Klingelnberg: Maschinenbauer streicht wegen Auto- und Coronakrise rund 200 Stellen

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Der wegen der Auto- und Coronakrise angeschlagene Maschinenbauer Klingelnberg konkretisiert sein Sparprogramm. So sollen Bereiche gestrafft und Standorte zusammengeführt werden. Rund 200 Stellen werden gestrichen. Unter dem Strich taucht Klingelnberg in die roten Zahlen.

Ziel der Massnahmen sei es, frühzeitig auf die Marktschwäche, unter anderem im weltweiten Maschinenbaumarkt sowie auf den spürbaren Investitionsstau im Automobilsektor zu reagieren, teilte Klingelnberg am Mittwochabend mit. Wegen der Auswirkungen des Coronavirus und der nochmals schlechteren Lage im weltweiten Automobilsektor und im Maschinenbau verzeichnet der Konzern einen schwächeren Jahresbeginn als bereits eingeplant. Klingelnberg erwartet für das am 31. März endende Geschäftsjahr 2019/20 einen Reinverlust.

Infolge der durch externe Umstände verursachten Unsicherheiten sei derzeit eine detaillierte Prognose für das Geschäftsjahr nicht möglich. „Angesichts der soliden Finanzierung sowie der sehr hohen Eigenkapitalausstattung sind die Belastungen für das Unternehmen in jedem Fall verkraftbar“, schrieb Klingelnberg.

Einsparungen von über 10 Mio. CHF geplant

Im November hatte Klingelnberg bereits ein Kostensenkungsprogramm angekündigt, ohne Details zu nennen. Nun wird es konkret: Die Anzahl der Stellen wird dabei von 1’340 (Stand 30. September 2019) um rund 200 weltweit reduziert werden. Davon werden 160 Jobs im deutschen Werk Ettlingen abgebaut. „Alle notwendigen Massnahmen werden so sozialverträglich wie möglich erfolgen“, erklärte Konzernchef Jan Klingelnberg.

Die Massnahmen sollen ab dem Geschäftsjahr 2021/22 mehr als 10 Mio. Euro Einsparungen bringen, wie es weiter hiess. Auf der anderen Seite würden Einmalkosten für die Massnahmen von schätzungsweise rund 15 Mio. Euro weitestgehend im laufenden Geschäftsjahr anfallen.

Alle Produkte der Stirnradsparte würden künftig am deutschen Standort Hückeswagen in der Nähe von Köln zusammengeführt. Die Produktion von Standardkomponenten und Kegelradsätzen werde optimiert, hiess es weiter. Die Fertigung am Standort Györ in Ungarn werde auslaufen, da die fortschreitende Automatisierung etwaige Kostenvorteile des ungarischen Werks zwischenzeitlich neutralisiert habe, schrieb Klingelnberg.

Trotz des happigen Stellenabbaus im Werk Ettlingen sei dieser Standort gesichert. Dort würden vor allem die Softwareentwicklung sowie der Stirnradservice, die Anwendungstechnik und der Vertrieb zusammengeführt. Parallel dazu investiere Klingelnberg in die Stärkung des Vertriebs und wolle die Innovationen schneller auf den Markt bringen. Dazu werde Klingelnberg eine Reihe zusätzlicher Märkte angehen und neue Kundenbranchen erschliessen. Zudem sei Prasad Kizhakel zum Verkaufschef ernannt worden.

Semesterverlust deutlich gestiegen

Bereits im ersten Halbjahr war Klingelnberg arg durch die von der Politik forcierten Umstellung der Autoindustrie auf Elektroantriebe gebremst worden. Der Umsatz fiel in den ersten sechs Monaten um beinahe 11% auf 88.4 Mio. Euro. Der schrumpfende Umsatz schlug sich im ersten Semester auch aufs Ergebnis nieder.

Ein Defizit ist im ersten Halbjahr aufgrund der starken Saisonalität des Geschäftsverlaufs zwar Usus, da dann jeweils lediglich 30 bis 40% des Jahresumsatzes erzielt werden. Der operative Verlust hat sich im Vergleich zur Vorjahresperiode auf 10,0 Mio. Euro allerdings gleich mehr als verdoppelt, und auch der Reinverlust erhöhte sich auf 8,1 Mio. Euro kräftig.

Die Aktien von Klingelnberg sind an der SIX Swiss Exchange kotiert. Seit dem Börsengang im Juni 2018 gings mit dem Aktienkurs nur noch abwärts. Zuletzt wurden 19.18 CHF für eine Aktie gezahlt – mehr als 60% weniger als der Ausgabepreis von 53 CHF.

jb/tp

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