Loeb Holding: Sinkende Umsatzzahlen – Verzicht auf Sonderdividende

Durch Aufwertung des Einkaufserlebnisses soll Online-Handel Paroli geboten werden

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Die Loeb Holding blickt im Geschäftsbericht 2019 auf ein vom Umbau des Haupthauses in Bern geprägtes Jahr zurück. Der Umsatz reduzierte sich aufgrund temporärer Einschränkungen der Verkaufsfläche sowie Sortimentsanpassungen erwartungsgemäss. Dazu kam eine teilweise Ablösung der Eigenfläche im Lebensmittelbereich durch Angebote von spezialisierten Mietpartnern.

Loeb ist an sehr attraktiver Lage in Bern domiziliert.
Der Umbau des Haupthauses der Berner Warenhauskette wurde Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen. Quelle: Loeb Hodling AG
Finanzergebnis rettet Resultat

Entsprechend sank der Umsatz der Loeb Holding im Vorjahresvergleich um 8,8% auf 74.6 Mio. CHF. Negativ entwickelt hat sich auch die Bruttomarge, welche wegen der Bausituation und Sortimentswechseln von 46,1% auf 45,5% zurückging. Trotz einer Reduktion des Betriebsaufwandes um 5,1% auf 33.9 Mio. CHF fiel das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA leicht überproportional auf 9.9 Mio. CHF (-13,6%). Vor allem dank des hervorragenden Finanzergebnisses, das auf das starke Börsenjahr 2019 zurückzuführen ist, verbesserte sich unter dem Strich das Gruppenergebnis trotz allem auf 5.0 Mio. CHF (VJ: 0.15 Mio.).

Einkaufserlebnis soll Umsatzrückgänge bremsen

Auch die im vergangenen Jahr hohen Investitionskosten von insgesamt 19.4 Mio. CHF für den Umbau des Haupthauses Bern und im Loeb Lebensmittel haben nichts an der komfortablen Eigenmittellage der Berner Gesellschaft geändert. Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt per Ende 2019 über 178 Mio. CHF, was rund 70% des Gesamtkapitals entspricht. Das umfangreiche Investitionsprogramm wird dieses Jahr an den Standorten Biel und Thun fortgesetzt.

Durch die Investitionen will Loeb seine Warenhäuser zu Erlebniswelten aufwerten. Durch Angebote wie Nähcafés und Eventküchen soll die Attraktivität des standortbasierten Detailhandels gesteigert werden. Das traditionsreiche Unternehmen erhofft sich so, wieder mehr Besucher vom Online-Shopping in die Warenhäuser locken zu können. Durch gezielte Investitionen in die Informatik wurde im vergangenen Jahr jedoch auch die Grundlage für den Betrieb eines effizienten Webshops gelegt.

Durch Attraktionen wie beispielsweise einer Eventküche will Loeb das Einkaufserlebnis verbessern. Quelle: Loeb Holding AG
Verzicht auf Sonderdividende

Ursprünglich war zur Reduktion des hohen Eigenkapitals die Ausrichtung einer Sonderdividende zusätzlich zur ordentlichen Dividende fürs Geschäftsjahr 2019 vorgesehen gewesen. In der aktuellen Lage zählen vergangene Erfolge jedoch herzlich wenig, und nicht alles verläuft nach Plan. Wichtiger ist heute, mit einer soliden Basis in die Zukunft zu gehen. Dementsprechend hat der Verwaltungsrat seinen Antrag an die Generalversammlung geändert. Neu soll auf die Sonderdividende verzichtet werden und bloss die ordentliche Dividende sowie eine Vorzugsdividende für Partizipationsscheine in Höhe von 5 respektive 0.15 CHF ausbezahlt werden. Ausserdem wurde die Generalversammlung auf den 25. Juni verschoben und findet mit schriftlicher Stimmabgabe ohne physische Präsenz statt.

Schliessung trifft Loeb schwer

Die Corona-Pandemie verursachte eine rund zweimonatige Schliessung der Loeb-Geschäfte, was die Gruppe schwer getroffen hat. Das 1881 gegründete Warenhaus in Bern musste noch nie für längere Zeit geschlossen bleiben, nicht einmal während der beiden Weltkriege. Seit dem 11. Mai sind die Geschäfte unter Einhaltung der Massnahmen des BAG und der Verbände wieder geöffnet. Das Geschäftsergebnis 2020 wird jedoch unter der langen Schliessung leiden. In den kommenden Monaten steht für die Loeb-Gruppe, wie für so viele andere auch, die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Krise im Vordergrund.

Fazit

Von der Gesellschaft sind sowohl der stimmrechtslose Partizipationsschein (PS) als auch die Namenaktie -B- auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gelistet. Nennenswerte Umsätze finden indessen nur beim PS statt, welcher auch im Liquidity Index der meistgehandelten OTC-X-Aktien enthalten ist. Der Kurs des PS hat seit Jahresbeginn um 10,8% eingebüsst und lag zuletzt bei 223 CHF. Auf Basis dieses Kurses würde sich bei Auszahlung der Dividenden eine Rendite von 2,3% ergeben. Angesichts der unsicheren Lage ist eine komplette Streichung der Dividende nicht auszuschliessen. Schliesslich findet die GV erst am 25. Juni statt.

Im Vergleich zum Buchwert des Eigenkapitals von rund 368 CHF je PS ist der Titel mit einem Abschlag von knapp 40% günstig bewertet. Aus dem Geschäftsbericht und der dazugehörigen Medienmitteilung geht allerdings hervor, dass eine Reduktion der Eigenmittel vorgesehen ist. Dadurch dürfte sich der Buchwert dem Kurs annähern. Die Zeit wird zeigen, ob diese Reduktion durch ausgewiesene Verluste oder im wünschenswerten Fall durch eine Sonderdividende in den nächsten Jahren erfolgen wird.

Für das aktuelle Geschäftsjahr lässt sich noch keine zuverlässige Prognose erstellen. Der zweimonatige Umsatzausfall wird das Resultat sicherlich belasten, genauso die anhaltenden Einschränkungen und Vorgaben seit Wiedereröffnung. Erschwerend kommt hinzu, dass 2020 das Finanzergebnis das Resultat aufgrund des zwischenzeitlichen Absturzes der Börse kaum wird retten können. Somit muss für 2020 mit einem deutlich schwächeren Ergebnis gerechnet werden – in welchem Ausmass, wird sich noch zeigen.

Längerfristig hängt die Geschäftsentwicklung von Loeb stark davon ab, ob der Rückgang der Umsatzzahlen durch das Investitionsprogramm gestoppt werden kann. Die gesamte Detailhandelsbranche kämpft seit längerem dagegen an, vom Online-Handel abgedrängt zu werden. Dieser hat zudem durch den Lockdown nochmals gehörig Schub erhalten. Für Anleger, welche der standortbasierten Strategie der Loeb Holding gleichwohl vertrauen, bietet der PS durch die relativ günstige Bewertung und die mögliche bevorstehende Sonderdividende eine attraktive Anlagemöglichkeit.

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