schweizeraktien.net – Die Woche | 16. August 2021

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Die Börsen kennen derzeit keine Atempause. Nahezu jede Woche erklimmen die grossen Indizes neue Rekorde. Selbst kleine Rückschläge, beispielsweise beim Auftreten einer neuen Corona-Mutante, werden wieder zum Kaufen genutzt. Gestützt werden die Kurse von den zumeist positiven Unternehmenszahlen. Zu Recht fragen sich Anleger, wie lange das noch gut gehen soll.

Duri Prader, CEO der Zürcher Privatbank Lienhardt & Partner, hat dazu eine klare Meinung. Seine Kunden seien derzeit noch «voll investiert», wie er uns in einem sehr lesenswerten Interview verrät. Für ihn klettern die Aktien derzeit immer noch die unter Börsianern bekannte «Wall of worry» hinauf. Und in der Tat: Ängste gibt es derzeit überall. Nicht nur die laufend neuen Corona-Mutationen, die Furcht vor explodierenden Fallzahlen und neuen Lockdowns, Inflationsängste, gestörte Lieferketten und dann natürlich die Unwetterkatastrophen. Von einem «irrationalen Überschwang» scheinen wir derzeit jedenfalls noch weit entfernt zu sein.

Vielleicht wirken diese vielen Befürchtungen wirklich dämpfend auf die Aktienkurse. Doch Vorsicht ist angebracht, denn wir wissen nicht, wann und wie schnell die optimistische Stimmung in Euphorie umschlägt – oder plötzlich kippt. Wie sich negative Nachrichten dämpfend auf zuvor stark gestiegene Kurse auswirken können, haben wir am Beispiel der Aktienkurse von Moderna und Biontech vergangene Woche gesehen. Meldungen über mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe führten zu zweistelligen Kursverlusten. Was an den Meldungen wirklich dran ist, muss sich erst noch zeigen.

Auch die mehrere Monate lang verschmähten Kryptowährungen sind wieder auf dem Vormarsch. Hier dämpften die restriktive Politik Chinas, Kritik am immensen Stromverbrauch von Bitcoin und Regulierungsängste den Kursverlauf. Doch die Krypto-Entwickler haben sich die vergangenen drei Monate, in denen die Kurse unter Druck waren, nicht verängstigt zurückgezogen, sondern an Verbesserungen ihrer Softwareprodukte gearbeitet. Dies zeigt: Sie glauben an die Zukunft des «Internet-of-Value», für welches die Blockchain-Anwendungen die Basis sind.

Ähnlich ist es bei den Entwicklern der mRNA-Technologie der erwähnten Impfstofffirmen. Auch diese Technologie könnte für andere Indikationen eingesetzt werden, wenn sie sich weiterhin als erfolgreich erweist. Übrigens ein Umstand, auf den unser Autor Karim Serrar bereits im letzten Herbst in einem Beitrag hingewiesen hat.

Für Anleger bleiben beide Bereiche daher sehr spannend. Weniger attraktiv ist weiterhin die Tourismusbranche in der Schweiz. Nach dem pandemiebedingten Lockdown folgte in diesem Jahr an einigen Orten der wetterbedingte Teil-Lockdown, wie wir vor den Sommerferien bereits einmal geschrieben haben. Nun wird auch öffentlich wieder über die finanzielle Situation der Bergbahnen diskutiert. Unseres Erachtens nach sollte die aktuelle Situation, in der wieder öffentliche Gelder für die Unterstützung der Betriebe gefordert werden, zu einem Umdenken führen. Denn in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit gibt es für die Schweizer Tourismusbranche noch viel zu tun. Dies ist erstaunlich: Denn eigentlich sägen die Touristiker seit langem an dem Ast, auf dem sie sitzen. Sicherlich ein Thema, das wir an unserem Branchentalk Tourismus vom 14. September diskutieren werden.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit starten wir auch in die kommende Woche. Als Nutzer von schweizeraktien.net erhalten Sie exklusiv die Auswertung unserer ESG-Umfrage unter den ausserbörslich auf OTC-X gehandelten Unternehmen. Soviel sei schon einmal verraten: Die Resonanz und auch die Ergebnisse haben uns positiv überrascht. Dass sich das Investieren in Nachhaltigkeits-Leader auch für Investoren lohnt, haben wir vergangene Woche in unserem Beitrag «100% Outperformance der ESG-Leader» gezeigt.

Diese Woche stehen auch noch ein Update zu den Tokenisierungs-Projekten von daura sowie ein Portfoliotalk mit Thomas Buri, Manager des Cornèr Mid- und Small Cap-Funds, auf dem Programm.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche.

Aktuelle Artikel vom schweizeraktien.net-Team




100% Outperformance der ESG-Leader

100% Outperformance der ESG-Leader

Nichts ist überzeugender an der Börse, als wenn sich Investment-Hypothesen durch die entsprechende Performance bestätigen. Unser Beitrag zu vier von uns ausgesuchten ESG-Leadern an der Schweizer Börse zeigt, wie die Bilanz nach fast zwei Jahren aussieht und wie sich die damals nicht vorhersehbare Pandemie auf den Geschäftsgang ausgewirkt hat…

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Duri Prader, CEO Lienhardt & Partner: «Die grosse Inflationsangst ist übertrieben»

Duri Prader, CEO Lienhardt & Partner: «Die grosse Inflationsangst ist übertrieben»

Bei der Lienhardt & Partner Privatbank Zürich beurteilte man die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 als temporäres Ereignis, wie uns CEO Duri Prader im Interview verrät. Daher konnten die Kunden und auch die Bank selber seither stark vom Anstieg der Aktienkurse profitieren. Nach wie vor setzt die Bank auf einen positiven Lauf der Börsen, auch wenn man vorsichtiger wird. Prader erklärt auch, warum die Bank ihren Kunden seit Anfang Jahr Direkt-Investments in Bitcoin und Ether anbietet…

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Bondpartners: Deutlich verbessertes Halbjahresergebnis

Bondpartners: Deutlich verbessertes Halbjahresergebnis

Die Bondpartners SA hat den Halbjahresgewinn mit 2.3 Mio. CHF gegenüber der Vorjahresperiode deutlich gesteigert; im ersten Halbjahr 2020 musste der Obligationenhändler noch einen Verlust von 0.32 Mio. CHF hinnehmen. Erfahren Sie im Beitrag von unserem Autor Tobias Wolff, wie Christian Plomb, CEO von Bondpartners, die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr beurteilt…

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Plaston Holding: Nur die Schwierigkeiten in der Lieferkette können noch bremsen

Plaston Holding: Nur die Schwierigkeiten in der Lieferkette können noch bremsen

Die Plaston-Gruppe aus dem St. Galler Rheintal erzielte trotz Pandemie ein hervorragendes Resultat. Den Schwung auf der Nachfrageseite kann das Unternehmen laut CFO Hansruedi Lanker mit ins laufende Geschäftsjahr nehmen. Sorgen bereiten ihm allerdings die explodierenden Frachtraten, gestiegene Rohmaterialpreise und Einfuhrzölle in den USA für Produkte aus China, wie wir in unserem Beitrag schreiben…

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Im Brennpunkt: Biotechnologie beendet Pandemie – Vakzin-Zulassungen noch 2020!

Im Brennpunkt: Biotechnologie beendet Pandemie – Vakzin-Zulassungen noch 2020!

Schon frühzeitig, das erste Mal im Juli 2020, haben wir uns intensiv mit den Impfstoffaktien beschäftigt. Zwischenzeitlich konnten sich die Aktienkurse von Biontech, Moderna und anderen Firmen vervielfachen. Unser Autor Karim Serrar hat auch die Frage gestellt, was die mRNA-Technologie sonst noch kann. Sein damaliges Fazit: Lässt sich die Geschwindigkeit und Wirksamkeit der Vakzinentwicklung übertragen, würde ein neues, ein wirklich biotechnologisches Zeitalter die Welt der Medizin revolutionieren…

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Was uns im Netz sonst noch aufgefallen ist…




cash-Interview - «Bei Biontech und Moderna kann man immer noch einsteigen»

cash-Interview – «Bei Biontech und Moderna kann man immer noch einsteigen»

Mit der Pharmaindustrie und den Zulieferern beschäftigt sich das Interview, das cash.ch mit ZKB-Analyst Michael Nawrath geführt hat. Der vor seiner Analysetätigkeit für mehr als ein Jahrzehnt praktizierende Mediziner erklärt nicht nur, warum die Aktien von Moderna und Biontech auch nach dem fulminanten Kursanstieg noch Potenzial haben. Er zeigt auch die Unterschiede zwischen Roche und Novartis auf und plädiert dafür, gerade bei Pharmaaktien nicht immer nur auf die Quartalszahlen zu schauen…

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Moderna und BioNTech korrigieren nach Hype

Moderna und BioNTech korrigieren nach Hype

Auch die Finanz und Wirtschaft widmet sich nach der Korrektur in einer aktuellen Analyse (Login notwendig) den beiden aktuell marktführenden mRNA-Impfstoffentwicklern Moderna und Biontech und gibt auf der Zeitachse einen Überblick im Rennen um Corona-Impfstoffe, das entgegen manchen Meinungen längst noch nicht beendet ist. Aus Bewertungsgründen ist die FuW für beide Aktien nach dem starken Lauf der letzten Monate weniger optimistisch als der ZKB-Analyst…

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Reserven schmelzen weg – Den Schweizer Bergbahnen geht das Geld aus

Reserven schmelzen weg – Den Schweizer Bergbahnen geht das Geld aus

Die Schweizer Bergbahnen leiden. Anders als im ersten Corona-Sommer 2020 bleiben jetzt nicht nur die internationalen Gäste weg, sondern auch die einheimischen Besucher. Das wechselhafte, teilweise auch sehr regnerische Wetter spielt hier ebenso eine Rolle wie die Möglichkeit von Schweizern, die Ferien auch wieder ausserhalb der eigenen Landesgrenzen zu verbringen. Hart getroffen hat es etwa die Pilatusbahnen mit einem Besucherrückgang um 60% im Vergleich zu 2019. An einigen Orten droht die Liquidität knapp zu werden, und geplante Investitionsprojekte müssen redimensioniert oder verschoben werden. Vieles hängt nun am kommenden Winter. derbund.ch (Login notwendig) berichtet über eine «Branche in Not», die aufgrund ihrer Systemrelevanz – zumindest für den Tourismussektor – nun nach Staatshilfen ruft… Die «Goldenen Jahre» sind vorläufig vorbei – und offenbar wurden mit Blick auf «ewiges Wachstum», vor allem auch bei den Investitionen, oft nur ungenügende Reserven für Notzeiten gebildet…

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Das Sommergeschäft kommt nicht in Fahrt

Das Sommergeschäft kommt nicht in Fahrt

Und nochmals zum Tourismus: Schweizweit sind im Vergleich zu 2019 – 2020 blieben aufgrund des Lockdowns die Anlagen bis Anfang Juni geschlossen – die Ersteintritte um 37% eingebrochen, die Umsätze um 33%. htr.ch zeigt die Veränderungen in den einzelnen Tourismusregionen im Vergleich der Monate Mai bis Juli 2021 gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019. Nicht überraschend: Die Zentralschweiz und das Berner Oberland verlieren dramatisch, während Graubünden und das Tessin – nie im Fokus des internationalen Tourismus – gegen den Trend sogar zulegen konnten…

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Poenina: Verurteilung des Firmenchefs unter den Teppich gekehrt

Poenina: Verurteilung des Firmenchefs unter den Teppich gekehrt

Der börsenkotierte Gebäudetechniker Poenina wollte die Verurteilung seines Gründers, CEO und zugleich grössten Einzelaktionärs Jean-Claude Bregy im Zusammenhang mit Vermögensdelikten unter den Teppich kehren, was die Sache noch verschlimmerte und viele Fragen aufwirft, auch zur Doppelfunktion von Poenina-VRP Marco Syfrig. Syfrig ist zugleich CEO der ebenfalls gelisteten Elektrotechnik-Gruppe Burkhalter Holding AG. nzz.ch berichtet über diesen ungewöhnlichen Fall (Login notwendig). Besonders pikant: Poenina und Burkhalter arbeiten eng zusammen, Bregy war vor seiner Tätigkeit für Poenina Mitglied der Geschäftsleitung von Burkhalter und soll in dieser Funktion ausgerechnet seinen ehemaligen Arbeitgeber gemeinsam mit einem Komplizen geschädigt haben. Und: Seit dem 1. Juni 2021 ist Thomas Syfrig neuer CFO von Poenina, zugleich Neffe von VRP Marco Syfrig. Angeblich gab es keinen geeigneteren Kandidaten. Die Frage muss erlaubt sein: Welche Rolle spielt in diesem «Fall» eigentlich Multi-Manager Marco Syfrig?…

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Warum Investoren Millionen für virtuelle Immobilien ausgeben

Warum Investoren Millionen für virtuelle Immobilien ausgeben

Der Hype um sogenannte «NFT» (non-fungible token) – auch in diesem Newsletter wiederholt ein Thema – treibt immer absurdere Blüten. Auch bei «virtuellen Immobilien» gibt es einen Boom, und die «Grundstückspreise» im digitalen Raum schiessen in die Höhe. In einzelnen virtuellen Welten haben sich die Preise für eine Parzelle 2021 im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. standard.at aus Österreich berichtet in einem lesenswerten Beitrag über diese neuen Spekulationsobjekte und erklärt, warum virtuelle Immobilien für viele offenbar zu einem attraktiven Anlageobjekt geworden sind. Wirklich nachvollziehbar ist dieser Hype für uns nicht…

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Gerhard Schröder empört über Currywurst-Aus bei VW

Gerhard Schröder empört über Currywurst-Aus bei VW

Ältere Leser mögen sich noch an «Nessie» erinnern, das legendäre Seeungeheuer vom schottischen Loch Ness, das gerne im «Sommerloch» in der Saure-Gurken-Zeit auf- und danach genauso zuverlässig wieder abtauchte. Mit der im Cervelat- und Kalbsbratwurstland Schweiz eher wenig bekannten Currywurst teutonischer Provenienz gibt es in Deutschland nun einen Nachfolger von «Nessie». Im Nachbarland schlugen in diesen Tagen die medialen Wellen sehr hoch, als bekannt wurde, dass im VW-Markenhochhaus – und nur dort! – die legendäre VW-Currywurst aus Nachhaltigkeitsgründen gestrichen werden soll. Sogar internationale Medien berichteten! VW, bekanntlich einer der weltgrössten Auto-Konzerne, meint es ernst mit der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz, so die Botschaft. Sogar der deutsche Altbundeskanzler Schröder mischte sich unter dem Hashtag #rettetdieCurrywurst in die emotional stark aufgeladene Diskussion um den «Kraftriegel für Facharbeiter» (sic!) ein, wie n-tv.de berichtet. Gerade so, als ob es in Deutschland keine dringlicheren Probleme geben würde… Klar scheint aber: «Currywurstgate» trifft den Zeitgeist…

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