Jungo: Elektro-Allzweckmaschinen für gepflegte Städte

Multifunktionale elektrische Nutzfahrzeuge und Arbeitsmaschinen

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1998

Altbewährt, grün und enorm vielseitig – auf das Start-up Jungo trifft alles gleichermassen zu. Die junge Firma hat schon massig Erfahrung in ihrer Branche. Und mit ihren multifunktionalen Arbeitsfahrzeugen will sie genau diese jetzt neu aufmischen.

Kindliche Freude bei jungen wie älteren Benutzern von Legobausteinen folgt gestern wie heute demselben Muster: Da ist eine Idee, ein Potenzial für eine funktionierende Maschine. Und da sind Teile, die den Traum wahr werden lassen – wenn sie nur richtig zusammengesteckt werden. Ganz nach dem sogenannten Baukastenprinzip – oder auch «modularisierten Aufbausystem». Was Kinder wie Erwachsene strahlen lässt – aus dem batteriebetriebenen Chassis wird ein Lastfahrzeug, wird eine Kehrmaschine – ist im realen Massstab nicht ganz so einfach umsetzbar wie mit Plastik-Klemmbausteinen im Kinderzimmer. Doch das Start-up Jungo, rund um seinen Gründer Nicolas Jungo, hat sich der Herausforderung angenommen. Es entwickelt und fabriziert vollelektrische Arbeitsmaschinen, die sich nach dem Legoprinzip im Nu an ihren jeweiligen Verwendungszweck anpassen können. Davon profitieren sollen Private, Unternehmen wie auch die öffentliche Hand.

Jungo integriert modernste Technik in die elektrischen Nutzfahrzeuge. Dank Cloud-Anbindung lassen sie sich ferndiagnostizieren bzw. fernwarten. Bild: zVg.
Ein Basismodul, viele Anwendungen – und optimale Integration

«Kommunaltechnik kann man nicht neu erfinden», sagt Nicolas Jungo. «Aber man kann sie perfektionieren, indem man die Maschinen auf den Kundennutzen – und auf die Welt von morgen – fokussiert.» Transporter, Kehrmaschine, Schneepflug oder Müllsammler – der «Jungo 3.0» ist eine Kombination aus einer Fahrzeugbasis, inklusive 4 Radnabenmotoren, und variabel montierbaren Anbaugeräten – je nach Saison und Verwendungszweck. Der CEO des Start-ups plant bis zu 50 Anwendungen – einige davon sind noch in der Entwicklungsphase. «Die nötige Energie liefern uns Lithium-Powerpacks, wobei zwischen einem bis vier Packs verwendet werden können», so Jungo. Wird das Fahrzeug als Kleintransporter verwendet, mögen 15 kW Leistung genügen. Steht aber zum Beispiel die Strassenreinigung an, müssen es schon 60 kW sein. Doch wie soll ein kommunales Stromnetz die nötige Leistung liefern, wenn plötzlich 20 Kehrmaschinen – zusammen mit zahlreichen Elektroautos – gleichzeitig «an die Steckdose» wollen? «Genau das wird nicht geschehen», erklärt Jungo. «Stattdessen werden die leeren Powerpacks einfach gegen volle ausgetauscht – das sogenannte ‘Battery Swapping’». Nicht nur stehe die Leistung dann sofort wieder bereit, «unsere Batterien lassen sich dank der 48-Volt-Technik auch ohne Zwischenspeicherung direkt über Solarzellen und Windräder aufladen». Die Jungo-Allzweckmaschinen befriedigen ihren Strombedarf also gemächlich und Akku schonend dann, wenn viel bzw. günstiger Strom zur Verfügung steht – und je mehr Fahrzeuge im Einsatz sind, umso stärker wirkt die Flotte als Speicher fürs Energiesystem. Eine wertvolle Eigenschaft, zumal sie direkt einen Nachteil der Solar- und Windenergie ausgleicht. Die Produktion aus Solarparks und Windkraftwerken schwankt bekanntlich stark, im Gegensatz zur Produktion aus Kohlekraftwerken und AKWs. Kann Überschussstrom jedoch abgespeichert werden, stabilisiert das einerseits die Netze – und die Energie wird zeitverschoben einem sinnvollen Verwendungszeck zugeführt.

Herzstück der Fahrzeuge sind die 48-Volt-Radnabenmotoren-Elektroantriebe und skalierbaren Powerpack-Systeme. Bild: zVg.
Sicher und nachhaltig von Produktion bis Verschrottung?

Kritik an der Elektromobilität umfasst bisweilen die Sicherheit – Stichwort «brennende Tesla-Autos» – wie auch die Nachhaltigkeit, zumal die Recyclingfrage noch einer befriedigenden Lösung harrt. «Unsere smarten Batterien setzen aber auf die nicht brandgefährliche Lithium-Eisenphosphat-Technologie», so Jungo. «Zudem geben wir das Versprechen ab, dass kein Jungo verschrottet wird. Wir nehmen die Fahrzeuge nach ihrer Lebensdauer zurück, stellen sie wieder her – und verwenden die Powerpacks anderweitig.» In ihrem «Second Life» können Fahrzeugbatterien etwa als Stromspeicher dienen – noch lange, nachdem sie als Fahrzeugaggregat ausgedient haben. Auch CO2-neutrale Herstellung mit erneuerbarem Strom sei Programm bei Jungo, «also made in Germany with Green Energy». Das Start-up mit gesamthaft 140 Arbeitsjahren Erfahrung in der Geschäftsleitung glaubt selbst an die Unverwüstlichkeit seiner Fahrzeuge, zumal es 5 Jahre Vollgarantie auf den Jungo 3.0 gibt – weltweit einmalig in der Branche der täglich arg beanspruchten Arbeitsmaschinen.

Und wie teuer ist die Pflege von Fussgängerzonen, Strassen und Wohnsiedlungen mit Jungo-Elektrofahrzeugen anstelle der üblichen Diesel-Gerätschaft? «Wenn Kunden unsere Powerpacks sowie für sie passende Aufsätze mieten statt kaufen, fahren sie vom ersten Tag an günstiger als mit Verbrennern», erklärt Nicolas Jungo. Zudem sei immer die neuste Akku-Technologie in die Geräte integriert – sobald dort technische Fortschritte verzeichnet würden. «Der Jungo 3.0 lässt sich auch per App ferndiagnostizieren und sogar fernwarten, was Nerven wie Kosten spart». Viel Wartung werde indes nicht anfallen, zumal die Maschinen keine hydraulischen Schnittstellen hätten und nie einen Ölwechsel benötigten.

An der IFAT 2022, der grössten Umwelttechnologie-Fachmesse, wurde der Jungo 3.0 präsentiert. Das Versprechen: neue ökologische und technische Massstäbe setzen. Bild: zVg.
Grosse deutsche Städte interessiert, frisches Kapital benötigt

Die ersten Jungo-3.0-Fahrzeuge werden im Frühjahr 2023 ausgeliefert, ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz in Deutschland ist schon vorhanden. Die Stadt Köln hat bereits eine Testphase mit 50 Maschinen gestartet, andere grosse Städte sind interessiert. «Das gesamte Marktpotenzial in Europa schätzen wir auf 4,5 Milliarden Euro», so Jungo – bis 2025 will das Start-up einen Umsatz von 150 Mio. EUR vorweisen (EBITDA 2024: 7 Mio. EUR / 2025: 24 Mio. EUR). Schon Ende 2023 will Jungo in die Profitzone einfahren, «der aktuelle Auftragsbestand von 20 Mio. EUR reicht dafür beinahe aus». Bis Mitte 2023 möchte sich die Firma nun über die daura-Plattform mit ca. 7 Mio. EUR frischem Kapital eindecken, um die Produktion der Fahrzeuge zeitgerecht hochfahren zu können. Auch könnten die Partizipationsscheine in Zukunft über den digitalen Marktplatz SME|X handelbar sein; das Listing dort wird nach Informationen von Jungo angestrebt.

Was sind die Risiken für den Investment Case rund um die elektrisch-nachhaltigen Allzweckmaschinen? CEO Nicolas Jungo räumt selbst ein, dass die Beschaffung von Bauteilen – Elektronikkomponenten sowie Kunststoffe – in der aktuellen geopolitischen Situation eine Herausforderung darstelle – sowohl in Bezug auf die verfügbaren Stückzahlen als auch auf die bezahlten Preise. Zudem muss dem Start-up eine schnelle und überzeugende Marktdurchdringung gelingen, zumal die viel finanzstärkere, aber innovationsärmere Konkurrenz an der letzten Fachmesse, Ende Mai 2022, «Lunte gerochen» haben dürfte. Weniger Gefahr sieht Jungo aus dem Reich der Mitte, obwohl China gerade bei den PKWs zur ernsten Konkurrenz für Tesla und Konsorten heranwächst. «Der Markt der Arbeitsfahrzeuge ist hingegen voll in europäischer Hand», sagt der CEO. «Und falls uns China wider Erwarten wirklich kopieren könnte, würden sie dabei kaum günstiger sein.»

Fun Fact: Die arrivierten Branchenkenner in der Geschäftsleitung des Start-ups blicken gesamthaft auf 140 Jahre Arbeitserfahrung zurück. Dazu Nicolas Jungo lapidar: «Wir sind eben ein waschechtes Altherren-Start-up».

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