Thermalbad Zurzach: Nach Verlustjahr wird für 2021 schwarze Null angepeilt

Nennwertreduktion fällt 2020 wegen hohem Verlust aus

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Mitunter am längsten betroffen von den Corona-Schliessungen in der Schweiz waren die Bade- und Wellnessbetriebe. Bloss die Aussenbereiche durften geöffnet sein, Innenpools oder Saunalandschaften blieben leer. Am 31. Mai war es nun endlich soweit, und die Betriebe konnten ihr Indoor-Angebot reaktivieren. So auch die Thermalbad Zurzach AG, für welche die Öffnungen nach einem Verlust in Millionenhöhe im Geschäftsjahr 2020 höchst willkommen sind.

Ein Drittel weniger Badegäste trotz Rekordstart

Denn schon im vergangenen Jahr litt die Thermalbad Zurzach Gruppe stark unter den Massnahmen zur Pandemiebekämpfung, wie ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt. Lagen die Badefrequenzen zu Jahresbeginn noch über den Zahlen von 2019, resultierte für das Gesamtjahr 2020 ein Rückgang um 150’000 Eintritte oder 34%. Einzig direkt nach dem ersten Lockdown vermochten die Eintrittszahlen in den Sommermonaten auf Vorjahresniveau zurückzukehren, bevor sie gegen Ende Jahr mit der sich erneut verschlimmernden Pandemielage nochmals einbrachen.

Zwar übertrafen die Badefrequenzen direkt nach Wiedereröffnung teilweise gar die Vorjahreswerte, für das Gesamtjahr 2020 resultiert aber trotz Rekordstart ein markanter Rückgang. Grafik: Thermalbad Zurzach AG
Nennwertreduktion fällt wegen hohem Verlust aus

Die Schliessungen spiegelten sich auch in den Umsätzen wider, welche mit 11.4 Mio. CHF um beinahe 20% unter 2019er Niveau zu liegen kamen. Nach der Übernahmen des Badrestaurants in die Gesellschaft flossen erstmals auch dessen Erträge in den Gruppenumsatz mit ein. Dadurch stieg aber auch der Personalaufwand auf 4.5 Mio. (+5,7%); dies trotz Kurzarbeitsentschädigung und reduziertem Betrieb. Einsparungen verzeichnete das Thermalbad Zurzach dafür bei den Energie- und Marketingkosten, welche jeweils um 13% gesenkt werden konnten. Unter dem Strich verblieb für das Aargauer Unternehmen aber dennoch ein Jahresverlust von 1.9 Mio. CHF; dies nach einem Gewinn von 0.8 Mio. im Vorjahr. Aus diesem Grund verzichtet die Thermalbad Zurzach AG auf die Ausschüttung einer Dividende, respektive auf eine Nennwertreduktion, welche in der Vergangenheit jeweils 10 CHF je Jahr und Aktie betragen hatte.

Um die Liquidität im Krisenjahr sicherzustellen, nahm die Gruppe für die Thermalbad Zurzach AG und die Thermalbad Zurzach Betriebs AG je einen Corona-Hilfskredit über 0.5 Mio. CHF auf, wobei jener der Thermalbad Zurzach AG bereits im letzten Sommer zurückbezahlt wurde. Die Thermalbad Zurzach Betriebs AG ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Thermalbad Zurzach AG und generiert mit dem Betrieb des Thermalbades, des SPA Medical Wellness Centers und des Badrestaurants den Grossteil des Gruppenumsatzes.

Schwarze Null als Ziel für 2021

Auch das laufende Geschäftsjahr wird noch nicht an vergangene Erfolge anknüpfen können. Im Januar und Februar, wohlgemerkt normalerweise zwei der frequenzreichsten Monate, blieb das Thermalbad erneut ganz geschlossen. Bis Ende Mai musste der Betrieb dann wie eingangs erwähnt auf die Aussenbereiche beschränkt bleiben, was nur einen Drittel der normalen Kapazität erlaubte. In Anbetracht dieser Umstände zu Jahresbeginn peilt die Unternehmensführung denn auch bloss ein ausgeglichenes Ergebnis für 2021 an. Immerhin hat die erfolgreiche Wiedereröffnung letzten Sommer aber gezeigt, dass die Kunden doch gerne wieder ins Thermalbad zurückkehren.

Da das Thermalbad Zurzach die Zeit während des eingeschränkten Betriebs nicht ungenutzt verstreichen liess, sondern für Investitionen nutzte, kommen die zurückkehrenden Kunden in den Genuss neuer Attraktionen. Insgesamt 1.7 Mio. CHF investierte das Thermalbad beispielsweise in die Erneuerung der Bohrturm Saunalandschaft. So setzt gemäss Geschäftsführer Dominik Keller die Bohrturm-Bar mit der gediegenen Lounge und dem komfortablen Ruheraum neue Massstäbe in der Thermalbadbranche. Ausserdem werden die Bohrturm-Saunen neu durch einen Glaslift mit der SPA-Saunalandschaft verbunden.

Komfortabel und gediegen – so beschreibt Geschäftsführer Dominik Keller die erneuerte Bohrturm Saunalandschaft mit integrierter Bar und Lounge. Bild: Thermalbad Zurzach AG
Fazit

Die Corona-Pandemie traf die Thermalbad Zurzach AG ins Mark. Der hohe Jahresverlust 2020 nach zuvor erzielten Rekordzahlen zeugt davon. Diese guten Vorjahre sorgten zumindest dafür, dass die Gruppe gut gerüstet in die Krise ging. Dennoch nahm die Gruppe zur Sicherstellung der Liquidität zwei Covid-Kredite auf, wovon einer bereits zurückbezahlt werden konnte. Auch 2021 dürfte sich aufgrund des zweiten Lockdowns aus Ergebnissicht als bescheiden erweisen. Die vom Unternehmen angestrebte schwarze Null müsste wohl als Erfolg angesehen werden. Rosiger präsentieren sich da die Aussichten für die Jahre nach 2021. Die Besucherzahlen zeigten vor der Krise nach oben, und das gesteigerte Gesundheitsbewusstsein durch die Pandemie dürfte die Nachfrage in den Bereichen Thermalbad, Wellness und Fitness nur steigern.

Vorbildlich ist die Gruppe in Nachhaltigkeitsaspekten unterwegs. So konnte sie den Heizölverbrauch bereits vor einigen Jahren von einst über einer Million Litern auf null senken und investiert kontinuierlich in die Energieeffizienz. Dazu passt auch die erneuerte Bohrturm Saunalandschaft, wo durch ein spezielles Energiemanagement der Energieverbrauch um 30% tiefer liegt als bei herkömmlichen Anlagen. Abzüge in der Nachhaltigkeit gibt es im Governance-Bereich, da die Stimmenmehrheit bei der Stiftung Gesundheitsförderung liegt. Diese ist auch an anderen Bäderbetrieben beteiligt, wodurch sich möglicherweise die Interessen nicht mit jenen der Kleinaktionäre decken.

Dies ist sicherlich auch ein Grund für die eher günstige Bewertung der Aktien der Thermalbad Zurzach AG. Diese werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt; der letztbezahlte Preis liegt bei 310 CHF. Dadurch ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 5.0 Mio. CHF, was rund 65% weniger als das ausgewiesene Eigenkapital ist. Auf diesem Kursniveau entspräche die in vergangenen Jahren vorgenommene Nennwertrückzahlung von 10 CHF je Aktie einer Rendite von attraktiven 3,2%. Da diese aber dieses Jahr ausfällt und aufgrund des erwarteten bescheidenen Ergebnisses für 2021 müssen sich Aktionäre aber wohl in Geduld üben, bevor sich das Investment bezahlt macht.

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