SGV Holding: Luzerner Schifffahrts-Gruppe befindet sich weiterhin auf Kurs

Neue Antriebssysteme sollen Treibstoffverbrauch reduzieren

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317’000 Passagiere zählte der Bürgenstock-Shuttle in 2018. Bild: www.lakelucerne.ch

Gerade einmal ein Jahr ist die SGV Holding AG alt. Und schon befindet sich die neue Gesellschaft auf Rekordkurs. Jedenfalls erzielte die SGV Gruppe mit ihren Aktivitäten im Bereich der Schifffahrt, der Werft und der Gastronomie in 2018 mit einem Umsatz von 80.3 Mio. CHF einen rekordhohen Betriebsgewinn (EBITDA) von 10.7 Mio. CHF. Ein Jahr alt ist allerdings nur die neue Muttergesellschaft SGV Holding. Die Geschichte der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) geht ins Jahr 1870 oder eigentlich noch viel länger zurück. Im letzten Jahr allerdings wurde die traditionsreiche SGV mit der Holding fusioniert. Operativ tätig sind seitdem nur noch die (neue) SGV AG (Schifffahrt), die Tavolago AG (Gastronomie), die Shiptec AG (Schiffbau) sowie die SGV Express AG, über die der Shuttle zum Bürgenstock Resort abgewickelt wird. Auch in den neuen, zeitgemässen Strukturen ist das Unternehmen nun erfolgreich unterwegs.

Mehr als 3 Mio. Passagiere nutzten die Schiffe

Dies zeigen jedenfalls die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Über 3 Mio. Passagiere nutzen im letzten Jahr – dem hervorragenden Wetter in den Sommermonaten sei Dank – die 20 Schiffe der Gesellschaft. Aufgrund der neuen Verbindung zum Bürgenstock Resort stieg die Zahl der Personenfrequenzen um knapp 14% auf 3.04 Mio. Allein auf der Bürgenstock-Linie wurde 317’000 Passagiere gezählt. Bei der SGV AG stellte sich daher das stärkste Wachstum innerhalb der Gruppe ein. Der Umsatz erreichte einen Spitzenwert von 37.7 Mio. CHF. Mit dem Vorjahr sind die Zahlen allerdings nicht vergleichbar, da verschiedene Managementaufgaben nun von der SGV Holding übernommen wurden. Der Verkehrsertrags lag allerdings um 3.3% über dem Vorjahreswert. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte 8.1 Mio. CHF, was einer EBITDA-Marge von 21,6% entspricht. Bei der Tavolago AG wurde mit 32,5 Mio. CHF leicht mehr umgesetzt als im Vorjahr. Im Gastronomiebereich ist die EBITDA-Marge allerdings wesentlich dünner; sie lag 2018 bei nur 4,2%. Tavolago übernimmt nicht nur die Gastronomie auf den Schiffen der SGV, sondern ist auch im Catering in der Region eine wichtige Grösse. 2018 wurde hier der Geschäftsbereich «Catering & Events» gegründet, um das Geschäft weiter ausbauen zu können. An Land betreibt Tavolago acht gastronomische Betriebe, darunter neu seit 2018 das Wirtshaus Taube das Grillrestaurant Ampersand.

Werftgeschäft soll weiter wachsen

In der Shiptec AG lag der Umsatz mit 19,0 Mio. CHF um knapp 1 Mio. CHF unter dem guten Vorjahreswert. Zurückgegangen ist vor allem der Umsatz mit Drittkunden, der nur noch 4,2 Mio. CHF (Vorjahr: 5,6 Mio. CHF) erreichte. Dennoch gelang es, die EBITDA-Marge von 1,8 auf 3,2% zu erhöhen; der Betriebsgewinn erreichte 613’000 CHF. Obwohl das Schiffbau- und Werftgeschäft derzeit noch zu mehr als drei Viertel von den Aufträgen der SGV AG abhängig ist, will das Unternehmen auch in Zukunft vermehrt Drittkunden gewinnen. Für 2019 verfügt Shiptec über einen rekordhohen Bestand an Aufträgen. Dazu zählen auch Arbeiten an 14 neuen Booten der Schweizer Armee sowie der Bau eines Boots für die Kantonspolizei Schwyz. Potenzial sieht das Unternehmen auch für das Shuttle-Schiff «Bürgenstock», das in Luzern entwickelt und gebaut wurde. Durch die modulare Bauweise kann das Schiff auch leichter andernorts angeboten werden. Um weiter wachsen zu können, kann sich die Shiptec AG auch vorstellen, eine Schiffswerft am Rhein zu übernehmen.

Betriebsergebnis um mehr als 1 Mio. CHF höher

«Es ist erfreulich, dass sich alle Gesellschaften positiv entwickelt haben», fasst CEO Stefan Schulthess das abgelaufene Geschäftsjahr zusammen. Das Betriebsergebnis (EBITDA) übertraf mit 10,7 Mio. CHF den Vorjahreswert von 9,5 Mio. CHF deutlich. Dies ermöglichte es, trotz der gestiegenen Abschreibungen aufgrund der Inbetriebnahme der zwei neuen Schiffe, ein gleichbleibendes EBIT von 3,5 Mio. CHF auszuweisen. Profitieren konnte die Gesellschaft zusätzlich von der Auflösung einer Rückstellung für die Reparatur der MS Diamant sowie Versicherungsleistungen, so dass das Jahresergebnis am Schluss mit 2,5 Mio. CHF um fast 1 Mio. CHF über dem Vorjahreswert lag.

Rund 5% Umsatzwachstum in 2019 erwartet

Stefan Schulthess, CEO der SGV Holding, will bei den Antriebssystemen wegkommen von fossilen Energien. Bild: schweizeraktien.net

Trotz der guten Geschäftsentwicklung und Zahlen wird die Gesellschaft auch in den kommenden Jahren keine Bar-Dividende auszahlen. Als Grund dafür werden die anstehenden Investitionen genannt. So sollen in den kommenden Jahren die Schiffsstege an der Werftanlage erneuert, die Seebecken im Werftgelände ausgebaggert und das DS Stadt Luzern einer Generalrevision unterzogen werden. Für das laufende Jahr erwartet Stefan Schulthess ein Übergangsjahr, bei einem Umsatzwachstum von rund 5% über die ganze Unternehmensgruppe. Das Wachstum soll dabei vor allem aus der Shiptec und von Tavolago kommen. Bis Ende Mai lagen die Verkehrserträge nach Angaben der SGV Gruppe rund 4,7% unter den Vorjahreswerten, wobei die neue Schiffslinie von Luzern nach Kehrsiten/Bürgenstock eine hohe Nachfrage verzeichnete. Tavolago (+ 27%) und Shiptec (+ 30%) übertrafen die Vorjahreszahlen Ende Mai hingegen deutlich.

Mehr Verantwortung soll die SGV Gruppe künftig auch in Sachen Nachhaltigkeit übernehmen. Um dem Overtourism entgegenzuwirken, wurde auf die 1-stündigen Rundfahrten mit der Panorama-Yacht MS Saphir verzichtet. Beim Antrieb der Schiffe will das Unternehmen noch stärker auf treibstoffarme, hybride Systeme setzen. «Trotz Angebotsausbau von rund 30% in den letzten fünf Jahren blieb der Treibstoffverbrauch dank Verbesserungen der Antriebssysteme der Motor- und Dampfschiffe bei uns konstant», berichtet Schulthess. Diesen Weg will das Unternehmen in Zukunft weiter beschreiten und eines Tages weg von Antriebssystemen mit fossilen Energien kommen.

Fazit

Der Kurs der SGV-Aktie ist in den letzten drei Wochen zurückgegangen. Chart: moneynet.ch

Kurz nach der Einführung der Einheitsaktien vor knapp einem Jahr schoss der Aktienkurs der auf OTC-X gehandelten Namenaktien der SGV Holding auf Höchstwerte von 480 CHF. Seit Oktober 2018 bewegen sich die Aktien in einem engen Band zwischen 300 und 330 CHF. In den letzten drei Wochen verlor die Aktie kräftig an Wert und notierte unter 300 CHF. Zuletzt wurden 291 CHF gezahlt. Der jüngste Kursverlauf könnte auch damit zusammenhängen, dass Aktionäre für die Zeit nach der Einführung der Namenaktie auf die Aufnahme von Dividendenzahlungen spekuliert hatten. Doch auch wenn nun eine Ausschüttung möglich wäre – vor Einführung der Einheitsaktie war dies schon aufgrund der unterschiedlichen Titelstruktur nicht realisierbar –, so müssen sich die Aktionäre hier noch ein paar Jahre gedulden. Denn der Verwaltungsrat möchte angesichts der laufenden Investitionen und der Wachstumspläne die Liquidität schonen.

Unabhängig von einer Dividende ist die SGV-Aktie derzeit nicht zu teuer. Zwar erscheint das KGV mit 20.9 und auch das Kurs-/Buchwertverhältnis von 1.7 auf den ersten Blick eher hoch. Doch bei Kursen um die 300 CHF zahlt der Aktionär gerade einmal das 5-fache des EBITDA für eine Aktie. Auch die Kennzahl EV/EBITDA ist mit 6.7 eher niedrig. Trotz des soliden Zahlungskranzes bleiben die Aktien der SGV Holding auch ein Liebhaberwert. Denn Aktionäre profitieren von Vergünstigungen für Fahrten wie einer Freifahrt in der Woche der Generalversammlung sowie gestaffelten Freifahrten ab dem Besitz von 14 Aktien.

Hinweis in eigener Sache: Am 17. September 2019 findet in Andermatt der nächste Branchentalk Tourismus statt. Im Fokus stehen Erfolgsfaktoren für touristische Grossprojekte in der Schweiz. Mit dabei sind neben Samih Sawiris, VR-Präsident der Orascom, unter anderen Urs Kessler von den Jungfraubahnen und Norbert Patt von Titlis Rotair.

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