Bad Schinznach: Zum 100-jährigen Jubiläum gibt es wieder eine Dividende

Klink- und Bädergesellschaft schafft es 2021 zurück in die Gewinnzone

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Eingang zum Kurhotel und der Privatklink im Park in Schinznach-Bad. Bild: zvg

Vor einem Jahr sagte Hans-Rudolf Wyss an der Bilanzmedienorientierung, dass es das «schönste Geschenk» für die Aktionäre zum 100-jährigen Jubiläum der Bad Schinznach AG wäre, wenn die Bäder- und Klinikgesellschaft wieder eine Dividende wie 2019 auszahlen könnte. Dieses «Geschenk» kann der Verwaltungsratspräsident seinen Aktionären nun machen. Obwohl die Gesellschaft 2021 mit dem Umsatz von 48.7 Mio. CHF das 2019er Niveau noch nicht wieder erreichen konnte, gelang es, das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA um 62,4% auf 7.6 Mio. CHF zu erhöhen. Der konsolidierte Reingewinn von 2.25 Mio. CHF erlaubt zudem eine Dividendenausschüttung in Höhe von 52 CHF je Aktie, welche der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 18. Mai 2022 beantragen wird.

Möglich wurde diese Ausschüttung allerdings nur, weil die Bad Schinznach AG im Februar 2022 eine Fixkostenentschädigung des Kantons Aargau für die Schliessung des Bäderbereiches vom Dezember 2020 bis Mai 2021 in Höhe von 196’000 CHF zurückzahlte. Die Entschädigung habe ohnehin nur einen ganz «unwesentlichen Teil der ungedeckten Kosten» entschädigt, heisst es im Geschäftsbericht.

Bäderbetriebe litten 2021 nochmals deutlich

Dass die Bad-Schinznach-Gruppe auf diese Fixkostentschädigung verzichten konnte, liegt auch daran, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die anderen Geschäftsbereiche weniger stark als 2020 ausgefallen sind. Vor allem die Bäderbetriebe mit dem «Aquarena fun» und dem «Thermi spa» waren 2021 nochmals von den unterschiedlichen Corona-Massnahmen betroffen, sodass der Umsatz mit 6.6 Mio. CHF (- 7,1%) nochmals geringer als im Vorjahr ausfiel. Von der 10-Mio.-CHF-Umsatzgrenze, die 2019 noch erreicht wurde, war der Bäderbereich im letzten Jahr weit entfernt. Zwar waren die Bäder seit dem 31. Mai 2021 wieder komplett für die Besucher freigegeben, und auch der regnerische Sommer spielte den Bädern in die Hände. Doch die erneuten Zutrittsrestriktionen ab Herbst verhinderten eine anhaltende Erholung. Die Bäderbetriebe steuerten 2021 jedoch nur noch 13,6% zu den Gesamterlösen der Gruppe bei.

Erholung im Hotel und in den Kliniken

Wichtigster Bereich sind die Klinik- und Hotelbetriebe mit der Privatklinik im Park, dem Kurhotel im Park in Schinznach-Bad sowie der Klinik Meissenberg in Zug. In diesem Bereich konnten 2021 Nettoerlöse in Höhe von 38.9 Mio. CHF oder 79,9% der gesamten Erlöse erzielt werden. Damit lag der Umsatz im vergangenen Jahr sogar leicht über den 38.4 Mio. CHF aus 2019. Im Kurhotel im Park betrug die Auslastung nach einem schwachen Start Anfang 2021 beachtliche 73,7%. Auch die Rehaklinik in Schinznach-Bad hatte einen schwierigen Start, was vor allem auf viele verschobene Operationen zurückzuführen war. Von Juni an blieb dann die Nachfrage dauerhaft hoch. «Auf das ganze Jahr gerechnet weisen wir so wieder Belegungszahlen wie vor der Corona-Krise aus», heisst es im Geschäftsbericht. Auch in der Klinik Meissenberg erholte sich die Situation deutlich, sodass in den letzten vier Monaten des Jahres 2021 die Auslastung wieder 97% erreichte.

Stabil erwiesen sich die übrigen Ertragsquellen der Bad Schinznach AG, hier insbesondere die Miet- und Pachtzinserlöse in Höhe von knapp 2 Mio. CHF aus der Wohnüberbauung Meisenpark in Zug und dem Haus Habsburg. Erholt hat sich auch das Geschäft der Wäscherei Schwob, das im Vorjahr sehr stark unter den coronabedingten Schliessungen und der Hotel- und Gastrobranche gelitten hatte.

Kurzarbeitsentschädigungen entlasten

Auf der Kostenseite waren 2021 keine grossen Einsparungen zu verzeichnen. Im Bereich des Personalwalaufwands sorgten Kurzarbeitsentschädigungen in Höhe von knapp 1.3 Mio. für Entlastung, sodass die Bad-Schinznach-Gruppe einen konsolidierten operativen Gewinn auf Stufe EBITDA in Höhe von 7.6 Mio. CHF (Vorjahr: 4.7 Mio. CHF) ausweisen konnte. Nach 6 Mio. CHF Abschreibungen verblieb ein positives EBIT von 1.5 Mio. CHF; im Vorjahres lag der Verlust auf Stufe EBIT noch bei 1.5 Mio. CHF. Dank der Aufwertung der Beteiligung an der Wäscherei Schwob, für die 2020 noch Wertberichtigungen vorgenommen wurden, und Corona-Entschädigungen für die Privat-Klinik Im Park von 788’000 CHF und 166’000 CHF für die Klinik Meissenberg AG für das letzte Jahr erreichte der Jahresgewinn 2.253 Mio. CHF.

Zuversichtlicher Ausblick

Seitdem am 17. Februar die Corona-Massnahmen aufgehoben wurden, spürt die Bad Schinznach AG auch im Bäderbereich eine starke Erholung. «Alleine in den ersten vier Tagen nach der Abschaffung der Zertifikatspflicht konnten wir 70% mehr Besucher zählen als in der Periode eine Woche zuvor», heisst es im Geschäftsbericht. Auch in den anderen Geschäftsbereichen zeichnet sich eine Verbesserung ab. Allerdings weist die Geschäftsleitung darauf hin, dass Personal-, Sach- und Energiekosten stark ansteigen und die Kostenseite belasten würden. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von über 50 Mio. CHF und einem Ergebnis in der Grössenordnung von 2021, das wiederum aus operativer Kraft erreicht werden soll.

Auf der Investitionsseite stehen in diesem und den kommenden Jahren weitere Projekte an. So soll 2022 die Baubewilligung für den Hotelneubau in Schinznach-Bad eintreffen. Mit dem Baustart ist dann im Frühling/Sommer 2024 zu rechnen. In Zug erwartet die Gruppe einen Baubeginn nicht vor 2024. Obwohl die Parzelle in Zug zu einem grossen Teil der Bauzone mit speziellen Vorschriften zugewiesen wurde, sei mit einem noch immer länger dauernden Verfahren zu rechnen, heisst es.

Fazit

Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wyss hat Wort gehalten und wird an der 100. Generalversammlung der Bad Schinznach AG wieder eine Dividende beschliessen können. Dies ist den operativen Erfolgen zu verdanken, welche die gut diversifizierte Gesellschaft vor allem im Klinik- und Hotelbereich erzielte. Auch die Investitionen in Renditeimmobilien in den Meisenpark in Zug und das Haus Habsburg in Schinznach-Bad in den vergangenen Jahren zahlen sich nun aus: Sie stellen auch in Krisenzeiten eine stabile Einnahmequelle dar.

Ein zaghafter Aufwärtstrend ist bei der Aktie der Bad Schinznach AG erkennbar. Chart: www.otc-x.ch

Die Aktien der Bad Schinznach AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Mittlerweile hat sich der Kurs vom «Corona-Schock» im März 2020 erholt. Zuletzt wurden 2’150 CHF für eine Aktie bezahlt. Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von knapp 25 sind die Aktien zwar nicht mehr günstig, zumal auch 2022 keine grossen Sprünge beim Gewinn erwartet werden dürfen und die Investitionen einen höheren Abschreibungsbedarf nach sich ziehen. Mit 2,6% ist die Dividendenrendite jedoch attraktiv. Auch das Kurs/Buchwert-Verhältnis ist mit 1,3 nicht überrissen, denn in den Immobilien und den Landreserven dürften noch stille Reserven schlummern. Allein der Brandversicherungswert für die Gebäude wird im Geschäftsbericht mit 175.95 Mio. CHF ausgewiesen, während der gesamte Unternehmenswert (EV) lediglich bei 110 Mio. CHF liegt. Auch die Finanzierung ist mit einer EK-Quote von knapp 44% solide.

Investoren, die in Bad-Schinznach-Aktien investieren, dürfen zwar keine überproportionalen Kurssteigerungen erwarten. Hingegen erhalten sie auch in Krisenzeiten einen stabilen Anker in ihrem Portfolio, der mit 2,6% auch noch eine kleine Rendite abwirft. Hinzu kommt die für Privatanleger interessante Naturaldividende in Form von 4 Gutscheinen für je einen 2-Stunden-Eintritt in die «Aquarena fun» oder das «Thermi Spa». Die Gutscheine werden allerdings nur den an der Generalversammlung anwesenden Aktionären abgegeben.

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