Nexus: Findea und startups.ch sollen in der Champions League der LegalTech mitspielen

Software-Entwicklungskosten belasten Jahresrechnung des LegalTech-Unternehmens auch 2018/19

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Michele Blasucci, CEO der Nexus – Gruppe. Bild: zvg

Wenn Michele Blasucci von der Zukunft seiner Nexus -Gruppe spricht, greift er schnell mal zum Vokabular aus dem Fussball-Umfeld. «Wir möchten in der Champions League mitspielen, nicht in einer Regionalliga», sagt der LegalTech-Unternehmer, der seit 2005 die Plattform startups.ch betreibt und in den letzten Jahren mit Findea ein schweizweit tätiges Treuhandunternehmen mit Fokus auf KMU gegründet hat. In Bezug auf seine Plattform Startups.ch bedeutet dies, dass er mit rund 3’000 Firmengründungen pro Jahr die Nummer 1 in der Schweiz bleiben will.

Auch die Werbepartner von startups.ch spielen in der ersten Liga: Mit der Credit Suisse, Axa Versicherungen und Swisscom hat Blasucci schon heute Verträge über die nächsten drei Jahre abgeschlossen. Die Partner bieten, ebenso wie das Softwareunternehmen SAGE, den Neugründern auf startups.ch ihre Dienstleistungen an. Entscheidet sich ein Gründer, eine oder alle Dienstleistungen zu nutzen, kann er erhebliche Gründungskosten sparen. In einigen Fällen ist die Unternehmensgründung dann sogar gratis.

Startups.ch und Findea sind die zwei Standbeine

Mit diesem Modell ist Michele Blasucci seit nunmehr 14 Jahren erfolgreich unterwegs. Im Geschäftsjahr 2018/19, das aufgrund organisatorischer Anpassungen 15 Monate dauerte, brachten die Online-Gründungen einen Betriebsertrag von 6.42 Mio. CHF. Zweites Standbein der Nexus-Gruppe ist die Findea AG. Findea konnte in dem per Ende März 2019 abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 6.37 Mio. CHF erzielen. Ebenso wie Startups.ch konnten Findea auch im 12-Monats-Vergleich wieder ein Wachstum verzeichnen. Blasucci betont, dass für die gesamte Gruppe nun ein profitables Wachstum im Vordergrund stehe. Der konsolidierte Umsatz der Guppe erreichte 2018/19 einen Wert von 12.8 Mio. CHF.

Im letzten Geschäftsjahr 2018/19 ist die Nexus-Gruppe weiter gewachsen – auch auf 12-Monats-Basis. Grafik: www.nexus-group.com

Findea profitiert dabei direkt von den Unternehmensgründungen, denn viele Gründer nehmen auch gleich die Treuhand-Dienstleistungen von Findea in Anspruch. Um die Angebotspakete möglichst kostengünstig zu halten, setzte Findea von Anfang an auf effiziente Softwarelösungen, die bis hin zur digitalen Belegerfassung reichen. Auch für die private Steuererklärung der Unternehmer bietet Findea künftig eine App-Lösung an.

Teure Softwareentwicklung

Dass die Softwareentwicklung aufwändig und teuer ist, zeigt sich an den Jahresabschlüssen der vergangenen Jahre. Websoft, das dritte Unternehmen im Verbund, entwickelt für Startups.ch und Findea die Software. Auch im Geschäftsjahr 2018/19 wurden wieder Eigenleistungen in Höhe von 920’000 CHF aktiviert. Insgesamt betragen die Immateriellen Anlagen in der Bilanz 5.33 Mio. CHF – der grösste Teil davon ist die selbst entwickelte Software. Michele Blasucci ist das bewusst. Er weist darauf hin, dass die Software im Unternehmen genutzt und daher auch werthaltig sei. Dennoch möchte er die Software in den kommenden Jahren etwas schneller abschreiben.

1.8 Mio. CHF Darlehn zurückgeführt

Im Geschäftsjahr 2018/19 wurden 1.32 Mio. CHF auf diese Position abgeschrieben, bei einem operativen Ergebnis auf Stufe EBITDA von 1.61 Mio. CHF. Nach Abschreibungen verblieb noch ein EBIT von 198’000 CHF. Dass dennoch in 2018/19 wieder ein Verlust resultierte, ist auf die Finanzierungskosten zurückzuführen. 296’000 CHF musste Nexus für Aktionärsdarlehn aufwenden, die mit 3,75% verzinst werden. «Wir sind derzeit dabei, die Darlehen angesichts der besseren Liquiditätssituation zurückzuführen», erklärt Blasucci. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten die Schulden um 1.8 Mio. CHF abgebaut werden. In den kommenden Jahren will Blasucci die Schulden von 3.6 Mio. CHF auf 1.6 Mio. CHF reduzieren. Dank der geringeren Finanzierungskosten und der verbesserten Bilanzsituation sollen die Aktionäre dann auch in den Genuss einer Dividendenzahlung kommen.

Derzeit liegt die Eigenkapitalquote noch bei mageren 12%. Durch die Rückzahlung der Schulden kann sich das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital wieder deutlich verbessern. Eine Quote von 40 bis 50% strebt Michele Blasucci an. Damit würde er zwar nicht in der Champions League mitspielen, aber ganz klar im oberen Mittelfeld der Schweizer KMU.

Fazit

Die Nexus Gruppe kommt nun in eine Reifephase. Die Umsätze wachsen noch im unteren zweistelligen Bereich und damit nicht mehr ganz so dynamisch wie in den Anfangsjahren. Auch dürften einige Prozesse, die gerade bei Findea in der Vergangenheit zu Anpassungen führten, nun funktionieren. Hinzu kommt, dass die Entwicklung der Software zwar niemals ganz abgeschlossen sein wird, aber die Höhe der Entwicklungskosten weiter abnehmen dürfte. Durch die Rückzahlung der Darlehen und eine beschleunigte Abschreibung der aktivierten Software wird auch die Bilanz in zwei Jahren wohl ein besseres Bild zeigen.

Rund 30% der Nexus-Aktien befinden sich im Free-float, die restlichen 70% liegen in den Händen von Gründer Michele Blasucci. Zuletzt wurden die Aktien der Nexus AG ausserbörslich auf OTC-X zu Kursen von 6 CHF gehandelt. Die Marktkapitalisierung erreicht bei diesen Kursen 8.8 Mio. CHF. Mit einem EV/EBITDA von 10 sind die Aktien auf diesem Kursniveau fair bewertet. Sofern das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren die operativen Ziele erreicht und auch die Bilanzsituation verbessern kann, dürfte der Aktienkurs davon profitieren. Investoren, die jetzt in die Nexus AG investieren, müssen allerdings weiterhin etwas Geduld mitbringen.

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