MCH Group: Alles auf dem Prüfstand

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Ein Bild aus guten Zeiten: Andrang bei der Baselworld, der Uhren- und Schmuckmesse der MCH. Sie steht nach der Absage von Ausstellern wie Swatch ebenso auf dem Prüfstand wie eine ganze Reihe anderer Aktivitäten der MCH Group. Bild: baselworld.com

Die schlechte Nachricht: 2018 war für die MCH Group ein Jahr zum Vergessen. Die gute: Jetzt kommt Bewegung in das Unternehmen, alles auf den Prüfstand: die Baselworld, deren Weiterführung ab 2020 nach Absagen bedeutender Hersteller wie der Swatch Group fraglich ist, das Management, dessen CEO René Kamm gehen musste und dem mit Hans-Kristian Hoejsgaard ein Interims-CEO bis zur definitiven Neubesetzung der operativen Leitung vorsteht, und die Zukunft der neben Baselworld von MCH veranstalteten Messen.

Die MCH Group gab Anfang November in einer Medienmitteilung weitere Massnahmen zur Senkung der Kosten, Fokussierung der strategischen Initiativen sowie Straffung der Organisation bekannt.

Wie weiter mit dem Messe-Portfolio?

So will sich die MCH von den Beteiligungen an den regionalen Kunstmessen Art Düsseldorf und India Art Fair trennen. Auf eine Beteilgung an der ART SG Singapur wird verzichtet. Und auch die Expansion der Grand Basel nach Miami, die für nächstes Jahr geplant war, wird zurückgestellt. Das nationale Messe-Portfolio soll überprüft werden, nachdem bereits im Juni bekannt wurde, dass die traditionsreiche MUBA im nächsten Jahr zum letzten Mal stattfindet.

Die ART Basel Cities wird weitergeführt, und die Masterpiece London soll international expandieren, in einem ersten Schritt voraussichtlich nach Asien. Alle Massnahmen werden Auswirkungen auf das Ergebnis 2018 sowie das Budget 2019 haben.

Der Kurs der MCH-Aktie kennt in 2018 nur eine Richtung: nach unten. Nach einem Höchststand von 68 CHF Anfang des Jahres hat sich der Kurs mehr als halbiert. Quelle: six-swiss-exchange.com

Analysten und Investoren enttäuscht

Ronald Wildmann von Research Partners erwartet on top auf die bereits kommunizierten Abschreibungen von über 100 Mio. CHF zusätzliche Restrukturierungsaufwände, womit die noch geltende Guidance für das Ergebnis 2018 vor Wertberichtigungen von einem Verlust im einstelligen Millionen-Bereich noch überboten werden dürfte. Analyst Wildmann geht von einem zweistelligen Millionenverlust vor Wertberichtigungen in Höhe von 14.5 Mio. CHF aus (alte Schätzung bei -5.5 Mio.), für 2019 bleiben die Gewinnschätzungen aber unverändert. Aufgrund der neuen Prognosen erwartet Wildmann für 2018 nun neu eine Eigenkapitalquote von 16.7%, in 2017 lag sie bei 34.0%.

MCH-Investor fordert mehr Kompetenz im Verwaltungsrat

Im Gespräch mit schweizeraktien.net fordert Fondsmanager Edgar Lee, dass der MCH-Verwaltungsrat mehr Kompetenz im Eventgeschäft erhalte. Denn von elf Verwaltungsräten kommen sieben, inklusive VR-Präsident Ulrich Vischer, aus dem öffentlichen Sektor oder haben politische Ämter inne. Immerhin sitze aber mit Marco Gadola, CEO der Straumann Gruppe, ein erfahrener Unternehmenslenker im Verwaltungsrat, fügt Lee hinzu.

Es ist an der Zeit, dass nicht nur das Messe-Portfolio und das Management kritisch durchleuchtet werden, sondern dass auch Bewegung in die Besetzung des Verwaltungsrats kommt. Dass das alte Management schalten und walten konnte, wie es wollte, wie es Lee formuliert, wirft kein gutes Licht auf die Mitglieder des Kontrollorgans der MCH.

Die MCH Aktie ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Der aktuelle Kurs beträgt 27.60 CHF.

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