Adrian Peter, GR Aktien Schweiz Small & Mid Caps: «In der Korrekturphase hatten wir keine Rücknahmen»

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Das Anlageziel des Fonds GR Aktien Schweiz Small & Mid Caps besteht darin, den SPI Extra Index (SPIEX) mittels aktiven Managements langfristig zu übertreffen. Die Aktienauswahl basiert auf einem fundamentalen Bottom-up-Ansatz. Die Kernanlagen bestehen aus Qualitätsunternehmen, die einen freien Cashflow generieren und angemessen bewertet sind. Der Fonds investiert in der Regel in 45 bis 55 Unternehmen. Das Fondsvolumen liegt bei 137 Mio. CHF, wovon ca. zwei Drittel von institutionellen Anlegern und ein Drittel von Privaten gehalten wird.

Adrian Peter (52) trägt seit über 20 Jahren Fondsverantwortung. Seit 2012 ist er bei der Privatbank Von Graffenried als Portfoliomanager für den Fonds GR Aktien Schweiz Small & Mid Caps zuständig. Zuvor war er unter anderem bei der Mirabaud-Gruppe und bei der Bank Vontobel tätig.

Im Interview mit schweizeraktien.net äussert er sich zum Verhalten der Anleger in der Corona-Krise, zu Titeln wie Logitech und Zur Rose und zu den weiteren Marktaussichten. 

Herr Peter, während in der Realwirtschaft die Sorgen vor einer zweiten Welle gross sind, Investitionen sistiert oder verschoben werden, die Arbeitslosigkeit in den USA auf über 11% geklettert ist, scheinen sich die Finanzmärkte abgekoppelt zu haben. Auch Sie verweisen in Ihrem Kommentar zur Performance Ihres Fonds auf die Geld-Flutung der Märkte durch wiederholte Aktionen der Notenbanken. Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Gefahren dieser Politik für die Märkte?

Adrian Peter: Die Finanzmärkte haben sich nur teilweise abgekoppelt. Die Arbeitslosigkeit in den USA liegt zwar auf 11%, sie ist jedoch von deutlich höheren Werten bereits wieder am Sinken. Auch die Einkaufsmanager-Indizes steigen, und viele Unternehmen fahren die Produktionskapazitäten wieder beinahe auf Vor-Corona-Niveau hoch. Die Aktienmärkte widerspiegeln diese positiven Trends. Risiken sehen wir kurzfristig in Bezug auf die Halbjahreszahlen und einem zurückhaltenden Konsumverhalten. Langfristig werden die enormen Schulden das künftige Wachstum bremsen.

Sie verweisen darauf, dass in Krisenzeiten Ihr Fonds stets besser abschneidet als die Benchmark SPIEX. Was sind die Gründe für die Outperformance des GR Aktien Schweiz Small & Mid Caps in der Pandemie?

Unser Performance-Ziel ist die Partizipation am Markt in der Hausse und das Generieren der Outperformance in der Baisse. Dieses Performance-Muster konnten wir in der Vergangenheit immer wieder zeigen; die historischen Performance-Daten beweisen dies. Dieses Performance-Bild ergibt sich in erster Linie durch die langfristige Portfoliogestaltung. Wir streben ein ausgewogenes, gut diversifiziertes Portfolio an, welches es uns ermöglicht, mit dem Markt zu performen. Dauert eine Haussephase aber bereits über 10 Jahre (bis vor Corona-Ausbruch), werden wir vorsichtiger und reduzieren überteuerte Titel, die sich von den Fundamentaldaten gelöst haben. Je länger eine Hausse dauert, desto vorsichtiger investieren wir. Umgekehrt investieren wir wieder verstärkt, wenn die Märkte korrigieren.

Seit unserem letzten Gespräch im März 2019 ist das Volumen Ihres Fonds von 130. Mio. CHF auf 137 Mio. gestiegen. Worauf führen Sie die Mittelzuflüsse zurück?

Wir haben während dieser Phase Netto-Mittelzuflüsse von bestehenden Kunden gesehen, welche die Ausschüttung der Fonds-Dividende mehr als kompensieren konnten. Der Vermögenszuwachs ist aber auch der Performance geschuldet.

Wie sah es mit Rücknahmen in den vergangenen Monaten aus?

In der Korrektur hatten wir keine Rücknahmen. Die Small & Mid Caps haben im Februar und März 2020 innerhalb von 4 Wochen um rund 30% verloren. Alles ging extrem schnell. Ein Vorteil ist, dass wir fast alle Fonds-Investoren kennen. Wir konnten sie kontaktieren und durch diese herausfordernde Phase begleiten.

Lassen Sie uns über einzelne Titel in Ihrem Portfolio sprechen und anfangen mit den Highflyern. Logitech ist unter den 10 grössten Einzelpositionen in Ihrem Fonds, sehen Sie da weiteres Kurs-Wachstumspotenzial?

Die Logitech-Position war anfangs Jahr deutlich grösser. Die wiederholten Management-Verkäufe sowie eine nachlassende Wachstumsdynamik haben uns im Januar und Februar dazu bewogen, die übergewichtete Position zu reduzieren. In der Covid-19-Krise wurde dann klar, dass Logitech wegen Home Office und Video Conferencing als ein Gewinner der Pandemie hervorgehen wird. Seither ist der Titel markant gestiegen. Kurzfristig dürfte der Rückenwind noch etwas anhalten. Mittel- bis langfristig braucht es aber neue Wachstumskategorien. Aufgrund der hohen Bewertung haben wir den Titel in den letzten Wochen weiter reduziert.

Kursverlauf der Logitech-Aktie in 2020. Quelle: six-group.com

Im März 2019 empfahlen Sie Zur Rose zum Kauf. Wie sieht Ihre Position derzeit aus, und was haben Sie mit der Aktie vor? Wie gross war Ihre Position vor einem Jahr, wie gross ist sie heute?

Wir kauften Zur Rose bereits im November 2018 wegen des mittelfristig grossen Wachstumspotenzials. Die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der getätigten Übernahmen über CHF 200 Mio ist dann aus unserer Sicht jedoch komplett missraten. Die Kapitalerhöhung via Bookbuildingverfahren wurde technisch schlecht gestaltet und benachteiligte die Altaktionäre, womit das Vertrauen in das Unternehmen beeinträchtigt wurde. Der Titel verlor während der Kapitalerhöhung um rund 25%. Wir hielten trotzdem an der Position fest, was sich als richtig herausstellte. Die Position war jedoch wegen der hohen Risiken (Verluste, regulatorische und Integrationsrisiken) nie dominant und unter 1% des Fondsvermögens. Der Titel hat sich seither verdreifacht. Wir haben jedoch in mehreren Schritten die Position reduziert, so dass sie weiterhin unter 1% ist. Im Moment läuft alles rund für Zur Rose, aber auch 2020 bleibt ein Übergangsjahr mit Verlusten. Die aktive Konsolidierung des Marktes durch Zur Rose muss operativ umgesetzt werden. Dies birgt Risiken.

Kursverlauf der Zur-Rose-Aktie in 2020. Quelle: six-group.com

Der Bankensoftware-Anbieter Temenos ist eine der grössten Positionen in Ihrem Portfolio. Der Kurs hat sich allerdings im März quasi halbiert verglichen mit den Höchstständen im 2019. Haben Sie im Frühjahr aufgrund der tiefen Kurse das Engagement ausgebaut?

Ja, wir haben Mitte März bei CHF 110 gekauft. Ein schlechter 1. Quartalsabschluss mit Projektverschiebungen drückte zusätzlich auf den Kurs. Beim anstehenden 2. Quartalsergebnis rechnen wir mit einer Abschwächung wegen Covid-19, weshalb wir den stolz bewerteten Titel bereits wieder reduziert haben.

Wäre es jetzt nicht angebracht, den Technologiesektor, der in Ihrem Fonds vergleichsweise bescheidene 9% ausmacht, auszubauen?

Die Gewichtung ist nicht höher, weil wir verschiedene Technologiewerte nach den markanten Kursgewinnen der letzten Wochen wieder reduziert haben. Für unsere Performance war es entscheidend, dass wir VAT, Comet, Inficon und Logitech in der Corona-Krise mehrmals kräftig erhöhten. So kauften wir u.a. Comet bei CHF 85 und bei CHF 100.

Mit 30% umfasst der Industriegüter-Sektor fast ein Drittel Ihrer Investitionen. Ist das der richtige Ansatz in Corona-Zeiten?

Viele der Schweizer Industrieunternehmen sind innovationsgetriebene, erstklassig geführte Unternehmen. Sie sind Marktführer in ihrer Nische und verkaufen in einem kompetitiven, globalen Markt ihre Maschinen und Komponenten. Etwas überspitzt könnte man sagen, dass ohne die Schweizer Industrieunternehmen rund um die Welt Fabriken stillstehen würden. Natürlich wurden die Industrieunternehmen, wie fast alle Unternehmen, von der Krise stark gebeutelt. Aber wir sehen in diesem Segment auch ein interessantes Erholungspotenzial.

Welche Industrie-Titel empfehlen Sie im Moment zum Kauf?

Interessant finden wir beispielsweise Schindler, Dätwyler, SFS, Georg Fischer, Bucher Industries und Sulzer.

Von welchen Titeln lassen Sie die Finger?

Aryzta kaufen wir trotz optisch tiefem Kurs nicht. Das Unternehmen ist seit Jahren ein Restrukturierungsfall. In der Vergangenheit wurden verschiedene Übernahmen getätigt, welche gewinnverwässernd sind und die Schulden massiv ansteigen liessen. Aus unserer Sicht sollte ein Nahrungsmitteltitel ein defensives Profil aufweisen und nicht die Risiken im Fondsportfolio erhöhen.

Aktienkurs der Aryzta AG in den vergangenen drei Jahren. Quelle: six-group.com

Wenn wir in einem Jahr wieder Ihren Fonds anschauen, wo werden die grössten Sektorverschiebungen feststellen und warum?

Wenn sich die Konjunktur nach dem schockartigen Runterfahren wieder schrittweise erholt, dürften die zyklischen Sektoren davon profitieren. Generell muss sich aber noch zeigen, ob es sich beim aktuellen Hochfahren der Produktionskapazitäten um einen «re-stocking-Effekt» handelt oder ob die Konsumenten ihr Kaufverhalten bereits wieder verändert haben und langsam auf Vor-Corona-Niveau zurückkehren. Wenn dies so eintrifft, werden die Sektoren Industrie und Technologie von Kursanstiegen profitieren und im GR Aktien Schweiz Small & Mid Caps entsprechend stärker gewichtet sein.

Herr Peter, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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