Rigi Bahnen AG: 2018 weiter auf Bergfahrt

Rekordsommer bringt Rekordergebnis – Neubau Gondelbahn Weggis-Rigi Kaltbad und Erneuerung Rollmaterial mit Bahninfrastruktur als Zukunftsprojekte im Fokus

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne liegt so nah? Aussicht von der Rigi auf den Vierwaldstättersee. Bild: rigi.ch.

Bei nasskaltem Wetter und ersten Schneeschauern biegt das Jahr 2018 in diesen Tagen auf die Zielgerade ein. Wer jetzt von unten in die „graue Suppe“ schaut (schauen muss), hat vielleicht schon fast vergessen, dass der (Spät-)Sommer noch bis in den November in unseren Breitengraden Station gemacht hat und auch der Schweiz historische Rekordtemperaturen bescherte. Je grauer und trister die Tage, desto schöner die Erinnerungen an einen Sommer, der scheinbar niemals enden wollte und immer wieder in die Verlängerung gegangen ist.

Lange Schönwetterperiode im „Jahrhundertsommer“ 2018 hilft den Ausflugsbahnen

Die Wettergötter haben es 2018 insgesamt gut mit den Schweizer Bergbahnen gemeint, wie die bisherigen Signale aus der Branche zeigen. Auch die auf OTC-X gehandelten Rigi Bahnen AG in der Zentralschweiz profitierten 2018 von einer lange anhaltenden Schönwetterperiode bis weit in den Herbst hinein.

Geschäftsjahr 2018: „Monat für Monat Rekordfrequenzen“

Wie die Gesellschaft in einem aktuellen Aktionärsbrief von Anfang Dezember mitteilt, konnten in diesem meteorologisch vorteilhaften Umfeld „Monat für Monat Rekordfrequenzen verzeichnet werden“. Wo „Rekordfrequenzen“ auftauchen, sind Rekordumsätze und -ergebnisse meist nicht weit.

Betriebsergebnis EBITDA steigt 2018 auf neuen Höchstwert an

Der Nettoertrag der Rigi Bahnen AG klettert nach den jüngsten Hochrechnungen der Gesellschaft zum Jahresende 2018 auf rund 29 Mio. CHF, und auch das operative Betriebsergebnis (EBITDA) steigt in dieser Modellrechnung auf einen neuen Höchstwert von etwa 7.5 Mio. CHF. Gegenüber dem bereits sehr guten Vorjahr 2017 entspräche dies einem erfreulichen Zuwachs von über 6% auf Stufe EBITDA.

Mit diesem neuerlichen Rekordergebnis schreiben die Rigi Bahnen auch 2018 an einem weiteren Kapitel ihrer bald 150-jährigen touristischen Erfolgsgeschichte, die schweizeraktien.net aufgezeichnet hat. Im Jahr 2021 kann die Rigi Bahn mit ihren Gästen auf ihren 150. Geburtstag anstossen – sehr wahrscheinlich bei bester Gesundheit, wenn die in den letzten Jahren angestossene Transformation hin zu einem integrierten Tourismusunternehmen weiter Früchte trägt. 

Aussichten für 2019 bleiben intakt – leichte Rückgänge bei Erträgen und Ergebnis prognostiziert

Für das Geschäftsjahr 2019 geht die Gesellschaft in ihren Prognosen im Budgetplan von einem leicht tieferen Nettoertrag und EBITDA aus. Das EBITDA 2019 soll gleichwohl immer noch über dem EBITDA von 2017 (7.05 Mio. CHF) liegen. Diese Annahme basiert auf der Erwartung, dass sich der positive Einfluss des überdurchschnittlichen „Jahrhundertsommers“ so im kommenden Jahr nicht wiederholen lässt.

Wenn es aber doch anders käme, wird sich die Rigi Bahnen AG nicht dagegen wehren: Im Jahr 2018 liegt das voraussichtliche Ergebnis – getragen vom guten Sommer – schliesslich auch deutlich oberhalb des im Vergleich zum bereits sehr guten Vorjahr 2017 ursprünglich noch zurückhaltend formulierten Budgetplan (BU) 2018.

Abbildung: Präsentation Rigi-Partneranlass 2018

Gondelbahn Weggis und neues Rollmaterial: Zwei Grossprojekte werden zunehmend konkreter

Wie die Rigi Bahnen AG im Rahmen ihres aktuellen Aktionärsbriefs sowie einer ergänzenden Medienmitteilung (Zukunftsweisende Projekte nehmen Fahrt auf)
von Anfang Dezember 2018 kommunizierten, haben Verwaltungsrat und Geschäftsleitung an ihrer letzten Sitzung im Jahr 2018 wichtige Entscheide für die Weiterentwicklung der Projekte «Neubau Gondelbahn Weggis-Rigi Kaltbad» und «Erneuerung Rollmaterial und Bahninfrastruktur» getroffen.

Anstelle der bisherigen Pendelbahn Weggis-Rigi Kaltbad (2 Kabinen à 70 Stehplätze), die nach über 50 Jahren Betrieb „am Ende ihrer technischen Lebensdauer“ angekommen ist, soll ab dem Sommer 2022 eine neue Gondel-Umlaufbahn mit 21 Gondeln und jeweils 10 Sitzplätzen realisiert werden. Der Baustart ist – Stand heute – für den Herbst 2021 vorgesehen. Eine besondere Herausforderung beim Bau ist hier u.a. die „anspruchsvolle Seilführung“ in einem landschaftlich exponierten Gebiet.

Eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Pendelbahn-Lösung ergibt sich – neben einer gleichmässigeren Kapazitätsverteilung – in der Gondelbahn-Variante wegen des Umlaufbetriebs auch bei den Wartezeiten. Auch die ÖV-Anbindung, heute teilweise noch ein Manko der LSB Weggis-Rigi Kaltbad, kann mit einer Gondelbahn auf längere Sicht im Interesse der Gäste verbessert und optimiert werden.

Zumindest aus einer finanziellen Perspektive komplexer, weil zugleich deutlich teurer bei den Anschaffungskosten, präsentiert sich die Situation heute beim Thema „Neues Rollmaterial“ und – damit eng verknüpft – einer schrittweisen „Erneuerung des Gesamtsystems Zahnradbahn“ sowie der Bahninfrastruktur.

Die vorhandene, weitgehend historisch gewachsene Bahninfrastruktur soll besser ausgenutzt und perspektivisch auch die Taktung der Züge verdichtet werden. Zu Stosszeiten oder in der Hochsaison soll es mit den neuen Zügen möglich sein, auch einen Halbstundentakt anbieten zu können (bisher 60-Minuten-Takt). Ziel ist es ferner, mittels einheitlicher Komponenten die Instandhaltungskosten – und damit den Betriebsaufwand – zu senken. Auch die Themen Barrierefreiheit, Gästekomfort und Ressourceneffizienz stehen bei den neuen Triebwagen im Fokus. Ziel der Rigi Bahnen  ist es, bis 2021 ein erstes Fahrzeug der neuesten Generation im Einsatz zu haben.

Zu weiteren, teilweise auch sehr technischen Details hinsichtlich des Gondelbahn-Konzepts sowie zur Erneuerung des Rollmaterials verweisen wir auf die Medienmitteilung sowie die Präsentation zum Partneranlass 2018.

Fazit

Der Wandel von einem „konzessionierten Transportanbieter“ zu einem „kundenorientierten Tourismusunternehmen“ – wie von der Gesellschaft angestrebt – birgt aus unserer Perspektive längerfristig nicht nur Risiken, sondern eröffnet der Rigi als Destination und der ganzen Region auch Chancen, nicht nur wirtschaftlich. Diese Chancen der Rigi als Berg mit der Vernetzung vieler kleinerer und grösserer Angebotswelten inmitten einer wunderbaren Natur gilt es, im nationalen wie internationalen Wettbewerb zu nutzen. Dazu bedarf es einer offenen und ehrlichen Kommunikation aller Interessensgruppen. Die Rigi als ein kulturell sehr vielschichtiger Mikrokosmos hat im Vergleich zu anderen Bergen viele Vorteile – insbesondere auch im Hinblick auf die fast schon grenzenlose Vielseitigkeit. Wer sucht, der findet auch heute (und wahrscheinlich auch in der Zukunft) auf der Rigi noch viele „stille Orte“ – und dies oft nur wenige hundert Meter vom touristischen Hotspot Rigi-Kulm entfernt.

Der Verfasser erkennt als häufiger Gast in den letzten Jahren rund um die Rigi viele Verbesserungen, die letztlich auch eng mit der touristischen Transformation und der Entwicklung neuer Angebote verknüpft sind.

Dies beginnt – nur ein Beispiel – bei der stark verbesserten „Freundlichkeit der Mitarbeiter“ der Rigi Bahnen AG im täglichen Arbeitseinsatz. Der Tourist am Berg ist heute in erster Linie Gast – und wird entsprechend behandelt. Viele Dinge bewegen sich auf der Rigi im Kleinen wie im Grossen seit einigen Jahren in die richtige Richtung. Der Mikrokosmos Rigi insgesamt ist vielseitiger und lebendiger geworden – und hat als Destination an nationaler und internationaler Strahlkraft gewonnen.

Für die Gesellschaft und ihre Aktionäre ist es bei den mit Blickrichtung 2021/2022 anstehenden Grossprojekten wichtig, sich finanziell und organisatorisch nicht zu übernehmen und bei allen Schritten mit Augenmass sowie gesundem Realismus vorzugehen. Lieber viele kleine Schritte gestreckt über möglichst lange Zeiträume als (zu) viele grosse und schnelle Schritte, insbesondere auch finanziell. Dies gilt gerade auch mit Blick auf die absehbar hohen Investitionen ins Rollmaterial. Hier gilt es, das Nötige vom Möglichen sauber zu trennen. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch nötig. Das wissen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung aber auch – gerade auch mit Blick auf andere „Investitionsruinen“ der Bergbahnenlandschaft.

Die Aktien der Rigi Bahnen AG, die auf dem ausserbörslichen OTC-X-Tableau der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt werden, sind aktuell zu 9.10 CHF gesucht und zu 9.20 CHF angeboten. Auf Basis des zuletzt bezahlten Kurses von 9.10 CHF beträgt die Marktkapitalisierung der im Vergleich zu den benachbarten Pilatus Bahnen, Schilthornbahn, Titlisbahn oder gar Jungfraubahnen noch immer vergleichsweise klein kapitalisierten Bergbahngesellschaft bei 3.6 Mio. ausstehenden Aktien rund 33 Mio. CHF.

Transparenzhinweis: Der Verfasser ist Aktionär der Rigi Bahnen AG.

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