Weleda AG: Weiterhin auf Erfolgskurs

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Den Lavendel preist Weleda als „entspannend und beruhigend“ an. Eine „beruhigende“ Wirkung auf ein diversifiziertes Wertschriftendepot dürfte auch der Weleda Partizipationsschein haben. Bild: weleda.ch

In den zurückliegenden Wochen hatten wir an dieser Stelle über verschiedene Eckdaten zum Geschäftsjahr 2018 sowie aktuelle Entwicklungen im Unternehmen berichtet. Was bisher noch fehlte, waren konkrete Informationen zur Ergebnisentwicklung bei Weleda im Geschäftsjahr 2018. Weleda hatte lediglich mitgeteilt, dass das Ergebnis „voraussichtlich stabil“ bleibt.

Mit Vorlage des Geschäftsberichts 2018 vor wenigen Tagen hat die Weleda AG den Zahlenschleier nun gelüftet. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 war Weleda operativ erfolgreich in den Zielmärkten unterwegs.

Internationalisierung trägt Früchte

Die Herstellerin von Naturkosmetik und anthroposophischen Arzneimitteln konnte den Gesamtumsatz 2018 um 2,8% auf 412.3 Mio. EUR steigern. Wechselkursbereinigt lag das Umsatzwachstum sogar bei 4,4%. Die Gesamtleistung einschliesslich der Bestandsänderung an unfertigen und fertigen Erzeugnissen verbesserte sich um knapp 4,1% auf 423 Mio. Euro.

50% der Umsätze (Vj. 51%) wurden in der D-A-CH-Region erwirtschaftet. Während der Umsatz in der wettbewerbsintensiven und zugleich preissensitiven D-A-CH-Region nur leicht um 0,3% auf 204 Mio. Euro zulegen konnte, verbesserte sich der Umsatz in Frankreich um 2,9% auf 93.4 Mio. Euro. Überproportional zulegen konnte Weleda auch in den übrigen Regionen: In diesen Märkten, darunter die wichtigen Auslandsmärkte USA, Niederlande, Brasilien, Italien, UK und Spanien, kletterten die Umsatzerträge um +7,6% auf 115 Mio. Euro. Prozentual am stärksten zulegen konnten – allerdings von tiefer Umsatzbasis aus – die Ländergesellschaften in der Ukraine (+74,7% auf ca. 1 Mio. Euro) sowie Argentinien (+60,5% auf 2.7 Mio. Euro). Ausgehend von dieser heterogenen Entwicklung in den einzelnen Ländermärkten zeigt sich, dass sich die von der Weleda AG eingeschlagene Internationalisierungsstrategie angesichts des aktuell nur noch schwachen Marktwachstums in den D-A-CH-Märkten bezahlt macht und das Unternehmenswachstum insgesamt unterstützt.

Naturkosmetik als Wachstumstreiber

Mit Naturkosmetik – der wichtigsten Säule des Traditionsunternehmens – setzte das in Arlesheim in der Nähe von Basel ansässige Unternehmen 5,2% mehr um als 2017 (ohne Wechselkurseinflüsse 6,7%), insgesamt knapp 308 Mio. EUR. Etwa 75% des Gesamtumsatzes entfielen 2018 auf die Naturkosmetik, die anderen 25% auf Arzneimittel. Dabei war die Internationalisierung der wesentliche Wachstumstreiber in der Naturkosmetik. Während die Umsätze im D-A-CH-Raum nur um rund 1% zulegten, betrug das Umsatzwachstum in allen anderen Ländern insgesamt rund 10%. Die wichtigsten Wachstumsregionen in der Naturkosmetik waren Westeuropa mit Frankreich, den Niederlanden und UK sowie Nordamerika und Zentral-/Osteuropa.

Bei den Arzneimitteln war Weleda 2018 allerdings mit Umsatzeinbussen konfrontiert. In diesem Geschäftsfeld musste ein Umsatzrückgang um -3.6% auf rund 105 Mio. EUR. hingenommen werden. Die Rückgänge fielen in erster Linie in Europa an, während die Region Südamerika – insbesondere Brasilien – wechselkursbereinigt um über 15% zulegen konnte. Soviel zur Umsatzentwicklung der einzelnen Weleda-Geschäftsfelder.

Betriebsergebnis und Reingewinn legen prozentual zweistellig zu

Das Betriebsergebnis (EBIT) konnte 2018 bei einem leicht unterproportionalen Anstieg des Betriebsaufwands um +11,6% auf 21.1 Mio. EUR zulegen.

Beim Betriebsaufwand fällt auf, dass in den mit 143.3 Mio. EUR bilanzierten „übrigen betrieblichen Aufwendungen“ in der Position übriger Aufwand eine gewinnschmälernde, nicht näher definierte „Rückstellung für strategische Projekte“ im Umfang von 5.5 Mio. EUR als Aufwandsposten verbucht wurde. Ohne diese „Rückstellung für strategische Projekte“ im Betriebsaufwand wäre der Zuwachs beim EBIT noch deutlich höher ausgefallen.

Bei einem Finanzergebnis im Bereich des Vorjahres verbesserte sich das Jahresergebnis vor Steuern um +13,2% auf 19.9 Mio. EUR.

Höchste Steuerlast in Deutschland

Die Steuerquote in der Gruppe erhöhte sich von 26,3% auf 28,1%. In absoluten Grössen bedeutete dies eine Zunahme um rund 1 Mio. EUR beim Steueraufwand auf zuletzt 5.6 Mio. EUR. Ursächlich ist die unterschiedliche Gewinnverteilung innerhalb der einzelnen Ländergesellschaften. Mit 3.4 Mio. EUR (Vj. 1.7 Mio. Euro) entfiel der grösste Teil der Ertragsteuern (61%) auf Deutschland, obwohl die deutsche Ländergesellschaft in Schwäbisch Gmünd nur für etwa 42% der Umsätze stand.

Das auf die Gesellschafter – also Aktionäre und Partizipanten – entfallende konsolidierte Jahresergebnis verbesserte sich von 12.9 Mio. EUR auf fast 14.3 Mio. EUR oder etwa 16.1 Mio. CHF auf Basis aktueller Wechselkurse, ein Zuwachs um +10,5% zum Vorjahr.

Nennwertadjustiert würde das anteilige Ergebnis je Partizipationsschein (PS) à 500 CHF nominal bei einem aktuellen Wechselkurs von 1.1285 CHF/EUR und rechnerisch 28’500 vereinheitlichten „Anteilsscheinen“ rund 565 CHF/PS betragen, entsprechend einem optisch sehr preiswerten KGV von 6.5x auf Basis zuletzt bezahlter Preise um 3’700 CHF.

Verkauf von eigenen Partizipationsscheinen mit Gewinn

Gemäss Informationen aus dem Geschäftsbericht 2018 hat Weleda im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 insgesamt 520 eigene PS zu durchschnittlich 3’476 CHF mit Gewinn verkauft. Diese standen mit insgesamt rund 640’000 CHF in den Büchern, entsprechend rund 1’250 CHF je PS oder 250% vom nominal. Zum Jahresende 2018 hatte die Gesellschaft noch 195 Weleda-PS im Eigenbestand (Buchwert: 244 TCHF, entspricht 1’250 CHF/PS).

Aufgrund der 2013 geänderten Bilanzierungsrichtlinien für eigene Aktien / Partizipationsscheine sind eigene Beteiligungstitel als Minusposten zu ihrem Buchwert im Eigenkapital zu erfassen und schmälern dieses – in Abhängigkeit vom Einstand – „technisch“. Verkäufe eigener Beteiligungstitel – auch wenn diese zu einem analytisch günstigen Kurs erfolgen – können so aus einer rein bilanziellen Perspektive bei Verkäufen mit (erheblichem) Gewinn einen deutlich positiven, „technischen“ (Einmal-)Effekt auf die prozentuale Eigenkapitalquote haben.

Steigerung der wirtschaftlichen Resilienz weiter gefestigt

2018 konnte Weleda die bilanzielle Eigenkapitalquote auf über 51% (Vj. 46.7%) erhöhen und das selbst gesetzte Ziel einer Steigerung der wirtschaftlichen Resilienz weiter festigen.

Das bilanzielle Eigenkapital in der Weleda-Gruppe (ohne Minderheitsanteile) erhöhte sich um 15.3 Mio. Euro – über dem ausgewiesenen Jahresgewinn von 14.3 Mio. EUR liegend – oder 13% auf 133.2 Mio. EUR. Umgerechnet zu einem aktuellen Wechselkurs von 1.1285 CHF/EUR und rechnerisch 28’500 vereinheitlichten „Anteilsscheinen“ entspricht dies einem anteiligen bilanziellen Eigenkapital von 5’275 CHF/PS.

Gewinne oder Verluste aus eigenen Beteiligungsrechten werden bei einer Veräusserung bilanziell nicht (mehr) der Erfolgsrechnung gutgeschrieben oder belastet, sondern direkt mit dem Eigenkapital verrechnet. Deshalb erhöhte sich das Weleda-Eigenkapital durch den erfolgten Verkauf von Weleda-PS mit Gewinn deutlich über Buchwert auch über den Zuwachs beim Jahresergebnis hinaus.

Dividende bleibt konstant

Der kommenden Generalversammlung vom 7. Juni 2019 wird eine unveränderte Ausschüttung von 35 CHF je PS vorgeschlagen, entsprechend einer Rendite unter 1% auf Basis zuletzt bezahlter OTC-Preise. Aus der Einladung zur Generalversammlung ergibt sich, dass die Ausschüttung in diesem Jahr erstmals aus den Kapitaleinlagereserven, d.h. ohne Abzug der Verrechnungssteuer, erfolgen soll.

Allerdings – und das ist auch im OTC-Markt eher unüblich – ist die Ausschüttung bereits mit der in der Vergangenheit liegenden Schliessung des PS-Registers (vergleichbar dem Aktienregister) aus dem Partizipationsschein „abgeflossen“. Ex-Datum für die Ausschüttung war bereits der zurückliegende 14. Mai 2019. Dem Verfasser bekannt ist, dass die AG für Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ein vergleichbares Dividendenreglement hat, während viele OTC-Gesellschaften – sofern sie Dividenden ausschütten – die Auszahlung der Dividende technisch mehr und mehr an den Marktstandard für kotierte Gesellschaften anpassen. Sofern auch noch andere OTC-X-Gesellschaften ein analoges Dividendenreglement wie die NZZ oder Weleda haben, freuen wir uns über Hinweise aus dem Leserkreis an info@schweizeraktien.net.

Diese Regelung bedeutet aber auch: Anleger, die nach dem 14. Mai 2019, aber vor der Generalversammlung am 7. Juni 2019 Weleda-PS kaufen, erwerben für das Geschäftsjahr 2018 keinen Ausschüttungsanspruch mehr. Dieser Ausschüttungsanspruch für das zurückliegende Geschäftsjahr gehört bei Transaktionen im Zeitfenster zwischen Schliessung des Registers und GV dem PS-Verkäufer, der bei Schliessung des Registers in diesem Verzeichnis eingetragen war.

Fazit

Die aktuellen Nachrichten und die Zahlen aus dem Hause Weleda stimmen zuversichtlich für die Zukunft, die Perspektiven bleiben intakt. „Schnelles“ Wachstum sollten Partizipanten angesichts eines intensiven Wettbewerbs und des Eintritts neuer Wettbewerber in den angestammten D-A-CH-Märkten gleichwohl nicht erwarten, ebensowenig – auch mit Blick auf die anstehenden Investitionen in Schwäbisch Gmünd – grössere Dividendenschritte.

Auf der anderen Seite dürfte der Weleda PS – und das ist der Brückenschlag zu unserem Eingangsbild – auch in turbulenten Marktphasen, wie wir sie zuletzt häufiger an den Finanzmärkten erlebt haben, eine „beruhigende“ Wirkung auf ein diversifiziertes Wertschriftendepot haben.

Mittel- bis längerfristiges Wachstumspotenzial ergibt sich insbesondere aus weiteren Erfolgen der eingeschlagenen Internationalisierungsstrategie auf der Basis eines starken, etablierten Markenkerns. Auch ist Weleda mittlerweile dank einer umsichtigen Unternehmensführung in den letzten Jahren finanziell wieder sehr solide aufgestellt und auch bilanziell bereit für die nächsten Wachstumsschritte. Der Schwerpunkt der Weleda AG wird in Zukunft – mehr denn je – auf der internationalen Weiterentwicklung der Naturkosmetik-Sparte liegen.

Zuletzt wurden die Partizipationsscheine der unverändert analytisch günstig bewerteten Weleda AG auf OTC-X zu 3’700 CHF umgesetzt. Die Titel werden aktuell zu 3’700 CHF gesucht und zu 3’750 CHF angeboten (Kurse vom 22. Mai 2019). Das Dividendenrecht für das Geschäftsjahr 2018 ist bereits aus den aktuellen Kursen abgeflossen (Ex-Tag 14. Mai 2019). Hinsichtlich der in vielerlei „speziellen“ Kapitalstruktur der Weleda AG, die ein zentraler Grund für die tiefe Bewertung auf Basis gängiger Kennzahlen sein dürfte, verweisen wir – wie schon bisher – auf unsere früheren Blog-Beiträge zum Thema. Aufgrund von statutarischen Eintragungsbeschränkungen für die Namenaktien – Anrecht auf Eintragung im Aktienregister haben nur die Mitglieder der AAG – werden auf OTC-X nur die Namenpartizipationsscheine frei gehandelt.

Transparenzhinweis: Der Verfasser ist an der Gesellschaft beteiligt.

 

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