
An der 132. ordentlichen Generalversammlung der CKW AG vom 29. Januar 2026 stand – neben Ausführungen zur Versorgungssicherheit, zur Energiepolitik sowie den üblichen Traktanden – vor allem ein Thema im Raum: wie stark die CKW operativ und finanziell in die Axpo-Gruppe eingebunden wird – und was dies für den Minderheitsaktionär Kanton Luzern bedeutet.
CKW «stärkt» Axpo-Gruppe – Axpo-Gruppe «stärkt» CKW
Der Verwaltungsratspräsident Christoph Brand, zugleich CEO des Hauptaktionärs Axpo Holding AG, stellte in seinem Eröffnungsreferat die bereits bestehende und zuletzt weiter verstärkte Einbindung der CKW in die Axpo-Gruppe in den Fokus. Er argumentierte, dass die bereits starke CKW mit der Axpo-Gruppe im Hintergrund im aktuell herausfordernden Energieumfeld noch stärker sei. Die operative Einbindung bringe Vorteile für die CKW und damit auch für den Kanton Luzern – direkt und indirekt.
In der VRP-Präsentation wurden anhand von Beispielen drei Wettbewerbsvorteile der CKW im gestärkten Axpo-Verbund skizziert: engagierte und kompetente Mitarbeitende, Unterstützung durch ein stabiles Aktionariat sowie die Vorteile der Gruppenzugehörigkeit. Dazu zählen insbesondere Skaleneffekte, Know-how, Fokussierung und die Finanzkraft der Gruppe.
Hohe Wertschöpfung für die Region
Zudem finde eine hohe Wertschöpfung zugunsten der Region statt. Erwähnt wurden explizit die Schaffung von 580 Vollzeitstellen in den letzten fünf Jahren, darunter 101 Lernende. An den Kanton Luzern wurden in diesem Zeitraum Dividenden in Höhe von 54 Mio. CHF ausgeschüttet, so der CKW-Verwaltungsratspräsident. Weitere 126 Mio. CHF flossen in Form von Steuern und Konzessionsabgaben an den Kanton Luzern, und 460 Mio. CHF wurden investiert. Gleichzeitig profitiere die Region von einer hohen Versorgungssicherheit – und alle Aktionäre von attraktiven Dividenden.
Diese Einordnung wurde auch als Reaktion auf kritische Medienberichte verstanden, die sich in den letzten Wochen mit der zunehmenden Axpo-Prägung der CKW sowie mit entsprechenden Vorstössen im Kantonsrat befassten.
Zur Aktionärsstruktur: Die Axpo Holding AG hält 85,9% der Aktien, der Kanton Luzern 9,9%. Damit ist der Standortkanton zwar ein wichtiger Aktionär, befindet sich jedoch in einer – wenn auch starken – Minderheitsposition. Weitere rund 1,4 %liegen bei anderen Akteuren der öffentlichen Hand in der Zentralschweiz (Gemeinden), sodass die öffentliche Hand gemäss Geschäftsbericht 2024/2025 (S. 8) insgesamt auf 11,3% der Stimmrechte kommt. Lediglich 2,8% der Aktien befinden sich im Streubesitz.
Ohne die Aktien des Kantons Luzern oder ohne eine wie auch immer geartete bilaterale Verständigung zwischen der Axpo und dem Kanton Luzern über die künftigen gesellschaftsrechtlichen Strukturen dürfte eine Vollübernahme der CKW aufgrund der starken Minderheitenposition des Kantons Luzern von rund 10% praktisch ausgeschlossen sein.
Anlässlich der Generalversammlung vom 29. Januar 2026 waren ungewöhnlich hohe 99,16% des Aktienkapitals vertreten. Neben dem Organvertreter und dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter fanden 156 Aktionäre den Weg nach Rathausen LU.
Rebranding und Fiber-Verkauf als wiederkehrende Reizpunkte
In Referat und Diskussion wurde deutlich, dass sich die Kritik vor allem an zwei Punkten entzündete: dem Rebranding mit dem Zusatz «Axpo Group» im CKW-Logo sowie dem Verkauf der CKW Fiber Services AG an eine Axpo-Gesellschaft.
Laut Christoph Brand sei der Markenauftritt von CKW als Teil der «Axpo Group» insbesondere im Gebäudetechnikgeschäft ausserhalb der Zentralschweiz ein Vorteil. Die CKW verfüge ausserhalb der Zentralschweiz nur über einen geringen Bekanntheitsgrad, während die Axpo eine national – und sogar international – etablierte Marke sei. Die Zuordnung zur «Axpo Group» sei gerade in der Gebäudetechnik wichtig, da dieser Bereich bei der CKW konzentriert ausgebaut werde.
Der Verkauf der CKW Fiber Services AG an eine Axpo-Gesellschaft ist im CKW-Geschäftsbericht dokumentiert: CKW verkaufte am 13. Juni 2025 100% der Anteile an der CKW Fiber Services AG an die Axpo Systems AG. In seinen Ausführungen ging Brand darauf ein, dass die vergleichsweise kleinen CKW-Data-Center isoliert nicht gegen die grossen Wettbewerber im Markt, darunter Swisscom, bestehen könnten. Zudem habe der Gewinnbeitrag des Fiber-Services-Geschäfts in den letzten Jahren weniger als 3% betragen und im Jahr 2025 sogar unter 2% gelegen. Das Geschäft habe innerhalb der CKW über kein nennenswertes Wachstumspotenzial verfügt und sei deshalb an die Axpo verkauft worden.
Hierfür sei eine Bewertung durch externe Experten durchgeführt worden, aus der sich gemäss Aussagen des Verwaltungsratspräsidenten ein «attraktiver Verkaufspreis» für die CKW ergeben habe. Mangels Kenntnis des zugrunde liegenden Bewertungsgutachtens lassen sich diese Aussagen jedoch nicht unabhängig verifizieren.
Kanton Luzern meldet sich bei Statutenänderung zu Wort – und enthält sich
Politisch und für Minderheitsaktionäre «spannend» wurde es trotz klarer Stimmrechtsverhältnisse bei Traktandum 6, das eine «partielle Statutenänderung» betraf. Ein Vertreter des Kantons Luzern ergriff im Auftrag des Regierungsrats das Wort und machte deutlich, dass man beim im neuen Statutenartikel 2 erwähnten Thema «Cash Pooling» innerhalb der Axpo künftig sehr genau hinschauen werde. Der Kanton enthielt sich bei diesem Traktandum der Stimme.
Der Hintergrund: Cash Pooling ist bei CKW nicht bloss ein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. Im Geschäftsbericht wird ausgeführt, dass CKW an das Cash Pooling der Axpo Holding AG angeschlossen ist und die flüssigen Mittel täglich auf das Konto der Axpo Holding AG übertragen werden (Zero-Balancing-Mechanismus).
Genau diese Kombination – bestehende finanzielle Verflechtung plus statutarische Präzisierung beziehungsweise Erweiterung – erklärt, weshalb der Kanton öffentlich eine engere Beobachtung ankündigt und sich gleichzeitig in der konkreten Abstimmung der Stimme enthielt.
In seiner Antwort führte Christoph Brand aus, dass das Cash Pooling primär dazu diene, für die Gruppe – und damit auch zum Vorteil der CKW – bessere Finanzierungskonditionen zu ermöglichen.
In der Praxis dürfte sich mit der hohen Substanz- und Ertragskraft der CKW umgekehrt durch deren Einbindung in das Cash Pooling der Axpo Holding AG auch das Finanzierungsprofil der Axpo mehr oder weniger deutlich verbessern. Vor diesem Hintergrund erscheint der vorsichtige Vorstoss des Kantons Luzern aus Aktionärssicht durchaus nachvollziehbar und berechtigt.
Konsequenter wäre in der vorliegenden Konstellation zwar ein «Nein» bei der Abstimmung gewesen. Ein solches hätte an der GV-Urne jedoch potenziell zu schwer kalkulierbaren Kollateralschäden führen können.
Fazit
Die Generalversammlung fand somit in einem Umfeld statt, in dem der Luzerner Regierungsrat und die kantonale Politik grundsätzlich prüfen, wie der Kanton Luzern bei «seiner» wichtigsten Versorgerin Einfluss sichern kann – oder ob die Beteiligung strategisch anders zu bewerten ist.
Unterm Strich zeigte die Generalversammlung vom 29. Januar 2026: Operativ rückt die CKW immer weiter an die Axpo heran, was nicht zwingend zum Nachteil der CKW AG sein muss. Politisch wächst jedoch der Druck, die Minderheitsrolle des Kantons Luzern für die Zukunft klarer – und gegebenenfalls neu – zu definieren.
Will der Kanton an der Seite der Axpo «nur» ein starker Minderheitsaktionär bleiben, der gut und auskömmlich von Dividenden sowie von der indirekten Wertschöpfung in der Region profitiert? Diese Strategie kann – wie die letzten Jahre gezeigt haben – durchaus erfolgreich sein.
Möchte der Kanton sein Aktienpaket zu einem «guten Preis» an die Axpo Holding AG verkaufen und damit das künftige Ertragspotenzial frühzeitig kapitalisieren? In diesem Szenario würde die CKW AG über kurz oder lang als eigenständige Aktiengesellschaft mit externen Minderheitsaktionären im Rahmen eines Übernahmeangebots vom OTC-X-Tableau verschwinden. Die Axpo wäre in diesem Fall gut beraten, die verbliebenen Minderheitsaktionäre fair zu behandeln und dem Kanton keine Sondervorteile zu gewähren.
Oder will der Kanton Luzern als knapp 10-prozentiger Aktionär künftig eine aktivere Rolle in der kantonalen Energiepolitik übernehmen und dabei auch stärker ins Risiko gehen – mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken?
Die zukünftige Positionierung muss der Kanton Luzern für sich klären und seine Rolle entsprechend (neu) definieren.
Mit der Ankündigung der Sonderdividende im Dezember hat sich der CKW-Aktienkurs von seiner Seitwärtsbewegung gelöst. Chart: otc-x.chDie Aktien der CKW AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 411 CHF je Aktie bezahlt. Das entspricht rund 8% mehr als noch vor einem Jahr.
Mitarbeit: Thorsten Grimm





