Die 97. Generalversammlung der Bad Schinznach AG war eine Art Dernière. Zum letzten Mal fanden sich die knapp 230 Aktionäre in der Turnhalle der Gemeinde «Schinznach Bad» ein. Denn mit der Gemeindefusion wird Schinznach ab dem 1. Januar 2020 Teil der Gemeinde Brugg. Dann finde die Versammlung in der Turnhalle der Gemeinde «Brugg» statt, sagte VR-Präsident Hans-Rudolf Wyss zur Begrüssung der Aktionäre schmunzelnd. Wyss zeigte sich optimistisch, die bisherige gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde auch zukünftig fortsetzen zu können. Vielleicht trage die Gemeinde Brugg ja eines Tages auch den Namen «Bad» im Gemeindenamen, scherzte Wyss weiter.

Bädergeschäft in 2018 rückläufig

VR-Präsident Hans-Rudolf Wyss und Vize-VRP Andreas Hotz vor der Generalversammlung. Alle Bilder: Sandra Blaser, schweizeraktien.net

Wyss fasste in gewohnt kurzweiliger Form die Ereignisse des abgelaufenen Geschäftsjahres 2018 zusammen. Insgesamt ist es der Gesellschaft gelungen, die Vorjahreszahlen zu übertreffen. Das garstige Wetter in den ersten Monaten liess die Besucherzahlen in den Bädern deutlich ansteigen, was sich dann im heissen und trockenen Sommer ins Gegenteil wandelte. In den letzten beiden Monaten wendete sich das Blatt abermals: Das kühle Wetter zum Jahresende liess die Besucherzahlen im Thermalbad wieder ansteigen. Dennoch konnte sich die Gesellschaft dem allgemein rückläufigen Branchentrend mit einem Gästeminus von 2,7% nicht entziehen. Dies führte denn auch zu einem leichten Minus der Einnahmen um 0.2 Mio. CHF auf 10.9 Mio. CHF.

Hotellerie legt zu

Erstmals seit mehreren Jahren gelang es, die Zahl der Hotelübernachtungen zu steigern. Hierzu mit beigetragen hat die im Sommer 2018 eröffnete neue Junior Suite auf dem Dach des Hauses Habsburg, deren Sanierung im letzten Jahr beendet wurde. Die neue Suite ist sehr gut belegt, was sich in den höheren Restaurationseinnahmen widerspiegelt. Im Haus Habsburg sind acht Wohnungen mit Service für die Mieter seit dem 1. Juli im Angebot. Diese sind bis auf eine Wohnung vermietet. Deutlich wird der Einfluss der neuen Wohnungen bei den weiter angestiegenen Mieterträgen, die nur knapp die Schwelle von 2 Mio. CHF verfehlten.

Klinikbereich entwickelt sich positiv

Auch im Klinikbereich entwickelte sich das Geschäft gut. Nachdem im Vorjahr die laufenden Umbauarbeiten zu tieferen Frequenzen führten, zogen die Patientenzahlen wieder an. Bei der «Privat-Klinik Im Park» zeigt sich die starke regionale Verankerung: Rund 85% der Patienten kommen aus den in unmittelbarer Nähe zur Rehabilitationsklinik gelegenen Kantonen Aargau, Zürich und Solothurn, informierte Wyss.

Neues Tarifsystem am Meissenberg

In der Klinik Meissenberg führte das neue Tarifsystem Tarpsy zu einer verspäteten Verrechnung der Umsätze. Da die Tarife nur sehr kurzfristig festgelegt werden konnten, war eine rasche Verrechnung nicht möglich. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz: So musste die Bad Schinznach AG den Bestand an liquiden Mitteln zur Kostendeckung einsetzen und zudem auf die vorhandenen Kreditlinien zurückgreifen. Im laufenden Jahr wurde mit der Bezahlung der Rechnungen die Situation wieder normalisiert, und die Liquidität ist aktuell sehr hoch.

Wäscherei Schwob expandiert

Weiter auf der Erfolgswelle schwamm die Wäscherei Schwob. Mit dem Kauf von zwei Wäschereien in Weggis und im Tessin setzt Schwob auf weitere Expansion. Dabei ist eine Besonderheit zu beachten, wie Wyss den Aktionären erklärte. Während in der Deutschschweiz zahlreiche Gastrobetriebe ihre Wäsche ins grenznahe Ausland bringen, um Kosten zu sparen, sei dies im Tessin nicht möglich. Der italienische Zoll verhindere das Bringen der Wäsche nach Italien, so dass diese im Inland gewaschen werden müsse. Wegen der kurzen Transportwege zu den Hotelbetrieben im Tessin sei der Standort in der Schweizer Sonnenstube ideal, so Wyss.

Abstimmungen ohne Gegenstimmen

Keine Gegenstimmen und nur wenige Enthaltungen. Alle Traktanden wurden von den Aktionären mit grossem Mehr gutgeheissen.

Wyss skizzierte kurz die Eckdaten der Jahresrechnung 2018. Die Gesamtumsätze wuchsen um 0,6% auf 52.2 Mio. CHF. Deutlich stärker legte das EBITDA (Betriebsgewinn vor Zinsen und Abschreibungen) mit plus 3,2% auf 9.7 Mio. CHF zu. Beim Finanzergebnis wirkte sich eine Zahlung aus der Rückvergütung der CO2-Abgabe im Umfang von 240‘000 CHF positiv aus. Dieser sehr schöne Erfolg kann nicht jedes Jahr erwartet werden. In der Bilanz spiegeln sich die Bautätigkeiten mit einem Plus der Bilanzsumme von 6 Mio. CHF wider. Auch die Eigenmittel konnten weiter gesteigert werden. Mit den Zahlen stellte Wyss die anwesenden Aktionäre zufrieden. Diese verzichteten auf Fragen. Alle Traktanden wurden ohne Gegenstimmen mit teilweise wenigen Enthaltungen angenommen.

Aquarena Sauna wird neu gebaut

Im laufenden Jahr wird die Sauna seit dem 1. April bis Ende August komplett erneuert. Dabei setzt die Gesellschaft darauf, den Gästen noch vor der geplanten Eröffnung des Bads in Baden mit einer vollständig neuen Sauna Freude zu machen. Für rund 5 Mio. CHF wird die Aquarena Sauna deutlich grosszügiger gestaltet.

Planungen am Meissenberg

Auch auf dem Zuger Meissenberg könnte es schon bald weitere Bauten geben. Die Bad Schinznach AG plant die Erweiterung und Modernisierung des Klinikbetriebs. Um dies überhaupt durchführen zu können, wird ein neuer Bebauungsplan der Stadt Zug benötigt. Die Arbeiten zur Erstellung schreiten voran, und im August ist mit der definitiven Erstellung des Plans zu rechnen. Dieser muss indessen noch durch das Zuger Stimmvolk genehmigt werden.

Generationswechsel im Verwaltungsrat

Nach fast dreissig Jahren in Diensten des Unternehmens zieht sich Paul Fehr zurück. Seine Nachfolgerin und erste Frau im VR wird Jacqueline Wyss.

Zum Tag der Generalversammlung trat Paul Fehr aus dem Verwaltungsrat der Bad Schinznach AG aus. Fehr war von 1991 bis 2008 CEO der Bad Schinznach AG und gestaltete den Ausbau massgeblich mit. Er glaubte in den schwierigen Zeiten an den Erfolg der sich bei seinem Amtsantritt in Bau befindlichen Aquarena-Badelandschaft. Der Erfolg hat ihm später Recht gegeben. 2008 trat er in den Ruhestand und wechselte in den VR der Bad Schinznach AG. Seine Nachfolgerin ist Jacqueline Wyss, welche die Familie des Mehrheitsaktionärs und VR-Präsidenten neu im VR vertritt. Ihre Wahl war wie die anderen Abstimmungen nur eine Formsache. Sie wird ihre Kompetenz in den Bereichen Immobilien und Bauten in die Gesellschaft einbringen. Mit ihr ist nun die erste Frau im Verwaltungsrat der Bad Schinznach AG vertreten.

Guter Start ins 2019

Daniel Bieri weist den Weg ins Geschäftsjahr 2019.

Der Start ins neue Jahr 2019 verlief sehr erfolgreich. Firmenchef Daniel Bieri stellte den Aktionären die Zahlen des laufenden Geschäftsjahres in einer Hochrechnung bis Ende Mai vor. So legten die Gesamtumsätze um 1,6% auf 22.65 Mio. CHF zu. Das EBITDA stieg um 6,2% auf 4.5 Mio. CHF. Für das Gesamtjahr setzt sich die Gesellschaft zum Ziel, den Vorjahreswert trotz der längeren Schliessung der Sauna zu egalisieren. Weiter im Aufwind sind die Übernachtungszahlen im Hotel mit einem Plus von 4%. Auch die Auslastung des Hotels lag mit 70% deutlich über dem Branchendurchschnitt von 59%.

Ebenfalls informierte Wyss über die neue Geschäftsführung in der Klinik Meissenberg. Der bisherige Direktor wird im Einvernehmen mit der Bad Schinznach AG die Klinik verlassen. Diese wird zukünftig von Beatrice Bill-Wyss, Tochter des VR-Präsidenten, mit Unterstützung des Finanzchefs Rolf Tanner und Dr. med. Peter Peiler geführt werden.

Zum Abschluss lud Wyss die Anwesenden zum Apéro riche im Foyer der Turnhalle ein. Dieser bot den Aktionären die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch Informationen mit Verwaltungsrat und Geschäftsleitung in lockerer Atmosphäre auszutauschen.

Fotogalerie der Generalversammlung

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