Dominik Keller, CEO Thermalbad Zurzach: «25% unserer Gäste stammen aus Deutschland.»

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Dominik Keller ist Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach AG. Bild: zvg

Zwischen Winterthur und Basel liegen entlang des Rheins in der Schweiz und Deutschland mehrere Thermalbäder. Nachdem das Parkresort Rheinfelden vor zwei Jahren mit der Beteiligungsgesellschaft Invision einen neuen Mehrheitsaktionär erhalten hat, werden nur noch die Aktien von zwei Bädergesellschaften aus dieser Region ausserbörslich auf OTC-X gehandelt: die Aktien der Bad Schinznach AG sowie die Titel der Thermalbad Zurzach AG. Mit einem Umsatz von 11.3 Mio. CHF und dem Fokus rein auf das Bädergeschäft (mit Fitness- und Spa-Angeboten) ist die Thermalbad Zurzach AG das deutlich kleinere Unternehmen. In 2017 erzielte die Gesellschaft dennoch ein Betriebsergebnis (EBIT) von 1 Mio. CHF. Geschäftsführer Dominik Keller erklärt im Interview mit schweizeraktien.net, warum die Gesellschaft nun den Bäderbetrieb in eine neue Gesellschaft auslagert und wie das Geschäftsjahr 2018 bisher gelaufen ist.

Herr Keller, der Sommer 2018 war einer der heissesten in der Geschichte. Wie hat sich der Rekordsommer auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Wir hatten wie alle Thermalbäder in unserer Region in den Sommermonaten weniger Eintritte als im Vorjahr zu verzeichnen. Allerdings hielt sich aufgrund unseres vielfältigen Angebots der Einbruch bei den Besucherfrequenzen in Grenzen. Mit dem Naturschwimmteich und einem 25-Meter-Schwimmbecken sowie den grosszügigen Aussenbereichen haben wir ein Angebot, das auch in den heissen Sommermonaten rege genutzt wurde.

Insgesamt stagnieren die Besucherzahlen in den Schweizer Thermalbädern. Wie grenzen Sie sich von den anderen Bädern in der Schweiz und auch im grenznahen Ausland ab?

Nach den umfangreichen Umbaumassnahmen im Jahr 2017 verfügen wir nun über die grösste Bäderlandschaft der Schweiz. Neben den Bädern mit unserem eigenen Thermalwasser bieten wir auch Becken mit Kaltwasser und den Naturschwimmteich an. Zusätzlich haben wir mit dem Intensiv-Solebad ein weiteres sehr beliebtes Bad. Hinzu kommt, dass wir uns bewusst als Bad für die ganze Familie positionieren. Seit dem Papa-Moll-Film ist unser Bad auch schweizweit als Familienbad bekannt geworden.

Allerdings kommen dank unserer grossen Fläche ältere und ruhesuchende Gäste mit den Familien und Kindern gut aneinander vorbei. Beschwerden hat es noch keine gegeben. Ein wichtiger Bestandteil unseres Angebotsmixes ist auch unser Fitnessclub mit über 1’200 Mitgliedern und der gesamte Spa-Bereich. Alle Angebote greifen gut ineinander.

Besteht nicht die Gefahr, dass viele Schweizer Gäste ins nahe Ausland abwandern und dort günstiger baden?

Nein, das Gegenteil ist eher der Fall. 25% unserer Gäste stammen aus Deutschland. Bei einem Eintrittspreis von 20 CHF sind die Preisunterschiede auch nicht gerade gross. Allerdings haben wir nach dem Aufheben der Wechselkurs-Untergrenze Anfang 2015 schon einen Rückgang der deutschen Gäste zu verzeichnen gehabt. Mittlerweile hat sich dies wieder eingependelt. Ein wichtiger Teil unserer Mitglieder im Fitnessclub stammt sogar aus der deutschen Stadt Waldshut.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für das Gesamtjahr für das Thermalbad in Bad Zurzach?

Das erste Quartal 2018 war sehr stark. Nach den schwachen Sommerquartalen konnten wir einen guten Start in das letzte Quartal verzeichnen. Allerdings hängt nun sehr viel vom Jahresendgeschäft ab. Denn die Feiertage sind für uns sehr wichtig. Daher kann ich Ihnen erst im Januar sagen, ob wir an das Vorjahr anknüpfen werden.

Und wie sieht es 2018 bei Ihrer 65%igen Tochter Airport Fitness am Zürcher Flughafen aus?

Wir rechnen für das Geschäftsjahr 2018 mit einem kleinen Gewinn.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Oktober haben die Aktionäre die Änderung der Statuten beschlossen und so den Weg für die Gründung einer Betriebsgesellschaft frei gemacht. Was waren die Gründe dafür?

Die Stiftung für Gesundheitsförderung ist heute schon an der Aqualon Therme in Bad Säckingen (DE) beteiligt. Ausserdem wird sie über die Verenahof AG das neue Thermalbad in Baden führen. Um Synergien im Bäderbetrieb zwischen den drei Bädern zu nutzen, werden wir den Bäderbetrieb der Thermalbad Zurzach AG in die Thermalbad Zurzach Betriebs AG ausgliedern. Die Thermalbad Zurzach AG bleibt dann Besitzerin der Immobilien und ist zu 100% an der Thermalbad Zurzach Betriebs AG beteiligt. Über die Thermalquelle AG hält die Stiftung auch die Stimmrechtsmehrheit an der Thermalbad Zurzach AG.

Die Aqualon Therme in Bad Säckingen war bisher keine Erfolgsgeschichte, und auch der Erfolg des neuen Thermalbads in Baden birgt Risiken in einem gesättigten Markt. Verändert sich für die freien Aktionäre der Thermalbad Zurzach AG damit nicht das Risikoprofil zu ihren Ungunsten?

Nein. Denn sie sind an den beiden Betriebsgesellschaften in Bad Säckingen und Baden nicht beteiligt. Sie könnten allerdings von Synergien beim Einkauf und der Führung der drei Bäderbetriebsgesellschaften auf der Kostenseite profitieren. Über Mietverträge und Service-Level-Agreements mit der Thermalbad Zurzach AG sind die Leistungen zwischen der Betriebs AG und der Muttergesellschaft klar geregelt.

Verbleiben die Beteiligungen an Bad Zurzach Tourismus und an Airport Fitness in der Thermalbad Zurzach AG?

Diese Beteiligungen bleiben bestehen.

Welche Dividenden kann der Aktionär künftig erwarten?

Wir gehen von einer durchschnittlichen Ausschüttung von 2% (des ursprünglichen Nominalwertes von 500 CHF; Anm. d. Redaktion) aus. Ferner erhält der Aktionär weiterhin die beliebten Naturalgaben Badeintritt sowie einen Essensgutschein.

Herr Keller, vielen Dank für das Gespräch.

Fazit

Die Änderungen der Statuten und die Gründung der Betriebsgesellschaft haben den Aktienkurs der Inhaberaktien der Thermalbad Zurzach AG unter Druck geraten lassen. Seit Jahresbeginn hat der Kurs der eher selten gehandelten Titel um knapp 10% verloren. Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung dürfte der heisse Sommer sein, der einen Einfluss auf das Ergebnis haben könnte. Allerdings sind die Folgen dieser beiden Ereignisse offenbar nicht so gravierend, wie zu befürchten wäre. Das Ergebnis für 2018 könnte knapp das Vorjahresniveau erreichen – der Reingewinn lag bei 662’143 CHF. Und auch die organisatorischen Veränderungen haben keinen direkten Einfluss auf das Ergebnis, denn der Aktionär muss nicht das Risiko der beiden anderen Bäderbetriebsgesellschaften mittragen.

Bei einem Aktienkurs von 305 CHF, der zuletzt auf OTC-X für eine Inhaberaktie gezahlt wurde, notieren die Titel um mehr als 50% unter dem Buchwert von 775 CHF (per Ende 2017). Auch das Kurs-/Gewinn-Verhältnis ist mit 9 – einen gleichbleibenden Gewinn von 660’000 CHF vorausgesetzt – tief. Bleibt auch die Ausschüttung bei 10 CHF pro Inhaberaktie, die bisher für Privataktionär steuerfrei als Nennwertrückzahlung erfolgte, so rentiert der Titel mit über 3%. Hinzu kommen der Gratis-Bädereintritt sowie ein Essensgutschein. Der Aktien sind daher insbesondere für private Aktionäre, die auch von den Naturaldividenden profitieren können, eine interessante Anlage.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die zur Stiftung Gesundheitsförderung gehörende Thermalquelle AG über vinkulierte Namenaktien mit 55% die Stimmrechte dominiert. Somit sind die freien Aktionäre stets von den Entscheidungen der Stiftung abhängig.

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