Bonainvest Holding: Abspaltung von Tochter Bonacasa im 2021 geplant

Das Jahr 2020 war von der Coronakrise und den Vorbereitungsarbeiten zur Verselbständigung der Tochtergesellschaft Bonacasa geprägt

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Die Unternehmensgruppe Bonainvest Holding AG ist in zwei Geschäftsbereiche unterteilt. Im Bereich Immobilien ist sie auf die Entwicklung, den Bau und Vermietung von Wohneinheiten im Espace Mittelland sowie in den Kantonen Zürich und Zug fokussiert. Das zweite Standbein bildet das Tochterunternehmen Bonacasa, welches Smart-Living-Dienstleistungen anbietet. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 9’693 Wohnungen von Bonacasa betrieben, was einer Steigerung von 14.5% entspricht. Mit zunehmender Dauer der Coronakrise nahm die Bedeutung von Botengängen und Mobilitätsservices für ältere Menschen zu. Jüngere Mieter schätzten in Zeiten des Homeoffices die Vernetzung der Wohnung zusätzlich.

Übergabe der Geschäftsleitung von Ivo Bracher an Jacques Garnier sowie Alain Benz
Der Bonacasa-Standard vernetzt die Wohnungen mit moderner Technologie. Quelle: bonacasa.ch

Im Jahr 2020 hat der Verwaltungsrat der Bonainvest Holding beschlossen die 100%ige Tochtergesellschaft Bonacasa zu verselbständigen. Bonacasa soll für neue Investoren geöffnet werden und so das Wachstum des Geschäftsmodells Smart Living beschleunigen. Als Vorbereitung auf die geplante Ausgliederung bezog Bonacasa im August 2020 eigene Geschäftsräumlichkeiten in Oensingen. Ausserdem gab es personelle Veränderungen in der Geschäftsleitung. Bisher führte Ivo Bracher die Unternehmensgruppe als Verwaltungsratspräsident sowie CEO in Personalunion. Per 1. Juli 2020 übernahm Jacques Garnier die Geschäftsleitung der Bonainvest Holding. Alain Benz, der bisherige Leiter der Unternehmensentwicklung der Bonainvest Holding, wurde neuer Geschäftsführer der Bonacasa. Die Vorbereitungsarbeiten werden weiter intensiviert, sodass die effektive Abspaltung im Jahr 2021 erfolgen kann.

Fertigstellung von Projekten führt zu höheren Mieterträgen

Im Geschäftsjahr 2020 steigerte die Bonainvest Holding den Marktwert der Renditeliegenschaften von 253.6 Mio. CHF auf 286.8 Mio. CHF. Dieser Anstieg ist grösstenteils auf die Fertigstellung der Projekte in Unterägeri zurückzuführen. Mit 3.2% ist der Anteil an Gewerberäumen im Gesamtportfolio weiterhin klein. So wirkten sich die aufgrund der Coronakrise gewährten Mietreduktionen auch nicht stark negativ auf die Mieterträge aus. Die Erträge aus Vermietung erhöhten sich um 1.2 Mio. CHF auf 10.3 Mio. CHF. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte die Bonainvest Holding auch den Nettoertrag aus dem Immobilienhandel um 1.6 Mio. CHF auf 5.9 Mio. CHF steigern. Abnehmende Gewinne aus Erst- und Neubewertungen führten jedoch zu einem um 7.0% tieferen Betriebsertrag von 21.9 Mio. CHF. Aufgrund von höheren Verwaltungskosten stieg der Betriebsaufwand leicht auf 12.1 Mio. CHF an. Dies ergab ein um 15.8% tieferes EBIT von 9.8 Mio. CHF. Die Bonainvest Holding nahm im Jahr 2020 Anpassungen an den Steuersätzen für latente Steuern vor. Der daraus resultierende Einmaleffekt belief sich auf 2.0 Mio. CHF. Dies wirkte sich stark positiv auf das ausserordentliche Ergebnis aus und erhöhte so den Unternehmensgewinn. Unter dem Strich resultierte ein um 8.1% höheres Jahresergebnis von 7.5 Mio. CHF.

Durchgeführte Kapitalerhöhung im Umfang von 15.8 Mio. CHF

Nach dem Bilanzstichtag hat die Gesellschaft im Januar 2021 182’245 Aktien zu einem Ausgabepreis von 86.75 CHF bei vorwiegend institutionellen Aktionären platziert. Die Marktkapitalisierung lag zu diesem Zeitpunkt bei 290.8 Mio. CHF. Die neuen Mittel im Umfang von 15.8 Mio. CHF werden für die Entwicklung neuer Immobilienprojekte eingesetzt.

Fazit

Die Aktien der Bonainvest Holding sind nicht kotiert und werden über die eigene Gesellschaft gehandelt. Der vom Unternehmen festgelegte Handelskurs liegt seit dem 1. Mai 2021 bei 87.50 CHF. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung eine Dividende aus Kapitaleinlagereserven von 1.60 CHF pro Aktie vor (VJ: 1.50 CHF). Auf Basis des Kurses per 31.12.2020 von 86.75 CHF liegt die Dividendenrendite bei eher unterdurchschnittlichen 1.84%. Hingegen ist das Kurs-/Buchverhältnis mit 1.06 im Vergleich zu anderen Immobiliengesellschaften attraktiv.

Mit 83.9% Wohnliegenschaften im Portfolio dürften die Risiken für die Bonainvest Holding in Bezug auf die Coronakrise weiterhin überschaubar sein. Mit einem Portfolioschwerpunkt im Grossraum Solothurn befinden sich etliche Überbauungen in einer Region, welche sogar von tieferen Leerstandsquoten aufgrund der Pandemie profitiert hat.

Abzuwarten bleibt, ob die Abspaltung von Bonacasa den gewünschten Wachstumsimpuls bringen wird. Mit der Ausgliederung wird erstmals auch die Rentabilität des Smart-Living-Dienstleisters sichtbar, da bis anhin auf eine Spartenrechnung verzichtet wurde. Als Aktionär und zukünftiger Kooperationspartner hat die Bonainvest Holding jedenfalls weiterhin ein grosses Interesse an einem Ausbau der Kundenbasis von Bonacasa und einem wachsendem Geschäft.

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