Eniwa Holding: Verluste an den Finanzmärkten lassen Halbjahresergebnis einbrechen

Gesamtleistung steigt um 24,1% auf 100.2 Mio. CHF

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Das Anfang September in Betrieb genommene Dotierkraftwerk Schönenwerd verfügt über eine maximale Leistung von 950 Kilowatt und eine mittlere Jahresproduktion von fünf Gigawattstunden. Bild: eniwa.ch

Der Ukraine-Krieg und die dadurch entstandene Energiekrise fordert auch die hiesigen Kraftwerksunternehmen und Versorger. Die Aargauer Eniwa Holding versorgt die Region rund um den Kantonshauptort Aarau nicht nur mit Strom, Gas, Wärme und Kälte sowie Wasser. Sie ist mit eigenen Wasserkraftwerken an der Aare sowie Photovoltaikanlagen auch selber in der Stromproduktion tätig.

Gerade in Zeiten stark steigender Grosshandelspreise für Strom sollte dies ein Vorteil sein. Doch Eniwa wurde im 1. Semester 2022 gleich zweimal auf dem «falschen Fuss» erwischt. Einerseits blieb die eigene Energieproduktion im Wasserkraftwerk wegen tiefer Wasserstände weit unter den Erwartungen. Anderseits verzeichnete das Wertschriftenportfolio eine negative Performance von 14,6%, was zu einem negativen Finanzergebnis von 6.9 Mio. CHF führte. Unter dem Strich verblieb im 1. Semester 2022 nur noch ein Semestergewinn von 1.6 Mio. CHF. Ein Jahr zuvor lag der Gewinn bei 12.3 Mio. CHF.

Weniger Strom und Gas verkauft

Die stark gestiegenen Energiepreise führten zu einem Anstieg der betrieblichen Gesamtleistung um 24,1% auf 100.2 Mio. CHF. Allerdings gingen die gelieferten Mengen aufgrund des warmen Frühlings bei allen Energieformen zurück. So lieferte Eniwa im Berichtszeitraum nur noch 181 GWh Strom (- 8,1%) und 236 GWh Gas (- 18,9%) an seine Kunden. Auch der Absatz von Wärme und Kälte verringerte sich von 38 GWh auf 35 GWh (- 7,9%). Zudem blieben auch die gelieferten Wassermengen mit 1.5 Mio. Kubikmeter um 11,8% zurück. Nicht nur die gelieferten Energiemengen, auch der Strom- und Gasabsatz über das Netz von Eniwa lag im 1. Halbjahr 2022 um 3,3% (Strom) und 21,8% (Gas) unter den Vorjahreswerten. Die hohen Beschaffungskosten für Strom und Gas hatten, trotz der stark gestiegenen Gesamtleistung, einen negativen Einfluss auf den Deckungsbeitrag. Das Betriebsergebnis (EBIT) erreichte nur noch 6.2 Mio. CHF (Vorjahr: 10.0 Mio. CHF). In den Vorjahren konnte Eniwa zudem von einem positiven Finanzergebnis profitieren, das im 1. Halbjahr 2021 noch 4,7 Mio. CHF erreichte.

Mehr Eigenproduktion

Wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung zum Halbjahresergebnis schreibt, werde die eigene Stromproduktion immer wichtiger. Der von Eniwa selbst produzierte Strom trage zur Glättung der durchschnittlichen Beschaffungskosten bei. Es sei daher sehr erfreulich, dass nach zweijähriger Bauzeit das Dotierkraftwerk Schönenwerd Anfang September in Betrieb gegangen ist und mit jährlich 5 GWh die doppelte Leistung Strom gegenüber zuvor produziere, so Hans-Kaspar Scherrer gemäss der Medienmitteilung. Auch die Produktion aus den eigenen Photovoltaik-Anlagen übertraf mit 1.1 GWh im ersten Halbjahr das erwartete Mass. Per 1. Oktober 2022 übernimmt Gilles Studer die Funktion des CFO vom langjährigen Finanzchef Daniel Pfister, der eine neue Herausforderung annimmt.

Fazit

Mit einer Eigenproduktion von rund 30% ist Eniwa weniger abhängig von den Schwankungen an den Strombörsen als andere regionale Versorger. Allerdings zeigte sich in diesem Sommer, dass die Trockenheit und der niedrige Wasserstand die Produktion von Strom aus Wasserkraft negativ beeinflusst. Die restlichen 70% muss Eniwa am Markt einkaufen. Die höheren Beschaffungskosten können mittelfristig an die Kunden weitergegeben werden. Kurzfristig dürften diese jedoch weiterhin die Erfolgsrechnung belasten. Gleiches gilt für das negative Finanzergebnis. Erst wenn dieses wieder ins Plus dreht, wird sich dies auch entsprechend positiv im Reingewinn bemerkbar machen. Da es auch an den Finanzmärkten kurzfristig nicht nach einer Erholung aussieht, dürfte das Ergebnis von Eniwa auch im Gesamtjahr 2022 noch von den zwei Negativfaktoren belastet werden.

Im letzten Jahr kletterte der Aktienkurs von Eniwa um mehr als 50%. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Eniwa Holding befinden sich zum grossen Teil im Besitz der Stadt Aarau (94,4%) und weiterer Gemeinden. Der Streubesitz ist mit ca. 2,9% sehr gering. In den letzten drei Jahren hat der Kurs kräftig um mehr als 60% zugelegt. Zuletzt wurden auf OTC-X 1’450 CHF für eine Aktie bezahlt. Angesichts der unsicheren Aussichten spricht derzeit wenig für den Titel, denn die Dividendenrendite würde – eine gleichbleibende Ausschüttung von 20 CHF je Aktie vorausgesetzt – nur 1,5% betragen. Auch ist die Aktie mit einem Agio von rund 20% auf den ausgewiesenen Buchwert gut bewertet. Erst bei niedrigeren Kursen und einer Entspannung an den Märkten könnte der Titel auch aufgrund seiner Ausrichtung auf erneuerbare Energie wieder attraktiv werden.

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