Manuel Gygax, Stefan Fuhrer, BEKB: «Bei Small & Mid Caps ist ein breit diversifiziertes Portfolio entscheidend»

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Der Fonds BEKB Aktien Schweiz Small & Mid Caps investiert in Aktien und Beteiligungspapiere von mittleren und kleinkapitalisierten Gesellschaften, die im SPI EXTRA® enthalten sind. Aus Diversifikationsüberlegungen werden die Gewichtungen im Portfolio auf 8% je Unternehmen beschränkt.

Die Portfolio-Manager Manuel Gygax und Stefan Fuhrer zeichnen verantwortlich für den Fonds BEKB Aktien Schweiz Small & Mid Caps. Bild: schweizeraktien.net

Der BEKB Aktien-Schweiz-Investitionsansatz besteht aus einer Kombination von quantitativer und qualitativer Titelselektion sowie einem umfassenden Risikomanagement. Im quantitativen Teil werden statistisch signifikante und ökonomisch begründbare Renditetreiber – unterteilt in die Faktorgruppen Value, Quality und Momentum – eruiert und übergewichtet. Das daraus resultierende faktoroptimierte Portfolio wird auf Einzeltitelebene einer Fundamentalanalyse unterzogen. Die systematische Kontrolle des relativen Risikos, eine höhere Diversifikation sowie eine tiefere ex-ante-Volatilität als der Vergleichsindex bilden das defensive Fundament des Investitionsansatzes.

Der Fonds mit einem Volumen von 164.2 Mio. CHF wird von den Portfoliomanagern Manuel Gygax, Stefan Fuhrer und Florian Sutter geführt.

Herr Gygax, Herr Fuhrer, der Krieg in der Ukraine, die stark anziehende Inflation: Inwieweit haben Sie diese beiden Entwicklungen in Ihrem Anlageverhalten beeinflusst?

Stefan Fuhrer: Beides sind latente Unsicherheitsfaktoren, welche weiterhin im Raum stehen. Die daraus resultierenden höheren Zinsen und die nachlassende Wirtschaftsentwicklung haben die Rahmenbedingungen für Aktienanlagen, insbesondere für zyklische Sektoren, deutlich eingetrübt. Es ist davon auszugehen, dass die Gewinnerwartungen noch weiter gekürzt werden müssen. Wir haben das Portfolio schrittweise defensiver aufgestellt. Allerdings kommt es in solch unsicheren Phasen auch immer wieder zu Übertreibungen, welche Chancen bieten. So haben wir qualitativ gute Werte, welche aus unserer Sicht zu stark unter Druck kamen, ebenfalls schrittweise aufgebaut.

Als wir vor einem Jahr das letzte Gespräch geführt haben, verwiesen Sie darauf, dass der Fonds, der einen Multifaktor-Ansatz verfolgt, in Zeiten steigender Kurse eher underperformed, dafür aber gut aufgestellt ist, sollten die Kurse fallen. Nun haben wir in 2022 genau dies beobachten können: fallende Kurse auf breiter Front. Sind Sie mit Ihrer Performance, die die der Benchmark ytd leicht übertrifft, zufrieden?

Manuel Gygax: Insgesamt sind wir zufrieden. Wir haben in der starken Aufwärtsphase vom letzten Jahr mit dem SPI Extra mithalten können und verlieren in diesem Jahr bis jetzt weniger. Entsprechend hat sich unser Faktormodell in zwei sehr unterschiedlichen Marktphasen bewährt.

Sie haben rund 60 Titel im Portfolio. Wie behalten Sie den Überblick über Ihre Engagements bei dieser relativ grossen Zahl an Einzelpositionen?

Manuel Gygax: Wie gesagt, steuern wir unser Portfolio primär über unser Faktormodell. Die Faktorrankings für die Faktoren Qualität, Momentum und Value berechnen wir einmal pro Woche neu. Mit Hilfe einer quantitativen Optimierung wird ein Portfolio konstruiert, welches dem Vergleichsindex in allen drei Parametern überlegen ist. Natürlich erfolgt auch eine Fundamentalanalyse. Diese ist aber nachgelagert und ist insbesondere bei den Positionen mit grösseren Abweichungen zum Index relevant. Entsprechend können wir den Überblick gut behalten. Ausserdem ist es unserer Meinung nach insbesondere im Small- und Midcap-Segment entscheidend, ein breit diversifiziertes Portfolio ohne grosse Klumpenrisiken zu halten.

Unter den 10 grössten Positionen in Ihrem Fonds haben sich deutliche Umschichtungen ergeben. Viele Titel, die vor einem Jahr noch in den Top Ten waren, sind da jetzt nicht mehr vorhanden. Welche Strategie liegt den Wechseln zugrunde?

Stefan Fuhrer: Wie bereits angesprochen, haben wir unser Portfolio schrittweise defensiver ausgerichtet. D.h., wir haben sehr zyklische Aktien teilweise abgebaut und im Gegenzug Werte aus weniger konjunktursensitiven Branchen aufgebaut. Dies widerspiegelt sich teilweise auch in der Zusammensetzung der grössten Positionen des Fonds. Es gab aber auch Umschichtungen aus anderen Überlegungen. So bauten wir beispielsweise die Straumann-Position aus, weil wir den Kursrückgang angesichts der langfristigen Perspektiven des Unternehmens als übertrieben erachten. Im Gegenzug haben wir das Übergewicht in der BKW-Aktie nach der relativ starken Entwicklung etwas reduziert und Gewinne mitgenommen.

Die SGS SA wurde neu in den SPIex aufgenommen, während Sonova in den SMI aufstieg. Wie wirkte sich dies auf Ihr Portfolio aus und wieso haben Sie die SGS praktisch mit dem gleichen Gewicht wie Sonova ins Portfolio aufgenommen?

Stefan Fuhrer: Der SPI Extra bildet für unseren Fonds das Anlageuniversum. Wir verzichten bewusst darauf, uns ausserhalb dieses Universums zu bewegen. Dies hat uns nach dem Entscheid der Indexkommission, neu Sonova statt SGS in den SMI aufzunehmen, einerseits dazu bewogen, die Position Sonova zu verkaufen. Andererseits sind wir auch vom Geschäftsmodell von SGS, trotz teilweiser zyklischer Komponenten, sehr überzeugt. Unser Faktormodell zeigte für beide Werte ähnlich gute Parameter an, und auch aus ESG-Betrachtung schneiden beide überdurchschnittlich ab. Entsprechend haben wir Sonova durch SGS ersetzt.

In welchen Positionen weichen Sie am stärksten vom Vergleichsindex ab, und inwiefern haben sich diese Positionen im Vergleich zu vor einem Jahr verändert?

Manuel Gygax: Drei der grössten Übergewichte halten wir in BKW, Barry Callebaut und Galenica. Während wir bei Galenica und BKW teilweise unsere Positionen etwas reduziert und Gewinne mitgenommen haben, haben wir Barry Callebaut weiter ausgebaut. Alle drei sind aus unserer Sicht defensive Werte, sodass eine deutliche Übergewichtung im aktuellen Umfeld für uns weiterhin Sinn macht. Vor einem Jahr waren die grössten Übergewichte noch vermehrt in zyklischen Aktien wie Bossard oder Kardex. In diesen Positionen sind wir immer noch übergewichtet, haben diese jedoch reduziert. Wir gehen aber davon aus, dass wir in den kommenden Monaten noch die Gelegenheit bekommen werden, unser Portfolio wieder etwas zyklischer auszurichten.

Welche Positionen in Ihrem Portfolio möchten Sie herausstreichen?

Stefan Fuhrer: Neben Galenica und BKW hat uns insbesondere auch Huber & Suhner viel Freude bereitet. Das gleiche gilt für Ypsomed. Beide Unternehmen sind in attraktiven Märkten gut positioniert. Die beiden Aktien schlugen sich in einem schwierigen Marktumfeld sehr gut. Ebenso gilt es, die Kantonal- und Regionalbanken wie die St. Galler Kantonalbank, die LLB oder die Aktien der Berner Kantonalbank (BEKB) zu erwähnen. Aufgrund des defensiven Geschäftsmodells und der steigenden Zinsen lieferten diese Aktien in diesem Jahr einen positiven Return.

Welche Titel in Ihrem Portfolio haben Sie bezüglich Performance enttäuscht?

Stefan Fuhrer: Enttäuscht ist aus unserer Sicht das falsche Wort. Sicherlich haben die Übergewichte in Vetropack und Dätwyler nicht gerade positiv zur relativen Performance beigetragen. Das aktuelle Umfeld mit dem Krieg, der hohen Inflation und der befürchteten Energiemangellage hat die beiden Unternehmen überdurchschnittlich negativ beeinflusst. Wir sind aber weiterhin von deren langfristigen Perspektiven überzeugt.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten, und wie antizipieren Sie die nach wie vor bestehenden weitreichenden Unsicherheiten, was Ihre Anlagestrategie betrifft?

Manuel Gygax: Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft weiter abschwächt und die Gewinnerwartungen weiter reduziert werden müssen. Dies verheisst kurzfristig nichts Gutes für die Aktienmärkte. Andererseits haben viele Werte bereits deutlich korrigiert und sind aus mittelfristiger Sicht bereits wieder attraktiv. Eine defensive Grundhaltung ist unserer Meinung nach weiterhin angebracht, dies aber, ohne dabei eine zu extreme Positionierung einzugehen. Sich bietende Opportunitäten in Form von Übertreibungen versuchen wir gezielt auszunutzen.

Herr Gygax, Herr Fuhrer, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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