Bernexpo Groupe: Messeveranstalter ist an vielen Fronten gefordert

Berner stimmen am 7. März über die Neue Festhalle ab

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Vor etwas mehr als einem Jahr sah die Welt für die Bernexpo Groupe noch sehr rosig aus. Die wichtigsten Transformationsschritte hatte das Unternehmen mit angepassten Formaten und durch Zukäufe eingeleitet; der Verkauf der Immobilientochter Messepark Bern AG war aufgegleist. Doch der Lockdown im Frühjahr machte einen Teil dieser Arbeit zunichte. Dennoch schaffte es das Unternehmen trotz der Pandemie, eine 45%ige Beteiligung an der Messepark Bern AG an eine Investorengruppe, bestehend aus dem Immobilienentwickler HRS, Mobiliar, Visana und der Securitas-Gruppe, zu verkaufen. Im Herbst fanden schliesslich wieder erste Messen und Veranstaltungen wie das Herofestival und der Caravan Salon statt. Letzterer musste abrupt abgebrochen werden. Mit der 2. Corona-Welle und dem neuerlichen Veranstaltungsverbot wurde das Unternehmen nochmals zurückgeworfen.

Abstimmung in der Stadt Bern über 15-Mio.-CHF-Kredit
In der Neuen Festhalle sollen Veranstaltungen für bis zu 9’000 Personen stattfinden können. Bild: zvg

Doch von diesen Widrigkeiten liessen sich Management und Verwaltungsrat nicht beeindrucken. Zwar trat CEO Jennifer Somm im Herbst überraschend zurück aus bis heute unbekannnten Gründen. Dennoch wurde trotz des faktischen Veranstaltungsverbots weiter an der Zukunft des Unternehmens gearbeitet.

Vergangene Woche präsentierte Bernexpo-Co-Präsidentin Franziska von Weissenfluh gemeinsam mit dem VR-Präsidenten der Messepark Bern AG, Jürg Stöckli, vor den Medien die Pläne für den Neubau der Berner Festhalle. Unterstützt wurden sie von Berner Kultur- und Wirtschaftsprominenz, darunter auch dem VR-Präsidenten der Kongress+Kursaal Bern AG, Daniel Buser. Ziel ihres gemeinsamen Auftritts ist es, die Stadtberner Stimmbevölkerung davon zu überzeugen, am 7. März einer Überbauungsordnung für das Messegelände sowie einem 15-Mio.-CHF-Kredit zuzustimmen.

Dass es angesichts der Pandemie, in der Veranstaltungen verboten sind, nicht leicht werden wird, einer Halle für rund 9’000 Personen zuzustimmen, ist nachvollziehbar. Allerdings zeigten sich die Exponenten davon überzeugt, dass gerade nach dem Ende der Pandemie der Wunsch nach kulturellen Anlässen wie Konzerten wieder gross sein werde. Bis die Neue Festhalle in 2024 eingeweiht wird, soll Covid-19 längst vergessen sein. Auch werde die neue Halle in puncto Veranstaltungstechnik die neuesten Möglichkeiten bieten. Denn hybride Events – eine Kombination von Online- und Offlineangeboten – werden nach Ansicht der Exponenten auch in Zukunft die Branche bestimmen.

BEA abgesagt – erste Veranstaltungen schon wieder im Sommer?

Im Rahmen der Medienkonferenz gab sich Franziska von Weissenfluh auch optimistisch, dass schon im 2. Halbjahr wieder Messen und Veranstaltungen auf dem Bernexpo-Gelände stattfinden werden. Das Team arbeite schon daran. Vom 8. bis 11. Juni ist die Suisse Public geplant. Später folgen die Agrama und der Caravan Salon. Wenige Tage nach der Medienkonferenz zur Neuen Festhalle gab die Bernexpo Groupe allerdings bekannt, dass die im Kanton Bern beliebte Publikumsmesse BEA auch in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Auch wenn dieser Schritt nicht überraschend kam, so ist es für die Bernexpo Groupe ein rechter Schlag. Denn der mehrtägige Event ist eine der umsatzstärksten Eigenmessen in Bern. Anton Zahner von der AMG Analysen & Anlagen AG, welche für Kunden in die Bernexpo AG investiert hat, sieht es allerdings weniger dramatisch.

«Die Absage kommt zu einem frühen Zeitpunkt, so dass nur geringe variable Kosten entstehen», gibt er zu bedenken. Ohnehin könne das Unternehmen den zu erwartenden Verlust für das Geschäftsjahr 2020 gut verkraften. Durch den Verkauf von 45% der Anteile an der Messepark Bern AG sei dem Unternehmen ausreichend Liquidität zugeflossen, was über die Krise hinweghelfe. Die Bernexpo selbst geht davon aus, dass 2020 ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren werden muss. Bisher befinden sich ein Grossteil der 120 Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Es gab auch rund ein Dutzend Kündigungen.

Tom Winter wird am 1. März neuer CEO

Zahner ist trotz der schwierigen Zeit vom Potenzial des Berner Messeveranstalters überzeugt. Die Firma sei gut aufgestellt. Ohne die Corona-Pandemie wäre das Unternehmen im Transformationsprozess schon viel weiter. Für frischen Wind dürfte nun auch der neue CEO sorgen. Am 1. März wird der Berner Tom Winter die Nachfolge von Jennifer Somm antreten. Der Ingenieur war zuvor stellvertretender CEO von Globus Schweiz und Direktor bei UPC Retail.

Fazit      

Die Absage der BEA für 2021 ist ein weiterer herber Schlag für das Berner Unternehmen. Allerdings bietet die derzeitige pandemische Lage auch wenig Planungssicherheit. Umso wichtiger ist es, dass die Bernexpo Groupe nun in die Zukunft schaut und die Weichen richtig stellt. Dazu gehört auch ein erfolgreicher Abstimmungskampf in Bern für die Neue Festhalle. Schwierig würde es, wenn die Berner dem Vorhaben eine Absage erteilen. Dann wäre auch der Anteil des Kantons an dem Projekt und damit wohl auch das gesamte Projekt in der heutigen Form gefährdet. Die Bernexpo müsste in diesem Fall ein redimensioniertes Projekt erarbeiten, was sich als Nachteil für den Messe- und Kongressstandort Bern entpuppen könnte.

Bisher haben die Verantwortlichen bei der Bernexpo Weitsicht, unternehmerischen Mut und auch Kreativität bewiesen, um die schwierige Situation zu meistern. Der Erlös aus dem Teilverkauf der Messepark Bern dürfte dem Unternehmen ausreichend finanzielle Luft verschafft haben, um die Krise durchzustehen. Angesicht der fehlenden Planungssicherheit für eine Wiederaufnahme des Messe- und Veranstaltungsbetriebs ist es derzeit noch zu früh, um die Zukunft des Unternehmens zu bewerten.

Der Aktienkurs der Bernexpo-Aktie hat bei 300 CHF offenbar seinen Boden gefunden. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Bernexpo AG, die ausserbörslich auf OTC-X gehandelt werden, haben sich allerdings seit Jahresbeginn wieder etwas erholt. Zuletzt wurden 330 CHF für eine Aktie bezahlt, was rund 8% mehr als noch Anfang Januar ist. Offenbar gibt es Aktionäre, die ebenfalls ein Ende der Pandemie sehen und davon ausgehen, dass die Bernexpo Groupe gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

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