Martin Schwab, CEO CKW AG: «Corona hat einen erstaunlich geringen Einfluss auf den Stromverbrauch»

Strompreis beeinflusst Ergebnis dank Hedging erst zeitverzögert

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Sondereffekte prägten das Ergebnis der CKW AG im Geschäftsjahr 2019/20, wodurch der Unternehmensgewinn um rund einen Drittel auf 104 Mio. CHF sank. Im Interview mit schweizeraktien.net erläutert CEO Martin Schwab die um Sondereffekte bereinigte wirtschaftliche Entwicklung der Centralschweizerischen Kraftwerke, erklärt den Einfluss von Covid-19 auf das Unternehmen und blickt in die Zukunft des Energiemarktes Schweiz.

Martin Schwab, CEO CKW AG
Martin Schwab ist seit 2018 CEO der CKW Gruppe. Zuvor war er von 2011 bis 2018 als CFO Mitglied der Konzernleitung in der Axpo Gruppe. Der dipl. Betriebswirtschafter HF war vorher ausserhalb der Energiebranche im Finanzwesen tätig, u.a. als CFO der Selecta Group. Bild: zvg

Nach zuletzt tendenziell steigenden Strompreisen war 2020 aufgrund der Covid-19 Pandemie wiederum ein Preisrückgang an der Reihe. Wie hat sich die Pandemie auf das Resultat der CKW ausgewirkt?

Durch unsere rollierende Absicherung des Strompreises über drei Jahre hatten die tieferen Preise 2020 keinen grossen Einfluss aufs Resultat. Dafür werden sie einen gewissen Einfluss auf die Ergebnisse der kommenden Jahre haben. Ohne Absicherung hätte eine Änderung des Strompreises im Grosshandel von einem Euro pro Megawattstunde eine Veränderung des CKW-Ergebnisses von 3 Mio. Euro zur Folge. Durch unser Hedging tritt der Effekt zeitverzögert ein. Ein direkter Ergebnisvergleich über die Jahre ist dessen ungeachtet schwierig, da Einmal- und Sondereffekte unser Resultat beeinflussen.

Der Stromabsatz ging im Geschäftsjahr 2019/20 im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 4,5% zurück. Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen?

Dies ist einerseits auf den warmen Winter zurückzuführen. Der Stromabsatz in unserem Versorgungsgebiet hängt sehr stark von den Wintermonaten ab. Zusätzlich hatten wir weniger Produktion, da ein Langfrist-Vertrag aus Frankreich ausgelaufen ist. Bei uns sind Produktion und Einkauf immer gleich gross wie der Absatz, und somit hat der auslaufende Vertrag automatisch zur Reduktion des Absatzes beigetragen.

Im Bereich der Gebäudetechnik mussten Sie Wertminderungen vornehmen. Worauf sind diese zurückzuführen, und handelt es sich um Einmaleffekte?

Der grösste Teil der Wertminderungen ist auf Covid-19 zurückzuführen und tiefere Ertrags-Prognosen für die Folgejahre. Es handelt sich um einen Einmaleffekt.

In den vergangenen Jahren ist es CKW stets gelungen, den Anteil der Erträge aus dem regulierten Geschäft zu reduzieren. 2019/20 nahm dieser Anteil jedoch wieder zu. Wie begründen Sie diese Entwicklung, und halten Sie an diesem Ziel, die Anteile aus dem regulierten Geschäft zu reduzieren, fest?

Die Zunahme des regulierten Umsatzes ist auf die Auflösung von Rückstellungen in der Grundversorgung zurückzuführen. Ohne diese Einmaleffekte wird sich die sinkende Tendenz auch in Zukunft fortsetzen.

Das Geschäftsjahr 2019/20 fiel auf Stufe Betriebsergebnis und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr aufgrund ausbleibender Sondereffekte schwächer aus, trotz gestiegener Gesamtleistung. Was für eine Entwicklung erwarten Sie im aktuellen Geschäftsjahr?

Aus heutiger Sicht rechnen wir nicht mit so starken Sondereffekten wie in den vergangenen Jahren. Bereinigt um die Sondereffekte des letzten Jahres erwarten wir deshalb ein relativ konstantes Ergebnis. Dies hängt aber sicher auch von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie ab, welche uns vor allem in der Gebäudetechnik betrifft. Wir beobachten schon eine gewisse Abschwächung in der Bautätigkeit. So überlegt man sich heute beispielsweise bei Bürogebäuden gut, ob es die Investitionen noch braucht in Anbetracht des starken Anstiegs des Homeoffice.

Seit dieser Woche befindet sich die Schweiz erneut in einem verschärften Lockdown. Betriebe bleiben geschlossen, Büroarbeiten werden ins Homeoffice ausgelagert. Wie wirken sich die Massnahmen gesamthaft auf den Energieverbrauch aus?

Corona hat einen erstaunlich geringen Einfluss auf den Stromverbrauch, da die Industrie als Hauptverbraucher noch produzieren kann. Die jetzigen Massnahmen mit geschlossenen Restaurants und Läden reduzieren den Verbrauch in ihrem Segment zwar leicht um 2 bis 3%, das Ausfallen grösserer Industriekunden oder auch ein warmer Winter hätten aber klar einen grösseren Einfluss als die Pandemie.

2020 haben Sie mit der Auswechslung aller Stromzähler durch intelligente Messsysteme (Smart Meter) begonnen, bis 2023 sollen alle Zähler ersetzt sein. Welchen Effekt auf das Firmenresultat und den Energieverbrauch erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Wir rechnen weder mit einem grossen Einfluss auf das Resultat noch mit Änderungen im Stromverbrauch. Die Smart Meter erlauben uns aber, Kunden gezielter und genauer beraten zu können, da wir nun viertelstündlich Angaben zum Stromverbrauch erhalten und nicht wie zuvor einmal im Jahr beim Ablesen. Die bessere Nachvollziehbarkeit des eigenen Stromverbrauchs wird Kunden aber nicht automatisch zu einer Änderung des eigenen Konsumverhaltens bewegen.

Bis 2050 soll die Schweiz vollständig CO2-neutral sein. Was muss Ihrer Ansicht nach geschehen, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Die zentrale Frage ist, wie hoch der Eigenversorgungsgrad der Schweiz im Winter sein soll. Bereits heute sind wir im Winter auf Importe angewiesen, während im Sommer ein Produktionsüberschuss besteht. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und der an Bedeutung gewinnenden Solarenergie wird sich diese saisonale Abhängigkeit noch verstärken. Zusätzlich steigt der Energieverbrauch im Winter durch die Dekarbonisierung von Heizung und Mobilität weiter an. Dass die Schweiz den eigenen Stromverbrauch auch in den Wintermonaten rein mit inländischen, erneuerbaren Energien decken kann, ist somit unrealistisch. Im Winter wird es deshalb voraussichtlich entweder zusätzlichen Importbedarf geben oder es bräuchte eine alternative Energiequelle.

Durch die saisonale Abhängigkeit der Produktion erneuerbarer Energien und des Stromverbrauchs, sowie dem Ausstieg aus der Kernenergie und teilweiser Dekarbonisierung von Heizung und Verkehr, gehen Prognosen für 2050 von einem erhöhten Importbedarf der Schweiz in den Wintermonaten aus. Bild: CKW AG

Wie wirkt die CKW auf die CO2-Neutralität hin?

Wir verfolgen ein intensives Nachhaltigkeitsprogramm. So haben wir eine wachsende Elektromobilitäts-Flotte, bieten Energieberatungen an und optimieren Gebäude. Unsere Bemühungen werden auch in einem Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Zudem investieren wir in den Ausbau der erneuerbaren Energien, momentan durch Projekte im Volumen von gesamthaft 184 Mio. CHF.

Mit einem Anteil von knapp 10% ist der Kanton Luzern nach der Axpo Holding AG zweitgrösster Aktionär der CKW. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand?

Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, was durch unsere regionale Tätigkeit auch eine wichtige Voraussetzung für unser Geschäft ist. Mit Marcel Schwerzmann ist ausserdem ein Luzerner Regierungsrat Mitglied im CKW-Verwaltungsrat.

Die CKW ihrerseits ist Mehrheitsaktionärin der EW Altdorf AG und ist mit dem Kanton Uri im Dezember 2020 eine Vereinbarung eingegangen, wonach der Kanton Aktien der EWA von der CKW übernehmen kann. Was sind die Ziele der CKW mit diesem Deal?

Das ist in unseren Augen eine klare win-win-Situation. Der Kanton Uri hat ein Interesse daran, die Hydro-Konzessionen im eigenen Kanton zu bewirtschaften; die dafür notwendigen Kompetenzen kann das EWA bieten. Im Gegenzug bringt der Kanton Wasserrechtskonzessionen ins EWA ein, die er sonst an andere Unternehmen vergeben könnte. Es ist eine Stärkung des EWA und eine Stärkung der strategischen Zusammenarbeit mit dem Kanton.

Per Ende GJ 2019/20 lag die Nettoliquidität noch bei 539 Mio. CHF. Wie sehen Ihre Pläne für die Verwendung dieser Mittel aus?

Es ist so, dass wir konservativ finanziert sind, eine fundamentale Änderung der Bilanzstruktur ist nicht geplant. Wir haben verschiedene laufende Investitionsprojekte vor allem auch im Bereich der Wasserkraft, planen aber sicher nicht,die ganzen 500 Mio. CHF auszugeben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie hat sich der Aktienkurs der CKW AG wieder auf sein Vorkrisenniveau erholt. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der CKW AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 305 CHF.

Mitarbeit: Björn Zern

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