Zur Rose Group: Post-IPO Strategie liefert Ergebnisse

Wachstumsinitiativen beschleunigen Umsatzzuwachs im ersten Halbjahr 2018 auf 29,4%

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Der Börsengang der Zur Rose Group im Juli des Vorjahres diente einer Wachstumsfinanzierung, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Die zum IPO angekündigte Wachstumsstrategie wurde seitdem konsistent und erfolgreich umgesetzt, das verdeutlicht die Präsentation der Halbjahreszahlen.

Zu den Zielen, die anlässlich des Börsengangs artikuliert wurden, zählten u.a. Innovationen durch e-Health Lösungen, Marktführerschaft im Bereich verschreibungspflichtiger Arzneimittel, intensivierte Kooperationen mit Versicherern sowie Akquisitionen und internationale Expansion. Das waren nicht nur Schlagworte, sondern Zur Rose hat in allen Bereichen auch geliefert.

Marktanteilsgewinne in der Schweiz

Das zeigt sich an vielen Stellen im Halbjahresbericht. So stieg der Marktanteil im Schweizer B2B-Geschäft, d.h. selbstdispensierende Ärzte in den entsprechenden Kantonen, von 23,1% im ersten Halbjahr 2017 auf nun 24,6%. Im inzwischen wichtigsten Markt Deutschland nahm die Anzahl der aktiven Kunden nicht zuletzt als Folge der erhöhten Marketingaufwendungen um 66% auf 3.13 Mio. CHF zu. Dennoch blieb die Quote der Wiederholungsbestellungen nicht zurück, sondern zeigt sich, unverändert zum Vorjahr, bei 84%. Das ist deshalb eine wichtige Grösse, weil die Kosten für die Neukundengewinnung vielfach höher ausfallen als bei Bestandskunden.

DocMorris mit 60% Bekanntheitsgrad

Dabei hilft, dass die deutsche Tochter DocMorris mit weitem Abstand die bekannteste Marke im Arzneimittel e-Commerce im Nachbarland ist. Rund 60% der Konsumenten in Deutschland kennen DocMorris. Der nächste Wettbewerber Europa Apotheek kommt Ende 2017 auf 25% Bekanntheitsgrad, alle anderen auf weniger als 20%. Allerdings hat die in Frankfurt börsenkotierte Shop-Apotheke im November 2017 ihre (Ex-)Muttergesellschaft Europa Apotheek vollständig übernommen, so dass der Bekanntheitsgrad heute wohl bei über 30% liegen dürfte.

Die bekanntesten Marken im Arzneimittel e-Commerce. Quelle: zurrosegroup.com

Akquisitionen treiben Umsatzwachstum

Der Umsatzanstieg von Zur Rose im ersten Halbjahr um 29,4% auf 602.7 Mio. CHF verteilte sich ungleich, denn die Akquisitionen erfolgten ausserhalb der Schweiz. Während der Heimatmarkt um respektable 9,5% auf 262.1 Mio. CHF wuchs, und dies trotz Preissenkungen bei Arzneimitteln mit staatlich administrierten Preisen, schnellte der Umsatz in Deutschland um 50,4% auf 340.6 Mio. CHF hoch. In Lokalwährungen beträgt der Umsatzzuwachs 24,7%, das organische Wachstum belief sich auf 11,6%. Für die Differenz sind die erfolgten Übernahmen verantwortlich.

Logistik zentral für Skalierung

Skaleneffekte resultieren langfristig aus der praktizierten Konsolidierungsstrategie. Daher wird in den Ausbau des Logistikzentrums in Herleen in den Niederlanden investiert. Die Kapazität soll bis 2020 von 10 Mio. Versandpaketen auf dann 30 Millionen Pakete pro Jahr gesteigert werden. Ein weiterer Ausbauschritt würde eine Kapazität von 50 Millionen Paketen pro Jahr ermöglichen. Mit dem so gesteigerten Automatisierungsgrad werden, so die Planung, die Stückkosten um die Hälfte gesenkt werden. Durch das Pooling in Heerlen sinken auch die Distributionskosten auf Gruppenebene. Ein weiterer Aspekt der Serie von Akquisitionen ist auch die gesteigerte Einkaufsmacht, was die Kosten senkt und die Margen stärkt. Ziel ist eine Verbesserung der Margen um mehrere Prozentpunkte.

Anleihe über 115 Mio. CHF

Wie vom Management kommuniziert, liegt der Fokus auf beschleunigte Expansion unter Inkaufnahme überschaubarer Verluste. Im ersten Halbjahr lag das um Sonderkosten bereinigte EBITDA bei -6,6 Mio. CHF oder 1,1% vom Umsatz. Das um Sonderkosten bereinigte EBIT wird mit -14.3 Mio. CHF ausgewiesen oder 2,4% vom Umsatz. Das Unternehmensergebnis stellte sich am Ende auf -17.6 Mio. CHF, kaum verändert zu den -18 Mio. CHF der Vorjahresperiode. Dies hinterliess auch Spuren in der Bilanz, die per 30.06.2018 ein um 5,5% tieferes Eigenkapital von 277.8 Mio. CHF ausweist. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 61,7%, immer noch komfortabel, gegenüber 64,4% per 31.12.2017. Zu beachten ist auch, dass Zur Rose Ende Juni 2018 eine 5 Jahre laufende Anleihe im Volumen von zunächst 85 Mio. CHF begeben hat. Diese konnte am 9. Juli wegen hoher Nachfrage um weitere 30 Mio. CHF auf 115 Mio. CHF aufgestockt werden. Zinssatz: 2,5%.

Mittelfristige Guidance bestätigt

Durch Akquisitionen und organisches Wachstum sind die Marktanteile im Apotheken-Versandhandel wohl weiter gestiegen gegenüber den Schätzungen für 2017 von 38% in der Schweiz und 23% in Deutschland. Die Wachstumserwartungen sowohl für das Gesamtjahr 2018 als auch mittelfristig bleiben unverändert. Für 2018 ist das Ziel 20% Umsatzwachstum in Lokalwährungen, was ja im ersten Halbjahr um fast fünf Prozentpunkte übertroffen wurde. Für 2018 wird die EBITDA-Marge (um Sonderkosten bereinigt) planmässig bei null erwartet. Die Mittelfristplanung sieht für 2021 dann eine EBITDA-Marge von 4%-5% vor. Die Wachstumsraten für die Schweiz werden mit 5% p.a. kalkuliert, die für Deutschland mit 15%-19%.

Wachstumspotenziale und Wettbewerb

Diese Ziele sind durchaus realistisch und können sogar übertroffen werden. Noch ist die Marktpenetration des Arzneimittel-Versandhandels im Vergleich zu anderen Sektoren sehr gering. Gemäss einer Schätzung von Euromonitor lag das adressierbare Marktvolumen 2016 in den Ländern Schweiz, Deutschland, UK, Spanien, Frankreich und Italien bei rund 146 Mrd. CHF, wovon lediglich 2% auf den Versandkanal entfallen, in dem Zur Rose Marktführer ist. Zum Vergleich: Im Bekleidungssektor mit dem Platzhirsch Zalando und einem Marktvolumen von 193 Mrd. CHF liegt der Versandanteil bei über 15%. Im Medienbereich (Marktvolumen 54 Mrd. CHF) mit dem Marktführer Amazon liegt der Versandanteil sogar bei 40%. Und wegen dieser bisher geringen Penetrationsrate sind auch die Perspektiven des Sektors ungetrübt. Der Wettbewerb ist zwar intensiv, doch geht es dabei eher darum, am Marktwachstum möglichst stark zu partizipieren als sich gegenseitig Kunden abzujagen.

Adressierbares Marktvolumen von e-Commerce-Anbietern 2016 in den Ländern Schweiz, Deutschland, UK, Spanien, Frankreich und Italien. Quelle: zurrosegroup.com

Shop-Apotheke mit starkem Wachstum

Und so sind auch die Erfolge des hauptsächlichen Konkurrenten Shop-Apotheke für Zur Rose nicht wirklich beunruhigend, sondern eher ein Ausdruck für ein gesundes Marktwachstum. Shop-Apotheke steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 103% auf 257 Mio. EUR, allerdings entfällt ein grosser Teil des Zuwachses auf die Akquisition und Konsolidierung der Europa-Apotheek. Die Anzahl der Kunden stieg um 27% gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 auf 2,8 Mio. Die Quote der Bestandskundenbestellungen beträgt 81%. Unter den Key-Performance-Indikatoren fällt auf, dass die Rücklaufquote von 0,7% in der jüngeren Vergangenheit auf nun 0,9% angestiegen ist, während diese Quote bei Zur Rose unverändert 0,5% beträgt.

Versierte Langfrist-Strategie

Um die Ziele zu erreichen, verfolgt Zur Rose eine ausgefeilte Strategie, die darauf abzielt, die einmal gewonnenen Kunden umfassend zu bedienen. Die Cross-Selling-Potenziale sind beachtlich, denn viele Kunden kennen nur die OTC-Angebote, bspw. die Kunden der akquirierten Unternehmen. Die hohe Zufriedenheit infolge von guten Preisen und gutem Service führen zu Wiederholungsbestellungen, die höhere Margen abwerfen. Dazu kommen Medikationsberatung, Life Style Coaching und personalisierte Services z.B. für chronisch Kranke. 92% der über 65-Jährigen leiden an einer chronischen Krankheit, 77% an einer zweiten. Bis 2045 wird der Anteil der über 65-Jährigen auf 27% der Bevölkerung angewachsen sein. Dies sind zwar US-Zahlen, die aber gut auf die Schweiz und auch Deutschland übertragbar sind.

Der Kurs der Zur Rose Aktie seit dem IPO im Juli 2017. Quelle: six-swiss-exchange.com

Die Aktie der Zur Rose Group hat sich seit dem Tief am Anfang des Jahres langsam, aber stetig wieder nach oben gearbeitet. Das Hoch von 159.90 CHF vom ersten Handelstag wurde zwar zwischenzeitlich nicht wieder erreicht, doch rückt es immerhin in greifbare Nähe. Wachstumsraten von langfristig 20% oder mehr werden die Kursentwicklung bestimmt weiterhin positiv beeinflussen, denn ähnlich stark wachsende Unternehmen sind sehr rar gesät. Dennoch ist von den Aktionären wohl weiterhin Geduld gefragt.

Die Aktie der Zur Rose Group AG ist an der Six Swiss Exchange kotiert und notierte zuletzt bei 130.60 CHF.

Der Artikel wurde korrigiert. So beträgt die Höhe der Anleihe 115 Mio. CHF und nicht 85 Mio. Die Eigenkapitalquote von 64,4% wurde am 31.12.2017 erreicht, und nicht am 30.6.2017. Wir bitten unsere Leser, diese Fehler zu entschuldigen. – Die Redaktion

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