SSE Holding: Zielvorgaben beim Betriebsgewinn deutlich verfehlt

Verbesserung für 2018 erwartet – Dividende konstant

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Hamberger in Spiez bietet alles rund um die Pyrotechnik an. Kein Feuerwerk hat die Société Suisse des Explosifs, die Muttergesellschaft von Hamberger, im eher schwachen Geschäftsjahr 2017 gezündet. Bild: hamberger.ch

Die SSE Holding AG blickt auf ein herausforderndes Geschäftsjahr 2017 zurück. Wie das Unternehmen im neuesten Geschäftsbericht mitteilt, wurden die eigenen Zielsetzungen beim EBITDA (Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Wertkorrekturen) deutlich verfehlt. Mit einem Wert von 5.8 Mio. CHF lag das EBITDA um mehr als 1 Mio. CHF unter Budget. Die Geschäfte in der Schweiz und in Skandinavien liefen im vergangenen Jahr alles andere als rund. Dies räumt die Gesellschaft denn auch im Geschäftsbericht an mehreren Stellen deutlich ein: So wurde die Rentabilität der Gruppe „ausnahmsweise insbesondere durch die Aktivitäten in der Schweiz belastet“. Schwach entwickelte sich auch das Geschäft in Skandinavien. Trotz der schwachen Entwicklung in der Schweiz wurde am Personalbestand festgehalten. Die SSE erhielt einen im Budget eingeplanten Auftrag im Sprengstoffgeschäft, was zu einer temporären Unterbeschäftigung der Mitarbeiter und zu einer ungenügenden Kapazitätsauslastung führte.

Chemiesparte schwach

Ein weiteres schwaches Jahr mit einem äusserst bescheidenen Umsatz musste die Chemiesparte der Gesellschaft verbuchen. Der für 2017 erhoffte Aufschwung trat nicht ein. Allerdings sieht die Geschäftsleitung die Talsohle als erreicht an. Erhebliche Ressourcen gebunden hat die Entwicklung eines neuen Flagschiffprojektes in Zusammenarbeit mit einem Weltmarktführer im Bereich der Feinchemie. Die SSE arbeitet seit vier Jahren an diesem Projekt. Die wahrscheinliche Vermarktung ist für 2020 geplant. Sofern dies gelingt, ist für den Standort in Gamsen ein exponentielles Wachstum zu erwarten. Auch sind hohe Investitionen erforderlich. Selbst wenn dieses Projekt nicht von Erfolg gekrönt ist, stellt das laufende Jahr die Trendwende dar. Bis ins Jahr 2020 soll sich die Chemiesparte positiv im Ergebnis der Gruppe niederschlagen.

Europageschäft erfüllt Ziele

Vereinfachung der operativen Struktur mit der Zusammenführung der SSE-Gesellschaften unter ein Dach und einer klaren Positionierung, die per 1.1.2018 wirksam wurde. Quelle: explosif.ch

Die neu akquirierten Firmen erreichten im Berichtsjahr die internen Budgetziele. Geholfen hat hierbei auch die deutliche Aufwertung des Euros im Verlauf des zweiten Semesters. Mit einem Umsatzanteil von 43% stellt Deutschland mittlerweile das wichtigste Standbein der Gruppe dar. Neben dem normalen operativen Geschäft wurde dort auch die Vereinfachung der operativen Struktur mit der Zusammenführung der Gesellschaften unter einem Dach und einer klaren Positionierung, die per 1.1.2018 wirksam wurde, eingeleitet. Diese Neugruppierung schafft die notwendigen Voraussetzungen, um ab 2018 Synergien nutzen zu können. Sehr positiv auf das Ergebnis ausgewirkt habe sich das Eurodyn-Werk, informiert die SSE ihre Anteilseigner.

EBIT rutscht in die Verlustzone

Die Konzernumsätze erreichten mit einem Wert von 117.2 Mio. CHF im 2017 einen neuen Rekordwert nach 79.2 Mio. CHF im Vorjahr. Getrieben wurden die Einnahmen durch die erstmalig für 12 Monate konsolidierten europäischen Gesellschaften, die im 2016 erworben wurden. Genauere Details zu den Sparten- respektive Länderumsätzen publiziert die SSE nicht. Auf der Aufwandseite schlugen sich die Mehreinnahmen in einem deutlichen Anstieg der Materialkosten von 40.5 Mio. CHF im Vorjahr auf 57.5 Mio. CHF nieder. Ebenfalls deutlich höher fielen die Personalaufwendungen mit 36.7 Mio. CHF nach 24.9 Mio. CHF im Vorjahr aus. Markant gestiegen sind auch die Verwaltungskosten mit 12.2 Mio. CHF nach 6.3 Mio. CHF im Vorjahr. In der Summe führen diese Faktoren zu einem Rückgang des EBITDA um 0.5 Mio. CHF auf 5.8 Mio. CHF. Die Akquisitionen lassen die Sachabschreibungen um 1.7 Mio. CHF auf 7.1 Mio. CHF anschwellen. Dies führt zu einem negativen EBIT von minus 1.3 Mio. CHF nach einem Vorjahresgewinn von 0.9 Mio. CHF.

Finanzergebnis lässt Gewinn ansteigen

Trotz des Betriebsverlustes kann die SSE einen Reingewinn von 1.5 Mio. CHF ausweisen, was gegenüber dem Vorjahreswert einem Plus von 0.9 Mio. CHF entspricht. Hierzu beigetragen haben die um 1.2 Mio. CHF auf 1.1 Mio. CHF gesunkenen Finanzaufwendungen. Zudem konnte die Gruppe Währungsgewinne von 1 Mio. CHF nach Währungsverlusten von 0.5 Mio. CHF im Vorjahr verbuchen. Die Finanzeinkünfte aus den Wertschriften und der Bewirtschaftung der liquiden Mittel entsprachen dem Vorjahreswert von 2.5 Mio. CHF. Positiv auf das Ergebnis wirken sich ausserordentliche Erträge im Betrag von 1.1 Mio. CHF nach 0.3 Mio. CHF im Vorjahr aus. Hierin enthalten sind Gewinne aus Anlageverkäufen in der Tschechei und die Auflösung früherer Wertberichtigungen in Norwegen.

Dividende wahlweise in Aktien

Die Aktionäre sollen für 2017 eine Dividende in Vorjahreshöhe von 70 CHF pro Aktie erhalten. Deren Ausschüttung erfolgt wiederum für Schweizer Privatanleger steuerfrei aus den Kapitaleinlagereserven. Unter der Voraussetzung, dass die Dividende gemäss dem Antrag des Verwaltungsrats von der GV am 29. Juni genehmigt wird, können die Aktionäre neue Aktien beziehen. Dabei können die Anteilseigner pro 40 alte Papiere eine neue Aktie zum Preis vom 2’800 CHF zeichnen. Allen Aktionären, die weniger als 40 Aktien im Besitz haben, wird die Möglichkeit eingeräumt, eine neue Aktie zu zeichnen. Der Preis der neuen Papiere wurde auf der Basis des Aktienhandels auf der OTC-X-Plattform ermittelt und entspricht einem Discount von 7.5% auf den Durchschnittspreis der letzten 60 Handelstage vor Publikation des Angebots per Anfang Juni. Die an der Zeichnung interessierten Anleger müssen den Zeichnungsschein bis zum 10. Juli 2018 an die Gesellschaft zurücksenden. Die Bezahlung des Kaufpreises der neuen Titel muss bis zum 20. Juli erfolgen. Dabei ist zu beachten, dass den Aktionären die Dividende auf ihr Konto überwiesen wird und die zeichnungswilligen Aktionäre anschliessend den Kaufpreis auf ein Sonderkonto der Gesellschaft einzahlen müssen.

Deutliche Ertragssteigerung im 2018 erwartet

Die SSE erwartet für 2018 eine deutliche Belebung der Geschäftszahlen im Vergleich zum Vorjahr. In den ersten Monaten des laufenden Jahres konnten alle Unternehmenseinheiten ein Plus gegenüber dem Vorjahr verbuchen. Diese positive Entwicklung dürfte zu einer deutlichen Steigerung des EBITDA führen. Ebenfalls positiv auf den Geschäftsgang auswirken wird sich die positive Konjunktur in Europa und die Aufwertung des Euros. Insgesamt zeigt sich die Gesellschaft überzeugt, im 2018 dank der in den Vorjahren durchgeführten Reorganisationen wiederum eine zufriedenstellende Rentabilität zu erreichen. Diese Entwicklung soll sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

Die Geschäftszahlen der SSE für 2017 fallen schwach aus. Es ist der Gruppe nur dank Sondereffekten gelungen, eine Gewinnsteigerung zu erreichen. Aus dem operativen Geschäft resultierte sogar erstmalig ein Betriebsverlust von 1.3 Mio. CHF. Massgeblich verantwortlich für das Abrutschen in die Verlustzone war der starke Anstieg der Verwaltungskosten um 5.9 Mio. CHF. In dieser Position dürften die Aufwendungen der Reorganisation der Gruppenstruktur und die Kosten der im 2017 durchgeführten Kapitalerhöhung enthalten sein. Der Wegfall dieser Ausgaben sollte im laufenden Jahr zu deutlich tieferen Kosten führen.

Als gut angesehen werden können die Bilanzkennzahlen der Gesellschaft. Dank der erfolgreichen Kapitalerhöhung im letzten Jahr stieg die Eigenmittelquote von tiefen 36.2% per Jahresende 2016 auf den durchschnittlichen Wert von 44% an. Dieser Wert liegt im Einklang mit den Zielsetzungen des Verwaltungsrats. Es ist allerdings zu beachten, dass die SSE sich für die Zukunft weiteres genehmigtes Aktienkapital schaffen lässt. Dessen maximale Höhe beträgt 12’000 Aktien im Nennwert von 100 CHF respektive 50% des aktuellen Aktienkapitals. Dieses soll die Flexibilität für weitere Akquisitionen schaffen, die offenbar geplant sind. Zudem soll auch Kapital für Mitarbeiteroptionen und den Erwerb von Firmenanteilen durch die Ausgabe von Aktien geschaffen werden, wie der Einladung zur GV entnommen werden kann. Hierfür sind maximal 10’000 neue Aktien im Nennwert von 100 CHF vorgesehen. Gesamthaft soll somit ein genehmigtes Aktienkapital von 2.2 Mio. CHF bei einem aktuellen Aktienkapital von 2.4 Mio. CHF geschaffen werden. Dieser hohe Betrag schafft viel Spielraum für weiteres Wachstum. Es bleibt zu hoffen, dass die Geschäftsleitung hier die notwendige Vorsicht walten lässt und keine überteuerten Käufe durchführt. Die Aufgabe, entsprechende Optionen zu prüfen, dürfte dem bisherigen CEO Daniel Antille, der seit dem 1. Januar 2018 als exekutiver Verwaltungsrat amtet und für die Weiterentwicklung der Gruppenstrategie verantwortlich ist, zufallen. Bei den allfälligen weiteren Übernahmen bleibt zu hoffen, dass die Gesellschaft vorsichtig agiert und sich nicht durch die bisherigen erfolgreich verlaufenen Integrationen zu einer risikoreicheren Akquisitionspolitik verleiten lässt. Auch dürfen die Schwierigkeiten im Heimmarkt, denen die SSE ausgesetzt ist, keinesfalls unbeachtet bleiben. Die Zahlen der letzten beiden Jahre sind ein deutlicher Warnhinweis an die Unternehmensleitung.

Die Aktien der SSE werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 3’000 CHF weisen die Papiere eine zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktive Rendite von 2.5% auf. Zu beachten ist, dass die Höhe der Ausschüttung mit einer Summe von 1.7 Mio. CHF den Reingewinn des Berichtsjahres 2017 von 1.5 Mio. CHF leicht übersteigt. Der wirtschaftliche Gewinn dürfte jedoch den ausgewiesenen Wert nicht unerheblich übersteigen, die Höhe der Abschreibungen den betriebswirtschaftlich notwendigen Wert übertreffen. Als Indiz kann auch der Aufwertungsgewinn aus Norwegen im Berichtsjahr angesehen werden. Die Rechnungslegung nach OR, die von der SSE angewandt wird, bietet zahlreiche Möglichkeiten, den tatsächlichen Sachwert nicht aufzuzeigen. Auch wenn der Substanzwert der Titel den aktuellen Kurs überschreitet, dürfte dieser von den freien Aktionären kaum je realisiert werden können.

Sofern es der SSE gelingt, die Rentabilität wieder zu verbessern, sollte sich ein Engagement in die Aktien des Unternehmens zumindest mittelfristig rentieren. Achten sollten die Investoren aber insbesondere auf die möglichen zukünftigen Akquisitionen. Es gibt leider in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele von wenig erfreulichen Übernahmen. Sofern sich die Anzeichen einer verbesserten Ertragskraft im Geschäftsergebnis 2018 nicht widerspiegeln, muss ein Engagement in die Aktien der SSE zumindest kritisch hinterfragt werden. Möglicherweise liefert die GV nähere Details zum Geschäftsgang des laufenden Jahres. Investoren, die an der Zeichnung der neuen Aktien zum Preis von 2’800 CHF interessiert sind, sollten zumindest die GV abwarten. Wir werden zeitnah über News informieren.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär des Unternehmens.

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