Energie Zürichsee Linth: Gasversorger setzt auf den Ausbau der Fernwärme

Diversifikation durch Servicegeschäft und klimaneutrale Energien

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Die Nutzung der Abwärme aus der Kehrrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO) in Hinwil soll bis 2027 realisiert werden. Bild: ezl.ch

Zum 120-jährigen Jubiläum wartet Energie Zürichsee Linth (EZL) mit einem Umsatzsprung auf erstmals über 100 Mio. CHF auf. Das Geschäftsjahr endete am 30. September 2023. Höhere Beschaffungskosten sorgten jedoch für eine fortgesetzte Kontraktion der Gewinnspanne. Die Dividende soll dennoch bei unverändert 60 CHF je Aktie liegen.

Das Geschäftsjahr war geprägt von Unsicherheiten bei der Gasbeschaffung und deutlich höheren Preisen. Der Bund forderte Einsparungen beim Gasverbrauch von 15%. Im Versorgungsbereich von EZL wurden am Ende sogar 20% eingespart. Im Jahresverlauf normalisierten sich die Gaspreise und liegen aktuell nur geringfügig über dem Niveau von 2020. Zum reduzierten Verbrauch trugen sowohl der milde Winter und Einsparmassnahmen der Verbraucher wie auch das höhere Preisniveau und die Nutzung alternativer Heizsysteme bei.

Rekordumsatz zum 120-jährigen Firmenjubiläum

Der Umsatz von EZL stieg nicht zuletzt durch Tariferhöhungen von 87.7 Mio. CHF auf 100.1 Mio. CHF. Der Absatz ging dagegen von 577 GWh auf 457.4 GWh zurück. Besonders stark fällt das Wachstum mit einem Anstieg von 1.6 GWh auf 3 GWh bei der Fernwärme aus. Aufgrund der Vielzahl der Projekte sind bei dieser klimaneutralen Energieform auch für die Folgejahre hohe Zuwächse zu erwarten. Das gilt auch für die Biogasproduktion. Diese nahm auf 89.5 GWh zu. Im Vorjahr waren es noch 74.8 GWh, 2020 noch 33.4 GWh.

Höhere Aufwände dämpfen Gewinnentwicklung

Während der Umsatz kräftig zulegte, fiel das EBITDA als Folge der höheren Kosten von 9.2 Mio. CHF auf 7.6 Mio. CHF, und das EBIT ging von 5.3 Mio. CHF auf 3.8 Mio. CHF zurück. Der Reingewinn beträgt 3.9 Mio. CHF vor Minderheiten, ein Rückgang um 0.3 Mio. CHF. Im betrieblichen Aufwand sticht die Position Erhöhung von Materialaufwand und Vorleistungen Dritter von 67.8 Mio. CHF auf 81.3 Mio. CHF ins Auge. Der Personalaufwand stieg vergleichsweise bescheiden von 7.8 Mio. CHF auf 8.4 Mio. CHF, der übrige Betriebsaufwand sank um 0.1 Mio. CHF auf 2.7 Mio. CHF. Vor diesem Hintergrund soll die Dividende unverändert 60 CHF je Aktie betragen.

Transformationsprozess schreitet voran

Die aktuellen Zahlen sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass EZL inmitten eines beschleunigten Transformationsprozesses steht. Die Bedeutung von Erdgas, dem traditionellen Kerngeschäft, ist zwar noch gross, nimmt jedoch kontinuierlich ab. Durch den seit vielen Jahren vorangetriebenen Ausbau der Biogasproduktion liegt die Substitutionsquote von Biogas im Energie-Mix von EZL bereits bei über 30%. Weiterhin werden andere klimaneutrale Energieformen ausgebaut. Darunter sind innovative Lösungen wie bisher ungenutzte Abwärme zur Wärmeversorgung.

Biogasproduktion und andere Energieformen haben an Bedeutung gewonnen. Grafik: ezl.ch, Geschäftsbericht 2023

Expansion und Synergien

Auch die Geschäftsbereiche ändern sich im Zuge der Transformation. Mit den Tochtergesellschaften profitiert EZL einerseits durch das erweiterte Umsatzvolumen bei Installationen und Wartungen, andererseits bringt das verbreiterte Angebotsspektrum auch Synergien. Es fällt auf, dass grössere Liegenschaften und der Anschluss ganzer Kommunen einen grossen Teil des neuen Geschäftsvolumens ausmachen. Die dafür nötige Infrastruktur muss ergänzt, modernisiert und erweitert werden. Die Tochtergesellschaften steuerten im abgeschlossenen Geschäftsjahr 12.3 Mio. CHF zum Gruppenumsatz bei.

Trotz der fortgesetzt hohen Investitionen und den Verwerfungen an den Energiemärkten während der letzten beiden Jahre ist EZL profitabel geblieben. Grafik: ezl.ch, Geschäftsbericht 2023

Biogas aus regionaler Produktion

Ein aktuelles Beispiel ist die Renovation des Schlosses Rapperswil. Bei der letzten Renovation 1989 implementierte die EZL-Vorgängergesellschaft die Wärmeversorgung mit Erdgas, die nun zu Beginn des Jahres 2024 vollständig auf regional erzeugtes Biogas umgestellt wurde. Im Rahmen eines Contracting ist EZL zukünftig für die integrierte Gesamtlösung zuständig. Contracting bedeutet, dass Beratung, Planung, Bau, Finanzierung, Betrieb und Unterhalt geleistet werden. Solche Verträge sind in erster Linie für Grossabnehmer interessant, bringen dem Service-Unternehmen wiederkehrende Einnahmeströme und vermindern darüber hinaus die Kundenfluktuation.

Innovative und klimaneutrale Lösungen

Bei allen Projekten von EZL geht es um energieeffiziente und klimaneutrale Projekte, die dazu beitragen sollen, dass die Schweiz ihre Energieziele erreichen wird. Ein weiteres Projekt ist die Nutzung der Abwärme aus der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO) in Hinwil, die bis 2027 realisiert werden soll. Hierfür ist ein lokales Fernwärmenetz erforderlich. Dasselbe trifft für die Nutzung der Abwasserwärme aus dem Energieverbund Eschenbach zu. Hierbei wird Abwärme aus der Kläranlage gewonnen, die über ein 3.5 km langes Leitungsnetz an 60 Liegenschaften verteilt wird.

Fazit

Trotz der fortgesetzt hohen Investitionen und den Verwerfungen an den Energiemärkten während der letzten beiden Jahre ist EZL profitabel geblieben, wenn auch die Margen enger geworden sind. Das Fernwärmeprojekt Seerose wurde nach eingehender Prüfung wegen zu hoher Investitionen zwar zurückgestellt, das Tempo des Wandels bleibt dennoch beeindruckend hoch. Die Diversifikation und Expansion machen Sinn, denn mehr und mehr sind Systemlösungen beim Umbau der Energiewirtschaft gefragt – und die bieten auch grosse Chancen für die horizontale Expansion. Dies umso mehr, als EZL inzwischen auf eine langjährige Expertise verweisen kann.

Die Aktie bewegt sich bei 1825 CHF und damit deutlich unter dem Hoch bei 2066 CHF vom Oktober 2021. Die gewinnbezogenen Bewertungskennzahlen haben sich entsprechend der Entwicklung von EBITDA, EBIT und Reingewinn erhöht, liegen jedoch nicht höher als die Bandbreite der letzten Jahre. Für die kommenden Jahre zeichnet sich eine weniger volatile Gewinnentwicklung ab, da der Erlösmix zunehmend stärker von Geschäftsbereichen dominiert wird, die nicht direkt vom Gaspreis abhängig sind.


Der Aktienkurs von EZL liegt höher als 2019, jedoch deutlich unter dem Hoch von 2021. Chart: otc-x.ch

Die Aktie der EZL wird auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 1825 CHF.

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