Loeb Holding: Hohe Umsatzeinbussen und Verlust im Geschäftsjahr 2020

Einkaufserlebnis als Trumpf im Konkurrenzkampf mit online-Handel

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Vollbremsung – mit diesem Begriff leitet die Loeb Holding im Ende März veröffentlichten Geschäftsbericht den Rückblick aufs Corona-Jahr 2020 ein. Nachdem in der 140-jährigen Geschichte des Familienunternehmens die Warenhäuser zuvor nie länger als ein paar Tage am Stück geschlossen waren, blieben die Loeb-Pforten im letzten Frühling aufgrund des Lockdowns während ganzen acht Wochen verriegelt. Zwar erholte sich das Geschäft im Sommer erfreulich gut. Mit der zweiten Corona-Welle im Herbst folgte jedoch eine weitere abrupte Bremsung. Gerade in den für den stationären Detailhandel wichtigen Monaten November und Dezember litten die Umsätze erneut stark unter der Pandemie. Als logische Konsequenz fallen die Zahlen für 2020 tiefrot aus.

Mit Attraktionen wie der Beauty Lounge will Loeb das Einkaufserlebnis der Kundinnen und Kunden verbessern und so dem Online-Handel die Stirn bieten. Bild: Loeb Holding AG
Umsatz und Marge sinken coronabedingt

Der Umsatz der Loeb-Gruppe sank im Geschäftsjahr 2020 um knapp 17% von 74.6 Mio. auf 62.0 Mio CHF. Eine erfreuliche Entwicklung verzeichnete das ganzjährig geöffnete Geschäft ‚Loeb Lebensmittel‘. Durch den geringen Anteil am Gesamtumsatz konnte dies die Einbussen aus dem Lockdown jedoch bei weitem nicht kompensieren. Aufgrund des Umsatzrückganges und Abschreibungen auf dem Warenlager reduzierte sich auch die Bruttogewinnmarge deutlich von 45,5% auf 37,9%; dies, nachdem sie bereits im Vorjahr leicht gesunken war. Auch die Mieterträge der Loeb-Gruppe gingen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zurück. So wurde den Mietpartnern mit Fixmieten während des Lockdowns 60% der Miete erlassen.

Immerhin verzeichnete Loeb auch einen starken Rückgang des Betriebsaufwandes um 10,0% auf 30.6 Mio. CHF. Zurückzuführen ist dies hauptsächlich auf Kurzarbeitsentschädigungen, dank welchen der Personalaufwand auf 17.7 Mio. sank (-18,4%). Die 80%-Entschädigung der Mitarbeitenden durch die Kurzarbeit hat Loeb freiwillig aus der patronalen Stiftung auf 100% ergänzt. Übergangs- oder Notkredite mussten nicht in Anspruch genommen werden. Während das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA mit 2.3 Mio. CHF (Vorjahr 9.9 Mio.) noch leicht positiv ausfiel, resultierte auf Stufe EBIT ein Minus von 6.0 Mio. (Vorjahr +2.4 Mio.). Das breit diversifizierte Wertschriftenportfolio von Loeb erzielte trotz der volatilen Entwicklung der Finanzmärket ein erfreuliches Ergebnis von 0.6 Mio. (Vorjahr 2.8 Mio.). Unter dem Strich musste die Loeb-Gruppe einen Jahresverlust von 3.9 Mio. CHF verzeichnen.

Keine Dividende trotz starker Eigenkapitalbasis

Dem Ergebnis entsprechend schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vor, auf die Ausschüttung einer Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr zu verzichten. Somit erhalten einzig die Inhaber eines Partizipationsscheins eine Vorzugsdividende von 0.15 CHF, welche eine nachträgliche Ergänzung für das Geschäftsjahr 2017 darstellt. Noch letztes Jahr waren sowohl Partizipanten als auch Aktionäre in den Genuss einer ordentlichen und einer Sonderdividende gekommen. Durch diese Ausschüttungen und verstärkt durch das negative Jahresergebnis vollzog Loeb die geplante und von der GV genehmigte Reduktion der hohen Eigenmittel. Die Eigenkapitalquote sank daher auf nach wie vor solide 62,5% (Vorjahr 70%).

Dieses solide Fundament erlaubte es Loeb auch, das gestartete Investitionsprogramm planmässig fortzusetzen und insgesamt Investitionen über 10.7 Mio. CHF zu tätigen. Während 2019 noch im Zeichen des Umbaus des Haupthauses in Bern gestanden hatte, wurden 2020 das Warenhaus in Biel umgebaut und die Sanierung der Fassaden in Thun abgeschlossen. Dieses Jahr folgt zudem eine Kompletterneuerung der Verkaufsflächen in Thun. Durch die Investitionen will Loeb den Weg zum persönlichsten Warenhaus der Schweiz weitergehen und sich so als attraktive Alternative zum immer stärker aufkommenden Online-Handel behaupten.

Das Persönliche bleibt denn auch zentraler Punkt der Strategie von Loeb. Die temporäre Schliessung der Warenhäuser initiierte aber auch eine Intensivierung der Präsenz auf Social Media. Zudem wurde die neu gestaltete Website mit einem Webshop für ausgewählte Sortimente ergänzt.

Fazit

Das negative Ergebnis der Loeb Holding im Geschäftsjahr 2020 überrascht in Anbetracht der Umstände auch in diesem Umfang nicht. Schliesslich gab Loeb bereits im Verlauf des letzten Jahres bekannt, dass aufgrund des Lockdowns mit Umsatzeinbussen in tiefer zweistelliger Millionenhöhe zu rechnen sei. Ein positives Finanzergebnis und Kurzarbeitsentschädigung konnten auch nicht mehr bewirken, als den Verlust in Grenzen zu halten. Dank der soliden Eigenkapitalbasis vermag das Berner Traditionsunternehmen den Umsatzeinbruch und den daraus resultierenden Jahresverlust aber aufzufangen.

Obschon Loeb von der Corona-Krise schwer getroffen wurde, lässt sich auch Positives aus dem vergangenen Geschäftsjahr ziehen. Das Investitionsprogramm konnte planmässig fortgesetzt werden, und somit konnte weiter daran gearbeitet werden, das persönlichste Warenhaus der Schweiz zu werden. Dieser Fokus auf das persönliche Einkaufserlebnis könnte sich längerfristig als Trumpfkarte erweisen. Der stationäre Detailhandel hat seit längerem schon mit dem Aufkommen des Online-Handels zu kämpfen, was die seit Jahren rückläufigen Umsätze bei Loeb unterstreichen. Die Corona-Pandemie hat dem Online-Handel sicherlich nochmals zusätzlichen Schub gegeben. Die langen Schliessungen brachten aber auch zum Vorschein, dass das Einkaufserlebnis, die persönliche Beratung, das physische Befühlen der Produkte oder schlicht das Flanieren entlang der Schaufenster den Kunden eben doch einen Mehrwert bietet, den der Online-Handel nicht wiedergeben kann.

Dies soll nicht sagen, dass die Zukunft des stationären Detailhandels ausschliesslich rosig aussehen wird, dafür hat sich der Online-Handel als Alternative bereits zu stark etabliert. Eine vollständige Ablösung der Warenhäuser und Läden durch Webshops scheint aber auch weniger wahrscheinlich zu sein als vor der Krise. Totgesagte wie der stationäre Detailhandel leben ja bekanntlich länger… Wie sich die Bemühungen von Loeb zur Verbesserung des Einkaufserlebnisses langfristig auf die Zahlen auswirken, bleibt abzuwarten. Das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr wird aber vorerst nochmals unter der neuerlichen, sechswöchigen Ladenschliessung zu Jahresbeginn leiden.

Die temporären Schliessungen der Warenhäuser liessen den Kurs des Loeb-PS zwar nicht vollständig einbrechen, dennoch hält der Titel momentan unter Vorkrisenniveau. Chart: otc-x.ch

Von der Loeb Holding AG werden die Namenaktien B und Partizipationsscheine (PS) ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Nennenswerte Umsätze finden aber nur beim im Liquidity-Index enthaltenen PS statt. Dessen letztbezahlter Kurs liegt mit 225 CHF nach wie vor 10% unter dem Höchststand von Ende 2019. Mit einem Discount von über 30% zum Buchwert ist der Titel auch nach der Eigenkapitalreduktion durch die Sonderdividende günstig bewertet. Für Investoren, die an die Zukunft des stationären Detailhandels glauben, bietet der Titel somit eine attraktive Anlagemöglichkeit.

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