Statt 282 Aktionären und Aktionärinnen wie 2019 kamen in diesem Jahr zwei. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Energie Zürichsee Linth EZL hatten aufgrund der Corona-Problematik entschieden, eine elektronische Generalversammlung (GV) abzuhalten. Dazu wurden lediglich die beiden Ankeraktionäre, die Stadt Rapperswil-Jona und die CS Anlagestiftung, die gemeinsam 70,5 % der Aktien halten, mit jeweils einer Vertretung physisch eingeladen. Das breite Aktionärs-Publikum, das den Rest der Anteile hält, wurde im Vorfeld gebeten, nicht persönlich zu erscheinen und die Möglichkeit zu nutzen, elektronisch abzustimmen. Das Feedback auf diese Art der Durchführung einer GV wäre ausschliesslich positiv gewesen, konstatierte VR-Präsident Hansruedi Müller zu Beginn der Veranstaltung.

EZL-VRP Hansruedi Müller: „Besondere Begebenheiten erfordern besondere Massnahmen.“

Gleichheit in der Behandlung der Aktionäre oberstes Gebot

Ein einziger Klein-Aktionär erschien dennoch persönlich zur GV. Er konnte sich direkt vor Ort elektronisch registrieren und seine Stimme zu den einzelnen Traktanden abgeben, ohne die Räumlichkeiten betreten zu müssen. Auch die beiden Ankeraktionäre gaben über die Plattform Nimbus, die seit 2016 das elektronische Aktionärsregister der EZL verwaltet, am Eingang ihre Stimme ab.

Tanja Zschokke Gloor, Stadträtin und Vertreterin des Ankeraktionärs Rapperswil-Jona, bei Eintragung ihrer Stimmen. Bild: schweizeraktien.net

Gleichheit in der Behandlung aller Aktionäre sei oberstes Gebot, betonte der Rechtsanwalt Stefan Müller von der Kanzlei Müller, Streiff und Partner, dem als unabhängiger Stimmrechtsvertreter bei dieser ungewöhnlichen GV ein besonderes Gewicht zukam. Er war dafür verantwortlich, dass die elektronisch erfasste Stimmabgabe korrekt ablief und rechtzeitig um 18 Uhr die Stimmabgabe geschlossen wurde.

Elektronische Stimmabgabe wird stark genutzt

Erfreulich viele Aktionäre nutzten die elektronische Stimmabgabe: Von den 40‘000 bestehenden Stimmen waren 31‘615 an der GV vorhanden, was 78,5% entspricht. In den Vorjahren und bei physischer Anwesenheit der Aktionäre lag die Quote jeweils leicht darüber. Dass bei physischer Anwesenheit der Anteil der Stimmen höher sei, führt VRP Hansruedi Müller mit Augenzwinkern auf die Begleitumstände der bisherigen GVs zurück: Das attraktive Rahmenprogramm und das Mehrgang-Menü hätten wohl ihre zusätzliche Anziehungskraft.

Erstmals weibliches Mitglied in Verwaltungsrat gewählt
Franziska Tschudi Sauber wird erstes weibliches Mitglied im VR der EZL. Bild: ezl.ch

Mit Franziska Tschudi Sauber aus Rapperswil-Jona hält erstmals ein weibliches Mitglied Einzug in den Verwaltungsrat. Tschudi Sauber, CEO und Verwaltungsratsdelegierte des Familienunternehmens Weidmann, ersetzt Daniel Althaus. Dieser gehörte dem Gremium während sechs Jahren an. Daniel Althaus wurde von VRP Müller und CEO Ernst Uhler warmherzig mit einem feinen Tropfen und einem Gutschein verabschiedet.

Netto-Null-Ziel beim CO2-Ausstoss bis 2050

„Wir arbeiten hartnäckig am Netto-Null-Ziel bis 2050“, so Hansruedi Müller in der Eröffnungsrede. Bis dahin soll das Wärmeangebot in Rapperswil-Jona zu 100% aus erneuerbaren Gasen und anderen nachhaltigen Energien wie z.B. Fernwärme bestehen. Mit der im Oktober von EZL in Betrieb genommenen Biogasanlage ARA Obersee in Schmerikon konnten bereits über 1‘100 MW-Stunden Biogas ausgeliefert werden, ergänzte CEO Ernst Uhler.  Und auch die „Energie Zukunftsanlage“ im luzernischen Inwil, an der die EZL zu 12% beteiligt ist, steigert ihren Energie-Output in Form von Gas, Strom und Wärme kontinuierlich und konnte mit über 32‘300 MWh einen neuen Rekordwert verzeichnen.

Erneuerbares Gas aus Island

Beim „Projekt Nordur – Swiss Green Gas International“, bei dem diverse schweizerische Energieunternehmen zusammengeschlossen sind, gehe es erfreulich vorwärts, sagt Uhler. Island verfügt über einen grossen Stromüberschuss dank der Geothermie. Mit der Power-to-Gas-Technologie können diese Überschüsse in erneuerbares Gas umgewandelt werden. Diese Mengen unterstützen EZL bei der Zielerreichung von 30% erneuerbarem Gas bis 2030. Noch in diesem Jahr soll das Projekt finalisiert werden. Erste Lieferungen sind auf 2022 geplant.

Rekordresultate – Töchter stabilisiert
CEO Ernst Uhler bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2019. Bild: schweizeraktien.net

Das Geschäftsjahr 2019 (bis 30.9.2019) ist das erfolgreichste in der Geschichte der EZL. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn konnten Rekordmarken erreicht werden. Auch die beiden Tochterunternehmen MZ Sanitär + Heizung und Lampert Heizungen haben das Umsatzvolumen gesteigert. Beim Unternehmen in R-J war jedoch die Rentabilität ungenügend; eine Analyse zeigte Schwachstellen, welche bearbeitet werden und bereits erste Erfolge zeigen. Nach wie vor ist das Umfeld im HLK-Bereich extrem kompetitiv, so Uhler. Dank hoher Auftragsbestände ist er aber zuversichtlich, dass die beiden Töchter ihre wirtschaftlichen Ziele für 2020 erreichen.

Beim Ausblick bleibt der CEO vorsichtig. Der Gasabsatz sei zwar im ersten Quartal leicht über Vorjahr, aber der Januar und Februar 2020 seien viel zu warm gewesen und hätten dementsprechend zu Umsatzeinbussen geführt. Hingegen geht er nicht davon aus, dass das Corona-Virus Auswirkungen auf das Geschäft haben werde.

Dividende steigt abermals

Von dem guten Geschäftsjahr 2019 profitieren auch die Aktionäre, die sich auf eine weitere Steigerung der Dividende freuen dürfen.  Diese liegt jetzt bei 55 Franken, was einen satten Zuwachs von 10% in den letzten beiden Jahren bedeutet. Das mag etwas darüber hinwegtrösten, dass den Aktionären 2020 der Weg zur persönlichen Teilnahme an der GV verwehrt blieb.

Am Samstag, 6. Juni 2020, findet ein Tag der offenen Türe zur „Einweihung des Wärmeverbundes Jona“ statt, zu dem auch die Aktionäre herzlich eingeladen sind. Seit November letzten Jahres liefert EZL aus der ARA Jona Fernwärme, allemal ein Anlass, das neue Geschäftsfeld gebührend zu würdigen.

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