Repower: Kraftwerksausfall in Italien verhagelt Semesterergebnis

Hohe Abhängigkeit vom italienischen Markt.

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Das Energieunternehmen Repower AG musste im ersten Semester 2018 einen herben Rückschlag einstecken. So fiel das Kraftwerk Teverola in Italien für mehrere Monate anstatt wie geplant für wenige Wochen aus. Bei den auf das laufende Jahr verschobenen Revisionsarbeiten traten technische Probleme zutage. Seit Mitte Juni ist das Kraftwerk wieder am Netz, informiert das Unternehmen seine Anteilseigner im neuesten Semesterbericht. Der Ausfall hatte einen „wesentlichen negativen Einfluss“ auf das Semesterergebnis. So blieb denn auch der ausgewiesene Reingewinn des ersten Halbjahres 2018 mit nur noch 225’000 CHF massiv hinter dem Vorjahreswert von 952’000 CHF zurück. Dennoch konnte das Unternehmen im ersten Semester einen operativen Gewinn in allen Sparten erzielen.

Teverola belastet Italiengeschäft

Repower erzielt den Grossteil der Konzernumsätze in Italien mit den Verkäufen von Strom und Gas. Trotz der Schwierigkeiten mit dem Kraftwerk Teverola konnten die Verkäufe um 18,9% auf 741.8 Mio. CHF gesteigert werden. Der Ausfall des Kraftwerks hinterliess allerdings deutliche Spuren in der Erfolgsrechnung. Bereits die Bruttomarge ging im Vergleich zum Vorjahr um 22,6% auf 48 Mio. CHF zurück. Noch weitaus höher fiel das Minus beim Betriebsgewinn (EBIT) mit 69,6% auf noch 7 Mio. CHF aus. Der Ausfall der eigenen Stromproduktion drückte auch auf die Tradingmarge, da deutlich mehr Energie über den Markt beschafft werden musste. Zudem waren die Transportkosten im Gasgeschäft höher als budgetiert ausgefallen. Lediglich das Vertriebsgeschäft entwickelte sich budgetkonform positiv.

Tradinggewinne beflügeln Inlandgeschäft

Im Schweizer Heimmarkt stellt die Grundversorgung des Kantons Graubünden mit Strom das Hauptgeschäft der Repower dar. Dieses Geschäftsfeld erbringt Firmenangaben zufolge stabile Erträge. Insgesamt legten die Einnahmen des Schweizer Geschäfts um 7,8% auf 329 Mio. CHF zu. Dank der höheren Strompreise am Markt wurde das Ergebnis weniger stark durch die langlaufenden Strombezugsverträge belastet. Auch konnte die Produktion in den eigenen Wasserkraftwerken dank der guten meteorologischen Bedingungen gesteigert werden. Dies ermöglichte es, die Bruttomarge trotz der leicht höheren Betriebsaufwendungen überproportional um 19,1% auf 56 Mio. CHF zu steigern. Beim EBIT konnte nach einem Verlust von 1 Mio. CHF im Vorjahr ein Gewinn von 5 Mio. CHF ausgewiesen werden. Einen nicht unerheblichen Anteil am Ertragsplus hatte auch das spekulative Handelsgeschäft, der dem Wegfall von Devestitionserträgen gegenübersteht.

Gewinn sinkt massiv

Auf Konzernstufe konnte Repower einen Anstieg der Nettoumsätze um 16,7% auf 1’047.1 Mio. CHF erzielen. Die höheren Strompreise und der Betriebsausfall in Teverola liessen die Kosten der Energiebeschaffung um 19,8% auf 933 Mio. CHF anschwellen. Deutlich höher fielen auch die Personalkosten mit 36.8 Mio. CHF nach 33.5 Mio. CHF im Vorjahr aus. Massgeblich für den starken Anstieg verantwortlich war der Anstieg des Euros gegenüber dem Franken, informierte CEO Kurt Bobst auf Nachfrage. Auch bei den Konzessionsabgaben verzeichnete der Energieversorger einen Anstieg um 0.4 Mio. CHF auf 9.3 Mio. CHF. Indessen konnten die Aufwendungen für Material und Fremdleistungen deutlich um 8,7% auf 14.5 Mio. CHF gesenkt werden. Dennoch musste ein Minus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 24,7% auf 31.6 Mio. CHF verbucht werden. Nach leicht höheren Abschreibungen von 22.5 Mio. CHF resultierte beim EBIT ein erhebliches Minus von 54,4% auf 9.1 Mio. CHF. Die Finanzerträge fielen um 1.6 Mio. CHF auf 2.7 Mio. CHF bei einem gleichzeitigen Rückgang der Finanzaufwendungen um 2.6 Mio. CHF auf 11.5 Mio. CHF. Nur einen Bruchteil des Vorjahreswerts von 9.2 Mio. CHF machten die Steuern mit einem Betrag von 84’000 CHF aus. So konnte unter dem Strich ein kleiner Reingewinn von 225’000 CHF nach 952’000 CHF im Vorjahr ausgewiesen werden.

Herausfordernde Marktbedingungen halten an

Repower erwartet weiterhin anhaltende herausfordernde Marktbedingungen für die Energiebranche. So werden die Margen weiterhin unter Druck stehen. Auch die Volatilität wird nach Meinung des Firmenchefs weiterhin hoch bleiben. Repower setzt auf einen Ausbau des Serviceangebots für die Kunden. So wird ein Kompetenzzentrum geschaffen, in welchem die Kunden für alle ihre Anliegen an einem Ort Lösungen erhalten. Weiter vorangetrieben wird auch die Elektromobilität. Im Vorgriff auf die Einhaltung der Anforderungen der Energiestrategie 2050 lancierte das Unternehmen 77 Stromzähler mit total 50 Smart Managern in der Gemeinde Landquart. Das System erlaubt es den Kunden, ihren Stromverbrauch in Echtzeit zu überwachen und Geräte zu schalten. Die Ergebnisse des bis Jahresende laufenden Pilotprojekts werden in die Entwicklung der definitiven Lösung, die im 2019 lanciert werden soll, einfliessen.

Fazit

Die Geschäftszahlen des ersten Semesters 2018 fallen wenig erfreulich aus. Wie ein roter Faden zieht sich der Ausfall des Kraftwerks in Teverola durch die Kennzahlen der Erfolgsrechnung. Lediglich im Schweizer Heimmarkt, der indessen nur knapp einen Drittel der Unternehmenseinnahmen erzielt, waren keine entsprechenden Belastungen zu verzeichnen. Insgesamt reflektiert der Semesterabschluss die sehr hohe Abhängigkeit des Unternehmens vom Italiengeschäft. Hieran wird sich auch zukünftig wenig ändern. Investoren, die sich mit der grossen Auslandslastigkeit des Unternehmens nicht identifizieren können, müssen von einer Beteiligungsnahme am Graubündner Energieunternehmen Abstand nehmen. Ebenfalls ist Repower nicht unerheblich von der Entwicklung des Eurokurses gegenüber dem Franken abhängig. Als Indiz kann etwa der Anstieg der Personalkosten um knapp 10%, der nahezu ausschliesslich durch die Steigerung des Eurokurses verursacht wurde, angesehen werden.

Als grundsolide angesehen werden kann die Bilanz des Unternehmens. Zwar liegt die ausgewiesene Eigenmittelquote bei eher tiefen 43% der Bilanzsumme von 1.8 Mrd. CHF per 30. Juni 2018. In der Bilanz sind unter den Fremdmitteln indessen negative Wiederbeschaffungswerte für Tradingpositionen im Umfang von 169.2 Mio. CHF, denen positive Werte von 169.6 Mio. CHF gegenüberstehen, enthalten. Analog stellt sich die Situation bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Umfang von 323.6 Mio. CHF, denen entsprechende Verbindlichkeiten von 324.8 Mio. CHF gegenüberstehen, dar. Diese Positionen müssen zwar in der Bilanz gmäss den geltenden Rechnungslegungsvorschriften Swiss GAAP FER, welche Repower anwendet, ausgewiesen werden, haben indessen für die ökonomische Unternehmensbewertung wenig Relevanz. Sofern man die Bilanzkennzahlen um diese Positionen bereinigt, lässt sich eine hohe Eigenmittelquote von rund 60% ermitteln. Zudem ist die Gesellschaft per Saldo schuldenfrei und weist eine kleine Nettoliquidität auf.

Die Aktien der Repower AG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 75 CHF weisen die Titel einen klaren Discount von knapp 25% gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert nach Abzug der Minderheiten auf. Eine Ausschüttungsrendite lässt sich zumindest bis auf Weiteres nicht ermitteln. Eine Prognose des Ergebnisses des laufenden Jahres ist sehr schwer möglich und von zahlreichen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Entwicklung in Teverola geprägt. So erscheint es als zumindest nicht unwahrscheinlich, dass ein Teil der Ausfälle durch Versicherungsleistungen kompensiert werden kann. Genauere Aufschlüsse wird erst der detaillierte Jahresabschluss 2018 liefern. Als valables Argument für die Papiere eignet sich aktuell vor allem der Discount gegenüber dem Buchwert, der seinerseits nicht unerheblich unterhalb des Substanzwerts liegen dürfte.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär des Unternehmens.

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