Im Brennpunkt: Wird 2021 das Jahr der Digital Assets?

Nachfrage von institutionellen Investoren bringt Krypto-Markt zum Kochen

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Der phänomenale Anstieg des Bitcoinpreises im laufenden Jahr hat viele Fragen aufgeworfen. Eine Antwort darauf ist die aktuelle Meldung, dass mit der Massachusetts Mutual Life Insurance nun eine Versicherungsgesellschaft 100 Mio. USD in Bitcoin angelegt hat. Das ist bisher das deutlichste Signal für den vermuteten Einstieg grosser Investoren. Darauf hatten in den vergangenen Wochen auch die zunehmenden verbalen Interventionen einflussreicher Banken und Anlage-Gurus hingewiesen.

Entwicklung des Bitcoin in USD in 2020. Quelle: tradingview.com

Ein direkter Kommentar zu der Massmutual-Transaktion von JP Morgan Analysten vom vergangenen Freitag, 11. Dezember, lautet: “Man kann die potenzielle Nachfrage sehen, die in den kommenden Jahren entstehen könnte, wenn andere Versicherungen und Pensionsfonds dem Massmutual-Beispiel folgen“. Wenn nur 1% der von Versicherungen und Pensionsfonds in den USA, UK, EU und Japan verwalteten Vermögen in Bitcoin fliessen, so repräsentiert dies nach den Berechnungen der JP-Morgan-Analysten allein eine Nachfrage von 600 Mrd. USD.

Dominanz des USD in Frage gestellt

Zeitgleich hatte sich der Chefstratege der Morgan Stanley Investment Division zur Rolle des Bitcoin als Reservewährung geäussert. Er sieht das Ende des US-Dollar als Leitwährung voraus. Als Hauptgrund wird die Notenbankpolitik in den USA und anderswo ausgemacht. Die dieses Jahr gesteigerte Angst vor einer Entwertung der Leitwährung durch die fortgesetzte Geldschöpfung habe Anleger dazu veranlasst, Bitcoin in grossen Mengen zu kaufen. Deshalb habe sich der Preis vervierfacht.

Onboarding  

Ein weiterer Faktor in der Krypto-Evolution ist, dass neben dem bisher vorherrschenden Aspekt der Anlage in ein Medium ohne Gegenparteirisiko auch die Funktion als Zahlungsmittel inzwischen eine enthusiastische Adoption findet. Hunderte, wenn nicht Tausende von Tech-Unternehmen arbeiten an technologischen Lösungen für die Anbindung an bestehende Systeme. Viele sind Start-ups, andere sind mit Venture Capital finanziert. Das Stichwort in der Industrie ist „onboarding“. Damit ist gemeint, dass digitales Geld in den e-wallets nicht mehr nur Franken oder US-Dollar umfasst, sondern eben auch Bitcoin – und das weltweit. Ein Startschuss für die breite Adoption kam im Oktober von Paypal mit der Ankündigung, nun auch Bitcoin als Zahlungsmittel anzubieten.

Geringe Marktpenetration von e-wallets

Die Marktpenetration von e-wallets liegt global betrachtet bei weniger als 1%. Während die Motive für die Adoption von Land zu Land unterschiedlich sind und junge Nutzer in den meisten Regionen vorherrschen, so sprechen in weiten Teilen der Welt ganz andere Argumente für eine schnelle Verbreitung. In Ländern wie Nigeria, Kenya oder Südafrika gibt es für weite Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu den Bank- und Finanzdienstleistungen, die für die erste Welt selbstverständlich sind. Zudem ist der Zugang zu wertbeständigeren Währungen als der eigenen, in der Regel US-Dollar oder Euro, oft auf den teuren Schwarzmarkt beschränkt. Währungen wie die türkische Lira oder der argentinische Peso verlieren darüber hinaus ständig an Wert. Unter solchen Bedingungen ist der digitale Bitcoin von ganz anderem, sogar existenziellem Wert. Selbst für das Problem der Kriminalität kann es eine Lösung darstellen, denn der Dieb eines e-wallets kann in der Bitcoin-Blockchain keinen Eigentumstitel vorweisen und riskiert, selbst den Beweis für seine Schuld zu liefern.

Bitcoin fliessen aus Asien nach Nordamerika

Seit seiner Kreation wurde der Bitcoin vor allem in Ostasien gehandelt, doch das hat sich 2020 geändert. Laut einer Reuters-Umfrage vor dem 15. November haben sich die Handelsumsätze an den vier nordamerikanischen Handelsplätzen dieses Jahr verdoppelt. An den 14 asiatischen Handelsplätzen stieg das Volumen dagegen nur um 16%. Eine Folge ist, dass eine hohe Stückzahl an Bitcoin aus Asien in die nordamerikanische Region geflossen ist. Bemerkenswert daran ist, dass die nordamerikanischen Handelsplätze strenger reguliert sind als die asiatischen Wettbewerber.

Neue Nachfrager

In den USA und Kanada kaufen mittlerweile nicht nur einzelne Anleger die wichtigste Krypto-Währung, sondern mehr und mehr auch Hedge Funds, Family Offices sowie nun sogar Versicherungen. Dazu treten aber weitere Nachfrager. Eine gewichtige Rolle spielt der bereits 2013 aufgelegte börsengehandelte Grayscale Bitcoin Trust. Noch im Oktober lagen die Assets under Management bei 5.1 Mrd. USD, die infolge des rasanten Preisanstiegs beim Bitcoin sowie durch neue Zuflüsse aktuell auf 10.6 Mrd. USD angewachsen sind. Der Trust hat 70% aller neu auf den Markt gekommenen Bitcoins aufgekauft und hält aktuell 2,6% aller ausstehenden Bitcoins.

Bitcoin als Rücklage

Ein weiterer Nachfragetrend wurde geboren, als das an der Nasdaq kotierte Software- und Cloud-Unternehmen Microstrategy im August und September für 425 Mio. USD Bitcoin erwarb. CEO Michael Saylor begründet den Schritt so: „Dieses Investment reflektiert unseren Glauben, dass Bitcoin als die weltweit meist genutzte Krypto-Währung ein zuverlässiger Wertspeicher und ein attraktives Asset ist, das mehr Aufwertungspotenzial bietet als Cash.“ Das hat sich zumindest kurzfristig bereits bestätigt, denn Stand heute ist die Position mit 846 Mio. USD schon fast doppelt so hoch bewertet. Anfang Oktober folgte Square mit einem Bitcoin Investment von 50 Mio. USD. Inzwischen sind es bereits über 20 Unternehmen, die dem Beispiel gefolgt sind. Eine Übersicht findet sich bei bitcointreasuries.org .

Mehr Akzeptanz durch strengere Regulierung

Was sich gegenüber dem letzten Preisboom 2017 in der Krypto-Welt  verändert hat, ist die Regulierung. Aber gerade, weil der Bitcoin als Zahlungsmittel sowie der Handel nun unter Aufsicht stehen, hat sich die Sicherheit erhöht, was wiederum die Voraussetzung für institutionelle Investments ist. Haben 2017 und davor vor allem private Käufer den Markt getrieben, so sind es jetzt die grösseren Beträge von Hedge Funds, Versicherungen oder börsenkotierten Unternehmen, die für die Preisavancen verantwortlich sind. Das zeigt auch der sogenannte „Whale Index“, der Aufschluss gibt über die Anzahl von Investoren, die mehr als 1’000 Bitcoins besitzen. Das sind inzwischen mehr als 2’200 Adressen gegenüber 1’600 in 2018. Auffällig viele amerikanische Investment-Gurus haben sich ab Oktober mit teils illusorisch scheinenden Preiszielen von 50’000 USD bis 500’000 USD je Bitcoin geäussert, darunter die einflussreichen Hedge Fund Manager Stanley Druckenmiller und Ray Dalio sowie der CIO von Blackrock Fixed Income. Doch Kritiker sagen, dass Prognosemodelle bei Manien keine Gültigkeit haben.

SIX mit grossen Ambitionen

In der Schweiz macht die SIX durch verschiedene Kooperationen zur Entwicklung und Etablierung einer Handelsplattform für tokenisierte Vermögenswerte von sich reden. Ziel sind Anlageinstitutionen, die für Handel und Anlage im neu entstehenden Sektor Digital Assets gewonnen werden sollen. Der Anlagebedarf ist hoch, und handelbares Bruchteilsvermögen an Kunstwerken oder Immobilien erschliesst Neuland. Ein aktueller Artikel der NZZ beleuchtet die Entwicklungen.

Optionen für Privatanleger

Anders sieht es mit dem Interesse der privaten Anleger aus. Wer tatsächlich auf den Krypto-Boom setzen will, der muss viel Zeit aufbringen, um geeignete und zugängliche Anlagemöglichkeiten für sich zu finden. Für Kauf und Handel von Bitcoin bleibt Swissquote die erste Adresse. Darüber hinaus bieten inzwischen verschiedene Krypto-Banken den Handel an. Dafür sind Konteneröffnungen nötig und Transaktionsgebühren fällig. Alternativ bietet sich der an der Nasdaq gehandelte Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) an, dessen Market Cap derzeit allerdings über dem Nettoinventarwert liegt. Eine weitere Möglichkeit bieten sogenannte Crypto-Tech-Unternehmen, von denen rund 50 an diversen Börsen gehandelt werden. Beispiele sind Galaxy Digital Holdings (GLXI) und Voyager Digital (VYGR), beide aus Kanada.

Aktien-Performance der Galaxy Digital Holdings in den letzten sechs Monaten in CAD.
Eine neutrale Einschätzung aus London

Dass die Vertreter der Krypto-Industrie und der Unternehmen, die für eine rasche Evolution sorgen, die Zukunft rosig sehen, liegt in der Natur der Sache. Interessanter und aufschlussreicher ist daher der Blick eines Finanzdienstleisters, der von herkömmlichen Produkten wie Aktien, Rohstoffen und ETFs in die Krypto-Welt expandiert. Plus500 ist der grösste regulierte CFD-Broker im UK, die Aktie wird an der London Stock Exchange gehandelt. Auf Anfrage von schweizeraktien.net wird das Jahr 2021 für das Trading mit Krypto-Währungen so eingeschätzt: „Das regulatorische Umfeld verbessert sich weiterhin. Wir haben weltweit gesehen, dass Länder, bei denen die Erwartungen niedrig waren, wie Venezuela oder Vietnam, sehr viel entgegenkommender geworden sind. Mit Blick auf das Investmentklima für 2021 sieht der gesamte Krypto-Markt sehr gut aus. Die Verwendung und Akzeptanz von Krypto-Währungen hat einfach stark zugenommen, wie das Beispiel Paypal zeigt. Es ist möglich, dass es eine Preiskorrektur gibt, doch es ist unwahrscheinlich, dass wir einen Art Crash sehen wie 2018.“

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