehört neben der Neugestaltung der Filialen im Bereich des traditionellen Bankings eine neue Form des Bankings im digitalen Bereich. Die Bank Cler ist die erste Bank in der Schweiz, die ein eigenes ausschliesslich auf dem Smartphone basierendes Bankangebot namens „Zak“ (das bislang nur in der Betaversion eingesehen werden kann) in den nächsten Wochen lancieren wird. Sturm zeigte sich in Basel überzeugt, dass die Digitalisierung in der Bankenwelt voranschreiten wird.

Traditionelles Geschäft wächst überdurchschnittlich

Die Bank Cler konnte im letzten Jahr ein Plus der Ausleihungen um 3.9% auf 14.9 Mrd. CHF verbuchen. Dieser Anstieg liegt über dem durchschnittlichen landesweiten Anstieg von rund 2%, informierte Bankleiterin Sandra Lienhardt. Die Bank hat dabei bewusst an der vorsichtigen Vergabepolitik bei den Krediten festgehalten, bei der die Sicherheit an erster Stelle vor der Marge und dem Volumen steht. Die Zinsmarge ist zwar auch weiterhin unter Druck, blieb aber im Berichtsjahr konstant. Deutlich wird dies etwa bei der Entwicklung des Bruttozinserfolgs, der mit plus 1.4% auf 174.2 Mio. CHF deutlich schwächer zulegte als die Ausleihungen. Dank der Auflösung von in den Vorjahren gebildeten vorsorglichen Wertberichtigungen auf das Kreditportfolio im Umfang von 12.7 Mio. CHF legte der Nettozinserfolg um 7.5% auf 186.9 Mio. CHF zu. Etwas schwächer fiel der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit 54.8 Mio. CHF (Vorjahr: 56.8 Mio. CHF) aus. Für das Minus verantwortlich waren tiefere Einnahmen aus Kartentransaktionen, während die Einkünfte aus dem Wertschriftengeschäft zulegten. Ebenfalls positiv entwickelte sich mit einem Plus von 3.1% der Handelserfolg. Insgesamt stiegen die Einnahmen des ordentlichen Bankgeschäfts um 4.5% auf 256.4 Mio. CHF an.

Neuer Name und Rückstellungen für Pensionskasse belasten

Auf der Kostenseite fällt der starke Anstieg der Geschäftsaufwendungen um 22.9% auf 198 Mio. CHF auf. Die Umfirmierung und die Investitionen in die digitale Zukunft sowie der Umbau von Geschäftsstellen liessen die Sachausgaben um 25.5% auf 118.5 Mio. CHF anschwellen. Bei diesem starken Anstieg handle es sich um einen Einmaleffekt, der sich im laufenden Jahr nicht wiederholen wird. Details zu der Kostenstruktur benennt die Bank nicht. Einen kräftigen Anstieg um 19.9% auf 79.5 Mio. CHF verzeichneten auch die Personalaufwendungen. Hierin enthalten sind allerdings Rückstellungen im Umfang von 10.3 Mio. CHF für zukünftige Vorsorgeverpflichtungen der Pensionskasse im Zusammenhang mit der Senkung des technischen Zinssatzes. Wie Finanzchef René Saluz betonte, handelt es sich hierbei um vorsorgliche Rückstellungen mit einmaligen Charakter. Die Pensionskasse der Bank Cler weise eine Überdeckung auf, und die Rückstellungen wären keinesfalls notwendig, liess Saluz durchblicken. Investitionsbedingt stiegen auch die Abschreibungen auf die Sachanlagen und Wertberichtigungen um 19.3% respektive 1.5 Mio. CHF auf 9 Mio. CHF an. Im Ergebnis führte dies zu einem Rückgang des Geschäftserfolgs um 38% auf 48.4 Mio. CHF. Dank eines ausserordentlichen Ertrags von 8.5 Mio. CHF, der massgeblich aus dem Verkauf von Immobilien resultierte, fiel das Gewinnminus mit 16.2% auf 38.3 Mio. CHF deutlich tiefer aus. Die Aktionäre erhalten dennoch eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividendenausschüttung von 1.80 CHF pro Aktie. Der Gewinnrückgang sei einmalig und werde sich nicht wiederholen, weswegen eine Dividendenkürzung als nicht opportun angesehen wird.

Zak als erste Smartphone-Only-Banklösung

Die Bank Cler hat im Frühsommer 2017 begonnen, eine vollkommen neue digitale Bankenlösung zu entwickeln. Dabei sind die potenziellen Kunden mit in die Produktgestaltung eingebunden worden. Mit einer einfach zu bedienenden übersichtlichen Plattform können die Kunden alle wichtigen Banktransaktionen direkt auf dem Smartphone abwickeln. Selbst die Kundenregistrierung soll mittels Fotografien des Passes möglich sein. Diese vollkommen auf dem Smartphone laufende Bankverbindung ist für die Kunden kostenlos. Neben der kostenlosen Kontoführung erhalten die Kunden auch eine kostenlose Maestro- und Kreditkarte. Ebenfalls kostenlos ist es möglich, Bargeld an den bankeigenen Automaten zu beziehen. Im Rahmen eines Zusatzangebots für einen Pauschalbetrag von 6 CHF pro Monat können die Kunden landesweit gratis Bargeld beziehen sowie jährlich vier Bezüge im Ausland tätigen, ohne dass Gebühren anfallen. Mit Zak kombiniert werden Versicherungsangebote, die Anbindung an Online-Verkaufs-Plattformen. Weitere Ergänzungen werden in Absprache mit den Kunden jederzeit möglich sein. Nicht geplant ist indessen eine Online-Hypothek. Auch die Einführung eines Handelssystems, über das die Kunden Börsenaufträge abwickeln können, ist nicht geplant. Indessen soll der Kauf von hauseigenen Anlagevehikeln möglich werden.

Stabile Erträge erwartet

Für das laufende Jahr rechnet die Bank mit im Vergleich zum Vorjahr stabilen Erträgen. Gleichzeitig werden die Geschäftsaufwendungen deutlich tiefer ausfallen, so dass der Geschäftserfolg höher als im Vorjahr sein wird. Eine Veränderung der Zinssituation erwartet die Bankleitung zumindest bis zum Ende des laufenden Jahres nicht. Bei der Bautätigkeit wird sowohl bei den gewerblichen Objekten als auch bei den Privatwohnungen mit einem Rückgang gerechnet. Fortgeführt wird der Umbau der Geschäftsstellen. Pro Jahr sollen zwischen vier und fünf Filialen an den neuen Standard angepasst werden.

Die Geschäftszahlen der Bank Cler fallen zumindest auf den zweiten Blick gut aus. So sind der Erfolgsrechnung zahlreiche Sonderfaktoren belastet worden, die den Gewinnausweis massiv schmälern. Analog verschlechterte sich auch die Cost/Income-Ratio stark von 66.2% im Vorjahr auf 81.3%. Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass im laufenden Jahr wiederum die Marke des Jahres 2016 erreicht wird. Dieser Wert ist zwar im Vergleich zu Regionalbanken als unterdurchschnittlich anzusehen, kann aber aufgrund des umfangreichen landesweiten Filialnetzes der Bank Cler und der Positionierung als akzeptabel bezeichnet werden. Als grundsolide angesehen werden können auch die Bilanzkennzahlen.

Neben den harten Zahlenfakten hat es die Bank auch geschafft, die neue Marke erfolgreich zu lancieren. Auch der Wechsel des CEOs wurde, wie die Zahlen zeigen, gut verdaut, ohne dass das ordentliche Geschäft hierunter gelitten hätte. Ob es der Bank gelingt, mit den neuen digitalen Angeboten Geld zu verdienen, lässt sich derzeit nicht bestimmen. Dank der Grösse des Finanzhauses fallen allerdings die Aufwendungen für die digitalen Angebote nicht allzusehr ins Gewicht, so dass diese selbst im Fall, dass hieraus keine Erträge generiert werden könnten, die Gesamtbank weiterhin solide Zahlen erzielen dürfte.

Die Aktien der Bank Cler sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert. Der letztbezahlte Kurs lag bei 42.70 CHF. Auf dieser Basis weisen die Titel eine nicht nur im aktuellen Tiefzinsumfeld sehr attraktive Rendite von 4.2% auf. Das KGV auf der Basis des Geschäftserfolgs für 2017 beträgt durchschnittliche 14.9. Hierbei nicht übersehen werden dürfen die zahlreichen Sonderkosten, die den ausgewiesenen Geschäftserfolg negativ beeinflussten. Die Titel notieren mit einem Abschlag von gut 40% zum ausgewiesenen Buchwert per 31. Dezember 2017. Auch wenn es sich hierbei noch um unrevidierte Zahlen handelt, dürfte der tatsächliche Wert kaum markant tiefer ausfallen.

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