Ausserbörslicher Markt: Kurse erholen sich im April vom Corona-Crash

Ausserbörsliche Aktien Schweiz: Grosse Unsicherheit belastet den Bergbahnsektor

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Im April erholten sich die Aktienmärkte auf breiter Front vom Absturz, den die Corona-Pandemie im März ausgelöst hatte. Obwohl die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns noch nicht absehbar sind, signalisieren die Börsen bisher Zuversicht. Im ausserbörslichen Aktienmarkt zogen insbesondere die liquiden Titel wieder an, nachdem diese im März teilweise Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen hatten.

Der OTC-X Liquidity-Index legte im April wieder zu. Chart: moneynet.ch

Der OTC-X Liquidity-Index lag im April mit 3,1% im Plus. Damit fiel die Erholung deutlich geringer aus als bei den börsenkotierten Small- und Mid-Caps. Der SPI Extra-Index machte im gleichen Zeitraum um 9,5% gut. Allerdings gerieten die Aktien am Hauptmarkt im Vormonat deutlich stärker unter Druck. Nach einem rekordhohen Handelsvolumen im März von 25,1 Mio. CHF ging das Handelsvolumen im April spürbar zurück. Insgesamt wurden im Berichtsmonat Aktien im Wert von 12,5 Mio. CHF gehandelt. Die Anzahl der Abschlüsse erreichte 797.

Medien- und Tourismusbranche leiden

Die Erholung erfasste jedoch nicht alle Branchen. Gemessen an den Branchenindizes verblieb nur der OTC-X Medienindex (- 1,6%) im negativen Bereich. In dieser Entwicklung zeigen sich die grossen Unsicherheiten in diesem Sektor. Die Schweizer Medienindustrie kämpft mit einem massiven Einbruch des Inseratevolumens seit dem Beginn der Corona-Krise. Viele Unternehmen beantragten Kurzarbeit.

Zu den Kursgewinnern unter den Medienaktien gehörten allerdings die Titel der RMH Regionalmedienholding (+ 45,2% auf 225 CHF) und die Aktien der AG für die Neue Zürcher Zeitung (+ 9,7% auf 5’100 CHF). Beide Gesellschaften haben ihre Dividendenzahlungen trotz der schwierigen Lage nicht ausgesetzt. Die Hauptaktionärin von RMH ist mit einem Anteil von 97% die NZZ, der Freefloat ist also äusserst gering. RMH hält die 50%ige Beteiligung der NZZ Mediengruppe am Joint Venture CH Media. RMH erwirtschaftete 2019 ein Betriebsergebnis (EBIT) von rund 9.4 Mio. CHF, das auf den Unternehmensgewinn aus der Beteiligung an CH Media zurückzuführen ist. Ein positives Finanzergebnis führte zu einem Gruppengewinn von 11.4 Mio. CHF (Vorjahr: 5.5 Mio. CHF). Zusätzlich zur ordentlichen Dividende von 9 CHF erhalten die Aktionäre eine Sonderdividende, die mit der hohen Nettoliquidität der Gesellschaft begründet wird.

Sorge um Mietausfälle

In der Immobilienbranche befürchten Anleger offenbar Mietausfälle, insbesondere bei den Gewerbe- und Detailhandelsflächen. Dennoch zog es die Aktienkurse dieses Sektors zum Monatsende wieder ins Plus (OTC-X Immobilien + 3,6%). Positiv überraschten die Aktien der Espace Real Estate Holding (+ 10,3% auf 160 CHF). Nach starken Kursgewinnen in 2019 von über 20% hatten Anleger offenbar im Corona-Crash Gewinne mitgenommen. Zwischenzeitlich präsentierte die Gesellschaft für 2019 ein Rekordergebnis. Der Gewinn kletterte 2019 um 29,0% auf 16.8 Mio. CHF. Auch der Marktwert des Immobilienportfolios nahm um 4,3% zu und betrug zum Jahresende 700.3 Mio. CHF. Wegen der Corona-Krise sollen die Aktionäre nur eine unveränderte Ausschüttung von 4.75 CHF je Aktie erhalten. Für 2020 erwartet die Gesellschaft aufgrund von Neuvermietungen per Ende 2019 im Wohnbereich nur einen geringen negativen Einfluss auf das Jahresergebnis.

Bergbahnen mit erfreulichen 2019er Zahlen

Weiterhin unter Druck sind zahlreiche Tourismus- und Freizeitwerte. Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 gab es von der Schilthornbahn AG (- 4,1% auf 1’630 CHF) und den Rigi Bahnen (+ 8,4% auf 10.95 CHF). Die im Berner Oberland beheimatete Schilthornbahn verzeichnete im Geschäftsjahr 2019 einen Rückgang beim Ertrag um 0,8% auf 30.7 Mio. CHF. Der Betriebsgewinn (EBITDA) ging um 8,0% auf 9.2 Mio. CHF zurück, und der Gewinn erreichte 0.2 Mio. CHF. Trotz Corona-Pandemie will die Gesellschaft eine Dividende für 2019 von 10 CHF (statt 40 CHF) je Aktie zahlen. Gleichzeitig kündigte die für ihren James-Bond-Berg bekannte Bahn an, ein erstes Teilprojekt für eine in den kommenden Jahren geplante Erneuerung der Anlagen zu verschieben.

Eine unveränderte Dividende von 12 Rappen je Aktie möchten auch die Rigi Bahnen zahlen. 2019 sank der Nettoertrag um 1,1% auf 29.0 Mio. CHF. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte 7.1 Mio. CHF (-7,8%) und der Reingewinn 3.4 Mio. CHF (+25,2%). Auch bei den Pilatus Bahnen (+ 0,8% auf 3’025 CHF) bleibt die Dividende mit 50 Fr. pro Aktie konstant. Die Bahn am Luzerner Hausberg erreichte mit einem Umsatz von 37.8 Mio. CHF und einem EBITDA von 14.1 Mio. CHF (Vorjahr: 14.7 Mio. CHF) das zweitbeste Resultat in der Geschichte. Wegen der Corona-Pandemie muss der bei asiatischen Gästen sehr beliebte Berg im laufenden Jahr mit einem starken Umsatzrückgang rechnen.

Nach den ersten Lockerungsmassnahmen durch den Bundesrat seit Ende April keimen nun auch in den Berggebieten Hoffnungen auf, rechtzeitig zum Beginn der Sommersaison wieder öffnen zu können. Allerdings werden die touristischen Betriebe um Schweizer Gäste kämpfen müssen, da Auslandsreisen wohl nur eingeschränkt möglich sein werden.

Bernexpo sichert sich Prestige-Aufträge

Besonders stark von der aktuellen Krise betroffen ist der Berner Messeveranstalter Bernexpo Holding (-11,4% auf 350 CHF). Er musste die in der Region beliebte Publikumsmesse BEA absagen. Auch weitere Messen und Veranstaltungen wurden sistiert oder verschoben. Allerdings konnte das Unternehmen Teile der freien Flächen kurzfristig an den Bund und den Kanton Bern vermieten. Die Sondersession des Nationalrats Anfang Mai sowie die Sommersession von Nationalrat und Bernischem Grossen Rat werden in den Messehallen stattfinden. Damit kann das Unternehmen die fehlenden Umsätze zwar nicht kompensieren, sichert sich aber dennoch Prestige-Aufträge, die dem Berner Messeplatz nationale Aufmerksamkeit schenken.

Deutliche Kursverluste verzeichnete im April auch die Aktie des Bäder- und Klinikunternehmens Bad Schinznach AG (- 9,5% auf 1’900 CHF). Zwar lag der Umsatz in 2019 mit 52.3 Mio. CHF nur knapp unter dem Vorjahresniveau. Doch der Gewinn rutschte wegen höherer Abschreibungen auf nur noch 1.8 Mio. CHF ab. Von der Corona-Pandemie ist das Unternehmen sehr stark betroffen, da die Bäderbetriebe seit dem 16. März geschlossen sind und auch die zur Gruppe gehörende Rehaklinik deutlich weniger Patienten verzeichnet. Seit Beginn des Lockdowns verzeichnet die Bad Schinznach AG einen Umsatzrückgang um 75%.

Kapitalerhöhung bei Aventron im Mai gestartet

Seit Anfang Mai läuft die Kapitalerhöhung der im Bereich erneuerbare Energien tätigen Aventron AG (unv., 10.50 CHF). Ziel ist es, das Eigenkapital um maximal 65.1 Mio. CHF zu erhöhen. Mit dem frischen Kapital soll das Kraftwerksportfolio bis 2023 auf 750 MW ausgebaut werden.

Die jüngsten Erholungstendenzen im ausserbörslichen Markt dürften in den kommenden Wochen nur Bestand haben, wenn es zu keiner zweiten Ansteckungswelle kommt. Insgesamt ist eher mit einem ruhigen Geschehen zu rechnen.

Sascha Hitz ist Fachspezialist OTC-X bei der Berner Kantonalbank (BEKB).

Gewinner / Verlierer OTC-X April 2020
Valoren-Nr. Titel 31.3. 30.4. Perf
205500 RMH Regionalmedien N 155.00 225.00 45.16%
161329 Kongress- und Kursaal AG, Bern 331.00 429.00 29.61%
2349727 Lenzerheide Bergbahnen 13.00 16.00 23.08%
42172077 SGV Holding N 220.00 270.00 22.73%
209262 Metall Zug AG Serie A 160.00 187.00 16.88%
496018 Weleda N-PS 3’500.00 4’090.00 16.86%
30360125 BB Adelboden N 3.00 3.50 16.67%
653256 Griesser Holding AG, Aadorf 720.00 815.00 13.19%
32009699 Repower N 82.00 92.00 12.20%
         
222130 Raststätte Thurau, St. Gallen 5’000.00 4’800.00 -4.00%
227626 Schilthornbahn AG Mürren 1’700.00 1’630.00 -4.12%
385703 Bad Schinznach AG, Schinznach 2’100.00 1’900.00 -9.52%
1438699 Energie Zürichsee Linth N 2’000.00 1’790.00 -10.50%
1110034 BERNEXPO HOLDING N 395.00 350.00 -11.39%
1415474 Zermatt Bergbahnen 590.00 500.00 -15.25%
64868 Hochalpines Institut Ftan AG 58.00 40.00 -31.03%

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