Johan Utterman, Lombard Odier IM: «Logitech ist das Opfer seines eigenen Erfolgs»

Der Fonds konnte im letzten Jahr die AuMs von 425 Mio. CHF auf 654 Mio. CHF deutlich steigern

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Der Lombard Odier Investment Managers Anlageansatz des LO Funds Swiss Small & Mid Caps folgt dem Bottom-up-Prinzip und basiert auf Fundamentalanalysen, mit denen führende Unternehmen mit eindeutigen Wettbewerbsvorteilen, nachweislich erfolgreicher Geschäftsleitung, Kernkompetenzen und überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial, identifiziert werden sollen. Das Portfolio setzt sich aus rund 35 Positionen zusammen, die eine Mischung aus zyklischen Titeln sowie Wachstums- und Substanzwerten bieten.

Der von Johan Utterman, Head of Swiss Equities bei Lombard Odier Investment Managers, geführte Fonds konnte im letzten Jahr die AuMs von 425 Mio. CHF auf 654 Mio. CHF deutlich steigern. Johan Uttermann ist gebürtiger Schwede und stiess 2008 zu Lombard Odier. Foto: schweizeraktien.net

Herr Utterman, als wir vor einem Jahr das letzte Mal miteinander sprachen, war die steile Erholung der Märkte noch relativ jung. Aber es geht seither immer weiter aufwärts. Erwarten Sie eine Fortsetzung der Hausse für den Rest des Jahres?

Noch nie dagewesene geld- und fiskalpolitische Anreize haben die Aktienmärkte gestützt. Da die Zentralbanken mit der Drosselung beginnen werden, könnten sich die Märkte in nächster Zeit konsolidieren. Die Erholung seit dem Tief im März 2020 war aussergewöhnlich stark. In den letzten Tagen waren die Märkte schwach aufgrund der Bedenken chinesischer Unternehmen wie Evergrande.  Allerdings kommen die Infrastrukturausgaben in Schwung, und die Fundamentaldaten bleiben weitgehend positiv.

Ihre grösste Position ist Lindt & Sprüngli. Sie waren vor einem Jahr der Ansicht, dass die Gewinnmargen wegen der Covid-Krise aufgrund der anhaltenden Investitionen weiter unter Druck bleiben würden. Was hat zu Ihrem Meinungsumschwung geführt? Ist das Unternehmen gestärkt aus der Krise gegangen und wenn ja, warum?

Der Umsatz von Lindt & Sprüngli wuchs im ersten Halbjahr 2021 organisch um 17,4% und damit deutlich schneller als erwartet.  Ein Grund dafür waren Marktanteilsgewinne, die das Unternehmen durch kontinuierliche Ausgaben für Vertrieb und Marketing während der Pandemie erzielte.  Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Gewinnmargen gelitten haben.

Eine weiterhin grosse Position halten Sie in Logitech. Allerdings entwickelt sich der Kurs der Aktie seit Monaten bestenfalls seitwärts. Worauf führen Sie diese etwas lahme Performance zurück?

Logitech ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs.  Als Nutzniesser von Homeoffice erzielte das Unternehmen während der gesamten Pandemie ein unglaublich starkes Umsatzwachstum – sei es bei Tastaturen und Mäusen oder bei Videocalls und Gaming.  Infolgedessen machen sich die Anleger Sorgen über das künftige Wachstum, da Vergleiche mit dem Vorjahr sehr schwierig sind.  Wir erwarten kurzfristig weiterhin gute Ergebnisse, teilen aber mittelfristig einige der Wachstumsbedenken. Wir haben die Position im September aufgegeben, als die Aktie in den SMI-Index aufgenommen wurde.

Kursentwicklung der Logitech-Aktie in diesem Jahr. Quelle: six-group.com

Unternehmen, die Peptide herstellen, wie Bachem oder PolyPeptide, haben in diesem Jahr eine atemberaubende Performance hingelegt. Bachem haben Sie etwas ausgebaut, allerdings auf relativ niedrigem Niveau. Was überzeugt Sie bei Herstellern von Peptiden und Oligonukleotiden?

Chronische Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit und Krebs treiben die Nachfrage nach Peptiden an. Das Wachstum des Endmarktes von 10% erscheint daher nachhaltig. Sowohl Bachem als auch PolyPeptide wachsen dank Marktanteilsgewinnen schneller als das. Wir mögen beide Unternehmen, haben aber aus Bewertungsgründen eine grössere Position in PolyPeptide. Zum Zeitpunkt des Börsengangs wurde das Unternehmen mit einem Bewertungsabschlag von mehr als 30 % gegenüber seinem engsten Konkurrenten bewertet.

Siegfried findet man in Ihrem Portfolio unter den grössten Positionen, Lonza nicht. Dabei performt Lonza besser als Siegfried. Warum die Entscheidung für die Zofinger?

Wir mögen sowohl Siegfried als auch Lonza.  Da Lonza eine hohe Marktkapitalisierung hat, halten wir sie in den All-Cap-Strategien und nicht in den Small&Mid-Capitalization-Strategien. Wir erwarten für Siegfried ein sehr starkes zweites Halbjahr 2021. Der Endverbrauchermarkt wächst mit ca. 6%.  Ausserdem hat Siegfried zwei Produktionsanlagen von Novartis übernommen, die das Wachstum beschleunigen.  Und Mitte des Jahres begann Siegfried mit der Fertigstellung des Impfstoffs Covid-19 für BioNTech.

Kursverlauf der Siegfried-Aktie in 2021. Quelle: six-group.com

Wie sehen Sie die Entwicklung bei Zur Rose? Sind Sie weiter investiert, und wann ist hier die Decke, was die Kursentwicklung angeht, erreicht?

Wir sind nicht investiert, da wir einige Bedenken hinsichtlich der Einführung der elektronischen Verschreibungspflicht in Deutschland haben. Und wir verstehen nicht, warum Zur Rose im bisherigen Jahresverlauf um 41% gestiegen ist, während der Konkurrent Shop Apotheke nur um 3% zugelegt hat.

Welche weiteren Aktien aus Ihrem Portfolio möchten Sie besonders herausheben?

Siegfried, Bucher, Georg Fischer, Dätwyler und Comet sind die fünf grössten relativen Positionen. Bucher verzeichnete im ersten Halbjahr ein Wachstum des Auftragseingangs von 49%. Mit der Umsetzung der Aufträge wird sich das Umsatzwachstum beschleunigen und zu einem positiven Operating Leverage führen. Georg Fischer strebt mittelfristig eine Rendite auf dem investierten Kapital von 20-22% an und befasst sich mit Fragen der Nachhaltigkeit, wie z.B. dem Verlust von Trinkwasser durch veraltete Rohrleitungsinfrastrukturen und der Reduktion von CO2-Emissionen durch leichtere Fahrzeugkomponenten. Comet profitiert von einem starken Halbleiterendmarkt, und uns gefällt die neue Produktpipeline des Unternehmens, einschliesslich des RF-Generators. Dätwyler hat in den letzten Jahren in zusätzliche Produktionskapazitäten investiert. Die Auslastung dieser Kapazitäten nimmt nun zu und führt zu einem starken Umsatzwachstum und einer Steigerung der operativen Marge.

Welche Werte möchten Sie zurzeit lieber nicht anfassen?

Wir sind misstrauisch gegenüber Unternehmen mit einem undifferenzierten Produktangebot, die in einem Umfeld von Lieferkettenproblemen und Rohstoffpreisinflation ihre Preise nicht erhöhen können.

Von welcher Performance Ihres Fonds gehen Sie in 2021 aus?

Mitte September, d.h. am 16.09.2021, lag der Fonds im bisherigen Jahresverlauf um 26,75% im Plus, was einer Outperformance von 2,87% Punkten gegenüber dem SPIEX-Index entspricht. Es ist immer schwierig, die absolute Performance vorherzusagen, aber die jüngsten Interaktionen mit Unternehmen, die wir besitzen, waren positiv, sodass wir robuste Ergebnisse erwarten. Die Frage ist natürlich, wie viel davon bereits in den Aktienkursen der Unternehmen eingepreist ist. Die Outperformance im laufenden Jahr entspricht der annualisierten Performance von 3,16%, die wir in den letzten sechs Jahren (18.11.2015-16.09.2021) erzielt haben.

Herr Utterman, vielen Dank für dieses Gespräch. 

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