Reishauer: Umsatz und Reingewinn legen 2018 um über 7% zu

Dividende steigt um 260 CHF auf 1'280 CHF pro Aktie - Stärkeres Engagement in China

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Die Reishauer Beteiligungen AG konnte im Geschäftsjahr 2018 auf Konzernebene ein Umsatzplus von 7,2% auf 418.1 Mio. CHF erzielen. Noch etwas stärker legte der Reingewinn mit plus 7,5% auf 42.7 Mio. CHF zu. Dieses Ergebnis wurde trotz der im zweiten Semester eingetretenen Verschlechterung des globalen Wirtschaftsumfelds erzielt, informiert Reishauer im neuesten Geschäftsbericht. Belastend auf die Weltkonjunktur wirkte sich die nachlassende Dynamik der chinesischen Wirtschaft aus, deren Wachstum einen Dämpfer erlitt. In der für Reishauer wichtigen Automobilbranche entwickelte sich das Jahr 2018 auf dem Niveau des Vorjahres.

Der internationale Verband der Automobilhersteller OICA, der über eine allerdings nur in englischer Sprache verfügbare Website zahlreiche interessante Informationen über die Branche liefert, geht von einem Produktionsniveau aus, das den Rekordwert des Vorjahres um 1% unterschritten hat. Die Entwicklung der einzelnen Regionen war indessen sehr heterogen: So wurden in Deutschland, Grossbritannien und Italien zwischen 7 und 9% weniger Autos produziert, während in Osteuropa der Ausstoss um 5% anstieg. Ebenfalls positiv entwickelte sich Nord- und Südamerika mit einem Wachstum zwischen 4 und 5%. Klar negativ entwickelte sich indessen China mit einem Minus von 4%.

Europäisches Geschäft entwickelt sich erfreulich

Bei Reishauer legten die Auftragseingänge im Berichtsjahr um 14,8% auf 225 Mio. CHF zu. Profitieren konnte Reishauer von der starken Nachfrage in Europa, wie der Anstieg des Anteils der Bestellungen von 35% auf 42% an den Gesamtverkäufen belegt. Asien verzeichnete einen leichten Rückgang der Absatzanteile um 2% auf 53%, während Amerika von 10% auf nur noch 5% schrumpfte. Per Jahresende 2018 betrug der Auftragsbestand 114 Mio. CHF.

Weniger erfreulich entwickelte sich das Geschäftsvolumen bei der Felsomat mit einem um 2% auf 138 Mio. EUR gesunkenen Auftragseingang. Auch hier war das europäische Geschäft erfreulich. Dessen Umsatzanteil stieg von 40% im Vorjahr auf 49%, während Asien einen Rückgang um 2% auf 35% verbuchte. Deutlich schwächer entwickelte sich auch bei Felsomat das Geschäft in Amerika mit einem von 25% auf 18% geschrumpften Umsatzanteil. Belastend wirkten sich die geringen Volumina von Grossaufträgen aus. So mussten die Gesellschaften der Felsomatgruppe einen Umsatzrückgang von 8% verbuchen. Deutlich besser entwickelte sich der Absatz bei Reishauer mit einem Plus von über 20%.

Gewinnplus erlaubt höhere Dividende

Auf Konzernebene verbuchte Reishauer ein Ertragsplus von 9,6% auf 429 Mio. CHF. In dieser Summe enthalten sind neben den Nettoerträgen aus Lieferungen und Leistungen übrige betriebliche Erträge. Diese lagen im Berichtsjahr bei 11.2 Mio. CHF nach 8.8 Mio. CHF im Vorjahr. Ebenfalls Teil der Einnahmen sind die negativen Bestandsesänderungen an Erzeugnissen, die im letzten Jahr lediglich 0.3 Mio. CHF nach 7.3 Mio. CHF im Vorjahr ausmachten.

Auf der Kostenseite schlugen sich die höheren Verkaufsmengen in einem Anstieg der Warenausgaben um 6,1% auf 187.7 Mio. CHF nieder. Auch beim Personal musste ein Kostenplus von 11,4% auf 129.9 Mio. CHF verbucht werden, während die übrigen betrieblichen Aufwendungen um 13,8% auf 44.1 Mio. CHF anschwollen.

Im Ergebnis führte dies zu einem überproportionalen Anstieg des Betriebsgewinns vor Abschreibungen EBITDA um 13,7% auf 67.3 Mio. CHF. Die Sachabschreibungen übertrafen den Vorjahreswert von 11.1 Mio. CHF um 6.9 Mio. CHF und betrugen hohe 18 Mio. CHF. Diese drückten auf das EBIT, das darum nur um 2,5% auf 49.3 Mio. CHF avancierte.

Ihren Tribut forderte die negative Entwicklung der Finanzmärkte auf das Nettofinanzergebnis, das mit plus 5.6 Mio. CHF um 3 Mio. CHF tiefer als im Vorjahr ausfiel. Deutlich tiefer waren die Steueraufwendungen mit 12.3 Mio. CHF nach 17 Mio. CHF im Vorjahr. Unter dem Strich konnte so ein Gewinnanstieg um 7,5% auf 42.7 Mio. CHF erzielt werden. Die Aktionäre partizipieren am höheren Gewinn mit einer um 260 CHF auf 1’280 CHF pro Aktie erhöhten Dividende.

Rückläufige Automobilindustrie belastet Ausblick

Für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang bei der Produktion und den Verkäufen der Automobilindustrie gerechnet. Zwar sollten sich die Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten weiterhin positiv entwickeln. Aber gleichzeitig wird sich der Ausstoss an schweren Nutzfahrzeugen verringern. Die hieraus entstehende Abnahme von Investitionsimpulsen lässt Reishauer für 2019 tiefere Nettoerträge erwarten. Profitieren kann das Unternehmen jedoch vom Technologiewandel in der Automobilindustrie zu neuen Antriebskonzepten. Diese Umstellung bedingt hohe Investitionen der Automobil- und Getriebehersteller, was mittelfristig gute Chancen für Reishauer eröffnet.

Stärkeres Engagement in China

Startschuss für einen neuen Standort in China: Der Vize-Bürgermeister von Changzhou, Zhengchun Chen, unterzeichnet mit Jost Sigrist ein Investitionsabkommen für eine neue Produktionsstätte in Changzhou. Bild: zvg

Trotz der aktuellen Absatzschwäche im chinesischen Markt will Reishauer künftig noch stärker in China vertreten sein. Man habe daher die Strategie beschlossen, die steigende Nachfrage von qualitativ hochwertigen Automationslösungen auch in China lokal abzuwickeln, um vom zukünftigen Wachstum noch mehr zu profitieren, schreibt das Unternehmen im Geschäftsbericht. Am 22. Januar 2019 wurde ein entsprechendes Investitionsabkommen unterzeichnet. Zur Umsetzung der Strategie hat die Reishauer Gruppe ein Grundstück von 20’000 m2 in Changzhou in der Nähe von Shanghai erworben.

Fazit

Die Kennzahlen der Reishauer-Gruppe für 2018 fallen insgesamt erfreulich aus. Während der Betriebsgewinn ebenso wie der Reingewinn wenig aussagekräftig sind, zeigt das EBITDA die gute Geschäftsentwicklung auf. So konnte die Marge auf der Basis der Nettoverkäufe von 15,2% auf 16,1% gesteigert, was ein sehr guter Wert ist. Grundsolide ist auch die Konzernbilanz mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von 64,3%. Zudem sind unter den Fremdmitteln langfristige Rückstellungen von 64.3 Mio. CHF enthalten, die nahezu vollumfänglich Eigenmittelcharakter aufweisen dürften. Unter Berücksichtigung dieser Position lässt sich ein Eigenfinanzierungsgrad von 75% ermitteln. In dieser Berechnung nicht enthalten sind stille Reserven, die in nicht unerheblichem Umfang im Anlagevermögen der Reishauer schlummern dürften.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Letztmalig wurden Kurse von 67’900 CHF (Inhaberaktien) und von 66’600 CHF für die vermögensrechtlich gleichgestellten Namenaktien bezahlt. Die Umsätze in beiden Titeln fallen sehr gering aus. Nicht immer werden Briefkurse gestellt, was den möglichen Kauf von Titeln zu einem langwierigen Unterfangen werden lassen kann. Nachdem die Kurse der Reishauer-Papiere in den letzten 52 Wochen um fast 20% gefallen sind, erscheinen sie auf dem aktuellen Niveau fair bewertet. Weiterhin eher tief  fällt die Dividendenrendite von 1,9% aus, während das KGV von knapp 16 für 2018 angesichts der starken Stellung des Unternehmens auf den Weltmärkten als angemessen betrachtet werden kann. Keinesfalls eine Unterbewertung erkennen lässt das Kurs/Buchwert-Verhältnis. So liegt der ausgewiesene Buchwert um rund 50% unter dem aktuellen Kurs. Auch unter Berücksichtigung der hohen Rückstellungen beträgt das Agio noch rund 40%.

Tief ist das Verhältnis des EV/EBITDA (Unternehmenswert im Verhältnis zum EBITDA). Dieses beträgt auf der Basis der vereinfachten Rechnungsmethode, bei der lediglich die liquiden Mittel und die Wertschriften als liquide Mittel auf der einen und alle übrigen Forderungen exklusive der Rückstellungen auf der anderen Seite zur Ermittlung des Firmenwerts herangezogen werden, knapp 7 für 2018.

Angesichts der hervorragenden Marktstellung von Reishauer erscheint diese Bewertung als günstig. Allerdings sind bei einer deutlichen Abschwächung der Automobilbranche und einer möglichen Konjunkturschwäche auch Kursrücksetzer nicht auszuschliessen.

 

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