Repower: Starkes Handelsergebnis überstrahlt Schwächen in Italien

Rekordgewinn von 176 Mio. CHF im 1. Semester 2023

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Das Gas-Kombikraftwerk im italienischen Teverola konnte im 1. Halbjahr 2023 keinen Ergebnisbeitrag beisteuern. Bild: zvg

Das Bündner Energieunternehmen Repower vermeldete kürzlich ein Rekordergebnis für das 1. Halbjahr 2023. Der operative Gewinn (EBIT) erreichte 220.2 Mio. CHF, der Reingewinn lag bei 175.5 Mio. CHF. Für diesen Gewinnsprung war hauptsächlich das sehr gute Handelsergebnis verantwortlich. Der italienische Markt, der sonst dank des Gaskombikraftwerks in Teverola einen starken Gewinnbeitrag leistet, steuerte gerade einmal eine «schwarze Null» auf Stufe EBIT zum Gesamtergebnis bei. Im Markt Schweiz war es vor allem die Marge aus dem Handel in Höhe von 193 Mio. CHF, welche zum Rekordergebnis beitrug. Erfreulich an dem guten Handelsergebnis ist die Tatsache, dass auch die Eigenkapitalquote wieder auf knapp 39% gesteigert werden konnte. Auch die Bilanz wurde verkürzt.

Nettoerlöse im 1. Semester 2023 rückläufig

Insgesamt erzielte die Repower Gruppe im 1. Halbjahr 2023 Nettoerlöse, die mit 1’739 Mio. CHF um 20,6% unter den Vorjahrswerten lagen, was auch auf die gesunkenen Energiepreise zurückzuführen ist. «Nach den extremen Preisausschlägen im vergangenen Jahr ist im ersten Halbjahr 2023 an den Energiemärkten eine Beruhigung eingetreten. Dies unter anderem dank des milden Winters und diverser Vorsorgemassnahmen», schreiben Verwaltungsrat und Geschäftsleitung in ihrem Bericht. Zurückgekommen sind daher auch die Beschaffungspreise, was zu niedrigeren Kosten für die Energiebeschaffung in Höhe von nur noch 1’379 Mio. CHF führte. Die Energiebruttomarge, welche Repower als Differenz zwischen Nettoerlösen aus dem Energiegeschäft und der Energiebeschaffung definiert, stieg um 193 Mio. CHF auf 346 Mio. CHF. Das ist mehr als doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Trotz gestiegener Aufwendungen für Personal sowie Material und Fremdleistungen verblieb unter dem Strich ein Rekord-EBITDA von 248.1 Mio. CHF.

Schweiz profitiert – Italien verliert

Bei der Entwicklung der Nettoerlöse zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Märkten Schweiz und Italien. Diese stiegen in der Schweiz um 35,1% auf 1’029.6 Mio. CHF. In Italien waren die Nettoerlöse hingegen um 40,8% rückläufig und erreichten nur noch 855.0 Mio. CHF, wie der Segmentberichterstattung in der konsolidierten Halbjahresrechnung zu entnehmen ist.

17 Mio. CHF für Wasserkraftreserven

Repower verkaufe aufgrund ihrer Absicherungsstrategie den Strom aus den eigenen Kraftwerken zum grossen Teil im Voraus, heisst es in dem Bericht. Die höher abgesicherten Preise wirkten sich positiv auf die Gesamtleistung wie auch auf das Resultat aus. In der Energiebruttomarge ist zudem ein Entgelt in Höhe von 17 Mio. CHF für das Vorhalten von Wasserkraftreserven für den Bund enthalten, schreibt Repower. Auch sei die Wasserkraftproduktion leicht besser als in der 1. Jahreshälfte 2022 ausgefallen, habe aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen, was auf die spärlich ausgefallene Schneeschmelze und die laufende Gesamterneuerung des Kraftwerks Robia zurückzuführen sei. «Darüber hinaus konnte sich Repower erfolgreich im Handel positionieren und Marktvolatilitäten geschickt nutzen und so z.B. durch die Bewirtschaftung von Gasspeicherkapazitätsverträgen weitere Beiträge erzielen». Diese Effekte führten schlussendlich zu der rekordhohen Energiebruttomarge von 293 Mio. CHF (Vorjahr: 91 Mio. CHF). Im 1. Semester 2022 ist noch ein positiver Sondereffekt in Höhe von 8 Mio. CHF enthalten.

Energiebruttomarge in Italien fällt um 11,3%

Etwas anders sieht es im Segment Italien aus. Preisrückgänge und Volumenänderungen haben sich nach Angaben von Repower sowohl im Grosshandels- als auch im Vertriebsgeschäft negativ ausgewirkt. Aus diesem Grund sowie wegen fehlender «wesentlicher Erlöse» aus dem Geschäft mit der Regelenergie ging die Energiebruttomarge im Segment Italien um 11,3% auf 55 Mio. CHF zurück. Im Gegensatz zum Vorjahr enthält das EBIT im 1. Semester 2023 keine Sondereffekte, wie Versicherungszahlungen im Zusammenhang mit dem Schadenfall am Gaskombikraftwerk in Teverola sowie einem Ertrag aus der Auflösung von Rückstellungen. Das EBIT beträgt daher 0.5 Mio. CHF, also eine schwarze Null.

Das Segment «Übrige Segmente und Aktivitäten» weist ein negatives EBIT von 8.3 Mio. CHF (Vorjahr: – 4.3 Mio. CHF), wie der Segmentberichterstattung weiter zu entnehmen ist. Begründet wird dies mit einer höheren Eliminierung zwischen den Marktsegmenten Italien und Schweiz sowie der Währungsumrechnung zwischen den Märkten.

Bilanz verbessert

Dank der hohen Gewinne aus dem Handelsgeschäft hat sich auch die Vermögens- und Liquiditätslage der Repower Gruppe deutlich verbessert. Die Bilanzsumme ging aufgrund der Verringerung der positiven und negativen Wiederbeschaffungswerte gegenüber Ende 2022 um 403.5 Mio. CHF auf 2’622 Mio. CHF zurück. Das Eigenkapital (ohne Minderheiten) erhöhte sich um 17,4% auf 926.5 Mio. CHF und beträgt nun 39% der Bilanzsumme.

Im Ausblick gibt sich die Repower AG zurückhaltend. In der Regel falle das Ergebnis im ersten Halbjahr besser aus als in der zweiten Jahreshälfte, so das Bündner Energieunternehmen. Weiter wird auf die extremen Volatilitäten auf den Märkten verwiesen. «Negative Effekte, wie zum Beispiel das Ausbleiben von Niederschlägen oder erneute Marktverwerfungen, können das Jahresergebnis erheblich beeinflussen.»

Die Frage, ob und wann das Geschäft mit der Regelenergie in Italien wieder besser läuft, kann Repower auf Nachfrage von schweizeraktien.net selber nicht genau beantworten. Man sei hier abhängig davon, ob der italienische Stromnetzbetreiber Terna Energie abrufe oder nicht, so ein Mediensprecher von Repower. Möglich ist aber auch, dass die Einführung eines Kapazitätsmarktes für Regelenergie (siehe Interview mit Repower CEO Roland Leuenberger) zu einer veränderten Nachfrage nach dem Strom aus dem Kraftwerk Teverola geführt hat.

Fazit

Die Repower AG überrascht im 1. Semester 2023 mit einem sensationellen Handelsergebnis, was vor allem dank der volatilen Energiemärkte möglich war. Entscheidend ist im Handel, dass das Risikomanagement funktioniert. Denn rasch kann die Entwicklung auch in die andere Richtung gehen. Offenbar hat Repower das Risikomanagement im Griff. Noch nicht klar ist angesichts der unsicheren Entwicklung an den Energiemärkten, ob die Aktionäre an dem guten Resultat partizipieren dürfen. In den letzten fünf Jahren hat Repower stets die Dividende von anfangs 0.50 CHF auf zuletzt 5 CHF je Aktie erhöht. Es würde daher überraschen, wenn es für 2023 keine Dividendenerhöhung geben würde.

Positiv zu erwähnen ist auch die verbesserte Bilanz und Liquiditätslage. Die Nettoverschuldung lag per Ende Juni bei 45 Mio. CHF, nach 153 Mio. CHF im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch die Eigenkapitalquote befindet sich mit 39% wieder auf einem ansprechenden Niveau.

Blendet man das positive Handelsergebnis allerdings einmal aus, so ergeben sich im Italiengeschäft einige Fragezeichen. Trotz der starken Marktpräsenz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist es offenbar nicht gelungen, in dem südlichen Nachbarland weiter zu wachsen. Hinzu kommt, dass die Zeiten, in denen das Gaskombikraftwerk in Teverola für Gewinnbeiträge im zweistelligen Millionenbereich sorgte, aktuell vorbei sind, sich dies jedoch rasch wieder ändern kann. Diese Punkte gilt es für Investoren ebenso im Auge zu behalten wie die Thematik der Wassermengen in den Bündner Bergen. Geringere Niederschläge und weniger Schmelzwasser könnten sich weiterhin negativ auf die Energieproduktion in der Schweiz auswirken. Positiv ist, dass Repower den Strom aus eigener Produktion zu den sehr guten Strompreisen des letzten Jahres im Voraus verkauft hat.

Ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gestiegen: der Aktienkurs von Repower. Chart: www.otc-x.ch

Die auf OTC-X gehandelten Aktien der Repower AG hatten in den vergangenen Jahren einen sehr guten Lauf. Dieser dürfte anhalten, sofern sich die Ertragssituation aus den genannten Gründen nicht eintrübt. Mit einer Dividende von mindestens 5 CHF je Aktie ist für 2023 sicherlich zu rechnen. Bei Kursen um die 183.50 CHF, die zuletzt für eine Repower-Aktie bezahlt wurden, liegt die Rendite dann bei 2,7%.

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